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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 02.09.2021


Grüner Saphir

Grüner Saphir - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: green sapphire


Grüner Saphir, Orientalischer Smaragd und Fancy Saphir

Sucht man in historischen Mineralogiebüchern im Index den Eintrag „Grüner Saphir“, fällt stattdessen häufig der Begriff „Orientalischer Smaragd“, wie auch zum Beispiel bei Christian Keferstein (1784 bis 1866; Geologe und Mineraloge) im Jahr 1849 unter der Überschrift „Der grüne Korund oder Saphir“: „... meist von lauch- oder grasgrüner Farbe, heisst bey den Juwelieren meist orientalischer Smaragd (…); bey grünlich blauer Färbung wird er meist aigemarine orientale (…) genannt, bey mehr hellgrüner Farbe peridot orientale“.

Dass grüne Saphire damals mit dem ebenfalls grünen Smaragd verglichen wurden, ist etymologischen Umständen geschuldet. In der Vergangenheit wurden lange Zeit alle grünen Steine unter dem Namen Smaragd zusammengefasst, ohne die jeweiligen Mineralien näher voneinander zu unterscheiden.

Eine frühe Unterscheidung zwischen der Beryll-Varietät Smaragd und grünem Saphir findet sich allerdings schon im Jahr 1774 bei Johann Samuel Schröter (1735 bis 1808). Der Paläontologe führte den echten Smaragd als „occidentalischer Smaragd“ und smaragdähnlichen Saphir nannte er orientalischen Smaragd.

Um Verwechslungen mit anderen grünen Mineralien zu vermeiden, werden alle nicht-blauen Saphire heutzutage in der Familie der Fancy Saphire vereint – nicht zuletzt auch deshalb, weil die Farbe blau als Inbegriff für Saphir steht und Saphir in gelb, orange, rosa/pink, violett, schwarz oder grün (noch) vergleichsweise unbekannt ist.


Grüner Saphir – Die Eigenschaften

Grüner Saphir wird in der Mineralogie aufgrund der chemischen Zusammensetzung als eine Varietät der Korundgruppe (kurz: Korund) definiert – daher auch das Synonym grüner Korund. Neben Saphir und rotem Rubin wird die Korundgruppe auch von farblosem Leukosaphir repräsentiert.

Tabelle: Die Eigenschaften von grünem Saphir
EigenschaftBeschreibung
Chemische Zusammensetzung Al2O3
Mineralklasse Oxidmineral
Farbe
  • grün
  • Oberton in Gelb, Braun und Blau
  • hell, mittel bis dunkel
Strichfarbe weiß
Glanz glasartig bis diamanten
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Bruch splittrig, muschelig
Spaltbarkeit nicht vorhanden
Mohshärte 9
Dichte 3,9 bis 4,1 g/cm³

Grüner Saphir ist mit einer Mohshärte 9 ein sehr hartes Mineral.
1817 führte der Mineraloge Friedrich Mohs (1773 bis 1839) ein zehnstufiges System ein, das alle Mineralien einem bestimmten Härtegrad zuordnete: beginnend mit Mohshärte 1 (sehr weich) bis 10 (sehr hart, Diamant).
Die Einteilung ist nicht nur aus mineralogischer Sicht hinsichtlich der Bestimmung von Mineralien von Interesse, auch die Schmuckbranche profitiert von der Härte der Mineralien. Harte und sehr harte Mineralien sind als Schmuckstein sehr gefragt, insofern diese beim Schleifen und eingesetzt in Schmuck weniger zum Splittern, Zerbrechen oder Zerkratzen neigen als weichere Mineralien.

Darauf aufbauend resultiert die Unterscheidung in Edelsteine und Schmucksteine. Mineralien, deren Mohshärte höher ist als 7, verfügen über die Edelsteinhärte und tragen das Prädikat Edelstein. Mineralien mit einer geringeren Härte werden als Schmucksteine bezeichnet. In Mineralienbüchern aus der Zeit vor dem 2000er Jahren werden Schmucksteine allerdings noch unter dem Eintrag Halbedelstein gelistet. Aufgrund des wertmindernden Images wurde der Begriff geändert.


Die Farbe von grünem Saphir

Das Grün von Saphir erscheint in zahlreichen Nuancen. Reingrüne Steine werden ebenso gefunden wie grüne Saphire, die durch einen Hauch von Gelb, Braun oder Blau einen anderen Grünton erhalten.
Besonders häufig ist gelbgrüner Saphir, der ins Olivgrüne spielt. Variationen in grasgrün, apfelgrün, blaugrün oder mintgrün zählen ebenfalls zum Potpourri der Farben von grünem Saphir, wobei die grünen Saphire aus Yogo-Gulch in Montana/USA sowie aus Sri Lanka (Stichwort Ceylon-Saphir) von edelster Farbqualität sind.

Ein strahlendes Grün wie es für Smaragd typisch ist, stellt eine Ausnahme dar, wie schon Seubert 1867 wusste: „das grün dieses äußerst seltenen Edelsteins ist nie so intensiv, wie das des eigentlichen Smaragds und neigt mehr ins Gelbe“. Auch der Mineraloge Carl Emil Kluge (1830 bis 1864) beobachtete 1860 gleiches: „Er erreicht in seiner Farbe nicht die Schönheit des eigentlichen Smaragds, zeichnet aber vor ihm durch die Stärke seines Glanzes aus“.

Einen umfassenden Vergleich zwischen Smaragd und grünem Saphir lieferte Johan Gottschalk Wallerius (1709 bis 1785; schwedischer Chemiker und Mineraloge), der die Farbe von grünem Saphir 1763 als „lichtgrün“ titulierte, ähnlich wie Johann Samuel Halle (1727 bis 1810; Historiker) das Grün von Saphir als „bleichgrün“ beschrieb.

Der Ursprung der grünen Farbe von Saphir wird mit Spuren von Chrom und Eisen begründet, wobei der Eisenwert nicht an den Wert von blauen Saphiren reicht. In einigen Fällen wird die Entstehung der Farbe von grünem Saphir erst unter dem Mikroskop sichtbar: blaue und gelbe Farbbänder ergeben im Zusammenspiel die grüne Farbe.

Bedingt durch die auf den ersten Blick für Saphire ungewöhnliche Farbe kann der grüne Edelstein vor allem mit grünen Diamanten, Aventurin, Peridot/Olivin, Tsavorit/Granat, Verdelith/Turmalin sowie Imitationen aus Glas oder Zirkonia verwechselt werden. Hellgrüner Saphir mit fließendem Übergang ins Meerwasserblaue hat eine Ähnlichkeit mit Aquamarin.


Schönheitsbehandlung von grünem Saphir

Nicht jeder grüne Saphir entspricht dem Ideal. Sei es, weil die Farbe zu hell oder dunkel ist, der Oberton als störend empfunden wird oder die Farbverteilung ungleichmäßig ist.

Ein weit verbreitetes Verfahren, um die Farbe von Saphir zu optimieren und zu korrigieren, ist das Brennen. Dazu wird der Stein auf eine Temperatur von 1.700 bis 1.800 °C erhitzt, infolgedessen die farbgebenden Atome auf eine andere Ladungszahl gebracht werden, sodass die Farbe in das begehrte Grün umschlägt. Dass ein grüner Saphir wärmebehandelt wurde, geht zum Teil nur aus dem Gutachten hervor, das seriöse Händler/innen beim Verkauf aushändigen. Hinweise wie thermisch behandelt, farbveredelt, erhitzt oder gebrannt bezeugen die Farbveränderung/-korrektur unter Hitze.

Eine andere Methode setzt zwecks Idealisierung der Farbe auf die Diffusionsbehandlung, bei der der Stein mit Beryllium „beschossen“ wird.

Mitunter wird der Reinheit ebenfalls auf die Sprünge geholfen. Einschlüsse in Edelsteinen sind nicht ungewöhnlich. Feine Fissuren im Kristall, Wachstumslinien, Inklusionen von Fremdkristallen (in Saphir oft Rutil), Gasen oder Flüssigkeiten bewirken jedoch, dass der Stein weniger brillant strahlt und unrein wirkt. Ein Großteil aller Unreinheiten verschwindet bereits beim Brennen. Kleinere Hohlräume verschmelzen infolge der Hitze und Rutilnadeln lösen sich aus.

Bei grünem Saphir mit exzellenter Farbqualität und möglichen internen Rissen wird auf ein anderes Verfahren gesetzt: Das Auffüllen mit Fremdsubstanzen, insbesondere farblosem oder eingefärbtem Bleiglas. Im Ergebnis wirkt der Saphir dann farblich einheitlicher und reiner.


Grüner Saphir - Entstehung und Verbreitung

Grüner Saphir ist ein Mineral, das sowohl unter magmatischen wie auch metamorphen Verhältnissen entsteht und dessen Vorkommen sich auf Sri Lanka, Indien, Myanmar, Thailand, Vietnam, China, Australien, Brasilien und Montana/USA konzentrieren.


Verwendung und Bedeutung von grünem Saphir

Saphire in jedweder Farbe sind seit jeher begehrte Steine für die Herstellung von Schmuck. Der Stein ist dankbar beim Schleifen, insofern sich das Splittern in Grenzen hält, und Schmuck mit Saphir der hohen Härte wegen für Langlebigkeit steht.

Um die Reinheit und das Reichtum der Grünnuancen im Licht zu betonen, finden bei grünen Saphiren vorrangig Facettenschliffe Anwendung, z.B. Ovalschliff, Rundschliff, Tropfenschliff, Marquiseschliff, Smaragdschliff, Kissenschliff/Cushion-Cut oder Prinzess-Schliff.


Grüner Saphir – Der Wert

Die Antwort auf die Frage „Wie viel kostet ein grüner Saphir?“ ist nicht so einfach zu beantworten. Um den Preis eines Edelsteins objektiv bewerten zu können, werden – angelehnt an die 4C von Diamanten – vier Kriterien herangezogen, die detailliert aufgeschlüsselt sind und eine Einschätzung nach objektiven Maßstäben ermöglichen.

  1. Carat – Karat/Gewicht
  2. Color – Farbe
  3. Clarity – Reinheit
  4. Cut – Schliff

EigenschaftBeschreibung
Farbe
  • naturbelassen oder behandelt/gebrannt
  • gleichmäßige Farbverteilung oder fleckig
  • Intensität der Farbe
Reinheit
  • Einschlüsse vorhanden
  • Art und Anzahl der Einschlüsse
  • Reinheitskorrektur erfolgt
Gewicht
Schliff
  • Korrekte Anzahl der für jeweiligen Schliff vorgegebenen Facetten
  • fehlende oder zusätzliche Facetten
  • Harmonie der Proportionen
  • abgeschnittene Facetten
  • unsaubere Arbeit

Das Ideal eines grünen Saphirs entspricht einem reinen Grün von mittlerer Farbsättigung. Ist das Grün zu hell, zu dunkel oder Oberton in eine andere Farbe zu ausgeprägt, wird der Preis geringer eingeschätzt – genau wie Steine, deren Farbe nicht zu 100 % natürlichen Ursprungs ist.
Hinzu kommt, dass der Preis mit dem Gewicht nicht proportional steigt. Steine mit einem Gewicht von mehr als zwei Karat (1 Karat = 0,2 Gramm) sind eine Seltenheit. Dementsprechend kann der Wert eines Fünfkaräters deutlich höher ausfallen als der eines Halbkaräters im Vergleich.
Zudem spielt die Herkunft eine tragende Rolle. Grüner Saphir aus Sri Lanka gilt der Farbe wegen als das Optimum.
Kurzum: Grüne Saphire werden zu Preisen von ca. 80 Euro pro Karat verkauft, exquisite Qualitäten reichen bis zu 1.500 Euro für ein Karat.


Die Farben von Saphir:



Auch interessant:
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Quellen:
⇒ Wallerius, J. G. (1763): Mineralogie, oder Mineralreich
⇒ Halle, J. S. (1764): Werkstäte der heutigen Künste, oder die neue Kunsthistorie. Band 3
⇒ Schröter, J. S. (1774): Vollständige Einleitung in die Kenntniß und Geschichte der Steine und Versteinerungen. Band 1
⇒ Cleaveland, P. (1822): Green Sapphire (Oriental Emerald). IN: An Elementary Treatise on Mineralogy and Geology
⇒ Keferstein, C. (1849): Der grüne Korund oder Sapphir. IN: Mineralogia polyglotta
⇒ Kluge, C. E. (1860): Orientalischer Smaragd. IN: Handbuch der Edelsteinkunde für Mineralogen
⇒ Seubert, K. und Seubert, M. (1866): Handelsnamen der Korund-Edelsteine. IN: Handbuch der allgemeinen Waarenkunde für das Selbststudium wie für den öffentlichen Unterricht. Band 1
⇒ Bauer, M. (1897): Rubin und Sapphir
⇒ Bauer, M. (1907): Edelsteinkunde
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Hochleitner, R. (2017): Welcher Stein ist das? Kosmos-Naturführer. Über 350 Mineralien, Edelsteine und Gesteine. Franckh Kosmos Verlag


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