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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 30.04.2024


Ammolit

Ammolit - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: ammolite | französisch: ammolite

Ammolit - Ein Mineral mit farbigen Spiegeleffekten

Der Name Ammolit ist an die Funde des Minerals in Ammoniten bzw. deren Bruchstücken angelehnt. Ammoniten wiederum waren eine Gruppe von im Wasser lebenden Kopffüßern, die in den Oberen Kreide vor 407,6 bis 66 Mio. Jahren verbreitet waren.

Die ersten Ammoliten wurden im Jahr 1908 von Blackfoot-Indianern in der kanadischen Provinz Alberta entdeckt. Einen Namen erhielt das Mineral allerdings erst 1967, wobei der Name Marcel Charbonneau, dem Besitzer eines Mineralienfachgeschäfts in Calgary, zu verdanken ist und der Ammoliten als einer der ersten in den Handel brachte.
1975 erhielt das Ammolit einen weiteren Namen und wurde fortan sporadisch als Calcentine verkauft - eine Anspielung an die Ammolit-Vorkommen in Calgary und das hundertjährige Jubiläum der Stadt (Centennial).


Eigenschaften von Ammolit

Ammolit besteht hauptsächlich aus dem Mineral Aragonit. Zusätzlich können Ammoliten die Mineralien Quarz, Pyrit und Calcit aufweisen.
Aragonit ist der Systematik der Mineralogie zufolge ein Carbonatmineral mit der chemischen Zusammensetzung CaCO3.

Ammolit zeichnet sich durch eine große Farbvielfalt aus. Neben rot und grün kann Ammolit auch von violetter, blauer und brauner Farbe sein, wobei die Farben einzeln vorkommen können oder mehrere Farben in einem Exemplar vorhanden sind, die regenbogenartigen Mustern oder Mosaiken bzw. Puzzles gleichen. Mit der Anzahl der Farben einhergehend steigt der Wert von Ammolit. Den höchsten Preis erreichen Ammolite mit drei oder mehr Farben.

Genau wie Aragonit kristallisiert Ammolit dem rhombischen Kristallsystem folgend und bildet plättchenartige Kristalle, die von geringer Mächtigkeit sind: 0,5 bis 0,8 mm. Mit der Bearbeitung bzw. dem Schleifen von Ammolit nimmt die Schichtdicke bis auf 0,1 mm ab. Das Farbenspiel von Ammolit ist mit der lamellenartigen Struktur der Kristallplättchen zu erklären, die bei Lichteintritt in den Ammolit zu farbigen Spiegeleffekten führen.

Aufgrund der Vielfarbigkeit und des Glanzes wird Ammolit bisweilen mit Perlmutt und Labradorit verglichen und verwechselt.

Der Glanz von Ammolit ist seidig und im polierten Zustand glasartig bei undurchsichtiger Transparenz. Der Bruch ist spröde. Einige Exemplare sind von feinen Linien, Rissen und scheinbaren Bruchstellen durchzogen.

Mit einer Mohshärte von 3,5 bis 4 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839) ist Ammolit relativ weich. Die Dichte beträgt 2,75 bis 2,84 g/cm³.


Entstehung und Verbreitung von Ammolit

Ammolit wurde im Zusammenhang mit Ammoniten der Gattung Placenticeras intercalare, Placenticeras intercalare und Placenticeras meeki gefunden, die während der Kreidezeit lebten und das heute konservierte Ammolit das Perlmutt der genannten Fossilien darstellt.

Dass das Ammolit heute noch erhalten ist und nicht zersetzt wurde, ist mit Fossilisation der Ammoniten zu begründen. Nach dem Ableben sanken die Ammoniten auf den Meeresboden und wurden von Sanden überlagert; ferner wird Vulkanasche als Sedimentationsmaterial genannt.

Infolge der Auflast der Sedimentschichten kam es zum Sauerstoffabschluss, sodass die Ammoniten nicht verwesen konnten und die Weichteile im Laufe durch Kalkstein aus zirkulierenden Lösungen ersetzt wurden. Zusätzlich blieb der mineralische Überzug aus Ammolit erhalten.

Die Vorkommen von Ammolit beschränken sich auf wenige Fundstellen in Österreich, Madagaskar und Kanada, das aufgrund der vielen Ammoliten vor Ort als Hauptproduzent weltweit gilt – dennoch handelt es sich bei Ammolit um ein seltenes Material.


Verwendung und Bedeutung von Ammolit

Ammolit hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als beliebter Schmuckstein etabliert, der zur Verbesserung der Härte und Beständigkeit mit Harz oder Kunststoff stabilisiert wird. Der Stein ist bereits seit 1969 als Schmuckmaterial im Umlauf, wird aber erst seit 1981 im höheren Maßstab abgebaut. Der Großteil der im Handel erhältlichen Ammolite stammt aus Kanada – hier existieren die reichhaltigsten Vorkommen von Ammolit.

Ein weiterer Verwendungszweck von Ammolit ist der als Heilstein. Bereits die Medizinmänner indigener Völker in Kanada haben auf die Zauber- und Heilkräfte von Ammolit geschworen. Daneben setzten sie Ammolit als Talisman bei der Jagd auf Büffel ein, daher auch das Synonym Büffelstein/Iniskim. Einen wirtschaftlichen Aufschwung erfuhr Ammolit zudem seit den 1990er Jahren mit dem Einsetzen der Feng Shui-Welle, insofern Ammolit zwecks Steigerung des Chis verwendet wird.
Klinisch konnte die Heilwirkung von Ammolit nicht bestätigt werden.


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Quellen:
⇒ Crowningshield R. (1977): A new jewellery item. IN: Gems & Gemology, Summer 1977
Gübelin, E. (1980): Ammolith, eine neuer fossiler Schmuckstein. IN: Lapis, Vol. 5, No. 4
⇒ Mychaluk, K. A., Levinson, A. A. und Hall, R. L. (2001): Ammolite: Iridescent Fossilized Ammonite from Southern Alberta, Canada. IN: Gems & Gemology, Spring 2001
⇒ Cole, J. E. (2013): Ammolite - An Organic Jewel. IN: Gems & Gemology, Winter 2013
⇒ Newman GG, Renée (2016): Gemstone Buying Guide. International Jewelry Publications,U.S.; Auflage: Revised
⇒ Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine: alle alle Arten und Varietäten; 1900 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
www.mindat.org - Ammolite


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