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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 26.03.2024


Chrysokoll

Chrysokoll - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: chrysocolla | französisch: chrysocolle


Chrysokoll Foto
Türkisfarbener Chrysokoll


Inhaltsverzeichnis Chrysokoll


Chrysokoll - Kupfergrün - Berggrün

Eine der ältesten Beschreibungen des Minerals Chrysokoll stammt aus der Feder des römischen Universalgelehrten Plinius, dem Älteren (23 bis 79 n.Chr.). Chrysokoll wird aus dem Griechischen wortwörtlich mit Goldleim übersetzt und bezieht sich laut Plinius auf die Verwendung beim Goldlöten.

Antike Goldschmiede setzten beim Löten von Goldschmuck auf verflüssigten Chrysokoll, der die einzelnen Schmuckglieder wie Leim miteinander verband. Wie Plinius schreibt, wurde das Mineral zusätzlich mit Knabenurin, Natron und Kupfer versetzt – eine Mischung, die damals unter dem Namen Saterna gängig war.

Ein alternativer Name für Chrysokoll ist Kupfergrün, der auf den Mineralogen Abraham Gottlob Werner (1749 bis 1817) zurückgeht und eine Anspielung auf die grünblaue Farbe als auch auf die Zusammensetzung des Kupferminerals ist.


Eigenschaften von Chrysokoll

Chrysokoll ist ein kristallwasserhaltiges Silikatmineral mit der chemischen Zusammensetzung Cu4H4[(OH)8|Si4O10] · n H2O.

Chrysokoll kristallisiert dem orthorhombischen Kristallsystem folgend. Die Kristalle sind von geringer Größe und die Aggregate erscheinen als derbe, traubige, nierige oder erdige Massen, alternativ auch in Form von Krusten oder stalaktitisch ausgeprägt.

Chrysokoll weist einen muscheligen Bruch auf, die Spaltbarkeit ist nicht vorhanden. Der Glanz von Chrysokoll ist glas- bis wachsartig, kann aber auch erdig-matt sein. Die Transparenz des kristallwasserhaltigen Kupferminerals ist durchscheinend bis undurchsichtig.

Die Mohshärte von Chrysokoll schwankt zwischen 2 und 4 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839). Die Dichte beträgt 2,0 bis 2,4 g/cm3.



Die Farbe von Chrysokoll

„Die Farbe des Kupfergrüns ist die Spangrüne (…), die aber von einer Seite in die smaragd- und lauchgrüne, von der anderen in die himmelblaue oder seladongrüne bis grünlichweiße übergeht“ - die Beschreibung der Farbe von Chrysokoll nach Franz Ambrosius Reuß (1761 bis 1830, tschechischer Geologe und Mineraloge) und Dietrich Ludwig Gustav Karsten (1768 bis 1810, deutscher Mineraloge).
Seladongrün = nach dem Mineral Seladonit/Celadonit

Heutzutage wird die Farbe von Chrysokoll weniger poetisch beschrieben. Blau, türkis, grünblau oder grün sind die typischen Farben des Minerals, teilweise auch ins Bräunliche oder schwarze gehend, wobei Kupfer als farbgebendes Element ursächlich für die Farbe von Chrysokoll steht.

Der Farbton von Chrysokoll findet sich auch bei zahlreichen anderen Mineralien wieder. Insbesondere bei Aurichalcit, Variscit, Türkis, türkis eingefärbtem Howlith und Magnesit sowie Larimar liegt die Verwechslung mit Chrysokoll nahe.

Die Strichfarbe von Chrysokoll – d.h., die Farbe, die erscheint, wenn ein Mineral über ein unglasiertes Porzellantäfelchen (Strichtafel) gestrichen wird – ist hellgrün.

Entstehung und Verbreitung von Chrysokoll

Chrysokoll ist ein Sekundärmineral, das in der Oxidationszone von Kupferlagerstätten aus der Verwitterung oder Metamorphose aus anderen Kupfermineralen hervorgeht. Dabei liegt das Mineral als Gel bestehend aus Kupfer, Wasser und Siliciumdioxid vor, bevor es als festes Mineral auskristallisiert und erhärtet.

Nennenswerte Vorkommen von Chrysolith befinden sich u.a. in Hagendorf, Halsbach (Bayern), Ilmenau, Saalfeld (Thüringen), Schwarzwald/Deutschland; Steiermark/Österreich; Italien; Cornwall/England; Ural, Karpinsk, Kolywan/Russland; Katanga/Zaire; Sambia; Namibia; Kongo; Eilat/Israel; Mexiko und Arizona, Kalifornien, Nevada/USA.
Die schönsten Chrysokolle findet man dem Pharmakologen Julius Berendes (1837 bis 1914) zufolge in Armenien, gefolgt von Mazedonien und Zypern.

Zu den häufigsten Begleitmineralien von Chrysokoll zählen u.a. Quarz, Shattuckit, Azurit, Variscit, Smithsonit, Limonit, Malachit, Eisenblüte/Flos ferri, Dioptas, Cuprit, Hemimorphit, Türkis und Cerussit.


Eilatstein, Chrysokollquarz und Azulita

Chrysokoll bildet häufig ein Mineralgemenge, bei denen das Mineral mit anderen Mineralien zu einem Aggregat verwachsen sind. Zu den bekanntesten Mineralgemengen mit Chrysokoll zählen Eilatstein, Chrysokollquarz und Azulita.

  • Eilatstein: Chrysokoll, Malachit und Türkis
  • Chrysokollquarz: Chrysokoll und Quarz
  • Azulita: Chrysokoll, Dioptas, Malachit, Azurit und Cuprit


Sonora Sunrise

Unter dem Handelsnamen Sonora Sunrise - gelegentlich auch Sonora Sunset - wird ein Mineralgemenge verkauft, das neben Brochantit aus den Kupfermineralien Chrysokoll, Cuprit und Tenorit besteht.

Sonora Sunrise wird in einer Mine, die im mexikanischen Teil der gleichnamigen Sonora-Wüste gelegen ist, abgebaut und vorranig zu Schmuck verarbeitet.


Verwendung und Bedeutung von Chrysokoll

Chrysokoll wird mitunter als Kupfermineral abgebaut, wurde in der Vergangenheit aber auch zur Herstellung von Grünpigmenten verwendet, namentlich "Malachitgrün, Oelgrün und die Grundfarbe" Grün (Schedel, 1800). Alle Pigmente unterschieden sich nur in Nuancen voneinander, wobei die unterschiedlichen Grüntöne durch das Mischen mit anderen Pigmenten wie Bleißweiß erreicht wurden.
Zu Schmuck verarbeiteter Chrysokoll wird aufgrund der geringen Härte und Empfindlichkeit vorab mit Harz oder Wachs oberflächlich versiegelt wird, um dem Mineral mehr Robustheit zu verleihen.


Heilstein Chrysokoll

Die Recherche in historischen Medizinbüchern bzw. Lehrbüchern der Pharmakologie zeigt, dass Chrysokoll in Vergangenheit eine Rolle in der Verwendung als Arznei spielte. Theoretisch, denn: Chrysokoll wurde vor mehr als 200 bis 300 Jahren noch mit dem Mineral Borax verwechselt bzw. Chrysokoll als Synonym für Borax gehandelt (Döbereiner und Döbereiner, 1847).
Borax hatte tatsächlich einen hohen Stellenwert in der Medizin und wurde als "ein äusserliches Medikament" (Berendes, 1891) zur Behandlung von Hautproblemen wie Exanthemen, Warzen und Soor (Eisenmann, 1847) verschrieben. Chrysokoll hingegen war von keinerlei medizinischer Bedeutung, wird heute dennoch als Heilstein verkauft, ohne dass die Heilwirkung von Chrysokoll in klinischen Studien bestätigt werden konnte.


Nachweis von Chrysokoll

Chrysokoll fluoresziert nicht, zeigt einen schwach ausgebildeten Pleochroismus. Chrysokoll wird weiterhin in Salzsäure angelöst und wird - in die offene Flamme gehalten - schwarz.


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Auch interessant:


Quellen:
⇒ Gaius Plinius Secundus (77 n.Chr.): Naturalis historia
⇒ Wallerius, J. G. (1763): Chrysocolla. IN: Joh. Gottschalk Wallerius, der Weltweisheit und Arzneikunst Doktors auf der königl. Akademie zu Upsala, der medicinischen Facultät Adiunctus, der römisch-kaiserlichen Akademie der Naturforscher, wie auch des königl. medicinischen Collegii zu Stokholm Mitgliedes, Mineralogie, Oder Mineralreich
⇒ Schröter, J. S. (1772): Chrysocolla. IN: Lithologisches Real- und Verballexikon, in welchem nicht nur die Synonymien der deutschen, lateinischen, französischen und holländischen Sprachen angeführt und erläutert, sondern auch alle Steine und Versteinerungen beschrieben werden
⇒ Schedel, J. C. (1800): Berggrün, viridi montanum. IN: Johann Christian Schedels neues und vollständiges, allgemeines Waaren-Lexikon oder genaue und umständliche Beschreibung aller rohen und verarbeiteten Produkte, Kunsterzeugnisse und Handelsartikel, zunächst für Kaufleute, Kommissionäre, Fabrikanten, Mäkler und Geschäftsleute abgefaßt; so daß diese, und alle, die sich in der Waarenkunde unterrichte wollen, eine richtige Erklärung aller Waarenartikel, getreue Angabe ihrer Eigenschaften, Kennzeichen und Unterscheidungsmerkmale, ihres Nutzens und ihrer Anwendung, wie auch woher sie zu beziehen, und wohin sie abzusetzen sind, finden; nicht weniger die gehörigen Notizen der Verhältnisse der Waaren in Absicht auf Gewicht, Maas, Zahl und Verkaufsart; welche Sorten den Vorzug verdienen, oder zu verwerfen sind, u. s. w. A bis L. Erster Theil
⇒ Blumenbach, J. F. (1803): Kupfergrün, Aerugo nativa, chryscolla, lapis armenus. IN: Handbuch der Naturgeschichte
⇒ Reuss, F.A. und D. L. G. Karsten (1803): Lehrbuch der Mineralogie. Zweiter Teil, Dritter Band, Leipzig
Agricola, G. (1806): Georg Agricola Mineralogische Schriften. Erster Theil. Von den Entstehungsursachen der unterirdischen Körper und Erscheinungen. Freyberg
⇒ Döbereiner, J. W. und Döbereiner, F. (1847): Natrum boricum (Chrysocolla Plinii). IN: Deutsches Apothekerbuch zum Gebrauche bei Vorlesungen und zum Selbstunterrichte für Apotheker, Droguisten, Aerzte und Medicin-Studirende. Pharmaceutische Chemie
⇒ Eisenmann, J. G. (1847):
Bericht über die Leistungen in der Lehre von den acuten Krankheiten. IN: Jahresbericht über die Fortschritte der gesammten Medicin in allen Ländern
&rArr, Berendes, J. (1891): Mineralische Mittel. IN: Die Pharmacie bei den alten Culturvölkern. Historisch-kritsche Studien
⇒ Bauer, M. (1896): Edelsteinkunde. Eine allgemein verständliche Darstellung der Eigenschaften, des Vorkommens und der Verwendung der Edelsteine, nebst einer Anleitung zur Bestimmung derselben für Mineralogen, Steinschleifer, Juweliere, etc · Band 1
⇒ Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine: alle alle Arten und Varietäten; 1900 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
http://www.mindat.org - chrysocolla


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