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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 24.06.2024


Cruzeiro-Rubellit

Cruzeiro-Rubellit - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: Cruzeiro rubellite


Cruzeiro-Rubellit = Rubellit aus Brasilien

Wohl kaum ein anderer Bundesstaat in Brasilien ist so bekannt für seine Edelstein-Vorkommen wie Minas Gerais. Was im späten 17. Jahrhundert mit dem Abbau von Gold begann, entstand schon bald ein ganzer Wirtschaftszweig, der sich einzig und allein auf die Gewinnung von Diamanten, Aquamarin und Smaragd, Turmalin und vielen anderen Edelsteinen konzentrierte. Unter allen Minen in Minas Gerais hat sich seit den 1950er Jahren allerdings eine Mineral herauskristallisiert, deren Turmaline, vor allem die rote Varietät Rubellit, aufgrund der kristallklaren Reinheit und Intensität der Farbe weltweites Ansehen genießt: die Cruzeiro-Mine nahe Sao Jose da Safira, eine Gemeinde im Osten Brasiliens, etwa 950 km Luftlinie südöstlich von der brasilianischen Hauptstadt Brasilia entfernt.

Der Name Rubellit hingegen spielt auf die Farbe des Minerals an, insofern Rubellit aus dem Lateinischen mit rötlicher Stein übersetzt wird. Zu verdanken ist der Name Richard Kirwan (1733 bis 1812), der das 1792 in Murzinka im Ural/Russland entdeckte Mineral als „Rubellit, Roter Schörl aus Sibirien“ in die Mineralogie einführte.


Eigenschaften von Cruzeiro-Rubellit

Das Mineral Rubellit wird in der Mineralogie als eine Varietät von Turmalin definiert, weshalb Rubellit chemisch unter anderem mit farblosem Achroit, grünem Verdelith, schwarzem Schörl, blauen Indigolith und gelbem Tsilaisit verwandt ist.

Schon 1914 wurden in den Minen von Cruzeiro die ersten blauen und grünen Turmalinkristalle entdeckt, 1954 fanden Minenarbeiter schließlich Rubellite, die seit jeher wegen der brillanten, zumeist gleichmäßig verteilten schönen Farbe, die von zartrosa über rosenfarben, himbeerpink, rot bis hin zu bräunlichen Rottönen reicht, faszinieren.
Dabei sind die Rubellite von Cruzeiro keinesfalls Einzelgänger. Sehr oft sind die roten Kristalle in Gesellschaft mit der grünen Turmalinvarietät Elbait gruppiert, deren Farbe zwischen hellgrün, blaugrün und smaragdgrün variiert.
Daneben kommen in Minen von Cruzeiro auch Bicolor- und Multicolor-Turmaline vor, die zwei oder mehrere Farben in einem Kristall, farblich zoniert, vereinen und die im Handel unter der Bezeichnung Wassermelonenturmalin geführt werden.

Neben der Farbe bestechen Cruzeiro-Rubellite wegen der perfekten Kristalle: kurz- oder langsäulig, bis zu 26 cm lang mit hexagonalem Querschnitt und abgestumpftem Ende – wie aus dem Lehrbuch – und dabei von augenreiner Transparenz. Einschlüsse von Fremdmineralien, Gasen oder Flüssigkeiten, die die Reinheit beeinträchtigen könnten, sind mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen.


Tab. 1: Die Eigenschaften von Cruzeiro-Rubellit
EigenschaftBeschreibung
Chemische Zusammensetzung Na(Li,Al)3Al6(BO3)3Si6O18(OH)4
Mineralklasse Silikatmineral
Kristallsystemtrigonal
Farbe rosa, rot, pink, orangerot, rotbraun
Strichfarbe weiß
Glanz glasartig
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Bruch spröde, muschelig
Spaltbarkeit nicht vorhanden
Mohshärte 7 bis 7,5
Dichte 3,02 bis 3,26 g/cm³


Entstehung und Verbreitung von Cruzeiro-Rubellit

Die Turmaline von Cruzeiro sind Teil eines Pegmatit-Ganges, der in die Gesteine der Umgebung – Granit, Quarzit und Glimmerschiefer – vor Jahrmillionen intrudierte.
1674 wurde der Gang erstmals entdeckt, geriet dann wieder in Vergessenheit, bis 1915 vor Ort zunächst ausschließlich Muskovit/Glimmer abgebaut wurde.

Die Entdeckung der Turmaline und der anderen Edelsteine ist das Ergebnis weitergehender Erkundungen auf der Suche nach weiteren wirtschaftlich interessanten Mineralien. Tatsächlich ist zeichnet sich der Standort laut Cassedanne und Roditi (1996) durch eine bestimmte Abfolge bzw. Schichtung einiger Mineralien aus. Vergleichsweise oberflächennah steht muskovitreicher Granit an, dem feldspatreicher Granit folgt. Die 12 mächtige, sogenannte Zentralzone enthält Rauchquarz/Quarz, Feldspäte wie Andesin, Cleavelandit und Oligoklas, Turmaline (Elbait, Wassermelonenturmalin, Schörl, Indigolith und Rubellit), Calcit, Pyrop/Granat, Kunzit/Spodumen, Amblygonit, Torbernit, Phosphuranylit, Coerulolactit und Kassiterit, und wird von der unteren Zone, die milchquarzhaltige Linsen aufweist, begrenzt. Der Abbau erfolgt sowohl unterirdisch im Tunnelsystem wie auch im Tagebau unter freiem Himmel.

Zu Spitzenzeiten, Keith nennt die Periode zwischen 1955 bis 1970, wurden wöchentlich bis zu 200 kg Turmaline abgebaut, von denen etwa ein bis zwei Kilogramm von Edelsteinqualität waren. Andrew Lucas nannte 2015 ähnlich beeindruckende Zahlen: jährlich werden in den Cruzeiro-Minen acht Tonnen Turmaline zutage gefördert; 20 Prozent sind Rubellite. Der Großteil, etwa 40 Prozent, sind Schörl, gefolgt von grünem Turmalin.

Da der Name Cruzeiro-Rubellit einen geographischen Bezug im Sinne eines definierten Fundortes in sich trägt, kommt das Mineral ausschließlich hier vor.


Bedeutung und Verwendung von Cruzeiro-Rubellit

Bedingt durch die hohe Qualität in puncto Reinheit und Farbe wird Cruzeiro-Rubellit ausschließlich zu Schmuck verarbeitet und als Mineral für Sammlungen verwendet.


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Quellen:

Mineralien-Steckbriefe