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Dispersion - Das Feuer von Edelsteinen



Die wahre Schönheit vieler Edelsteine zeigt sich in einigen Fällen erst im geschliffenen Zustand. Oft wirken die Rohsteine unscheinbar, doch mit dem Schliff werden optische Eigenschaften zum Vorschein gebracht, die im naturbelassenen Material verborgen bleiben. Dabei fällt auf, dass manche Edelsteine ein besonders lebhaftes Farbspiel zeigen, während andere vergleichsweise ruhig wirken. Dieses sogenannte Feuer ist keine Frage subjektiver Wahrnehmung, sondern beruht auf einer klar definierten physikalischen Eigenschaft: der Dispersion.



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Dispersion – Ein Überblick


Dispersion

Dispersion: In den Kristall einfallendes Licht wird beim Gang durch den Stein in die Spektralfarben zerlegt.

Dispersion

Der Begriff Dispersion stammt aus dem Lateinischen (dispergere) und wird mit Zerstreuung oder Aufspaltung übersetzt. In der Physik wurde die Vokabel für ein spezifisches optisches Phänomen übernommen: die Zerlegung von Licht in die Spektralfarben beim Durchgang durch einen transparenten Körper.

Trifft weißes Licht auf einen Kristall, so werden die farbigen Anteile unterschiedlich stark gebrochen. Beim Durchgang durch das Mineral fächern diese sich auf und treten schließlich als regenbogenfarbenes Aufblitzen wieder aus – ein Effekt, der in der Gemmologie als Feuer bezeichnet wird.

Die Dispersion ist nicht nur Edelsteinen vorbehalten. Auch andere Objekte verfügen über Dispersionsspektren die verschieden stark ausgeprägt sind und mittels Refraktometer technisch bestimmt werden, das die Wellenlängen, d.h., die Frequenz der Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichts in einem Gegenstand, wiedergibt.

Die Dispersion ist eine dimensionslose Größe, die über die Auswertung der sogenannten Fraunhofer’schen Linien ermittelt wird. Dabei handelt es sich um charakteristische Absorptionslinien im Sonnenspektrum. In der Mineralogie konzentriert man sich bei der Bestimmung der Dispersion in der Regel auf die Linien B und G, die im Wellenlängenbereich von 686,719 nm (B-Linie) bis 430,790 nm (G-Linie) liegen. Diese Messgröße wird als BG-Dispersion bezeichnet.


Das Feuer von Edelsteinen

Jeder Edelstein bzw. jedes Mineral besitzt eine individuelle Dispersion, die als mineralspezifische Kennzahl die Bestimmung erleichtert und hilft, Verwechslungen mit optisch ähnlichen Mineralien auszuschließen. Die unterschiedlichen Wellenlängen des weißen Lichts werden beim Durchgang durch einen Kristall nicht gleich stark gebrochen, weshalb jedes Mineral ein charakteristisches Dispersionsverhalten aufweist. Andere Mineralien hingegen zeigen aufgrund der Undurchsichtigkeit keinerlei Dispersion (siehe Tabelle).

Die höchste Dispersion unter allen Mineralien weist Zinnober/Cinnabarit (0,40) auf, die Dispersion von Diamanten beträgt 0,044 und ist damit geringer als die der Diamant-Imitationen Fabulit mit 0,19 oder Zirkonia mit 0,065.

Neben der spezifischen Dispersion spielen auch strukturelle und optische Eigenschaften eine entscheidende Rollen. Farbige und farblose Kristalle, trübe und kristallklare Steine sowie geschliffene Mineralien und Rohsteine unterscheiden sich erheblich in der sichtbaren Intensität des Feuers. So ist die Dispersion eines milchig-durchscheinenden, ungeschliffenen Minerals deutlich geringer als die eines facettierten, farblosen und transparenten Edelsteins, bei dem das Licht mehrfach gebrochen und in seine Spektralfarben aufgefächert wird.


Refraktometer

Spektrometer (Quelle: Gemstones von Smith, 1912)


Aus diesem Grund zählt das handwerkliche Können von Edelsteinschleiferinnen und Edelsteinschleifern zu den höchsten Disziplinen des Edelsteinhandwerks. Erst ein präzise ausgeführter Schliff, der sowohl die korrekte Anzahl und Anordnung der Facetten als auch harmonische Proportionen berücksichtigt, ermöglicht es, die optischen Eigenschaften eines Steins voll zur Geltung zu bringen. Von besonderer Bedeutung ist dabei, dass die Facetten sauber ausgearbeitet sind, sich weder überschneiden noch gegenseitig abkappen. Ein Aspekt, der insbesondere bei Mineralien mit hoher Dispersion entscheidend ist.

In der Gemmologie bzw. im Zusammenhang mit Echtsteinschmuck ist allerdings weniger der physikalische Begriff der Dispersion gebräuchlich als vielmehr die anschauliche Bezeichnung Feuer, wobei der Wert von Edelsteinen um so höher eingestuft wird, desto ausgeprägter die Dispersion bzw. das Feuer ist.


Tab.: Dispersion ausgewählter Mineralien, Synthesen und Imitationen, BG-Dispersion
MineralDispersion
Achat (Quarz) keine
Achroit (Turmalin) 0,017
Alabaster 0,033
Albit (Feldspat) 0,012
Alexandrit 0,015
Amethyst (Quarz) 0,013
Almandin (Granat) 0,027
Amazonit (Feldspat) keine
Anatas 0,213 bis 0,259
Andalusit 0,016
Andradit (Granat) 0,057
Apatit 0,013
Aquamarin (Beryll) 0,014
Aventurin (Quarz) 0,013
Azurit keine
Baryt 0,016
Benitoit 0,046
Bergkristall (Quarz) 0,013
Beryll 0,014
Beryllonit 0,010
Brasilianit 0,014
Brookit 0,131
Calcit 0,008 bis 0,017
Cerussit 0,055
Chalcedon (Quarz) keine
Chrysoberyll 0,015
Chrysopras (Quarz) keine
Citrin (Quarz) 0,013
Coelestin 0,014
Cordierit 0,017
Danburit 0,017
Demantoid (Granat) 0,057
Diamant 0,044
Diopsid 0,017 bis 0,020
Dioptas 0,036
Dravit (Turmalin) 0,017
Elbait 0,017
Epidot 0,030
Euklas 0,016
Fabulit 0,190
Feldspat 0,012
Fluorit 0,007
Gips 0,033
Goshenit (Beryll) 0,014
Grossular (Granat) 0,020
Heliodor (Beryll) 0,014
Hemimorphit 0,020
Hessonit (Granat) 0,027
Hiddenit (Spodumen) 0,017
Hyazinth (Zirkon) 0,039
Indigolith (Turmalin) 0,017
Iolith 0,017
Jade keine
Jargon (Zirkon) 0,039
Jaspis (Quarz) keine
Kornerupin 0,018
Korund 0,018
Kryolith 0,024
Kunzit (Spodumen) 0,017
Kyanit 0,020
Labradorit 0,019
Lapislazuli keine
Leukosaphir (Korund) 0,018
Malachit keine
Moissanit, synth. 0,104
Mondstein (Feldspat) 0,012
Moosachat (Quarz) keine
Morganit (Beryll) 0,014
Obsidian 0,010
Orthoklas (Feldspat) 0,012
Peridot (Olivin 0,020
Phenakit 0,015
Prasiolith (Quarz) 0,013
Pyrit keine
Pyrop (Granat) 0,022
Quarz 0,013
Rauchquarz (Quarz) 0,013
Rhodochrosit 0,015
Rhodolith (Granat) 0,026
Rosenquarz (Quarz) 0,013
Roter Beryll (Beryll) 0,014
Rubellit (Turmalin) 0,017
Rubin (Korund) 0,018
Rutil 0,28
Saphir (Korund) 0,018
Schörl (Turmalin) 0,017
Schwefel 0,155
Skapolith 0,017
Sillimanit 0,015
Smaragd (Beryll) 0,014
Smithsonit 0,014 bis 0,031
Sodalith 0,018
Sphalerit/Zinkblende 0,156
Spinell 0,020
Spodumen 0,017
Tansanit (Zoisit) 0,030
Tigerauge (Quarz) 0,013
Titanit 0,051
Topas 0,014
Türkis keine
Turmalin 0,017
Thulit 0,03
Uwarowit (Granat) 0,027
Vanadinit 0,202
Verdelith (Turmalin) 0,017
Vesuvian 0,019 bis 0,025
Wulfenit 0,203
YAG 0,028
Zinnober 0,40
Zirkon 0,039
Zirkonia 0,065
Zoisit 0,030


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Quellen:


Letzte Aktualisierung: 05.01.2026



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