Violetter Saphir
Violetter Saphir = Fancy Saphir
Wenn das Mineral Saphir für eine bestimmte Farbe steht, dann ist es blau. Kein Wunder – schließlich wird der aus dem Griechischen stammende Name mit blau übersetzt.
Dass das Farbspektrum von Saphir weitaus größer ist, zeigen die Farben der sogenannten Fancy Saphire. Saphire in Gelb, Orange, Rosa/Pink, Grün, Schwarz und Violett. Letztere waren bereits dem römischen Gelehrten Plinius (23 n.Chr. Bis 79 n. Chr.) bekannt, der über violette Saphire schrieb, sie „haben selten Purpurfarbe“.
Der Begriff Fancy Saphir dagegen ist deutlich jünger und wird seit dem späten 20. Jahrhundert verwendet. Zuvor wurden violette Saphire lediglich als eine der möglichen Farben von Saphiren aufgezählt, ohne aber auf die Besonderheit der nicht-blauen Saphirfarbe hinzuweisen.
Der deutsche Mineraloge Abraham Gottlob Werner (1749 bis 1817) hingegen führte für alle Saphire, deren Farbe nicht blau ist, im Jahr 1811 die Bezeichnung Salamstein ein. Der Chemiker Karl Seubert (1851 bis 1942) definierte diesen später folgendermaßen: „Salamstein nennt man kleine rote (hie und da blaue oder violette), prismatische Rubinkristalle".
Eine Umschreibung, die zunächst verwirrend erscheint, doch Saphir und Rubin sind chemisch miteinander verwandt und Varietäten der Korundgruppe.
Da jedoch jede Abweichung vom idealen Rubinrot traditionell mit einem Wertverlust einherging, setzte sich in der Gemmologie die Praxis durch, alle Korundfarben, die weder Rubinrot noch klassisches Saphirblau zeigen, unter dem Sammelbegriff Fancy-Saphir zusammenzufassen.

Violetter Saphir – Die Eigenschaften
Das Mineral Saphir wird in der Mineralogie der Korundgruppe (kurz: Korund) zugeordnet. Zu dieser zählen neben dem farblosen Leukosaphir auch der roten Rubin.
| Eigenschaft | Beschreibung |
|---|---|
| Chemische Zusammensetzung | Al2O3 |
| Mineralklasse | Oxidmineral |
| Farbe |
|
| Strichfarbe | weiß |
| Glanz | glasartig bis diamanten |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Bruch | splittrig, muschelig |
| Spaltbarkeit | nicht vorhanden |
| Mohshärte | 9 |
| Dichte | 3,9 bis 4,1 g/cm³ |
Saphire zählen zu den härtesten Mineralien der Welt. Lediglich Diamanten übertreffen Saphire in puncto Härte. Zur vergleichenden Einordnung der Härte von Mineralien hat sich die Mohshärteskala bewährt.
Der Mineraloge Friedrich Mohs (1773 bis 1822) führte im Jahr 1817 ein System ein, das Mineralien in zehn Härtegrade einteilt, beginnend mit der Mohshärte 1 (sehr weich) bis zur Mohshärte 10, die ausschließlich Diamanten vorbehalten ist. An diese Skala lehnt sich auch die Bestimmung der Edelsteinhärte an. Als zentrales Kriterium gilt dabei eine Mohshärte von über 7, die ein Mineral erfüllen muss, um als Edelstein klassifiziert zu werden.
Die Farbe von lila Saphir
Das Violett von Saphiren ist sehr nuancenreich: rein violette Farbtöne wechseln sich mit rosa- und rotstichigen Steinen ab, bis hin zu einem Violett, das ins Graue oder Blaue spielt.
Im englischsprachigen Raum wird oftmals zwischen Purpur-Saphir und violettem Saphir unterschieden. Was den Unterschied beider Farbtöne ausmacht, wird beim direkten Vergleich deutlich. Purpurfarbene Saphire sind augenscheinlich rosa/pink-violett bis rot-violett. Hinweise auf dem Echtheitszertifikat wie pink-violett oder pinkish violet unterstützen diese Beschreibung.
Violette Saphire gehen stärker ins Fliederfarbene und weisen häufig einen mehr oder weniger ausgeprägten Hauch von Grau oder Blau auf. Im Handel findet man diese Farbgebung teilweise unter der Bezeichnung Lavendelsaphir.
Nichtsdestotrotz können violette Saphire auf den ersten Blick leicht mit blauen, lilastichigen Saphiren verwechselt werden. Bereits der Naturwissenschaftler Johann Georg Krünitz (1728 bis 1796) wies 1824 auf die fließenden Übergänge im Farbreichtum des Saphirs hin: „lasur- und viol-, theils (...) indigoblau“. Entscheidend ist jedoch, dass beim violetten Saphir Violett oder Purpur die dominierende Grundfarbe bleibt. Krünitz beobachtete treffend dazu, die „violblaue verläuft sich in die rothe, und zwar in die Karmoisinrothe“ Farbe.
Um die Farbe von violett-blauen und blau-violetten Saphiren eindeutig zu bestimmen, greifen Gemmologen und Gemmologinnen mitunter auf detaillierte Farbkarten zurück, in denen jede Nuance exakt definiert ist. Was aufwendig erscheinen mag, ist aus preislicher Sicht nicht unerheblich. Der Marktwert violetter Saphire liegt deutlich unter dem klassisch blauer Saphire.
Ein weiteres zentrales Kriterium für die Preisbildung ist die Farbsättigung. Zu helle (light, faint) oder zu dunkle (dark) Steine führen zu Abzügen in der Bewertung. Als Ideal gilt eine intensive, lebhafte Farbe, die in der Fachsprache als vivid purple oder vivid violet bezeichnet wird.
In der historischen Literatur wird die Farbe von violettem Saphir oftmals mit dem Violett der Quarzvarietät Amethyst verglichen, da amethystfarbener Saphir sehr häufig unter allen Fancy Saphiren vorkommen. In historischen Mineralogiebüchern ist deshalb auch oft die Rede vom „Orientalischer Amethyst“ (Blum 1887 oder Klockmann 1892), Amethystfarbiger Saphir" (Doelter y Cisterich) oder „Amethyst-Saphir“ (Kluge 1860). Trotz der farblichen Nähe unterscheiden sich Amethyst und Saphir grundlegend in Hinblick auf die chemische Zusammensetzung und die Härte. Saphire sind deutlich härter als Amethyste.
Andere violette Edelsteine und Mineralien, die mit Fancy violettem Saphir verwechselt werden können, sind zum Beispiel Kunzit, violetter Diamant, Fluorit oder violetter Spinell.
Farbveränderung von violettem Saphir
Wie bei vielen anderen Mineralien kann auch die Farbe von Saphiren nachträglich verändert werden. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von einer ungleichmäßigen Farbverteilung bis hin zu insgesamt zu hellen oder zu dunklen Farbtönen.
Ein Verfahren, das seit Jahrhunderten praktiziert wird, ist das thermische Behandeln (Brennen) von Mineralien. Abhängig vom Mineral wird der Stein einer individuellen, kontrollierten Temperatur unter oxidierenden oder reduzierenden Bedingungen ausgesetzt. Ziel ist es, die farbgebenden Spurenelemente im Kristallgitter in einen anderen Ladungszustand zu überführen, was sich in einer Veränderung oder Harmonisierung der Farbe äußert.
Im Fall von violettem Saphir wird das Brennen mit einer Beryllium-Diffusionsbehandlung kombiniert. Als Ausgangsmaterial dienen entweder milchig-weiße Geuda-Saphire oder hellgelbe Saphire.
Auch wenn thermisch behandelte Saphire in ihrer Farbintensität oft kräftiger und ästhetisch ansprechender wirken als unbehandelte Steine, liegt der Marktwert naturbelassener, unbehandelter violetter Saphire deutlich höher.
Entstehung und Verbreitung von violettem Saphir
Wie alle Saphire entsteht auch violetter Saphir entweder magmatisch oder im Zuge metamorpher Prozesse. (Näheres: Die Entstehung von Mineralien), deren Vorkommen sich auf Sri Lanka (Ceylon-Saphir), Thailand, Myanmar, Vietnam, Indien, China, Madagaskar, Kenia, Tansania (Umba-Saphir), Brasilien und Australien konzentrieren.
Verwendung und Bedeutung von violettem Saphir
Violetter Saphir ist ein begehrter Edelstein in der Schmuckbranche.
Abhängig von der Reinheit werden die Steine mit Facettenschliffen wie beispielsweise Cushion-Schliff/Kissenschliff, Rundschliff, Ovalschliff, Smaragdschliff, Marquiseschliff/Navette oder Tropfenschliff) oder Glattschliffen, z.B. Cabochonschliff versehen.
Kristallklare, lupenreine Steine oder solche mit nur wenigen Einschlüssen, die die Transparenz nicht wesentlich beeinträchtigen, eignen sich besonders für Facettenschliffe, da diese das Farbspiel und die Brillanz optimal zur Geltung bringen. Trübe oder undurchsichtige violette Saphire hingegen werden bevorzugt als Cabochon geschliffen, um ihre Farbe und Oberflächenwirkung harmonisch zu betonen.
Violetter Saphir – Wert und Preis
Der Preis eines Edelsteins ist stets eine Einzelfallentscheidung, die aus dem Zusammenspiel von vier Größen hervorgeht (angelehnt an die 4C von Diamanten):
- Carat/Gewicht
- Cut/Schliff
- Clarity/Reinheit
- Color/Farbe
| Eigenschaft | Beschreibung |
|---|---|
| Farbe |
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| Reinheit |
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| Gewicht |
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| Schliff |
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Entsprechend groß ist die Preisspanne: Während gebrannter violetter Saphir mit sichtbaren Einschlüssen bereits ab etwa 100 bis 120 Euro pro Karat erhältlich ist, können unbehandelte, lupenreine Steine mit intensivem Violett- oder Purpurton Preise von bis zu 4.000 Euro pro Karat erreichen.
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Quellen:
- Plinius, überarbeitet von Denso, J. D. (1765): Naturgeschichte
- Werner, A. G. (1811): In: Salamstein. IN: Handbuch der Mineralogie von C.A.S. Hoffmann, erster Band
- Krünitz, J. G. (1824): Saphir (Orientialischer). IN: Oekonomische Encyklopädie. Band 136
- Schubert, G. H. v. (1853): Saphir. IN: Abriss der Mineralogie
- Kluge, K. E. (1860): Saphir (Orientalischer). IN: Handbuch der Edelsteinkunde für Mineralogen, Steinschneider und Juweliere
- Seubert, K. und Seubert, M. (1883): Salamstein. IN: Handbuch der allgemeinen Warenkunde für das Selbststudium wie für den öffentlichen Unterricht: Unorganische Warenkunde
- Blum, J. R. (1887): Orientalischer Amethyst. IN: Taschenbuch der Edelsteinkunde Klockmann, F. (1892): Saphir (Salamstein). IN: Lehrbuch der Mineralogie für Studirende und zum Selbstunterricht
- Doelter y Cisterich, C. A. (1893): Weitere edle Korund-Varietäten. IN: Edelsteinkunde. Bestimmung und Unterscheidung der Edelsteine und Schmucksteine. Die künstliche Darstellung der Edelsteine
- Bauer, M. (1897): Rubin und Sapphir
- Bauer, M. (1907): Edelsteinkunde
- Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
- Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
- Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
- Hochleitner, R. (2017): Welcher Stein ist das? Kosmos-Naturführer. Über 350 Mineralien, Edelsteine und Gesteine. Franckh Kosmos Verlag
- Salimi, M. M. und Renfro, N. (2020): Exceptional Purple Montana Sapphire. IN: Gems & Gemology, Summer 2020

