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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 08.04.2024


Hornblende

Hornblende - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: hornblende | französisch: hornblende


Hornblende
Eine Hornblendekristall (hier: Ferro-Hornblende)

Hornblende - Ein Mineral aus der Amphibol-Supergruppe

Das Mineral Hornblende ähnelt nicht nur farblich den Geweihen von Hirschen, auch die Oberfläche von Hornblende fühlt sich entfernt wie die von Horn an - daher der Name Hornblende. Der Begriff Blende dahingegen stammt aus der Sprache mittelalterlicher Bergleute, die unter Blenden metallisch glänzende Mineralien zusammenfassten, deren Erzgehalt allerdings zu gering, nicht vorhanden oder nur schwer gewinnbar war.
Auf wen der Name Hornblende zurückgeht, ist nicht überliefert. 1750 findet sich bei Johan Gottschalk Wallerius (1709 bis 1785) einer der ältesten Einträge zum Begriff Hornblende. Der schwedische Mineraloge zieht dabei den optischen Vergleich von Hornblende und "Schörlblende".
Auch Johann Wolfgang von Goethe setzte sich in seinen Tagebüchern von 1770 mit den Hornblende-Vorkommen auseinander, die er während seiner Wanderungen um Tuttlingen entdeckte.
Eine genaue Beschreibung von Hornblende findet sich wenige Zeit später bei dem deutschen Mineralogen Abraham Gottlob Werner (1749 bis 1817); Kapitel Hornblende in seinem Werk "Oryktognosie oder Handbuch für die Liebhaber der Mineralogie", wobei allerdings im Magazin für Bergbaukunde von 1787 der Mineraloge Axel Cronstedt (1722 bis 1765) als Namensgeber des Minerals Hornblende gilt.


braune Hornblende
Eine Magnesio-Hornblende (Fundort: Nickenicher Sattel)

Eigenschaften von Hornblende

Hornblende Reihe von Silikatmineralien bestehend aus
(Ca,Na,K)2-3(Mg,Fe,Al)5[(OH)2(Al,Si)8O22]. Mitunter variiert die chemische Zusammensetzung des Minerals, da der Platz der metallischen Elemente im Kristallgitter beliebig ausgetauscht werden kann, z.B. als

  • Aluminohornblende
  • Ferrohornblende
  • Magnesiohornblende

Weiterhin wird Hornblende der Gruppe der Amphibole zugeordnet.

Die Farbe von Hornblende variiert zwischen grün, graugrün, schwarzgrün, braungrün, braun oder schwarz.
Aufgrund der Farbe und Kristalle kann Hornblende mit Augit, Ägirin, Moldavit und der Turmalinvarietät Schörl verwechselt werden.
Die Strichfarbe von Hornblende ist graubraun bis graugrün bzw. zeichnet sich nach Cronstedt und Werner 1792 Hornblende durch einen "grünlichgrauen, auch wohl berggrünen Strich" aus.

Hornblende kristallisiert im monoklinen Kristallsystem. Die Kristalle des Silikats sind prismatisch-kurzsäulig mit sechseckigem Umriss. Die Aggregate sind faserig-stengelig, körnig, massig oder derb.

Der Glanz von Hornblende reicht von matt bis gläsern und fettig bei undurchsichtiger bis durchscheinender Transparenz. Hornblende weist einen muschelig-unebenen Bruch auf, die Spaltbarkeit ist vollkommen.

Die Mohshärte beträgt 5 bis 6 bei einer Dichte von 2,8 bis 3,5 g/cm³.


Ein Hornblendekristall
Ein dunkler Hornblendekristall (Fundort: Laach / Eifel)

Entstehung und Verbreitung von Hornblende

Hornblenden können sowohl magmatisch aus entsprechend der Zusammensetzung führenden Lösungen auskristallisieren oder durch metamorphe Vorgänge aus anderen Mineralen, die im Zuge dessen aufgeschmolzen und in anderer Zusammensetzung rekristallisieren, hervorgehen.

Die Vorkommen von Hornblende sind u.a. mit Magnetit, Feldspat, Quarz, Epidot, Biotit und Granat vergesellschaftet.
Weiterhin ist Hornblende als gesteinsbildendes Mineral, d.h. Gemengteil, an der Zusammensetzung vieler magmatischer und metamorpher Gesteine wie bspw. Syenit, Gabbro, Granodiorit, Amphibolit, Diabas, Ignimbrit, Monzonit, Yooperlith, Trondhjemit, Troktolith, Norit, Larvikit und Diorit beteiligt.

Nennenswerte Fundorte von Hornblende befinden sich z.B. in Kragerö, Arendal/Norwegen; Nordmarken, Stockholm/Schweden; Perniö, Pargas/Finnland; Süden von Grönland; Ukraine; Kaiserstuhl, Eifel/Deutschland; Böhmen/Tschechien; Auvergne/Frankreich; Schweiz; Zillertal/Österreich; Siebengebirge/Rumänien; um die Vulkane Ätna und Vesuv/Italien; Japan; Indien; Kongo; Tansania; Namibia; Tasmanien, Südaustralien, Queensland/Australien; Bahia/Brasilien; New York, Kalifornien/USA und Ontario/Kanada.


Bedeutung und Verwendung von Hornblende

Hornblende ist insbesondere für Mineraliensammlungen von Bedeutung. Vor allem Sammler von Micromounts und Kleinstufen können sich über zahlreiche ästethische und variantenreiche Exemplare freuen. Beliebt sind v.a. Hornblenden aus Vulkangebieten, z.B. der Vulkaneifel.


Nachweis von Hornblende

Verwechslungen mit Augit können bei genauerer Betrachtung der Kristalle ausgeschlossen werden, da Hornblende einen hexagonalen Querschnitt aufweist.
Bis auf Fluorwasserstoffsäure ist Hornblende gegenüber Säuren resistent und schmilzt in der Flamme zu einem grünen Glas zusammen.


Magnesio-Hornblende
Braune Magnesio-Hornblende aus Uedersdorf (Vulkaneifel)

Auch interessant:


Quellen:

  • Wallerius, J. G. (1750): Mineralogie
  • Goethe, Johann Wolfgang von: Tagebücher. Band 1, 1770 bis 1810
  • Cronstedt, A. und Werner, A. G. (1780): Hornblende. IN: Versuch einer Mineralogie
  • Magazin für Bergbaukunde (1787)
  • Humboldt, A. (1790): Mineralogische Beobachtungen über einige Basalte am Rhein mit vorangeschickten, zerstreuten Bemerkungen über den Basalt der ältern und neuern Schriftsteller
  • Werner, Abraham Gottlob (1792): Oryktognosie oder Handbuch für die Liebhaber der Mineralogie: vermittelst welchem die Mineralien aus ihrer äußerlichen Beschaffenheit leicht zu erkennen, von einander zu unterscheiden, und von anderen kenntlich zu machen sind
  • Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
  • Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
  • Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
  • Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
  • www.mindat.org - hornblende
  • Mineralien-Steckbriefe