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Die Reinheit von Diamanten - 4C



Ein makelloser, kristallklarer Diamant mit intensiver Brillanz gilt als das Ideal eines perfekten Diamanten. Im Gegensatz zu synthetisch hergestellten Kristallen und Diamant-Imitationen, die in Edelsteinlaboren gezüchtet werden, weisen natürlich entstandene Diamanten mehr oder weniger Einschlüsse oder oberflächliche Fehler auf. Diese beeinflussen nicht nur die Reinheit, sondern auch maßgeblich den Wert des Diamanten.



4C, Diamanten und die Reinheit

Die Reinheit von Diamanten ist eines von vier Merkmalen, nach denen der Preis von geschliffenen Diamanten nach international anerkannten, objektiven Maßstäben bestimmt wird. Diese vier Bewertungsfaktoren sind weltweit unter dem Begriff 4C bekannt:

Die Kriterien zu jeder Eigenschaft sind klar definiert und genauestens aufgeschlüsselt, sodass ein Diamant auch im internationalen Vergleich unabhängig vom Standort nach denselben Maßstäben bewertet und verglichen werden kann.


Reine Diamanten

Die Eigenschaft der Reinheit von Diamanten beschreibt mögliche Einschlüsse im Kristall und/oder oberflächliche Makel.

Dass der Reinheit ein derart hoher Stellenwert zuteil wird, wird mit den Auswirkungen auf die Farbe sowie Brillanz von Diamanten begründet. Je mehr Unreinheiten in einem Diamanten vorhanden sind, desto stärker wird Lichtdurchgang beeinträchtigt. Einschlüsse können das einfallende Licht streuen oder ablenken, wodurch der Diamant dunkler erscheint und an Brillanz verliert. Reine Diamanten hingegen lassen das Licht nahezu ungehindert passieren und entfalten so das charakteristische, intensive Funkeln..


Inklusionen in Diamanten

Genau wie bei anderen Mineralien treten auch in Diamanten verschiedene Arten von Einschlüssen auf: Gas- bzw. luftgefüllte Bläschen, Flüssigkeiten wie Wasser, aber auch feste Einschlüsse in Form von anderen Mineralien.

Nur die wenigsten Diamanten sind frei von internen Unreinheiten. Neben Calcit, Diopsid, Granat, Hämatit, Olivin, Pentlandit, Pyrrhotin, Rubin und Spinell können in Diamanten auch Diamanten eingeschlossen sein, sog. Matroschka-Diamanten.
Die Fremdkristalle sind oftmals kaum größer als ein Pünktchen und entstanden entweder parallel mit dem Mutterkristall oder zu einem späteren Zeitpunkt als Hohlraumfüllung.

Auch haarfeine Risse zählen zu den Einschlüssen. Diese sind meist nur unter dem Mikroskop sichtbar und erscheinen als feine Nadeln, federartige Zeichnungen, Wölkchen oder Lamellen, die dem Diamanten einen nebeligen, undurchsichtigen Charakter verleihen und sichtbarer Ausdruck von Defekten und Störungen wachstumsbedingter bzw. entstehungsbedingter Kristallgitterdeformationen sind.


Unreinheiten der Kristalloberfläche

Oberflächliche Makel an geschliffenen Diamanten werden im Englischen unter dem Begriff Blemishes (deutsch: Makel) zusammengefasst. Diese sind in der Regel auf die Bearbeitung des Steins zurückzuführen. Dazu zählen unter anderem Polierspuren, Kratzer, abgebrochene Ecken oder Facetten sowie kleine Ausbrüche an der Oberfläche.


reinheit von diamanten
Die 11 Stufen der Reinheit von Diamanten

Lupenrein und augenrein

Zur Beurteilung der Reinheit wird üblicherweise eine Juwelierlupe mit zehnfacher Vergrößerung verwendet.

Sind unter dieser Vergrößerung keine Einschlüsse oder Oberflächenfehler erkennbar, spricht man von lupenreinen Diamanten.

Davon zu unterscheiden sind augenreine Diamanten, bei denen mittels Vergrößerung durchaus Fehler zu sehen sind. Hier zählt allerdings, ob die Unreinheiten mit dem bloßen Auge zu sehen sind. Mit dem Auge nicht sichtbare Einbußen der Reinheit werden als augenrein definiert.

Anhand der von der Gemological Institute of America (GIA) eingeführten Reinheitsstufen lässt sich leicht erkennen, ob ein Diamant als lupen- oder augenrein gilt.
Diamanten mit dem Prädikat Internally Flawless (IF) und Flawless (IF) zählen zu den reinsten Diamanten überhaupt, sind lupenrein und eine ausgesprochene Seltenheit. Am anderen Ende der Skala stehen Piqué-Diamanten, bei denen Einschlüsse und Blemishes deutlich wahrzunehmen sind.


Bewertung der Einschlüsse

Zur Feststellung der Einschlüsse und Oberflächenmakel werden messbare Kriterien herangezogen:

  1. Anzahl der Einschlüsse
  2. Größe der Einschlüsse und Oberflächenfehler
  3. Verteilung bzw. Lage im Diamant
  4. Sichtbarkeit der Unreinheiten: augenrein, lupenrein, augenscheinliche Einschlüsse

Die Position der Unreinheiten spielt dabei eine entscheidende Rolle. Abhängig von der Lage im Stein fallen diese mehr oder weniger auf und können vertuscht werden. Einschüsse am Rand des Steins fallen häufig weniger auf und können gegebenenfalls durch die Fassung verdeckt werden.
Anders verhält es sich bei mittig gelegenen Unreinheiten, die die Lichtreflexion deutlich stärker beeinträchtigen und sich entsprechend negativ auf Brillanz und Erscheinungsbild auswirken..

Erfahrene Diamantschleifer und Diamantschleiferinnen wissen mit solchen Imperfektionen umzugehen. Bestimmte Schliffe können die Sichtbarkeit von Unreinheiten minimieren. Schliffe mit vielen, verschieden großen Facetten können kleinere Schönheitsfehler nahezu verschwinden lassen. Schliffe mit großen, "offenen" Facetten wie zum Beispiel der Cushion Cut/Kissenschliff, Smaragdschliff, Baguetteschliff oder Princess-Schliff verzeihen Einschlüsse nur wenig, da diese so stärker ins Auge fallen.


Reinheitsgrade nach dem GIA-System

International hat sich das 11-stufige Bewertungssystem der GIA als Standard etabliert.
Andere Institute verwenden teilweise leicht abweichende Maßstäbe oder vereinfachte Klassifizierungen. Welches System angewendet wurde, ist dem jeweiligen Gutachten oder Zertifikat zu entnehmen.

Das GIA-System, das neben der Reinheit auch Farbe und Schliffqualität erfasst, wurde 1954 von Richard T. Liddicoat (1918 bis 2002; US-Geologe) entwickelt und seither kontinuierlich weiterentwickelt.

Die Reinheitsstufen von Diamanten gem. GIA

Bezeichnung Kriterien der Reinheit
FL: flawless (lupenrein): unter 10-facher Vergrößerung sind weder innere noch äußere Fehler erkennbar
IF: internally flawless (intern lupenrein): bei 10-facher Vergrößerung sind keine inneren Makel zu sehen
VVS 1: very, very slightly inclusions (sehr, sehr geringfügig): Einschlüsse und/oder äußere Fehler sind nur sehr, sehr schwer unter 10-facher Vergrößerung zu erkennen
VVS 2: very, very slightly inclusions (sehr, sehr geringfügig): Einschlüsse und/oder äußere Fehler sind sehr schwer festzustellen unter 10-facher Vergrößerung
VS 1: very slightly inclusions (sehr geringfügige Einschlüsse): Einschlüsse und äußerliche Makel sind recht schwer unter 10-facher Vergrößerung wahrzunehmen
VS 2: very slightly inclusions (sehr geringfügige Einschlüsse): Einschlüsse und äußerliche Makel sind schwer unter 10-facher Vergrößerung zu sehen
SI 1: slightly inclusions (geringfügige Einschlüsse): Einschlüsse und äußere Defekte sind recht einfach unter 10-facher Vergrößerung zu identifizieren
SI 2: slightly inclusions (geringfügige Einschlüsse): Einschlüsse und äußere Defekte sind einfach unter 10-facher Vergrößerung, aber noch nicht mit bloßem Auge feststellbar
P 1: Piqué 1: Einschlüsse und äußerliche Fehler sind sehr einfach unter 10-facher Vergrößerung zu sehen. Der Diamant ist fehlerhaft, die Brillanz wird dennoch nicht gemindert.
P 2: Piqué 2: Einschlüsse und äußerliche Fehler sind mit bloßem Auge sehr einfach zu orten. Der fehlerhafte Diamant ist in der Brillanz schwach gemindert.
P 3: Piqué 3: die Einschlüsse sind von deutlich erkennbarer Größe, mit bloßem Auge auch ohne Vergrößerung wahrzunehmen. Die Brillanz ist deutlich gemindert.


Reinheitskorrektur von Diamanten

Nicht perfekt reine Diamanten können einer Schönheitsbehandlung unterzogen werden, um die Reinheit aufzuwerten.


Bleiglasgefüllte Diamanten

Eine seit Langem bekannte Methode ist das Auffüllen von Rissen mit Bleiglas. Dabei wird eine flüssige Bleiglasschmelze unter Druck in die Risse gepresst. Nach dem Aushärten erscheinen diese optisch geschlossen, der Diamant wirkt homogener und reiner. Unter dem Mikroskop lassen sich die Füllungen jedoch durch charakteristische violettblaue oder orangegelbe Lichtblitze erkennen. Das Verfahren ist kontrovers umstritten; die GIA stellt für glasgefüllte Diamanten keine Zertifikate aus. Zudem kann sich die Farbe des Steins nach der Behandlung verändern.


Laserkorrigierte Diamanten

Akzeptiert ist hingegen die laserbasierte Reinheitskorrektur. Dabei wird mittels Laser ein mikroskopisch feiner Kanal zu einem Einschluss gebohrt und ein Bleichmittel oder eine Säure eingebracht, um den Fremdkörper optisch zu entfernen oder aufzulösen.
Diese Technik wird seit den 1960er-Jahren angewendet und ist unter dem Mikroskop anhand der Bohrkanäle erkennbar.

Ob ein Diamant behandelt wurde, ist im Zertifikat vermerkt, etwa durch Hinweise wie clarity enhanced oder Reinheitsverbesserung.


Der Wert von reinen Diamanten

Der Preis eines Diamanten ergibt sich aus dem Zusammenspiel der vier 4C: Farbe, Reinheit, Schliff und Karatgewicht. Bei identischem Schliff, Gewicht und gleicher Farbkategorie können unterschiedliche Reinheitsgrade zu erheblichen Preisunterschieden führen.

Hinzu kommt die Frage, ob eine Reinheitskorrektur stattgefunden hat, die sich im Wertverlust von bis zu 60 % gegenüber unbehandelten, naturbelassenen Diamanten wiederfindet.

Auch wenn die reinsten Kristalle als das Optimum von Diamanten gelten, wird bei einer Diamantenfarbe eine Ausnahme gemacht: rosafarbene Diamanten. Die Farbe pinker Diamanten entsteht durch Fehler im Kristallgitter, sogenannte Grain Lines oder Lamellen. Je mehr grain lines vorhanden sind, desto intensiver und dunkler ist die Farbe, sodass im Fall von pinken Diamanten Einbußen der Reinheit zugunsten der Farbe hingenommen werden.


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Letzte Aktualisierung: 06.01.2026



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