Almandin

Inhaltsverzeichnis Almandin
- Almandin – Der häufigste von allen Granaten
- Eigenschaften von Almandin
- Entstehung und Verbreitung von Almandin
- Verwendung und Bedeutung von Almandin
- Nachweis von Almandin
Almandin – Der häufigste von allen Granaten
Bevor Almandin unter dem heutigen Namen Almandin Einzug in die mineralogische Literatur fand, war das Mineral unter dem Begriff Eisen-Ton-Granat oder Karfunkelstein bekannt. Diese Bezeichnungen dienten lange Zeit als Sammelbegriff für alle roten Mineralien, ohne dass zwischen Rubin, rotem Spinell, Almandin oder Pyrop unterschieden wurde.
Dabei spielt der Begriff Eisen-Ton-Granat sowohl auf die chemische Zusammensetzung als die Zugehörigkeit zur Granatgruppe an.
Der Name Almandin hingegen geht auf den deutschen Mineralogen Dietrich Ludwig Gustav Karsten (1768 bis 1810) zurück, der das Mineral in Anlehnung an den Ort der Erstentdeckung – die antike Stadt Alabanda im Südwesten der Türkei – Almandin nannte.
Die Bedeutung von Almandin geht in der Geschichte allerdings noch weiter zurück. Schon im 1. Jahrhundert n. Chr. beschrieb der römische Universalgelehrte Plinius der Ältere (23 bis 79 n. Chr.) entsprechende Steine unter der Bezeichnung alabandicus. Im Laufe des Mittelalters wandelte sich dieser Name über verschiedene Formen wie alabandina oder alamandina, wie sie etwa bei Albertus Magnus (1200 bis 1280, Naturforscher und Philosoph) im 13. Jahrhundert erscheinen, bis schließlich um 1800 der deutsche Mineraloge Dietrich Ludwig Gustav Karsten den heutigen Namen Almandin prägte.
Eigenschaften von Almandin
Almandin ist ein Vertreter der Granatgruppe, kurz Granat bzw. Granate, wird daher oft auch Almandin-Granat genannt.
Unter dem Namen Granat wiederum wird in der Mineralogie kein bestimmtes Mineral definiert, sondern eine Gruppe von Mineralien, die sich durch eine vergleichbare chemische Zusammensetzung sowie den für Granat typische Kristallgitterbau auszeichnen.
Neben Almandin zählen u.a. folgende Mineralien zur Granatgruppe:
Chemisch betrachtet handelt es sich bei Almandin um ein Eisen-Aluminium-Silikat-Mineral (Fe3Al2[SiO4]3), weshalb Almandin innerhalb der Granatgruppe den Aluminium-Granaten bzw. der sogenannten Pyralspit-Reihe zugeordnet wird.
Almandin kristallisiert dem kubischen Kristallsystem folgend und bildet dodekaedrische, rhombendokaedrische oder trapezoedrische Kristalle, die bis zu 15 cm groß werden können.
Die Aggregate sind körnig, massig und kompakt.
Almandin weist keine Spaltbarkeit auf, der Bruch ist muschelig-uneben. Die Transparenz von Almandin variiert zwischen durchsichtig und durchscheinend, wobei der Grad der Reinheit vor allem auf Einschlüsse im Almandin zurückzuführen ist, u.a. Apatit, Quarz, Biotit und Phlogopit/Glimmer, Spinell sowie Rutil.
Rutil im Speziellen bewirkt nicht nur, dass Almandin einen seidigen Glanz erhält, dem Mineral ist auch ein besonderer optischer Effekt zu verdanken, der als Asterismus bezeichnet wird. Übereinander gelagerte, nadelförmige Rutil-Kristalle erzeugen einen strahlenförmigen Lichteffekt, der an einen vier- oder sechsstrahligen Stern erinnert (sog. Stern-Almandin). Der Glanz des roten Minerals ist glas- bis harzartig.
Mit einer Mohshärte von 7 bis 7,5 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem deutschen Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839) erfüllt Almandin das Kriterium der Edelsteinhärte. Die Dichte beträgt 3,95 bis 4,32 g/cm³.

Die Farbe von Almandin
Die für Almandin typische Farbe ist rot, das von einem reinen Rot bis hin zu rotschwarzen, violett, rotbraunen bis braunschwarzen Farbgebungen reicht oder mit den Worten des niederländischen Chemikers Joseph Redemt Zappe 1804 "kirschroth, dunkelcarmesin- und cochenilleroth mit Beymischung vieles Blauen, (...) in das Hyacinth- und Bräunlichrothe mit Beymischungen vieles Gelben". Laut dem Mineralogen Cornelius August Doelter y Cisterich (1850 bis 1930) kann das Rot von Almandinen aber auch "blutroth (ähnlich dem Rubin)" ausfallen, wobei Eisen als farbgebendes Element identifiziert wurde und Almandin demzufolge als allochromatisches Mineral, d.h., die Farbe beruht auf einem äußeren, nicht kristalleigenem Einfluss, definiert wird.
Die Strichfarbe von Almandin – die Farbe, die entsteht, wenn ein Mineral über ein unglasiertes Porzellantäfelchen gestrichen wird – ist wie bei allen Granatmineralien weiß.
Die Farbe von Almandin ist zudem etwas Besonderes. In der Mineralienbranche ist es keine Seltenheit, dass die Farbe – insbesondere von geschliffenen Steinen – im Nachhinein geändert, korrigiert oder umgefärbt wird.
Verschiedene Methoden wie Brennen oder Bestrahlen optimieren den ursprünglichen Farbton von Steinen, deren Farbe nicht dem Ideal entspricht. Almandin ist hingegen immer naturbelassen und unbehandelt, da das Mineral Granat nicht auf derartige Farbveränderungen bzw. -korrekturen anspricht.
Entstehung und Verbreitung von Almandin
Almandin ist überwiegend ein Mineral metamorphen Ursprungs, d.h. Almandin geht aus der temperatur- und druckbetonten Umwandlung bereits vorhandener Gesteine im Erdinneren hervor. Die Temperaturen liegen dabei im Bereich zwischen 500 und 750 °C, während der Druck 5 bis 12 kbar entspricht (Amphibolitfazies). Unter diesen Verhältnissen reagieren eisenreiche Mineralien wie Chlorit oder Biotit während der Metamorphose miteinander und bilden neue, stabilere Mineralphasen wie bspw. Almandin. Nicht selten zeigen diese Granate eine feine Zonierung oder enthalten Einschlüsse älterer Mineralien.
Daneben kann Almandin auch magmatischen Ursprungs sein. Voraussetzung dafür sind Schmelzen, die reich an Eisen und Aluminium, aber zeitgleich calciumarm sind, wie beispielsweise in Pegmatiten gegeben. In diesen Fällen kristallisiert Almandin direkt aus der Schmelze heraus, wobei diese Entstehungsart deutlich seltener ist.
Dementsprechend ist Almandin oftmals als mineralischer Bestandteil in zahlreichen Gesteinen wie Gneis oder Schiefer, aber auch Glimmerschiefer, Amphibolit, Gneis, Granulit, Granit und Pegmatit enthalten.
Die Vorkommen von Almandin sind mit weiteren Mineralien vergesellschaftet, darunter u.a. Glimmer wie Glaukophan, Muskovit und Biotit, Graphit, Magnetit, Feldspat, Kyanit und Quarz.
Nennenswerte Vorkommen des Granat-Minerals befinden sich bspw. in Falun/Schweden; Schottland; Grönland; Timmelsjoch, Zillertal, Obergurgel (Ötztal), Irchenrieth, Bodenmais, Erzgebirge/Deutschland; Olgia/Italien; Iserwiese/Tschechien; Slowakei; Ural, Karelien/Russland; Sri Lanka; Indien; Afghanistan; Simbabwe; Sambia; Tansania; Madagaskar, USA und Brasilien belegt.
Tocantin-Granat
Beim unter dem Handelsnamen Tocantin-Granat geführten Stein handelt es sich nicht um eine eigenständige Varietät der Granatgruppe, sondern um eine geographische Herkunftsbezeichnung für Almandin, der in Tocantin/Brasilien abgebaut wird.

Almandin-Vorkommen in Deutschland
- Baden-Württemberg: Freiburg, Hausach, Oberrotweil, Oberwolfach, Steinach
- Bayern: Aschaffenburg, Bodenmais, Hof, Kropfmühl/Passau, Kulmbach, Pfaffenberg, Straubing, Waidhaus, Waldsassen, Weiden, Windischeschenbach
- Brandenburg: Ruhlsdorf/Eberswalde, Vogelsang/Fürstenberg
- Niedersachsen: Bad Harzburg, Goslar
- Nordrhein-Westfalen: Königswinter
- Rheinland-Pfalz: Brohltal, Ettringen, Gerolstein, Kelberg, Mayen
- Sachsen: Altenberg, Döbschütz, Ehrenfriedersdorf, Großhartmannsdorf, Langenberg, Markersdorf, Schwarzenberg, Voigtsdorf
- Schleswig-Holstein: Elmshorn, Travemünde
Verwendung und Bedeutung von Almandin
Almandin wird hauptsächlich zu Schmuck verarbeitet. Steine, die qualitätsbedingt nicht für Schmuck geeignet sind, werden als Poliermittel genutzt.

Almandin und Schmuck
Schmuck mit Almandin wird seit Jahrhunderten geschätzt und getragen. Im Alten Ägypten wurden Totenmasken mit Almandin verziert, im Mittelalter schmückten die roten Edelsteine als Zeichen von Macht und Rang Zepter, Kronen und Juwelen von Adligen. Im 19. Jahrhundert erlebten Almandin und Pyrop als die bekanntesten Granatvertreter eine besondere Blütezeit. Der Grund: die zur damaligen Zeit entdeckten reichhaltigen Granat-Vorkommen in Böhmen. Mit den Funden einhergehend entstand eine ganze Granat-Industrie in Böhmen. Angefangen vom Abbau und dem Schleifen der Steine bis hin zur Gestaltung zu Schmuck und dem Handel, weshalb der böhmische Granatschmuck schon bald über die Grenzen Böhmens hinaus bekannt wurde.
Während damals perlenartige Glattschliffe in Mode waren, wird Almandin heutzutage vor allem im Rundschliff, Ovalschliff, Navette/Marquiseschliff, Antikovalschliff, Tropfenschliff oder Oktagonschliff gehalten.
Bei Steinen, deren Reinheit ins Undurchsichtige geht, finden Glattschliffe (z.B. Cabochonschliff) Anwendung.
Heilstein Almandin
Daneben wird Almandin als Heilstein gehandelt, ohne dass die Wirkung von Almandin auf die Gesundheit von Körper und Seele in klinischen Untersuchungen bestätigt werden konnte.
Nachweis von Almandin
Almandin fluoresziert nicht. In der Flamme schmilzt das Mineral einfach, Säuren hingegen ist Almandin resistent.
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Quellen:
- Zappe, J. R. (1804): Mineralogisches Handlexicon
- Karsten, D. L. G. (1806: Lehrbuch der Mineralogie nach des Herrn O.B.R. Karsten mineralogischen Tabellen ausgeführt
- Doelter y Cisterich, C. A. (1893): Almandin. IN: Edelsteinkunde. Bestimmung und Unterscheidung der Edelsteine und Schmucksteine. Die künstliche Darstellung der Edelsteine
- Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
- Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
- Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
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- Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
- Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
- Hochleitner, R. (2017): Welcher Stein ist das? Kosmos-Naturführer. Über 350 Mineralien, Edelsteine und Gesteine. Franckh Kosmos Verlag
- www.mindat.org - Almandine

