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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 23.05.2024


Pyrit

Pyrit - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: pyrite | französisch: pyrite


Pyritwürfel
Ein typischer Pyritwürfel

Pyrit - Das metallisch-goldene Eisenerz

Der Name Pyrit stammt aus dem Altgriechischen. Die Silbe pyr wird mit Feuer übersetzt, während die Endung it mit der Vokabel lithos – Stein gleichgesetzt wird. Tatsächlich ist der Name Pyrit bzw. Feuerstein treffend, denn wird Pyrit mit Feuerstein aneinandergeschlagen, entstehen selbstentzündliche Funken, mit denen Feuer entfacht werden kann.


Inhaltsverzeichnis Pyrit


Eigenschaften von Pyrit

Pyrit ist mit der chemischen Zusammensetzung FeS2 (Schwefelsulfid) ein Vertreter der Mineralklasse der Sulfidmineralien.
In der Vergangenheit wurde Pyrit der Zusammensetzung wegen auch Eisenkies oder Schwefelkies genannt, bis sich der Name Pyrit durchsetzte – da die Begriffe Eisen- und Schwefelkies auch mit dem Mineral Markasit in Verbindung gebracht wurden.

Pyrit kristallisiert dem kubischen Kristallsystem folgend und bildet kompakte, körnige Aggregate. Die Kristalle weisen häufig die Form von perfekt ausgebildeten Würfeln auf; möglich sind ebenso acht- oder zwölfflächige Pyritkristalle, die bisweilen auch zu Zwillingen miteinander verwachsen sind.

Der Bruch von Pyrit ist uneben bis muschelig, die Spaltbarkeit ist unvollkommen. Pyrit ist von intensiv metallischem Glanz, ältere Kristalle können bei längerem Aufenthalt oder im Zuge der Alterung an der Oberfläche matt werden. Die Transparenz von Pyrit ist wie für metallische Mineralien typisch undurchsichtig

Mit einer Mohshärte von 6 bis 6,5 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem deutschen Mineralogen Carl Friedrich Christian Mohs (1773 bis 1839) zählt Pyrit zu den harten Mineralien; das heißt: mit einer Stahlfeile können oberflächliche Kratzer auf Pyrit hinterlassen werden. Die Dichte von Pyrit beträgt 5 bis 5,2 g/cm².


Kleine Würfel von Pyrit
Kleine Kristalle von Pyrit auf Quarz

Die Farbe von Pyrit

Pyrit ist von metallisch gelber, silbrig-grauer, messingähnlicher bis goldgelber Farbe, oder mit den Worten des Mineralogen Max Bauer (1844 bis 1917), der die Farbe von Pyrit als "speisgelb" bezeichnet, die er als "ein hübsches, etwas ins Graue gehendes Gelb" definiert.
Die Farben von Pyrit finden sich teilweise auch in anderen Mineralien wieder, weshalb die Verwechslung mit Gold, Markasit und Chalkopyrit/Kupferkies möglich ist.

Ältere, ungeschützt gelagerte Exemplare nehmen im Laufe der Zeit eine rostrote Verwitterungsrinde an, die vorwiegend aus Limonit besteht. Teilweise zeigen sich auf Pyritkristallen auch regenbogenfarben irisierende Anlauffarben, die ebenfalls auf die Verwitterung des Eisenminerals zurückzuführen sind.

Die Strichfarbe von Pyrit – d.h., die Farbe, die beim Streichen über ein unglasiertes Porzellantäfelchen entsteht – ist gräulich-schwarz.


Pyrit und Katzengold

Der Begriff Katzengold ist ein Synonym für Pyrit.
Aufgrund der goldgelben Farbe kann Pyrit mitunter für Gold gehalten werden. Im Mittelalter machten sich windige Geschäftsleute die Ähnlichkeit von Pyrit und Gold zunutze, um das Mineral als Gold zu verkaufen.

Schon bald bürgerte sich die Bezeichnung Katzengold für Pyrit ein; abgeleitet von der Farbe des Minerals und dem Wort Katze bzw. Ketzer - ein Begriff für trügerisch oder lügen.

Mitunter wurde Pyrit auch als Narrengold gehandelt, d.h. jemand wurde zum Narren gehalten, weil man ihm Pyrit als Gold vormachen konnte.


Eisernes Kreuz und Pyrit

Pyritkristalle können zu Zwillingen miteinander verwachsen. Eine vergleichsweise seltene Form der Zwillingsbildung ist das Eiserne Kreuz. In der Aufsicht gleichen die ineinander verwachsenen Kristalle dem militärischen Abzeichen Eisernes Kreuz.

Die ersten Pyrite mit Eisernem Kreuz-Zwillingen wurden im Weserbergland/Deutschland entdeckt. Weitere Vorkommen existieren in Kanada.


Entstehung und Verbreitung von Pyrit

Pyrit ist ein weltweit häufig verbreitetes Mineral, dessen Kristalle auch Bestandteil zahlreicher Gesteine ist - sowohl magmatischen wie auch sedimentären Ursprungs.

Pyrit, der unter magmatischen Bedingungen entstanden ist, kristallisiert bei 550 bis 1.100 °C aus mafischer (besonders eisen- und magnesiumreich) Lava.
Metamorphe Pyrite gehen aus dem Kontakt von mit Schwefel angereicherten, wässrigen Lösungen hervor, die auf erzhaltiges Gestein treffen.
Die Vorkommen von Pyrit werden von einer Reihe weiterer Gesteine und Minerale begleitet, darunter Chalkopyrit, Bergkristall und Amethyst/Quarz, Creedit, Afghanit, Dravit/Turmalin, Ajoit, Galenit, Marmor, Schiefer, Diorit und Diabas. Ebenfalls mit Pyrit können die Elemente Kupfer, Gold, Nickel, Zink, Kobalt, Tellur sowie Arsen vergesellschaftet sein.

Pyrit verwittert leicht, geht dabei in Goethit oder Limonit über, und bildet wasserlösliche Eisensulfate, die charakteristischer Ausdruck in Form des sogenannten Eisernen Hutes von Sulfidabbaustätten sind.

Pyrit gehört zu den weltweit sehr häufig und in großen, abbauwürdigen Mengen vorkommenden Mineralien, vor allem in Europa, im südlichen Afrika, im ostasiatischen Raum, in Australien sowie in Süd-, Mittel- und Nordamerika.

Pyrit in einer Druse
Pyrit in einer Druse (Fundort: Grube Castor)

Lapislazuli und andere pyrithaltige Gesteine

Als mineralischer Bestandteil ist Pyrit bspw. in den Gesteinen Amphibolit, Dolomit, Gabbro, Granit, Gneis, Lapislazuli, Marmor, Norit, Porphyr, Quarzit, Sandstein, Tonschiefer, Zuckerdolomit sowie versteinertem Holz vertreten.
Pyrit als deutlich erkennbarer Gemengteil in Lapislazuli gilt als besonderes Qualitätsmerkmal. Das blaue Gestein aus Lasurit, Haüyn und Sodalith als blaue Farbgeber ist umso wertvoller, desto intensiver das Blau ist, das an einem Nachthimmel erinnert, durchsetzt von gold-glänzenden Sternen aus Pyrit.

Verwendung und Bedeutung von Pyrit

Bereits In der Antike wurde Pyrit als Zündstoff genutzt. Als die ersten Feuerwaffen aufkamen, wurde Pyrit aufgrund des Funkenschlags als Zusatz von Gewehre verwendet, genau wie Pyrit zur "Fabrikation des Eisenvitriols und Alauns" (Beudant, 1848) genutzt wurde
Heutzutage wird Pyrit wegen des hohen Gehalts an Eisen zur Gewinnung des Metalls abgebaut, wird aber auch als Quelle zu Herstellung von Schwefelsäure und als Düngemittel verwendet. So schreibt Francois 1878, dass pulverisierter Pyrit in der Landwirtschaft, speziell im Weinanbau, eingesetzt wird, da das Mineral "von entschieden günstigem Einfluss auf die Lebensenergie" der Rebe ist, wobei er diesen im Konkreten mit kräftigen Pflanzen, die frostresistenter wären und der "schnelleren Reife der Trauben" begründet.
Teilweise wird Pyrit zudem als Pigment in roten und braunen Farben hinzugefügt.

Wie der französische Mineraloge Francois Beudant (1787 bis 1850) schreibt, fand Pyrit in Südamerika als Spiegel Verwendung, da aus Pyrit gefertigte, "polirte Platten in den Gräbern der alten Peruaner" gefunden wurden, weshalb Pyrit in historischen Mineralogiebüchern auch unter dem Eintrag Inkaspiegel zu finden ist.

Max Bauer zufolge wurde Pyrit lange Zeit in Trauerschmuck eingefasst, d.h., Schmuck, der mit Steinen in zurückhaltenden und dunklen Farben wie Onyx, Schörl oder Markasit besetzt wurde, kam aber auch "zur Verzierung von Toilettengegenständen wie Schubschnallen und Strumpfbändern, von Dosen, auch in Broschen, Armbänder und andere Schmucksachen eingesetzt" zum Einsatz.
Heute wird Pyrit nur noch selten in Schmuck eingefasst. Zum einen ist das Mineral witterungsanfllig, die Farbe ist nicht beständig und läuft rostig an, zum anderen ist die Bearbeitung schwierig, da Pyrit sensibel auf die beim Schleifen und Polieren einhergehende Wärmeeinwirkung reagiert.


Pyritknollen (Quellen: Johann Friedrich Henckel, 1725, "Pyrites globuloses")

Heilstein Pyrit

Weitaus populärer wird Pyrit heute als Heilstein verkauft.
Tatsächlich zählte Pyrit in längst vergangenen Jahrhunderten zum Repertoire der Mediziner und Heilkundigen. Historische Aufzeichnung, wie beispielsweise von Musitano 1701 und Eller 1763, belegen, dass mit Pyrit vorrangig Geschwülste behandelt wurden. Der Arzt und Naturforscher Adam Lonitzer (1528 bis 1586) empfahl Pyrit, denn das Mineral "wehret dem Überwachsen des Fleisches, und macht ein gutes Gesicht", sodass es wenig verwundert, dass Pyrit praep. zu den "äusserlichen chirurgischen Mitteln" (Woyt, 1753) gehörte.

Auch wurde Pyrit Zahnpasta hinzugefügt. Die Mischung, oder eher das schöne Zahnpulver bestand laut dem Arzt David Friedel 1726 aus Bims, Salz, Pyrit und geruchloser Kamille, "hält die Zähne weiß und rein, lindert den Zahn-Schmerzen, vertreibet desselben Gestank".

Heute ist Pyrit von keinerlei medizinischer Bedeutung, eine Heilwirkung des Minerals konnte in wissenschaftlichen Studien nicht bewiesen werden.


Nachweis von Pyrit

Pyrit schmilzt leicht unter der Flamme, die sich blau färbt und den "stechenden Geruch" (Bauer, 1896) von Schwefel freisetzt. Gleichzeitig verändert sich die Gestalt der Kristalle, indem das würfelförmige Mineral zu einer Kugel zusammenschmilzt, die magnetisch wird. Bei Kontakt mit Wasser oder hoher Luftfeuchtigkeit zersetzt sich Pyrit unter Abgabe von Schwefelsäure.
Fluoreszenz sowie Pleochroismus sind nicht vorhanden.

Sammler von großen wie auch kleinen Pyritstufen sollten daher die Stufen besonders verstauen. Gerade bei hoher Luftfeuchtigkeit zersetzt sich der Pyrit und es bilden sich kleine Ausblühungen von Eisensulfat.

Pyritkrankheit
Pyritkrankheit: Weißliche Ausblühungen von Eisensulfat auf Pyritwürfeln

Weitere Steckbriefe:

Auch interessant:

Weiterführende Literatur und verwendete Quellen

  1. Lonitzer, A. (1573): Pyrites. IN: Vollständiges Kräuter-Buch, und Künstliche Conterfeyungen der Bäumen, Stauden, Hecken, Kräutern, Geträyde, Gewürtzen
  2. Musitano, C. (1701): Chirurgische und physicalische Schriften. Darinnen gehandelt wird, wie ein Chirurgus alle Kranckheiten, so zu seiner Profession nöthig, erkennen und glücklich curiren könne. Von den Geschwulsten · Band 1
  3. Henckel, J. F. (1725): Pyritologia, oder Kieß-Historie, als des vornehmsten Minerals
  4. Friedel, D. (1726): Von schwartzen, schmutzigten Zähnen. IN: D. David Friedels, Expediter Und Bewährter-MEDICUS. Welcher Wieder alle, so wohl inn-als äusserliche Kranckheite, Schäden, und Gebrechen des Menschlichen Leibes, genugsame Und Bewährte Arzney-Mittel besitzet, und auff ieden Fall vernünfftig anwendet, auch über dieses seinem Nächsten in ziemlicher Anzahl communiciret. Das meiste aus eigener Ershrung und viel-fältiger Approbation, mit kurtin, doch nöthigen Anmerckungen, samt vielen Observationibus, und Sinnreichen Erzehlungen illustriret, insonderheit Denen Neu - Angehenden Medicis, um ihrem Nächsten geschwind und Gewissenhafft zu rathen, Ingleichen denen Chirurgis, Apotheckern, [et]c. auch dem gemeinen Menschen zum Nutzen, heraus gegeben
  5. Woyt, J. J. (1753): Äusserliche chirurgische Mittel. IN: Abhandlung aller innerlichen Krankheiten
  6. Eller, J. T. (1763): Von den Geschwulsten. IN: Vollständige Chirurgie, oder gründliche Anweisung alle und jede äusserliche Krankheiten des menschlichen Körpers zu heilen
  7. Beudant; F. S. (1848): Pyrit - Schwefeleisen, Schwefelkies, Markasit. IN: Die Mineralogie
  8. Francois, J. (1878): Ueber die Anwendung des Schwefeleisens (Pyrits) zur Bekämpfung des sogenannten Ödium´s auf den davon befallenen Rebstöcken. IN: Biedermann's Zentralblatt für Agrikulturchemie und rationellen Landwirtschaftsbetrieb. Referierendes Organ für naturwissenschaftliche Forschungen in ihrer Anwendung auf die Landwirthschaft
  9. Bauer, M. (1886): Schwefelverbindungen. IN: Lehrbuch der Mineralogie
  10. Bauer, M. (1896): Schwefelkies. IN: Edelsteinkunde. Eine allgemein verständliche Darstellung der Eigenschaften, des Vorkommens und der Verwendung der Edelsteine, nebst einer Anleitung zur Bestimmung derselben für Mineralogen, Steinschleifer, Juweliere, etc · Band 1
  11. Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
  12. Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
  13. Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
  14. Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
  15. Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
  16. Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
  17. www.mindat.org - pyrite


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