Logo steine-und-minerale.de

Mehrfarbige Mineralien und Edelsteine



Das augenscheinlich auffälligste Merkmal von Mineralien ist die Farbe. Jede erdenkliche Farbe findet sich in den weltweit über 5.300 bekannten Mineralien wieder. Verschiedene Helligkeitsstufen führen zu unzähligen Nuancen der Grundfarbe. Hinzu kommen eventuelle Obertöne einer anderen Farbe, die die Basisfarbe beeinflussen. Neben einfarbigen Steinen gibt es aber auch Steine, die mehrere Farben in einem Kristall vereinen.



opaal - Aufnahme des Minerals
Bild 1: Opal

Bunte Mineralien

Verglichen mit blauen, grünen, gelben, roten, braunen, violetten oder farblosen Mineralien ist die Liste der mehrfarbigen Mineralien relativ kurz.
Eine Tatsache, die auch der Mineraloge Friedrich Mohs (1773 bis 1839) im Jahr 1822 feststellte. In seinem Werk „Grund-Riss der Mineralogie“ schreibt er unter der Überschrift „Anderweitige Farben-Erscheinungen“ über mehrfarbige Edelsteine und Mineralien: „ … so selten, daß an einem einfachen mehr als eine Farbe vorkommt“ und im gleichen Zug Korund, Topas, Turmalin und Disthen als Beispiel für Mineralien, die verschiedene Farben gleichzeitig aufweisen.

Tatsächlich ist die Zahl der bunten Mineralien etwas länger, wobei es sich anbietet, hinsichtlich der Definition mehrfarbiger Mineralien zu differenzieren.

Besonders häufig sieht man bei einfarbigen Mineralien eine ungleichmäßige oder zonare Farbverteilung. Hellere und dunklere Farbtöne der gemeinsamen Farbfamilie wechseln sich ab, sodass ein bunter Gesamteindruck entsteht.
Bei Mineralien wie Alexandrit, Zultanit, Chamäleon-Diamanten oder Farbwechselgranat wiederum verändert sich die Farbe abhängig von Lichtquellen: im Tageslicht hat das Mineral eine andere Farbe als bei Kerzenschein oder im Kunstlicht.
Bei di- oder pleochroitischen Mineralien wie Tansanit genügt es schon, das Mineral aus einem Winkel zu betrachten bzw. es zu drehen, um die Farbe zu verändern.
Eine ausgeprägte Kombination verschiedener Farben weisen aber insbesondere Mineralien auf, die mehrere Farben in einem Kristall vereinen wie Opal, Achat oder Fluorit.


Mehrfarbige Mineralien - Unsere Empfehlungen*



Ursachen der Vielfarbigkeit von Mineralien

Ebenso abwechslungsreich wie die Farbe bunter Mineralien sind auch die Erklärungen für die Mehrfarbigkeit.

Störungen und Unterbrechungen des Kristallwachstums: Mineralien mit verschiedenen Farben in ein und demselben Kristall wie bspw. Turmalin, Regenbogenfluorit oder Ametrin sind mit dem Einfluss von verschiedenen, farbgebenden Elementen zum Zeitpunkt der Entstehung der Kristalle zu begründen.
Bis ein Kristall entsteht, d.h., aus Lösungen auskristallisiert, vergehen mitunter Jahrtausende bis -millionen. Wird der Prozess des Kristallwachstums bzw. die Lösungszufuhr unterbrochen, wie zum Beispiel durch tektonische Aktivitäten, stellt sich das Kristallwachstum ein. Wird der Vorgang später fortgesetzt, ist es möglich, dass die Zusammensetzung der Lösung andere farbgebende Atome beinhaltet als das Ursprungsmineral.

Opaleszenz: Das spektakuläre Farbenspiel von Opalen wird in der Mineralogie unter dem Stichwort Opaleszenz beschrieben: ein optischer Effekt, dessen Ursache unter dem Mikroskop sichtbar wird. Opale bestehen aus winzig kleinen Siliciumdioxidkügelchen in einer Kieselgelmatrix. Trifft nun Licht auf jene Bausteine der Opale, wird das Licht gebeugt und reflektiert, was sich für den Betrachter in Form des Schillerns in den Farben des Regenbogens äußert.

Alexandrit-Effekt und Farbwechseleffekt: Mineralien, deren Farbe im Tageslicht eine andere ist als im Kunstlicht – zurückzuführen auf die spektrale Absorption an den Atomen der Mineralien, die im Kunstlicht andere Wellenlängen anspricht als unter Tageslicht.

Labradoreszenz: Das farbenfrohe Schillern von Labradorit und Mondstein, das besonders ausgeprägt ist, wenn das Mineral bewegt wird, hängt mit dem Aufbau des Minerals zusammen. Unter dem Mikroskop erkennt man lamellenartige Strukturen. Trifft Licht auf diese Lamellen, resultieren daraus Interferenzerscheinungen und Spiegeleffekte.


spektrolith - Aufnahme des Minerals
Bild 2: Labradorit-Varietät Spektrolith

Künstlich erzeugte mehrfarbige Mineralien

In den letzten Jahren werden im Mineralienhandel immer wieder „neue“ Mineralien angeboten, deren Farbgebung so in der Natur nicht vorkommt. Verschiedene technische Verfahren ermöglichen es, Farben und Farbkombinationen zu kreieren, die man bei natürlichen Mineralien vergebens sucht.

Ein Beispiel dafür sind Regenbogenbergkristall, Aqua Aura und Mystik-Topas, deren Gemeinsamkeit das Verfahren der Farbveredelung ist: die Physikalische Gasphasenabscheidung (PVD). Dazu wird ein geschliffener oder polierter Stein oberflächlich beschichtet, wobei Metalloxide wie Titan oder Gold zum Einsatz kommen.

Da die Titan- bzw. Goldbeschichtung nur oberflächlich ist, wird der Stein zunächst geschliffen und anschließend in einer Vakuumkammer mit einem metalloxidhaltigen „Nebel“ bedampft. Nach einer finalen Kondensationszeit härtet die Beschichtung aus. Die Dauer der Behandlung richtet sich nach der erzielten Mächtigkeit der Schicht. Nach fünf Stunden entsteht eine 6 μm dicke Schicht, die nach 18 Stunden auf eine Mächtigkeit von 30 μm anwächst.


buntkupferkies Foto
Bild 3: Buntkupferkies

Mehrfarbige Mineralien – Übersicht

Liste der mehrfarbigen Mineralien ist nicht vollständig.

Tabelle: Bunte Mineralien
Mineral Farbe
Achat
  • weiß, grau, schwarz, braun über rot und grün
  • künstlich eingefärbt: pink, blau, violett, neon-grün
Amazonit hell- bis dunkelgrün, blaugrün
Ametrin violett und gelb
Ammolit rot, grün, braun, violett und blau
Andalusit grau, rosa, grün, braun und violett
Anyolit grün und rot
Azurit-Malachit blau und grün
Bismut metallische Anlauffarben
Bronzit bronzefarben, grünlich und rötlich
Buntkupferkies
  • rötlich bis schwarz
  • begleitet von einem Schiller in blau, violett, kupferrot und goldgelb
Chalcedon weiß, farblos, blau bis blaugrau, gelb, grün
Chalkopyrit regenbogenfarbig schimmernd anlaufend
Chrysokoll blau, türkis, grünblau oder grün 
Covellin indigoblau bis dunkelblau, metallisch schimmernd 
Cuprit rot, rotbraun, weinrot bis nahezu schwarzrot
Falkenauge bläulich mit einem Stich ins Dunkelgraue oder -grüne
Goethit
  • orange, gelbbraun, braun bis schwarz
  • mitunter auch bläulich anlaufend
Labradorit dunkelgrau bis schwarz mit Schillern in blau, grün, orange, rot und gelb 
Magnesit weiß mit feiner schwarzer Marmorierung
Mookait rot, rotbraun, rosarot oder rotorange wölkchenartigen Zeichnungen, gebänderte oder gefleckte Muster in weiß, hellrosa, orange oder gelb
Mystik-Topas gelb, rot, rosa, violett, blau und grün schillernd
Opal weiß, rosa, blau, violett, gelb, grün
Perlmutt weiß, creme, rosa, violett, blau, grün, türkis und gelb
Pietersit
  • blaugraue bis gelbe Grundfarbe
  • durchzogen von gelben, goldfarbenen oder hellbraunen Zeichnungen
Pinolith grau bis schwarz durchsetzt von weißen Mineralausbildungen
Regenbogenbergkristall metallisch rosa, gelb, blau, rot, grün und violett
Regenbogenfluorit
  • violett, farblos, gelb, blau, grün, weiß
  • zwei oder mehr Farben in Kombination
Rhodochrosit rosa und weiß
Rubin-Zoisit rot und grün
Schneeflockenobsidian weiß und schwarz
Sodalith weiß und blau
Spektrolith dunkelgrau bis schwarz mit Schillern in blau, grün, orange, rot und gelb 
Spitzenamethyst weiß und violett
Sugilith violett, rosafarbenen bis pink, rot oder gelbbraun
Tigerauge goldgelb, bernsteinfarben bis goldbraun
Turmalin rosa, rot, violett, farblos, blau, grün, gelb, blaugrün
Unakit
  • rosa bis fleischfarbenen
  • gräulich-weißen Flecken durchsetzt
Wassermelonenturmalin rot und grün
zweifarbiger Kunzit violett und gelb


Auch interessant:
Fancy Saphir – Alles andere als nur blau
Moldavit – Ein grünes Gesteinsglas entstanden durch Asteroiden
Zirkonia – Kunstkristall und Edelsteinimitation


Quellen:
⇒ Mohs, F. (1822): Grund-Riß der Mineralogie. Erster Theil. Terminologie, Systematik, Nomenklatur, Charakteristik
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten, Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München

* = Affiliate Link, d.h. beispielhafte Links, die zum Partnerprogramm von Amazon führen und bei erfolgreichem Verkauf mit einer Provision vergütet werden, ohne dass für Sie Mehrkosten entstehen.

Letzte Aktualisierung: 20. September 2021




Unsere Empfehlung

Edel- und Schmucksteine von W. Schumann

Buch Edelsteine und Schmucksteine

Mehr Details


angeboten bei Amazon

Mineralien Quiz

Kennen Sie sich aus in Mineralogie und Geologie? Dann testen Sie Ihr Wissen in unserem Mineralien-Quiz!

Zum Quiz

Mineralien-Steckbriefe