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Mondstein

mondstein Foto
Mondstein-Cabochon

Inhaltsverzeichnis Mondstein


Mondstein = Aduleszierender Orthoklas

Eine der ältesten schriftlichen Überlieferungen des Begriffs Mondstein geht auf den niederländischen Schriftsteller Levinus Hulsius (1550 bis 1606) zurück. In dem von ihm veröffentlichten Deutsch-Italienischen Wörterbuch ist unter dem Eintrag pietra lunaria die Übersetzung Mondstein zu finden.
Die weitere Recherche zeigt jedoch, dass Mondstein zu diesem Zeitpunkt bis weit ins 18. Jahrhundert hinein vielmehr ein Sammelbegriff für "einen weiß-glänzenden und spiegelichten Stein" (Minerophilus; 1743) war, als dass Mondstein nach heutigem Verständnis gemeint war.

Das erklärt auch, warum die genauere Beschreibung von Mondstein in historischen Mineralogiebüchern mit vielen verschiedenen Namen verknüpft ist, wie zum Beispiel "Sonnenstein, zeilonischer Opal, Wasseropal, durchsichtiger Feldspath, Fischauge, Girasole der Italiener" (Krünitz; 1773) geführt.

Sehr lange wurde Mondstein von den Gelehrten zudem als eine Varietät von Opal angesehen, insofern "sein Opalisiren, indem er in einer gewissen Richtung gegen das Licht gehalten, stellenweise einen Silber- oder Perlmutterschein von sich wirft" (Krünitz; 1773), daher auch der veraltete Begriff "opalisierender Feldspat".

Dass Mondstein und Opal zwei verschiedene Mineralien sind, bewiesen Untersuchungen der chemischen Bestandteile von Mondstein damals führerender Mineralogen, wie bspw. Abraham Gottlob Werner, Axel Kronstedt oder Johann Wilhelm Widemnann, die allein aufgrund der äußeren Kennzeichen von Mondstein die Verwandtschaft zum Feldspat sahen.

Der Name Mondstein wiederum geht auf den blau-weißen Schimmer des Minerals zurück, der an die hell erleuchtete Mondoberfläche erinnert.


Eigenschaften von Mondstein

Mondstein ist ein Silikatmineral mit der chemischen Zusammensetzung K(AlSi3O8).
Innerhalb der Silikatmineralien zählt Mondstein zu den Feldspäten, im Speziellen zu den Kalifeldspäten und wird noch konkreter als eine Varietät von Orthoklas definiert.

Mondstein kristallisiert dem monoklinen Kristallsystem folgend. Die Kristalle von Mondstein sind prismatisch, säulig oder dicktafelig (spatig); mitunter auch zu Zwillingen miteinander verwachsen. Die Aggregate von Mondstein erscheinen körnig oder massig.

Mondsteine zeichnen sich durch eine durchsichtige bis durchscheinende Transparenz aus, der Glanz perlmutt- oder glasartig mit bläulichem Schimmer. Die Spaltbarkeit der Orthoklas-Varietät ist vollkommen, der Bruch ist uneben bis muschelig-spröde.

Die Mohshärte von Mondstein beträgt 6 bis 6,5 bei einer Dichte von 2,56 bis 2,58 g/cm3.


Die Farbe von Mondstein

Die Farbe von Mondstein variiert zwischen farblos, weiß, gelb (gelegentlich auch Edelorthoklas genannt), pfirsischfarben, rosa, grau als Grundfarbe und in seltenen Fällen auch grün und braun.

Das gemeinsame Merkmal aller Mondsteine ist aber der bläulich-weiß, leicht silbrig wirkende Schimmer auf der Steinoberfläche, oder wie der Mineraloge Cornelius Doelter y Cisterich (1850 bis 1930) es beschrieb: "einen sehr schönen bläulichen, silberähnlichen, an Mondlicht erinnernden Lichtschein auf etwas schwach milchiger bis gelber Grundmasse" - eine Folge der Lamellenstruktur im Mineral, die sich bei Lichteinfall durch Lichtbrechung und Streuung in Form eines bläulich-weißen Schimmerns äußert (sog. Adulareszenz).

Die Strichfarbe von Mondstein ist trotz der Farbvielfalt stets weiß.

Entstehung und Verbreitung von Mondstein

Dem Alchimisten Johann Joachm Becher (1635 bis 1682) zufolge "hält (Mondstein) die Bildung des Mondes in sich". Trotz des Namens gibt es keinen Zusammenhang zwischen der Entstehung bzw. dem Ursprung von Mondstein und dem Mond.

Genau wie andere Feldspäte kristallisiert Mondstein aus magmatischen Restschmelzen aus (Näheres siehe: Die Entstehung von Mineralien).

Nennenswerte Mondstein-Vorkommen befinden sich u.a. in Larvik und Iveland/Norwegen, Niederschlesien/Polen, Nieder- und Oberösterreich, Tirol/Österreich, Myanmar, Jharkhand/Indien, Queensland/Australien sowie an der Ost- und Nordostküste der USA.


Verwendung und Bedeutung von Mondstein

Mondstein und Schmuck

Mondstein wird hauptsächlich zu Schmuck verarbeitet.
Um das Schillern bzw. die Adulareszenz des Minerals zu betonen, werden Mondsteine insbesondere zu Trommelsteine, Donuts, Perlen und Cabochons geschliffen. Durch die glatte, ebene Oberfläche kommt die Adulareszenz von Mondsteinen bestmöglich zur Wirkung.
Andere Schliffe, die sich durch zahlreiche Facetten auszeichnen, werden bei Mondsteinen seltenst angewendet. Der Grund: Mondstein ist zu spröde und zu splitternd in der Verarbeitung.

Der Vorgang des Schleifens fällt bei Rohsteinschmuck weg. Die naturbelassenen, unbehandelten Steine werden nicht geschliffen oder poliert; vielmehr wird der ursprüngliche, rohe Mondstein mittels Zargen- oder Krappenfassung fest ein Ohrringe, Kettenanhänger oder Ringe eingefasst.

Mondsteinschmuck in Form von Ketten, Anhängern, Steinen in Ringen und Ohrringen, Armbändern ist deshalb mit Vorsicht zu behandeln, damit der Stein nicht beschädigt wird.


Heilstein Mondstein

Daneben wird Mondstein als Heilstein verkauft, der bei zahlreichen seelischen und körperlichen Krankheiten Abhilfe verspricht. Ein Blick in die historische Literatur zeigt allerdings, dass Mondstein in der Vergangenheit im Gegensatz zu anderen "Medicinalsteinen" oder den Lapides quinque pretiosi von keinerlei Bedeutung war.
In klinischen Untersuchungen konnte die Heilwirkung von Mondstein und anderen Mineralien in der Funktion als Heilstein zudem nicht bewiesen werden.


Mondstein und Selenit

Bisweilen wird Mondstein mit dem Mineral Selenit verwechselt.

Der Grund: der aus dem Griechischen stammende Name Selenit wird mit Mondstein übersetzt.
Mineralogisch unterscheiden sich Mondstein und Selenit deutlich voneinander.
Selenit ist eine Varietät von Gips und der Zusammensetzung nach ein kristallwasserhaltiges Sulfatmineral. Mondstein hingegen ist ein Silikatmineral und zählt zur Gruppe der Feldspäte.

Neben der Zusammensetzung ist die Härte ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal: Selenit ist mit einer Mohshärte von 1,5 bis 2 weicher als Mondstein mit einer Härte von 6 bis 6,5.


Mondstein kaufen - Wichtige Hinweise

Mondsteine, die sich durch eine farblose bis weiße Grundfarbe sowie ein intensives blau-weißes Schimmern und eine hohe Reinheit auszeichnen, gelten als besonders wertvoll. Einschlüsse von anderen Mineralien oder Gasen wirken sich nachteilig auf das mondlichtartige Schimmern von Mondsteinen aus. Die beste Qualität bieten Mondsteine, die aus Indien stammen, was sich entsprechend im Preis der Mondsteine niederschlägt.

Vorsicht beim Kauf von Mondsteinen ist geboten, wenn die Rede von schwarzen, blauen, weißen Mondsteinen oder Regenbogenmondstein und Kanadischem Mondstein ist. Hierbei handelt es sich um Handelsnamen anderer Mineralien, d.h. hinter den Bezeichnungen stehen andere Mineralien als Mondsteine, die durch den Namen Mondstein scheinbar an Wert gewinnen.

Tabelle: Handelsnamen von Mineralien, die keine Mondsteine sind
MineralHandelsname
Chalcedon
Dunkler Labradorit
Weißer Labradorit
Albit
  • Kanadischer Mondstein



Nachweis von Mondstein

Neben Imitationen können Mondsteine mit einer Reihe weiterer Mineralien verwechselt werden, darunter zum Beispiel Milchopale, Albit, Chalcedon und weißer Labradorit
Eine Möglichkeit, ähnlich aussehende Mineralien von echten Mondsteinen zu unterscheiden ist die Prüfung auf Fluoreszenz. Mondstein fluoresziert unter langwelligem UV-Licht blau und unter kurzwelligem UV-Licht erscheint Mondstein orange und blau. Wird Mondstein zudem Röntgenstrahlen ausgesetzt, dann leuchtet das Mineral weiß bis violett auf.


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Auch interessant:


Quellen:

  • Hulsius, L. (1630): Mondstein. IN: Dictionarium Teutsch-Italiänisch und Italiänisch-Teutch
  • Becher, J. J. (1680): Mondstein. IN: Chymisches Laboratorium oder unter-erdische Naturkündigung
  • Minerophilo (1743): Mondstein. IN: Neues und wohleingerichtetes Mineral- und und Bergwercks- LEXICON. Worinnen nicht nur Alle und iede beym Bergwerck, Schmeltz-Hütten, Brenn-Hause, Saiger-Hütten, Blau-Farben-Mühlen, Hammerwercken [et]c. vorkommende Benennungen, sondern auch derer Materien, Gefäße, Instrumenten und Arbeits-Arten Beschreibungen enthalten, Alles nach der gebräuchlichen Bergmännischen Mund-Art, so wohl aus eigener Erfahrung, als auch den bewehrtesten Schrifftstellern mit besondern Fleiß zusammen getgragen Und In Alphabetische Ordnung zu sehr bequemen Nachschlagen gebracht
  • Krünitz, J. G. (1773): Mondstein. IN: Oeconomische Encyclopädie oder Allgemeines System der Land-, Haus- und Staats-Wirthschaft in alphabetischer Ordnung · Band 93
  • Kronstedt, A. und Werner, A. G. (1780): Mondstein. IN: Axel von Kronstedts Versuch einer Mineralogie
  • Gmelin, J. F. (1790): Mondstein (Adularia). IN: Grundriß der Mineralogie
  • Widenmann, J. F. W. (1794): Mondstein. Adularia. IN: Handbuch des oryktognostischen Theils der Mineralogie
  • Doelter y Cisterich, C. A. (1893): Mondstein. IN: Edelsteinkunde. Bestimmung und Unterscheidung der Edelsteine und Schmucksteine. Die künstliche Darstellung der Edelsteine
  • Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
  • Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
  • Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
  • Okrusch, M. und Matthes, S. (2013): Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg
  • Schumann, W. (2020): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten 1900 Einzelstücke. BLV, ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH
  • www.mindat.org - Moonstone

Autor: (steine-und-minerale.de)

Letzte Aktualisierung: 17.02.2025

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