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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 09.04.2020


Korund

Korund - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: corundum | französisch: corindon


Ohrring mit Rubing
Roter Korund: Rubin


Korund und Demantspath

Eine der ältesten Beschreibungen des Minerals Korund stammt von Martin Heinrich Klaproth (1743 bis 1817). Der deutsche Chemiker setzte sich 1795 in seinen Ausführungen zum Thema „Chemische Versuche über den Demantspath“ intensiv mit den chemischen und physikalischen Eigenschaften von Demantspath auseinander – ein Mineral, dessen Härte und Glanz mit Demanten (= Diamanten) vergleichbar ist und das „(...) von den Einwohnern Corundum genannt“ wird.
Als Fundort von Demantspath nennt Klaproth China und Bengalen, wo das Wort kuruntam mit roter Stein übersetzt wird und auf eine der möglichen Farben von Korund hinweist. Bis sich der Name Korund anstelle von Demantspath oder Diamantspath durchsetzen konnte, vergingen jedoch noch viele Jahre.


Inhaltsverzeichnis Korund

Eigenschaften von Korund

Unter dem Begriff Korund wird in der Mineralogie kein eigenständiges Mineral definiert, sondern eine Gruppe von Mineralien mit der chemischen Zusammensetzung Al2O3 zusammengefasst, die der Mineralklasse der Oxide zugeordnet werden.
Die sogenannte Korundgruppe wird von drei Mineralien repräsentiert:

Die Mineralien der Korundgruppe kristallisieren dem trigonalen Kristallsystem folgend. Die Kristalle sind säulig, tafelig, doppelpyramidenförmig und stark gerieft, d.h., auf der Kristalloberfläche sind streifenartige Vertiefungen zu erkennen. Klaproth beschreibt die Form der Kristalle 1795 als von „(..) sechseitiger Säulenform, ohne Endspitzen“. Die Aggregate von Korund sind derb und körnig. Zudem verwachsen Korundkristalle häufig zu Zwillingen.

Korund zeichnet sich durch einen muschelig-unebenen Bruch aus, die Spaltbarkeit ist nicht vorhanden. Der Glanz von Korund variiert zwischen glas- und diamantartig, teiweise auch fettig bei durchsichtiger, durchscheinender bis undurchsichtiger Transparenz.
Vor allem Einschlüsse von Gasen, Flüssigkeiten, interne Risse und Fremdmineralien beeeinträchtigen die Reinheit von Korund.
In einigen Fällen sind jedoch Einschlüsse von Mineralien erwünscht bzw. werden als wertsteigernd betrachtet, so im Fall von Sternrubinen und Sternsaphiren. In den Kristallen eingelagerte haarfeine Kristallnadeln des Minerals Rutil, die einander überlagern, führen zum sog. Asterismus, Sterneffekt – eine optische Erscheinung, die sich als weißer, vier- oder sechsstrahliger Stern im Rubin oder Saphir zeigt.

Dass Korund in der Vergangenheit mit Diamanten verglichen wurde, begründet die Mohshärte von Korund. In der Mineralogie wird die Härte von Mineralien auf einer 10-stufigen Skala nach dem deutschen Mineralogen Carl Friedrich Christian Mohs bewertet. Mineralien der Mohshärte 1 wie Talk sind sehr weiche Mineralien. Das härteste Mineral der Welt ist mit einer Mohshärte von 10 der Diamant, gefolgt von Korund mit einer Härte nach Mohs von 9. Die Dichte von Korund schwankt zwischen 3,95 bis 4,10 g/cm³.


corindon - Aufnahme des Minerals
Korund

Die Farbe von Korund

In der älteren mineralogischen Literatur aus dem 17. und 18. Jahrhundert wird die Farbe von Korund – damals noch unter dem Namen Diamantspath/Demantspath – als braun beschrieben.
Die Farbe von Korund ist aber weitaus abwechslungsreicher.

Einer der ersten, der die Farben von Korund aufschlüsselte, war René-Just Haüy (1743 bis 1822). Der französische Mineraloge zählt unter der Abschnitt Corinde die einzelnen Farben von Korund auf, erwähnt dabei auch unter dem Begriff Corindon télésie andere Mineralien, die nicht zur Korundgruppe zählen wie Topas, Peridot, Aquamarin/Beryll und Hyazinth.

Télésie war für Haüy der Oberbegriff für zahlreiche Edelsteine – angesichts der Farbvielfalt von Korund könnte die Beschreibung der Télésie-Steine auch den Farbgebungen von Fancy Saphiren – nicht-blaue Saphire – entsprechen. br> Dennoch findet sich hier schon eine erste Einteilung von Korund der Farbe nach:

  • Corindon télésie limpide – Saphir blanc: kristallklarer Saphir – weißer Saphir
  • Corindon télésie saphir: blauer Saphir
  • Corindon télésie rubis: roter Rubin

Reiner Korund ist farblos und wird in der Mineralogie als Leukosaphir bezeichnet. Haüyn nannte kristallklaren Saphir weißen Saphir, was vor allem bei geschliffenen Steinen deutlich wird. Die hohe Dispersion von Leukosaphiren erwecken aufrund der Vielzahl von Facetten den Eindruck eines weßen Steins.

Saphir und Rubin hingegen sind die farbigen Vertreter der Korundgruppe, wobei Eisen und Titan die farbgebenden Elemente von Saphiren sind, während das typische Rubinrot auf Beimengungen von Chrom zurückzuüfhren ist.

Die Strichfarbe von Korund – die Farbe, die entsteht, wenn ein Mineral über ein unglasiertes Porzellantäfelchen (Strichtafel) gestrichen wird – ist immer weiß.

Das Blau von Saphiren erscheint in vielen Helligkeitsstufen von hellblau, indigoblau, mitternachtsblau bis schwarzblau, königsblau oder aber graublau.

Rubine können von reinroter Farbe ohne Stich in eine andere Farbe, dunkelrot, scharlachrot, dunkelrot, rotbraun, purpurrot oder rot mit einem Hauch von Blau (sog. Taubenblutrubin/Pigeon Blood Ruby).

Pinkstichiger Korund wird aus Gründen der Bewertung der Qualität nicht als Rubin definiert – entscheidend für die Definition Rubin ist die Basisfarbe; rot = Rubin und rosa/pink = Fancy Saphir.


Fancy Saphir

Das heißt: Rubine sind die roten Vertreter der Korundgruppe. Und auch wenn Saphir schon allein aufgrund des Namens als der blaue Edelstein überhaupt gilt, geht die Farbe von Saphiren über blau hinaus.
Saphire in pink, orange, gelb, grün und violett werden als Fancy Saphire bezeichnet.

Fancy Saphire in pink und orange werden im Handel als Padparadscha-Saphir geführt. Der Name Padparadscha wird wortwörtlich mit lotusfarben übersetzt – angelehnt an die Ähnlichkeit der Saphire mit der Farbe von Lotusblüten.

Damit es vor allem bei pinkstichigen Exemplaren nicht zur Verwechslung mit Rubinen kommt, wird meist da Attribut Saphir im Namen hinzugefügt, bspw. Pink Saphir.


Farbveränderung von Korund

Die Farbe von Korund ist das bedeutendste Merkmal, das die Qualität der Steine und damit auch den Preis bestimmt.

Häufig entspricht die Farbe von Rubin und Saphir nicht dem Ideal und die Steine weisen eine ungleichmäßige Farbverteilung auf, sind zu hell oder zu dunkel, aber auch der Stich in eine andere Farbe wird als störend empfunden.

In der Edelsteinbranche ist es schon lange üblich, die Farbe von Steinen nachträglich zu verbessern oder zu verändern.
Eine gängige Methode, die angewendet wird, um die Farbe von Korund zu korrigieren, ist das Brennen.

Beim Brennen werden die Farbedelsteine Rubin und Saphir vorsichtig auf eine Brenntemperatur von 1.700 bis 1.800 °C erhitzt. Mit der Wärmezufuhr einhergehend kommt es zu einer geringfügigen Aufschmelzung der Mineralien und Neuordnung des Kristallgitters, die sich in einer gleichmäßigen, reinen Farbe äußert.
Parallel dazu verbessert sich die Reinheit von Saphir und Rubin, insofern mineralische Einschlüsse durch die hohen Temperaturen förmlich aufgeschmolzen werden.

Zudem kann die Reinheit von Rubinen und Saphiren durch Bleiglas gesteigert werden. Schätzungsweise 85 bis 90 % aller Rubine und Saphire, die auf dem Edelsteinmarkt im Umlauf sind, sind nicht naturbelassen. Entstehungsbedingt sind bei Rubinen und Saphiren in den Kristallen zahlreiche Fissuren und Risse vorhanden, die die Steine milchig-trübe und unrein wirken lassen. Mit einem einfachen Verfahren lassen sich diese in augenreine Steine verändern: das Auffüllen mit Bleiglas. Dazu wird flüssiges Bleiglas in den Kristall geleitet, was Hohlräume und Risse auffüllt und aufgrund des vergleichbaren Brechungsindex nicht auffällt, sondern den Stein im Gesamten reiner erscheinen lässt.

Daneben wird Korund mit farblosem oder eingefärbtem Wachs oder Öl überzogen, um eine zusätzliche Farbintensivierung zu erreichen.

Derartige „Schönheitsbehandlungen“ sind nicht unwesentlich, wenn es um den Preis von Korund geht. Neben der Farbe und der Frage möglicher Korrekturen wird auch die Reinheit, das Gewicht in Karat und der Schliff als Einflußgröße gegeneinander abgewogen.


Entstehung und Verbreitung von Korund

Korund ist ein Mineral sowohl magmatischen wie auch metamorphen Ursprungs, das beispielsweise im Zuge der Regional- und Kontaktmetamorphose unter hohen Druck- und Temperaturbedingungen entsteht und Bestandteil aluminiumreicher Gesteine ist wie z.B. Granit, Marmor, Gneis, Pegmatit, Syenit, Kimberlit, Gabbro und Dolomit.

Neben Diamanten und Graphit sind Rutil, Calcit, Kyanit, Pyrop, Hornblende, Chlorit, Spinell, Dumortierit, Sapphirin, Kornerupin, Magnetit, Nephelin und Phlogopit weitere Mineralien, die mit Korunden vergesellschaftet sind.

Weltweit sind zahlreiche Fundorte von Korund bekannt, darunter zum Beispiel Grönland, Norwegen, Schweden, Finnland, Schottland, England, Wales, Frankreich, Eifel, Drachenfels, Stenzelberg, Minderberg und Dungberg/Deutschland, Castione/Schweiz, Bad Radkersburg, Fischbacher Alpen und Waldviertel/Österreich, Italien, Griechenland, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Mazedonien, Rumänien, Ukraine, Russland, Slowenien, Türkei, Kenia, Malawi, Simbawe, Südafrika, Madagaskar, Kasachstan, Afghanistan, Pakistan, Myanmar, Vietnam, Kambodscha, Indonesien, China, Australien, Neuseeland, Argentinien, Chile, Surinam, Mexiko, Kanada und in den USA.


corundum - Mineral und Kristalle
Korund mit Muttergestein

Verwendung und Bedeutung von Korund

Korund ist eines der wichtigsten Industrieminerale der Welt – bedingt durch die hohen Aluminumgehalte von Korund dient das Mineral als Aluminium-Quelle.

Pulverisierter Korund wird seit Jahrhunderten als Schleifmittel verwendet. Bereits Klaproth weist 1795 auf die Bedeutung von Korund beim Schleifen von anderen Edelsteinen hin, was aufgrund der hohen Härte des Minerals möglich ist. Lediglich Steine, die eine höhere Härte besitzen als das zu schleifenden oder polierende Objekt sind in der Lage, eine Bearbeitung zu ermöglichen. Heutzutage wird Korund als Bestandteil von Schleif- und Poliermitteln in Form von Korundpapier, Schleifpapier oder als Schleifstein angeboten.

Ebenso dient Korund als Lagerstein für Uhren und Präzisionsgeräte und ist als Edelstein in der Schmuckbranche nicht mehr wegzudenken.

Nicht zuletzt werden Korunde als Heilsteine gehandelt, ohne dass die Heilwirkung von Korund in wissenschaftlichen Untersuchungen belegt werden konnte.


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Korund und Schmuck

Saphire und Rubine gelten neben Smaragd und Diamant zu den vier klassischen Edelsteinen, die seit Jahrhunderten in Schmuck eingefasst werden.
Bedingt durch die hohe Härte gelten Korundmineralien als unverwüstlich. Die Steine sind robust, neigen nicht zum Splittern und sind dankbar beim Schleifen.

Welcher Schliff angewendet wird, bestimmt der Stein. Milchig-trüberweißer Saphir, Rubin oder Saphir wird bevorzugt mit Glattschliffen versehen, allen voran dem Cabochonschliff, dessen Merkmal die glatte Unterseite und die mugelige, gewölbte Oberseite ist. Facetten fehlen gänzlich, gespielt wird lediglich mit der Form, die rund, oval, eckig, herzförmig, navette- oder tropfenförmig sein kann. Bei Glattschliffen steht die Betonung der Farbe des Steins im Vordergrund und eventuell vorhandene optische Raffinessen wie bspw. der Asterismus/Sterneffekt von einigen Rubinen und Saphiren.

Kristallklare Saphire, Rubine und farblose Saphire hingegen werden facettiert. Die Schliffe betonen nicht nur die Reinheit der Steine, sondern auch das Spiel der vielen Nuancen der Grundfarbe je nach Betrachtungswinkel. Besonders häufig sieht man weißen Saphir, Rubin und Saphir um Rundschliff, aber auch moderne, sog. Fancy Cuts, wie Herzschliff, Princess-Schliff, Cushion-/Kissenschliff, Navette/Marquiseschliff, Ovalschliff, Asscher-Schliff, Baguetteschliff, Smaragdschliff und Tropfenschliff finden sich bei Korund wieder.

Ein anderer Trend setzt auf die Schönheit ungeschliffener Steine: Rohsteinschmuck. Neu ist die Idee, Rohsteine als Schmuck zu tragen allerdings nicht; natürliche Kristalle werden seit jeher gebohrt als Kettenanhänger getragen. Neu ist allerdings die Form der Fassung, wobei sich hauptsächlich der Krappen- oder Zargenfassung bedient wird, um die Steine in Ohrringe, Ringe und Ketten einzusetzen.


Nachweis von Korund

Korund fluoresziert violett und rotblau, teilweise auch gelb. Pleochroismus ist nicht vorhanden. Das Mineral ist nicht in Säuren löslich und schmilzt im Elektroofen bei einer Temperatur von 2.050 °C.


Auch interessant:
Blaue Diamanten
Rubine, die keine sind
Alexander von Humboldt und die Minerale



Quellen:
⇒ Reuss, F. A. (1802): Lehrbuch der Mineralogie, Zweiter Teil, Zweiter Band, Leipzig
⇒ Klaproth, M. H. (1795): Beiträge zur chemischen Kenntniss der Mineralkörper. Erster Band
⇒ Okrusch, M. und S. Matthes (2009): Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg
⇒ Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
- www.mindat.org - corundum

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