Sarder
Sarder - Ein Quarzmineral
Über die Herkunft des Namens Sarder herrscht bis heute Uneinigkeit. Möglicherweise leitet sich der Name von der antiken lydischen Stadt Sardes – dem heutigen Sart in der Türkei – ab. Ebenso denkbar ist, dass der Ursprung im Persischen liegt, wonach die Bezeichnung auf die charakteristische rot-gelbe Farbe verweist. Im Biblischen Real-Lexicon von 1787 wiederum heißt es unter dem Stichwort Sarder, dass dieser „so viel als Sardinier, d. i. sardinischer Stein“ bedeute und auf die Vorkommen auf der italienischen Insel Sardinien anspielt.

Eigenschaften von Sarder
Sarder wird als die orange-rote bis rotbraune Varietät von Chalcedon definiert, und gehört damit übergeordnet zur Quarzgruppe, d.h. Sarder ist unter anderem mit Bergkristall, Amethyst, Citrin, Achat, Jaspis, Opal, Rauchquarz und Tigerauge verwandt.
In der offiziellen Liste der International Mineralogical Association (IMA) wird Sarder jedoch nicht als eigenständiges Mineral geführt. Gleichwohl hat sich die Bezeichnung im Laufe der Jahrhunderte üblicherweise als Name für die dunkleren, rötlichen Chalcedone etabliert.
Schon in der Vergangenheit diskutierten Mineralogen über Sarder, vor allem auch im Hinblick auf die Unterscheidung zum farblich ähnlichen Karneol.
So schrieb der Paläontologe Johann Samuel Schröter (1735 bis 1808) 1774: „Wir halten die Carneole und Sarder für einerley Steine, verschiedene Gelehrte aber trennen sie und nennen den dunklern an Farbe, Carneol, den hellern aber Sarder.“
Die Farbe als Merkmal zur Unterscheidung von Karneol und Sarder wird auch im Biblischen Universal-Lexicon 1787 herangezogen: „Der Sarder aber, wenn er blut- oder fleischfarb-roth ist, heist bey den neuen Carneol; wenn seine Röthe aber ins Goldgelbe fällt, läßt man ihm den Namen Sarder“.
Der Mineraloge Georgius Agricola (1494 bis 1555) setzte sich seinerzeit ebenfalls mit Sarder auseinander und bezieht sich auf Beschreibungen alter Gelehrter wie Plinius oder Theophrast, wonach „jeder einfarbige Chalcedon hieß bei den Alten Sarder. Und ihr rother Sarder entspricht unserm Karneol.“
Heutzutage wird die Farbe immer noch als die wesentliche Eigenschaft betrachtet, um Sarder und Karneol zu unterscheiden. Hellere Rottöne oder Rottöne mit einem Stich ins Orangefarbene werden als Karneol definiert, dunklere Rot- und Orangenuancen werden als Sarder bezeichnet- Ähnliches berichtete auch Karl Emil Kluge (1830 bis 1864, Mineraloge) im Jahr 1860: Ihm zufolge ist Sarder eine "Abart des Karneols", gezeichnet von einer Farbe "hochbraun, ins Pomeranzenfarbige und Gelbe übergehend".
| Eigenschaft | Beschreibung |
|---|---|
| Chemische Zusammensetzung | SiO2 |
| Mineralklasse | Oxidmineral |
| Farbe |
|
| Strichfarbe | weiß |
| Glanz | glasartig |
| Transparenz | durchscheinend bis undurchsichtig |
| Bruch | spröde, muschelig |
| Spaltbarkeit | unvollkommen |
| Mohshärte | 6,5 bis 7 |
| Dichte | 2,65 g/cm³ |
Entstehung von Sarder
Siehe: Steckbrief Chalcedon
Verwendung und Bedeutung von Sarder
Sarder findet vor allem als Schmuckstein Verwendung, wird jedoch auch im Rahmen der Esoterik als Heilstein angeboten. Eine spezifische Heilwirkung konnte in wissenschaftlichen Untersuchungen bislang allerdings nicht bestätigt werden.
Auch interessant:
- Die Geschichte der Heilsteine: Von Hildegard von Bingen über die Medicinalsteine der Apotheken bis hin zur Bedeutung der Farbenpsychologie
- Goldfluss - Ein künstlicher Stein aus Glas und Kupferoxid
- Steckbrief Sard-Onyx
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Quellen:
- Agricola, G. IN: Lehmann, E. (1810): Georg Agrikolas Mineralogische Schriften, übersetzt und mit erläuternden Anmerkungen begleitet. Dritter Theil. Oryktognosie. De Natura Fossilum
- Schröter, J. S. (1784): Sarder. IN: Lithologisches Real- und Verballexikon. Band 6
- Schröter, J. S. (1774): Sarder. IN: Vollständige Einleitung in die Kenntniß und Geschichte der Steine und Versteinerungen. Erster Theil
- Biblisches Real-Lexicon über biblische und die Bibel erläuternde alte Geschichte. Vierter Theil (1787: Sarder
- Brückmann, U. F. B. (1801): Über den Sarder, Onyx und Sardonyx
- Kluge, K. E. (1860): Sarder (sardoine). IN: Handbuch der Edelsteinkunde für Mineralogen, Steinschneider und Juweliere
- Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
- Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
- Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
- Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
- Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
- Okrusch, M. und Matthes, S. (2013): Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg
- Schumann, W. (2020): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten 1900 Einzelstücke. BLV, ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH
- www.mindat.org - Sard
- www.ima-mineralogy.org - List of Minerals

