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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 23.04.2024


Wollastonit

Wollastonit - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: wollastonite | französisch: wollastonite


Tafelspat versus Wollastonit

Namenspate des Minerals Wollastonit ist der englische Universalgelehrte William Hyde Wollastone (1760 bis 1828).
Auch wenn die Namensgebung erst im Jahr 1818 erfolgte, war das Mineral kein unbekanntes. 1793 führte der österreichische Mineralogen Andreas Stütz (1747 bis 1806) Wollastonit unter dem Eintrag "Tafelspath (Spathum Tabulatum) in Anspielung auf die Kristalle, die in "tafelförmigen Blättern" in Gestalt von länglich viereckigen an den Seiten und Endkanten abgeschnittenen Tafeln" vorkommen. AlsTyplokalität nennt Stütz die "Kupfergrube zu Dognatzka im Temeswarer Banate in Rumänien.


Eigenschaften von Wollastonit

Wollastonit ist ein Silikatmineral bestehend aus Ca3Si3O9/Calciumsilikat.

Wollastonit kann sowohl farblos als auch von "milchweißer", (Stütz, 1793), weißer, hellgelber, blaßrosa, hellgrüner bis grauer Farbe sein. Die Strichfarbe ist weiß.

Wollastonit kristallisiert im triklinen Kristallsystem, kann aber auch dem monoklinen Kristallsystem folgen. Trikliner Wollastonit bildet kurze, prismatische bis dicktafelige Kristalle aus, häufig auch zu Kristallen miteinander verwachsen. Die Aggregate sind massig, körnig, säulig oder radialstrahlig angeordnet.

Wollastonit ist von durchsichtiger bis durchscheinender Transparenz; der Glanz ist glasartig, kann auf frischen Spaltflächen ebenso perlmuttartig sein. Der Bruch ist uneben bis splittrig, die Spaltbarkeit ist sehr vollkommen.

Die Mohshärte des calciumhaltigen Silikatminerals beträgt 4,5 bis 5 bei einer Dichte von 2,87 bis 3,09 g/cm³.


Entstehung und Verbreitung von Wollastonit

Wollastonit ist Mineral metamorphen Ursprungs, das entsteht, wenn heiße, aufsteigende und silikatische Magmen auf Kalksteine oder andere kalkhaltige Gesteine treffen. Entsprechend hoch ist die Wahrscheinlichkeit, Wollastonit in kontaktmetamorph veränderten kalkreichen Gesteinen wie Marmor oder Skarn zu finden. Ferner kann Wollastonit auch in Gneis und Quarzit vorkommen; möglich sind zudem Vergesellschaftungen mit Mineralen wie Gismondin, Epidot, Calcit, Diopsid, Grossular, Brucit, Larnit, Gehlenit, Mikroklin und Vesuvianit.

Bei dem bereits weiter oben angesprochenem monoklinen Wollastonit handelt es um Varietäten des Minerals: Parawollastonit und Pseudowollastonit. Beide Varietäten unterscheiden sich hinsichtlich der Druckverhältnisse bei der Entstehung von triklinen, „normalen“ Wollastonit. Während Parawollastonit bei Niedrigdruckbedingungen hervorgeht, ist Pseudowollastonit die Hochdruckvariante.

Abbauwürdige Wollastonit-Vorkommen befinden sich bspw. in Grönland; Island; Schweden; Schottland; Irland; England; Frankreich; Erzgebirge, Sauerland, Eifel, Odenwald, Oberpfälzer Wald, Kaiserstuhl und Haslach/Deutschland; Waldviertel, Weiz und Bad Radkersburg/Österreich; Italien; Tschechien; Slowakei; Slowenien; Rumänien; Kosovo; Russland; Tansania; Kenia; Angola; Madagaskar; Namibia; Südafrika; Usbekistan; Tadschikistan; Afghanistan; China; Japan; Australien; Südamerika; Mexiko; Kanada und in den USA.


Verwendung und Bedeutung von Wollastonit

Aufgrund des hohen Schmelzpunktes bei 1.540 °C ist Wollastonit ein begehrter Rohstoff für die Herstellung feuerfester Materialien wie Keramik, Isolatoren, feuerbeständige Kleidung; kommt aber auch in Farbe oder als Dämmstoff zum Einsatz.


Nachweis von Wollastonit

Wollastonit ist in Salzsäure löslich unter gleichzeitiger Bildung von Kieselsäuregel und schmilzt in der Flamme zu einem durchscheinendem Glas zusammen.


Auch interessant:


Quellen:
⇒ Stütz, A. (1793): Tafelspath. IN: Neue Einrichtung der k.k. Naturalien Sammlung zu Wien
⇒ Karsten, D. L. G. (1800): Tafelspath. IN: Mineralogische Tabellen mit Rücksicht auf die neuesten Entdekkungen
⇒ Leman, J: (1818): Wollastonit. IN: Nouveau Dictionnaire d´Histoire Naturelle
⇒ Hintze, C. A. F. (1894): Wollastonit. IN: Handbuch der Mineralogie
⇒ Rutley, F. (1902): Wollastonite. IN: Mineralogy
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
www.mindat.org - wollastonite
- www.handbookofmineralogy.org - wollastonite

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