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Der Schliff von Edelsteinen



Bereits im antiken Griechenland und Ägypten wurden Gesteine und Minerale zu Schmucksteinen verarbeitet. Mit ausgeklügelten und speziell auf das Mineral oder den Kristall berechneten Schliffen oder durch Polieren soll nicht nur die Reflexion an den Kristallflächen gesteigert werden, sondern auch der Wert.

Der richtige Schliff für jeden Stein

Unterschieden werden beim Schleifen Schliffarten und –formen, die individuell nach den Eigenschaften von Mineralen ausgerichtet sind.


Bild 1: verschiedene Schliffformen von Mineralen


Während die Schliffart von Edelsteinen die Anordnung und Anzahl der Facetten definiert, richtet sich die Schliffform häufig nach der eigentümlichen Gestalt der Kristalle. Unterschieden werden ovale, runde, kegelartige, kugelige, dreieckige, quadratische, sechseckige (Baguette), birnen- oder tropfenförmige Formen (Pendeloque), spitz zulaufenden Ellipsen (Marquise, Navette), langgezogene Tropfen (Pampel, Briolette) oder Phantasieformen (Tonnen, Herzen).

Hauptaugenmerk eines jeden Schliffs ist die Ausarbeitung bzw. Betonung der mineraleigenen Farbe und dessen Glanz unter geringstmöglichem Gewichtverlust des Rohstücks oder der Kristalle.
In diesem Zusammenhang ist häufig die Rede vom Feuer der Edelsteine, das sich auf das aus der Lichtbrechung an den Facetten resultierende Farbspiel bezieht.
Aufgabe eines Schleifers ist es, die Anzahl der Facetten – geschliffene Flächen, an denen Licht reflektiert wird - individuell dem Mineral oder Gestein anzupassen, damit der Lichteinfall und damit das Feuer bzw. die Brillanz optimal zur Geltung kommen. Wichtig ist, dass sich der Steinschleifer den Eigenschaften der Minerale und Edelsteine bewusst ist, da mitunter nicht alle Minerale zu jeder Schliffart verarbeitet werden können. Minerale mit ausgeprägter Spaltbarkeit können bspw. beim Facettenschliff splittern.

In der Praxis werden drei Schliffarten angewendet.


Bild 2: Minerale im Cabochonschliff

1. Der Glattschliff (Cabochon und Handschmeichler)

Der Glattschliff zeichnet sich durch ebene oder gewölbte (mugelige) Flächen aus, Facetten stehen hierbei nicht im Vordergrund. Diese Schliffart ist vor allem für Minerale und Gesteine geeignet, die besonders intensiv gefärbt sind oder infolge von Einlagerungen anderer Minerale, Gase oder Flüssigkeiten optische Effekte, wie Asterismus, in sich bergen.
Die wohl bekannteste Glattschliffart stellt der Cabochon-Schliff dar. Charakteristisch für Cabochons sind gewölbte Oberseiten, währenddessen die Unterseite nach innen gewölbt oder eben erscheint.
Andere Glattschliffarten sind Minerale oder Edelsteine in Form von Handschmeichlern, Kugelsteine, Trommelsteine oder Lagensteine.

Minerale, bei denen der Cabochon-Schliff angewendet wird: Rubin, Saphir, Citrin, Rosenquarz, Milchquarz, Tigerauge, Aventurin, Jaspis, Chrysopras, Karneol, Opal, Almandin, Spessartin, Grossular, Türkis, Jadeit, Lapislazuli, Amazonit, Sonnenstein, Azurit, Diopsid, Malachit, Enstatit, Sillimanit, Kornerupin, Rhodonit, Skapolith, Sodalith, Zoisit, Obsidian

2. Der Facettenschliff (Treppen- und Brillantschliff)

Der Facettenschliff wird bei Mineralen und Edelsteinen angewandt, deren Kristalle von durchsichtiger Transparenz gekennzeichnet sind und deren Glanz sowie Farbspiel durch zahlreiche Facetten intensiviert werden kann.
Typisch für Facettenschliffe sind sogenannte Tafeln – polierte, ebene und relativ große Flächen, die den Glanz unterstützen – sowie die eigentlichen Facetten, verantwortlich für die Dispersion des Lichts.
Als Unterart dieser Schliffart gelten Brillant- und Treppenschliff.

Der Brillant-Vollschliff weist eine flache Tafel und wenigstens 32 Facetten im Oberteil sowie mindestens 24 Facetten im Unterteil auf. Diese Schliffart wurde 1919 vom belgischen Diamantschleifer Marcel Tolkowsky (1899 bis 1991) ursprünglich für Diamanten entwickelt. Das fertige Produkt eines Diamanten im Brillantschliff wird entsprechend Brillant genannt. Um Verwechslungen mit anderen Edelsteinen im gleichen Schliff auszuschließen, sind diese gesondert zu benennen, z.B. Moissanit-Brillant.

Bei zu geringen Größen von Diamanten wird der Achtkant-Schliff genutzt. Kennzeichen sind die plane Tafel auf der Ober- und Unterseite, die jeweils von acht Facetten umgeben sind.

Beim Treppenschliff werden die Facetten an den Edelsteinkanten treppenartig, parallel zueinander verlaufend angelegt. Eine Unterart dessen ist der Scherenschliff (Kreuzschliff), bei dem die Treppen mit sich verkreuzenden Facetten schneiden, um vor allem Edelsteine und Kristalle mit geringer Transparenz erstrahlen zu lassen. Speziell für Smaragde entwickelt wurde der Smaragdschliff – ein Treppenschliff mit acht Ecken.

Der Facettenschliff findet vor allem Anwendung bei: Rubin, Bergkristall, Citrin, Rauchquarz, Opal, Pyrop, Grossular, Andradit, Andalusit, Benitoit, Cordierit

Im Brillantschliff präsentieren sich insbesondere: Diamant, Zirkon, Moissanit, Titanit, Taaffeit

Typischerweise findet der Treppenschliff Anwendung bei: Smaragd, Aquamarin, Morganit, Heliodor, Amethyst, Almandin, Turmalin, Peridot, Spinell, Orthoklas

3. Der gemischte Schliff

Der gemischte Schliff zeichnet sich durch die Vereinigung von Glatt- und Facettenschliff aus. Entweder ist die Ober- oder Unterseite glatt geschliffen, während die Unter- resp. Oberseite mit Facetten versehen wird.

Zum Einsatz kommt der gemischte Schliff häufig bei: Saphir, Amethyst, Almandin, Turmalin, Topas, Chrysoberyll, Spinell, Titanit


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Siehe auch:
- Kauf und Tausch von Mineralien und Gesteinen
- Schleifen und Polieren von Gesteinen und Mineralen
- Qualitätskriterien zur Bewertung von Diamanten


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Letzte Aktualisierung: 3. Dezember 2018

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