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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 08.06.2020


Almandin

Almandin - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: almandine | französisch: almandin


almandin Foto
Almandin

Almandin – Der häufigste von allen Granaten

Bevor das Mineral Almandin unter dem Namen Almandin Einzug in die mineralogische Literatur hielt, war es unter dem Begriff Eisen-Ton-Granat oder Karfunkelstein bekannt. Unter der Bezeichnung wurden lange Zeit alle roten Mineralien zusammengefasst, ohne die spezifischen Mineralien zu benennen.
Hinter dem Begriff Eisen-Ton-Granat steht sowohl die Zusammensetzung als die Zugehörigkeit zur Granatgruppe. Der Name Almandin hingegen geht auf den deutschen Mineralogen Dietrich Ludwig Gustav Karsten (1768 bis 1810) zurück, der das Mineral in Anlehnung an den Ort der Erstentdeckung – die antike Stadt Alabanda im Südwesten der Türkei – Almandin nannte.


Inhaltsverzeichnis Almandin


Eigenschaften von Almandin

Almandin ist ein Vertreter der Granatgruppe, kurz Granat bzw. Granate – daher oft auch Almandin-Granat genannt. Hinter dem Namen Granat steht kein bestimmtes Mineral, sondern eine Gruppe von Mineralien, die sich durch eine ähnliche chemische Zusammensetzung sowie den für Granat typische Kristallgitterbau auszeichnen.
Neben Almandin zählen u.a. folgende Mineralien zur Granatgruppe:

Chemisch betrachtet handelt es sich bei Almandin um ein Eisen-Aluminium-Silikat-Mineral (Fe3Al2[SiO4]3) und wird deshalb innerhalb der Granate den Aluminium-Granaten bzw. der sogenannten Pyralspit-Reihe zugeordnet.

Almandin kristallisiert dem kubischen Kristallsystem folgend und bildet dodekaedrische, rhombendokaedrische oder trapezoedrische Kristalle, die bis zu 15 cm groß werden können.
Die Aggregate sind körnig, massig und kompakt.

Almandin weist keine Spaltbarkeit auf, der Bruch ist muschelig-uneben. Die Transparenz von Almandin variiert zwischen durchsichtig und durchscheinend, wobei der Grad der Reinheit vor allem auf Einschlüsse im Almandin zurückzuführen ist, u.a. Apatit, Quarz, Biotit und Phlogopit/Glimmer, Spinell sowie Rutil.
Rutil im Speziellen bewirkt nicht nur, dass Almandin einen seidigen Glanz erhält, dem Mineral ist auch ein besonderer optischer Effekt zu verdanken, der als Asterismus bezeichnet wird. Übereinander gelagerte, nadelförmige Rutil-Kristalle erzeugen einen strahlenförmigen Lichteffekt, der an einen vier- oder sechsstrahligen Stern erinnert (sog. Stern-Almandin). Der Glanz des roten Minerals ist glas- bis harzartig.

Mit einer Mohshärte von 7 bis 7,5 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem deutschen Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839) erfüllt Almandin das Kriterium der Edelsteinhärte. Die Dichte beträgt 3,95 bis 4,32 g/cm³.


granat_almandin - Mineral und Kristalle
Granatglimmerschiefer mit Almandin aus den Ötztaler Alpen

Die Farbe von Almandin

Die typische Farbe von Almandin ist rot, das von einem reinen Rot bis hin zu rotschwarzen, violett, rotbraunen bis braunschwarzen Farbgebungen reicht, wobei Eisen als farbgebendes Element in Erscheinung tritt und Almandin demzufolge als allochromatisches Mineral, d.h., die Farbe beruht auf einem äußeren, nicht kristalleigenem Einfluss, definiert wird.

Die Strichfarbe von Almandin – die Farbe, die entsteht, wenn ein Mineral über ein unglasiertes Porzellantäfelchen gestrichen wird – ist wie bei allen Granatmineralien weiß.

Die Farbe von Almandin ist zudem etwas Besonderes. In der Mineralienbranche ist es keine Seltenheit, dass die Farbe – insbesondere von geschliffenen Steinen – im Nachhinein geändert, korrigiert oder umgefärbt wird. Verschiedene Methoden wie Brennen oder Bestrahlen optimieren den ursprünglichen Farbton von Steinen, deren Farbe nicht dem Ideal entspricht. Almandin ist hingegen immer naturbelassen und unbehandelt, da das Mineral Granat nicht auf derartige Farbveränderungen bzw. -korrekturen anspricht.


Karfunkelstein Almandin

Lange Zeit, bevor die roten Mineralien Rubin, roter Spinell und die Granat-Varietäten Pyrop und Almandin als eigenständige Mineralien identifiziert wurden, wurden diese roten Steine unter dem Namen Karfunkelstein zusammengefasst.


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Entstehung und Verbreitung von Almandin

Almandin ist vorwiegend ein Mineral metamorphen Ursprungs, das aber auch unter magmatischen Bedingungen entstehen kann.
Dementsprechend ist Almandin oftmals als mineralischer Bestandteil in zahlreichen Gesteinen wie Gneis oder Schiefer, aber auch Glimmerschiefer, Amphibolit, Gneis, Granulit, Granit und Pegmatit enthalten.

Die Vorkommen von Almandin sind mit weiteren Mineralien vergesellschaftet, darunter u.a. Glimmer wie Muskovit und Biotit, Graphit, Magnetit, Feldspat, Kyanit und Quarz.

Nennenswerte Vorkommen des Granat-Minerals befinden sich bspw. in Falun/Schweden; Schottland; Grönland; Timmelsjoch, Zillertal, Obergurgel (Ötztal), Irchenrieth, Bodenmais, Erzgebirge/Deutschland; Olgia/Italien; Tschechien; Slowakei; Ural, Karelien/Russland; Sri Lanka; Indien; Afghanistan; Simbabwe; Sambia; Tansania; Madagaskar, USA und Brasilien belegt.


Tocantin-Granat

Bei den unter dem Handelsnamen Tocantin-Granat geführten Stein handelt es sich nicht um eine weitere Varietät von Granat, sondern um Almandin, der in Tocantin/Brasilien abgebaut wird.


almandin_granat - Aufnahme des Minerals
Almandin-Kristall

Almandin-Vorkommen in Deutschland

  • Baden-Württemberg: Freiburg, Hausach, Oberrotweil, Oberwolfach, Steinach
  • Bayern: Aschaffenburg, Bodenmais, Hof, Kropfmühl/Passau, Kulmbach, Pfaffenberg, Straubing, Waidhaus, Waldsassen, Weiden, Windischeschenbach
  • Brandenburg: Ruhlsdorf/Eberswalde, Vogelsang/Fürstenberg
  • Niedersachsen: Bad Harzburg, Goslar
  • Nordrhein-Westfalen: Königswinter
  • Rheinland-Pfalz: Brohltal, Ettringen, Gerolstein, Kelberg, Mayen
  • Sachsen: Altenberg, Döbschütz, Ehrenfriedersdorf, Großhartmannsdorf, Langenberg, Markersdorf, Schwarzenberg, Voigtsdorf
  • Schleswig-Holstein: Elmshorn, Travemünde

Verwendung und Bedeutung von Almandin

Almandin wird hauptsächlich zu Schmuck verarbeitet. Steine, die qualitätsbedingt nicht für Schmuck geeignet sind, werden als Poliermittel genutzt.


Almandin und Schmuck

Schmuck mit Almandin wird seit Jahrhunderten getragen. Im Alten Ägypten wurden Totenmasken mit Almandin verziert, im Mittelalter schmückten die roten Edelsteine Zepter, Kronen und Juwelen von Adligen. Im 19. Jahrhundert erlebten Almandin und Pyrop als die bekanntesten Granatvertreter ihre Hochzeit. Der Grund: die zur damaligen Zeit entdeckten reichhaltigen Granat-Vorkommen in Böhmen.

Während damals perlenartige Glattschliffe in Mode waren, wird Almandin heutzutage vor allem im Rundschliff, Ovalschliff, Navette/Marquiseschliff, Antikovalschliff, Tropfenschliff oder Oktagonschliff gehalten.

Bei Steinen, deren Reinheit ins Undurchsichtige geht, finden Glattschliffe (z.B. Cabochonschliff) Anwendung.


Heilstein Almandin

Daneben wird Almandin als Heilstein gehandelt, ohne dass die Wirkung von Almandin auf die Gesundheit von Körper und Seele in klinischen Untersuchungen bestätigt werden konnte.


Nachweis von Almandin

Almandin fluoresziert nicht. In der Flamme schmilzt das Mineral einfach, Säuren hingegen ist Almandin resistent.


Auch interessant:
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Quellen:
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
- www.mindat.org - almandine

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