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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 06.05.2024


Diopsid

Diopsid - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: diopside | französisch: diopside


diopside - Mineral und KristalleDiopsid

Coccolit und Diopsid

Die Erstbeschreibung des Minerals Diopsid stammt aus der Feder des brasilianischen Mineralogen Bonifácio de Andrada e Silva (1763 bis 1838). In seinen Ausführungen über die „Kurze Angabe und Kennzeichen einiger neuen Fossilien aus Schweden und Norwegen, nebst einigen chemischen Bemerkungen über dieselben“ aus dem Jahr 1800 beschreibt Andrada e Siva ein Mineral von „berg-, glas- und olivengrüner“ Farbe, das in „polygonischen Körnern“ auftritt. Er nennt das Mineral zunächst Coccolit.

1808 befasst sich sein Kollege René-Just Haüy (1743 bis 1822) unbewusst ebenfalls mit diesem Mineral unter dem Titel „Sur L´analogie du Diopside avec le Pyroxène“, wobei Haüy an dieser Stelle den Namen Diopsid in die Mineralogie einführt.

Der Name Diopsid wiederum ist griechischen Ursprungs und wird mit doppelte Gestalt übersetzt. Der Mineraloge und Geologe Carl Justus Andrae (1817 bis 1885) geht 1864 etwas genauer auf die Bedeutung des Namens ein. Ihm zufolge wählte Haüy den Namen Diopsid „bezüglich der verschiedenen Deutung der Krystallgestalt“, aufgrund welche Diopsid mit anderen Mineralien verwechselt werden kann. Andrae konkretisiert weiterhin, dass die „Krystalle nicht selten deutlich ausgebildet und mannigfaltigen Combinationen“ vorkommen; Kurzum: der Name Diopsid ist eine Anspielung auf die Kristalle des Minerals, die häufig wortwörtlich als zweifach miteinander verbundene Kristallzwillinge erscheinen.


Eigenschaften von Diopsid

Diopsid ist ein Silikatmineral, das über die Zusammensetzung CaMgSi2O6 definiert wird.
Innerhalb der Silikate zählt Diopsid zur Gruppe der Pyroxene, die u.a. auch von den Mineralien Jadeit, Omphacit, Spodumen, Ägirin, Hypersthen, Pigeonit, Augit, Enstatit, Kanoit und Ferrosilit repräsentiert wird.

Die Farbe von Diopsid ist typischerweise grün, oder wie es d´Andrada einst formulierte: "die Farbe ist berg- gras- und olivengrün" mit Eisen, Magnesium, Aluminium oder Mangan als farbgebende Elemente. Der Naturwissenschaftler Georg August Bertele (1767 bis 1818) ergänzt zudem die Nuancen lauch-, pistazien-, zeisig- und schwärzlichgrün" als mögliche Farben von Diopsid.
Bedingt durch die Farbe kann Diopsid auf den ersten Blick mit weiteren grünen Mineralien verwechselt werden, insbesondere Smaragd, Chrysolith, Verdelith/grüner Turmalin, Epidot und Alexandrit, aber auch grünes Flaschenglas sehen Diopsid ähnlich.
Wie der Mineraloge Max Bauer (1844 bis 1917) im Jahr 1896 schreibt, steht die Intensität der Farbe in engem Verhältnis zu den Eisenwerten von Diopsid: die "fast eisenfreien Diopside sind beinahe vollständig farblos, mit zunehmendem Eisenoxydyl wird die Farbe immer kräftiger und bei den eisenreichsten ist sie ein schönes tiefes Bouteillegrün".
Teilweise werden die unterschiedlichen Grüntöne von Diopsid in der Literatur genauer aufgeschlüsselt und als Diopsid-Varietät angegeben.

  • Chromhaltiger Diopsid wird demnach als Russischer Chromdiopsid aufgeführt, wobei die Farbe von Russischem Chromdiopsid dem Grün von Smaragden ähnelt.
  • Fassait zeichnet sich durch ein gelbstichiges Grün aus, bedingt durch Eisen und Aluminium.
  • Überwiegt der Eisengehalt im Vergleich zum Aluminiumwert im Diopsid entsteht grünbrauner bis nahezu schwarzer Diallag.
  • Ebenfalls eisenhaltig ist der oliv- bis lauchgrüne Baikalit.
  • Fedorit ist von hellgrüner Farbe, und gilt als eine natrium-, aluminium- und eisenhaltige Varietät.
  • Daneben kann das grüne Mineral auch von grauer, rotbrauner oder violettblauer Farbe, wie beim manganhaltigen Violan, sein.
  • Ebenfalls bekannt sind farblose Exemplare.

Trotz der Farbvielfalt von Diopsiden ist die Strichfarbe von Diopsid - die Farbe, die erscheint, wenn ein Mineral über ein unglasiertes Porzellantäfelchen gestrichen wird - immer weiß mit einem Stich ins Graue.

Diopsid ist ein Klinopyroxen, das im monoklinen Kristallsystem kristallisiert. Diopsid-Kristalle sind kurzprismatisch, teilweise tritt eine Zwillingsbildung oder sogar Viellinge auf; die entsprechenden Diopsid-Aggregate sind derb, körnig oder säulig.

Der Glanz von Diopsid ist matt bis glasartig, die Transparenz ist durchsichtig bis durchscheinend. Diopsid zeigt einen unebenen bis muscheligen Bruch, die Spaltbarkeit ist vollkommen.

Die Mohshärte beträgt 5,5 bis 6,5. Die Dichte von Diopsid beläuft sich auf 3,27 bis 3,38 g/cm3.


Entstehung und Verbreitung von Diopsid

Diopsid entsteht am häufigsten in calcium- und magnesiumreichen Gesteinen, welche durch die Aufschmelzung benachbarter Gesteine und Minerale (Kontaktmetamorphose) bzw. durch aufsteigende Magmen oder daraus resultierenden wässrigen Lösungen (Regionalmetamorphose) überprägt werden. Mitunter ist Diopsid auch in basischen oder ultrabasischen Magmatiten wie Andesit und Basalt enthalten.

Die Vorkommen von Diopsid sind häufig mit anderen Mineralien vergesellschaftet, darunter zum Beispiel Perowskit, Gehlenit, Lasurit, Chlorit, Tremolit, Quarz, Calcit, Epidot, Vesuvianit, Forsterit, Skapolith, Wollastonit, Grossular, Serendibit, Monticellit oder Klinohumit.

Finden kann man Diopsid weltweit, so bspw. in Grönland; Island; auf den Britischen Inseln; in Skandinavien; Frankreich; Erzgebirge, Fichtelgebirge, Siebengebirge, Eifel, Odenwald/Deutschland; Schweiz; Österreich; Spanien; Italien; Iserwiese/Tschechien; Slowakei; Ungarn; Rumänien; Griechenland; Ägypten; Marokko; Kamerun; Kongo; Uganda; Tansania; Südafrika; Namibia; Madagaskar; Türkei; Russland; Aserbaidschan; Afghanistan; Tadschikistan; Indien; Myanmar; China; Japan; Philippinen; Australien; Süd-, Mittel- und Nordamerika.


Verwendung und Bedeutung von Diopsid

Diopsid ist ein weltweit häufig vorkommendes Mineral, das sich vor allem einen Namen als Schmuckstein gemacht hat.
Insbesondere der smaragdgrüne Russische Chromdiopsid zählt auf dem internationalen Edelsteinmarkt zu den begehrtesten Farbedelsteinen überhaupt.
Tiefgrüne Exemplare gelten als Steine von höchstem Wert. Da Diopside abhängig vom Lichteinfall ein Schauspiel verschiedener Grüntöne präsentieren, wird das grüne Mineral vorwiegend im Facettenschliff gehalten, mit dem die unterschiedlichen Nuancen der grünen Farbe am besten zur Wirkung kommen.

Daneben wird Diopsid als Heilstein angeboten, ohne dass die Heilwirkung von Diopsid in wissenschaftlichen Untersuchungen belegt werden konnte.


Nachweis von Diopsid

Diopsid ist Säuren gegenüber sehr resistent, lediglich Fluorwasserstoffsäure löst das Mineral leicht auf. In der offenen Flamme erfolgt keine Reaktion, erst im Elektroofen bei 1392 °C beginnt Diopsid zu schmelzen.
Diopsid fluoresziert nicht, der Pleochroismus ist schwach ausgeprägt und erscheint in gelbgrünen bis braungrünen Farben.


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Auch interessant:


Quellen:

  • d´Andrada, J. B. (1800): Kurze Angabe der Eigenschaften und Kennzeichen einiger neuen Fossilien aus Schweden und Norwegen. IN: Allgemeines Journal der Chemie
  • Bertele, G. A. (1804): Coccolit. IN: Handbuch der Minerographie einfacher Fossilien
  • Haüy, R.-J. (1808): Sur L´Analogie du Diopside avec le Pyroxène. IN: Annales du Muséum d'histoire naturelle
  • Tonnelier, M. (1806): Ueber den Diopsid; eine neue von Haüy bestimmte Art Mineralien, welche Bonvoisin´s Mussit und Alait begreift
  • Andra, C. J. (1864): Diopsid. IN: Lehrbuch der gesammten Mineralogie
  • Doelter y Cisterich, C. A. (1893): Diopsid. IN: Edelsteinkunde. Bestimmung und Unterscheidung der Edelsteine und Schmucksteine. Die künstliche Darstellung der Edelsteine
  • Bauer, M. (1896): Diopsid. IN: Edelsteinkunde. Eine allgemein verständliche Darstellung der Eigenschaften, des Vorkommens und der Verwendung der Edelsteine, nebst einer Anleitung zur Bestimmung derselben für Mineralogen, Steinschleifer, Juweliere, etc
  • Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
  • Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
  • Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
  • Okrusch, M. und Matthes, S. (2013): Mineralogie Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde
  • Schumann, W. (2020): Diopsid. IN: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten 1900 Einzelstücke
  • www.mindat.org - diopside

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