Andradit

Andradit - Ein Granatmineral
Die ersten Funde von Andradit stammen aus der Wirumsgrube bei Drammen im Süden Norwegens, wie der brasilianische Geowissenschaftler Jóse Bonifácio de Andrada e Silva (1763 bis 1838) im Jahr 1800 in seiner "Kurze Angabe der Eigenschaften und Kennzeichen einiger neuen Fossilien aus Schweden und Norwegen nebst einigen chemischen Bemerkungen ueber dieselben" schildert. Damals nannte er das neue Mineral noch Allochroit, was aus dem Griechischen mit verschiedenfarbig übersetzt wird. Der Mineraloge Franz von Kobell (1803 bis 1882) setzte sich seinerzeit mit der Bedeutung des Namens auseinander und begründet diesen mit der Eigenschaft der "veränderten Farbe (beim Schmelzen mit Phosphorsalz vor dem Lötrohr)". Andrada zufolge ist die Farbe des Minerals nach dem Erhitzen zunächst "röthlichgelb" und wechselt nach dem vollständigen Erkalten hin zu "schmutzig weiß".
1868 erhielt das Mineral schließlich von James Dwight Dana (US-Mineraloge und Geologe; 1813 bis 1895) den Namen Andradit.
Eigenschaften von Andradit
Andradit ist ein Vertreter der Granat-Gruppe, dessen Zusammensetzung über die Formel Ca3Fe3+2[SiO4]3 beschrieben wird und damit zu den Silikatmineralen zählt.
Andradit ist farblich sehr variabel: bekannt sind rote Exemplare ebenso wie Andradit von gelber (sog. Topazolith), Andrada sprach von "gelblichgrauer, manchmal dunkel strohgelber", brauner, grüner (sog. Demantoid) bis nahezu schwarzer (sog. Melanit) Farbe sein kann bzw. hat die Varietät Melanit laut dem Mineralogen Carl Hartmann (1796 bis 1863): eine "feine sammetschwarze Farbe".
Die Strichfarbe von Andradit ist weiß.

Wie andere Granate auch kristallisiert Andradit im kubischen Kristallsystem und bildet rhombendodekaedrische (12-Flächner) oder ikositetraedrische (24-Flächner) Kristalle, deren Aggregate körnig sind.
Andradit ist von glas- bis diamantartigem Glanz, die Transparenz ist durchsichtig bis durchscheinend. Das Mineral ist nicht spaltbar, der Bruch ist muschelig bis uneben.
Die Mohshärte von Andradit beträgt 6,5 bis 7 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839) bei einer Dichte von 3,8 bis 3,9 g/cm³.
Entstehung und Verbreitung von Andradit
Andradit entsteht überwiegend unter metamorphen Bedingungen, insbesondere während der Kontaktmetamorphose kalkreicher Gesteine. Wenn kalkhaltige Sedimente wie Kalksteine oder Dolomite durch die Hitze aufsteigender Magmen verändert werden, können sich unter dem Einfluss von Silizium, Eisen und Calcium verschiedene Silikatminerale bilden, darunter auch Andradit. Das Mineral ist daher ein typischer Bestandteil vieler Skarne, die an den Kontaktzonen zwischen magmatischen Intrusionen und karbonatischen Nebengesteinen entstehen.
Darüber hinaus kann Andradit auch aus hydrothermalen Lösungen kristallisieren. In Klüften, Gängen und Hohlräumen kristallisiert Andradit aus heißen, mineralreichen Lösungen und bildet mitunter gut entwickelte Kristalle, ist allerdings nur selten Gemengteil von magmatischen Gesteinen.
Da Andradit große Mengen Calcium und Eisen in die Kristallstruktur einbaut, ist die Entstehung an entsprechende chemische Bedingungen gebunden. Die Vorkommen der Granat-Varietät liefern daher wichtige Hinweise auf eisenreiche Fluide und die Wechselwirkung zwischen magmatischen Prozessen und karbonatischen Gesteinen.
Je nach Fundort ist Andradit unter anderem mit Calcit, Diospdi, Epidit, Hämatit, Hausmannit, Hedenbergit, Quarz und Willemit vergesellschaftet.
Bedeutende Vorkommen von Andradit befinden sich unter anderem in Grönland, Island, Skandinavien, Schottland, England, Deutschland, Tschechien, Österreich, Italien, Kanarische Inseln, Rumänien, Ukraine, Kongo, Tansania, Kenia, Namibia, Südafrika, Kasachstan, Tadschikistan, Usbekistan, China, Japan, Australien, Neuseeland, Chile , Argentinien, Brasilien, Mexiko und in den USA.
In Deutschland finden sich schöne und vollkommene Andradite in bekannten Fundgebieten rund um die Vulkaneifel. Hierzu zählen zum Beispiel der Ettringer Bellerberg oder die Wannenköpfe bei Ochtendung.
Verwendung und Bedeutung von Andradit
Andradit wird vor allem zu Schmuck verarbeitet.

Nachweis von Andradit
Andradit ist nur schwer in Säuren löslich.
Auch interessant:
- Farbedelsteine und die Bewertung der Qualität von farbigen Edelsteinen
- Micromounts - Mineralien im Kleinstformat
- Die teuersten Mineralien der Welt
Quellen:
- de Andrada, J. B. (1800): Kurze Angabe der Eigenschaften und Kennzeichen einiger neuen Fossilien aus Schweden und Norwegen nebst einigen chemischen Bemerkungen ueber dieselben. IN: Allgemeines Journal der Chemie. Band 4
- Hartmann, C. (1828): Handwörterbuch der Mineralogie und Geognosie
- Kobell, F. v. (1853): Andradit. IN: Die Mineral-Namen und die mineralogische Nomenklatur
- Dana, J. D. (1868): A System of Mineralogy
- Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
- Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
- Hall, C. (1999): Edelsteine. Das neue kompakte Bestimmungsbuch, Könemann Verlag
- Okrusch, M. und Matthes, S. (2013): Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg
- Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
- Hochleitner, R. (2017): Welcher Stein ist das? Kosmos-Naturführer. Über 350 Mineralien, Edelsteine und Gesteine. Franckh Kosmos Verlag
- www.mindat.org - Andradite

