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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 26.03.2024


Chalcedon

Chalcedon - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: chalcedony | französisch: calcédoine



chalzedon - Mineral und Kristalle
Chalcedon-Trommelstein

Inhaltsverzeichnis Chalcedon


Chalcedon und eine antike Stadt in der Türkei

Die älteste Beschreibung des Minerals Chalcedon geht auf den römischen Universalgelehrten Plinius dem Älteren (23 bis 79) zurück, der Chalcedon in seiner "Naturalis historia" erwähnt.
Der Name Chalcedon wiederum ist eine Anspielung des historischen Vorkommens von Chalcedon im namensgebenden Kalchedon, heute Kadiköy/Istanbul, in der Türkei.


Eigenschaften von Chalcedon

Chalcedon ist mit der chemischen Zusammensetzung SiO2 ein Mineral der Klasse der Oxide, oder wie der Mineraloge Friedrich Hausmann (1782 bis 1859) im Jahr 1847 schreibt "krystallisierte Kieselsäure". Innerhalb der Klasse der Oxidmineralien handelt es sich bei Chalcedon um einen Vertreter der Quarzgruppe (kurz Quarz), zu der beispielsweise auch die Mineralien Rosenquarz, Bergkristall, Achat, Rauchquarz und Citrin zählen.

Die verschiedenen Mineralien der Quarzgruppe unterscheiden sich im wesentlichen in Hinblick auf die Farbe sowie die Ausprägung bzw. Habitus der Kristalle. Chalcedon wird als mikrokristalliner Quarz definiert, genau wie Achat, Moosachat, Sarder und Karneol, Plasma, Onyx und Chrysopras, Heliotrop (Blutjaspis) und Kupferchalcedon als Varietäten.

Die Farbe von Chalcedon variiert zwischen weiß, farblos, blau, milchigblau bis blaugrau. Infolge von Verunreinigungen kann Chalcedon auch von gelber, grüner, brauner oder roter Farbe sein, wie auch schon Johann Friedrich Blumenbach (1752 bis 1840) 1802 wusste: "meist milchblau, theils bis ins himmelblaue, aber auch ins Honiggelbe oder Rothe des Carneols, ins Rauchbraune des Onyx".
Dabei ist Farbe von Chalcedon nur selten einfarbig bzw. gleichmäßig verteilt. Vielmehr präsentiert sich die Quarz-Varietät in gestreifter Optik oder ist von wolkenähnlichen Zeichnungen geprägt. Teilweise erinnern die Muster auch an feine Spitze, weshalb Chalcedon auch unter dem Namen Blauer Spitzenachat verkauft wird.
In der Vergangenheit galt Chalcedon als "sehr schön zitronengelb zu färben". Dem Mineralogen Johann Reinhard Blum (1802 bis 1883) zufolge, wurde das Mineral zunächst getrocknet dann in einem Topf mit Salzsäure übergossen und in selbiger dann 14 Tage ziehen gelassen, bis die ursprüngliche Farbe von Chalcedon in gelb umschlägt.
Die Strichfarbe von Chalcedon ist dennoch immer weiß.

Chalcedon kristallisiert dem trigonalen Kristallsystem folgend. Die Kristalle sind trapezoedrisch, die Aggregate erscheinen stalaktitisch, trauben- oder nierenförmig, wobei die kugeligen Aggregate eine Bänderung in blau-weiß; aufweisen können.
Gut ausgebildete Kristalle wie bei makrokristallinem Quarz (z.B. Rauchquarz, Amethyst, Bergkristall) existieren aufgrund des krypto- bzw. mikrokristallinen Charakters von Chalcedon nicht.

Der Glanz von Chalcedon ist glas- bis wachsartig bei durchscheinender bis undurchsichtiger Transparenz. Der Bruch der Quarzvarietät ist muschelig-uneben, die Spaltbarkeit ist nicht vorhanden.

Die Mohshärte von Chalcedon beträgt 7 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem deutschen Mineralogen Carl Friedrich Christian Mohs bei einer Dichte von 2,6 g/cm3.


Chalcedon Foto
Chalcedon

Entstehung und Verbreitung von Chalcedon

Chalcedon entsteht durch Kristallisation aus silikatreichen Lösungen bei Temperaturen um 120°C auskristallisieren. Der Ort der Entstehung des auskristallisierenden Chalcedons können sowohl Risse in metamorphen Gesteinen als auch Blasenhohlräume (Drusen, Geoden und Mandeln) von Magmatiten sein. In Sedimentgesteinen dient Chalcedon häufig als Bindemittel der aufbauenden Gemengteile.

Chalcedon ist ein weltweit häufig vorkommendes Mineral, das man zum Beispiel in Iserwiese|Böhmen/Tschechien, Slowakei, Freiberg (Erzgebirge)/Deutschland, Tirol/Österreich, Schweiz, Toskana/Italien, Griechenland, Türkei, Russland, Indien, Sri Lanka, Afghanistan, Madagaskar, Namibia, Simbabwe, Brasilien, Uruguay und in den USA finden kann.


Verwendung und Bedeutung von Chalcedon

Chalcedon ist vor allem im Kunstgewerbe und in der Schmuckbranche von Bedeutung, insofern dass aus dem Mineral Schmucksteine, Gravuren, Siegelsteine oder Gegenstände gefertigt werden, wie auch in der Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände von 1830 steht, wird Chalcedon zu "Ringsteinen, Uhrschüsseln, Knöpfen, Dosen, Vasen, Medaillons, Halsbändern" verarbeitet.
Geschliffen kommt die Farbe von Chalcedon und insbesondere die gebänderten Muster vor allem mit glatten Schliffen am besten zur Geltung, z.B. im Cabochon-Schliff. Chalcedon-Schmuck (Ketten, Anhänger, Ohrstecker, Ringe, Donut) sollte vor Sonnenlicht geschützt aufbewahrt werden. Unter UV-Licht verblasst die Farbe des Minerals oder ergraut.


Heilstein Chalcedon

Wie viele andere Mineralien auch spielt Chalcedon seit Jahrhunderte eine wichtige Rolle in der Funktion als Heilstein.
Unter Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) galt Chalcedon als Allheilmittel, um die verschiedensten Krankheiten abzuwehren, war bei ihr aber auch Stein der Wahl, um den Jähzorn in Griff zu bekommen.

Der Arzt Adam Lonitzer (1528 bis 1586) empfahl Chalcedon bei anderen Beschwerden. Er war der Meinung, dass "seine Krafft ist wider die bösen Gespenster, Traurigkeit und Forcht".

Dass Chalcedon noch viele Jahre danach auch weiterhin von hoher Bedeutung in der Medizin war, zeigt der Apotheker und Chemiker Christian Friedrich Buchholz (1770 bis 1818). Ihm zufolge ist Chalcedon neben Smaragd, Amethyst, Bergkristall, Opal, Jaspis, Talk und Serpentin 1820 "hie und da noch jetzt in den Apotheken vorräthig und gebräuchlich".
Von der vermeintlichen gesundheitsfördernden Wirkung der sogenannten Medicinalsteine kamen die Ärzte und Heilkundigen im Laufe der Jahre dennoch ab. Die Gelehrten der Vergangenheit waren oft auf vielen Wissenschaftsgebieten belesen, studierten neben Mineralogie zusätzlich oft noch Physik, Pharmazie, Medizin und Chemie und wussten um die feinstofflichen Auswirkungen von Mineralien. Im 19. Jahrhundert wurden die ersten kritischen Stimmen zum Thema Heilsteine laut. So schreibt beispielsweise Johann Wilhelm Baumer (1719 bis 1788; Mineraloge und Mediziner): „Die zur Arzney oder zu anders Dingen gebrauchten Edelsteine schicken sich in Wahrheit besser in die Werkstätte der Goldschmiede“. Ähnliches zur therapeutischen Wirksamkeit schreibt Niemann 1807: die „Empyrie ließ an keine Verbesserung der Arzneimittellehre denken“.
Trotzdem werden auch heutzutage Heilsteine aller coleur im Handel angeboten, ohne dass die Wirkung von Chalcedon und anderen Mineralien in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden konnte.


Nachweis von Chalcedon

Chalcedon weist eine gelbgrüne bis weißblaue Fluoreszenz auf und ist in Fluorwasserstoffsäure löslich.


Sonstiges

Chalcedon gibt es im Handel ebenfalls unter den Synonymen Jasponix, Massik, Zoesit, Milchstein, Blauer Mondstein oder Kalifornischer Mondstein zu kaufen.


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Tab. 1: Die Farben bekannter Quarzmineralien
MineralFarbe
Achat weiß, grau, schwarz, orange, braun, rot und grün
Amethyst hellrosa, rotviolett und violett
Ametrin gelb und violett in einem
Aventurin braun, rot, blau und grün
Bergkristall farblos
Blauquarz hell-, mittel und dunkelblau
Citrin gelb bis orange
Eisenkiesel gelb, rotbraun oder braun
Falkenauge bläulich,dunkelgrau oder -grün
Jaspis rot, braun, gelb, grün oder gräulich
Karneol orange-rot, rot bis rotbraun 
Milchquarz weiß
Onyx schwarz und schwarz-weiß gebändert
Opal regenbogenfarben-schillernd
Prasem lauchgrün
Prasiolith lauchgrün, mittel- bis graugrün
Rauchquarz hell- bis dunkelbraun, grau und schwarz
Rosenquarz zart- über intensivrosa bis pfirsichfarben
Tigerauge  goldgelb bis goldbraun

Auch interessant:

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Quellen:
⇒ Baumer, J. W. (1774): Naturgeschichte aller Edelsteine: wie auch der Erden und Steine, so bisher zur Arzney gebraucht worden sind
⇒ Gmelin, J. F. (1790): Chalcedon. IN: Grundriß der Mineralogie
⇒ Blumenbach, J. F. (1802): Chalcedon. IN: D. Joh. Fr. Blumenbach's Prof. zu Göttingen und Königl. Großbrit. Hofraths Handbuch der Naturgeschichte
⇒ Niemann, J. F. (1807): Joh. Friedr. Niemann's Anleitung zur Visitation der Apotheken, und der übrigen Arzney-Vorräthe
⇒ Döbereiner, J. W. (1820): Enthalten diese Gattungen etwa für den Apotheker interessante Arten?. IN: Katechismus der Apothekerkunst oder Grundzüge des pharmaceutischen Wissens in Fragen und Antworten für Lehrer und Lernende : besonders aber zum Leitfaden junger Pharmaceuten bestimmt und in systematischer Ordnung abgefasst
⇒ Blum, J. R. (1834): Behandlung mit chemischen Agentien. IN: Taschenbuch der Edelsteinkunde für Mineralogen, Techniker, Künstler und Liebhaber der Edelsteine
Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände Conversations-Lexikon. Band 2. Chalcedon
⇒ Hausmann, F. (1847): Handbuch der Mineralogie. Band 3
⇒ Döbereiner, J. W. (1855): Chalcedonquarz. IN: Deutsches Apothekerbuch zum Gebrauche bei Vorlesungen und zum Selbstunterrichte für Apotheker, Droguisten, Aerzte und Medicinstudirende
⇒ Doelter y Cisterich, C. A. (1893): Chalcedon. IN: Edelsteinkunde. Bestimmung und Unterscheidung der Edelsteine und Schmucksteine. Die künstliche Darstellung der Edelsteine
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
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