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Türkise Edelsteine – Mineralien in blaugrün, hellblau und türkis



Die Welt der Mineralien ist auf den ersten Blick vor allem eine farbenfrohe Sache. Alle erdenklichen Farben finden sich in den Kristallen in den unterschiedlichsten Helligkeitsstufen wieder. Farben, die in andere übergehen oder verschiedene Farben in einem Stein vereint. Eine Farbe, die sowohl Anteile von Grün und Blau aufweist, ist türkis. Und auch wenn das Mineral Türkis das Aushängeschild für diese Farbe ist, ist die Liste der türkisfarbenen Mineralien und Edelsteine weitaus länger.



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Bild 1: Hellblaues Mineral: Larimar im Anschliff und als Trommelstein

Die Farbe von türkisen Edelsteinen und Mineralien

Die Farbe Türkis ist eine Mischung der Farben Grün und Blau, die sich als eigenständiger Name für eine Farbe etabliert hat. Da die Farbe nicht einheitlich, wie bspw. reines Rot ist, kann sowohl der Grünanteil überwiegen – eine Nuance, die oftmals als Seegrün bezeichnet wird, oder aber der Blauton dominiert, sodass ein Blau entsteht, das dem Ozean karibischer Gewässer oder dem Eisblau von Gletschern gleicht.

In historischen Mineralogiebüchern wird Türkis als Farbe nicht explizit aufgeführt. Vielmehr wurde die blaugrüne Farbe als „Varietät von Blau“ verstanden, wobei die Beschreibung des Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839) „Lichtes Blau mit ein wenig Grün. Die Farbe des heiteren Himmels“ der Definition von Türkis am nächsten kommt.


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Bild 2: Türkis - Inbegriff eines blaugrünen Minerals

Der Ursprung der türkisen Farbe von Mineralien

Genauso vielfältig wie die Farbe Türkis sind auch die Ursachen für die Entstehung der Farbe.
Besonders häufig ist Kupfer als farbgebendes Element türkisfarbener Kristalle ausschlaggebend, wie zum Beispiel bei Chrysokoll, Aurichalcit, Türkis oder Paraiba-Turmalin.
Bei Aquamarin und grünblauem Türkis ist dahingegeben Eisen für die Färbung der Steine verantwortlich.
Teilweise können anhand der Farbe von Türkis und Paraiba-Turmalin Rückschlüsse auf den Kupfergehalt gezogen werden. Überwiegt bei Türkis der Blauanteil, enthält das Mineral mehr Kupfer als Eisen, wohingegen ein deutlich grünes Blau für einen hohen Eisenwert spricht. Paraiba-Turmalin in Neontürkis ist das Resultat von Kupfer und Mangan als Farbgeber. Und auch hier äußert sich ein höherer Kupferwert in einem intensiveren Türkis.

Im Gegensatz dazu ist Vanadium der Grund für das Hellblau von Larimar, während die Farbe von Blautopas – im Speziellen die Farben Himmelblauer Topas und Swiss Blue Topas – auf Fehler im Kristallgitterbau zurückzuführen sind.


Chrysokoll Foto
Bild 3: Türkisfarbener Chrysokoll


Künstliche türkise Kristalle

Allerdings ist nicht jedes türkisfarbene Mineral das Werk von Mutter Natur. Über die Jahrhunderte hinweg wurden viele Verfahren und Techniken entwickelt, um der Farbe von Mineralien auf die Sprünge zu helfen. Sei es, um die Farbe zu intensivieren, zu korrigieren oder gänzlich umzufärben.

So werden beispielsweise besonders oft die eigentlich weißen bis hellgrauen Mineralien Howlith und Magnesit mit einer türkisfarbenen Lösung geimpft und in „Türkis“ umgewandelt. Eine Farbe, die nicht zum naturgegebenen Repertoire der Farbe von Howlith und Magnesit zählt. Die Steine saugen die färbende Flüssigkeit wie ein Schwamm auf und damit die Farbe beständig bleibt, erfolgt im Abschluss noch eine Oberflächenversiegelung.

Echter Türkis wird zwecks Farbsteigerung in vielen Fällen mit einer Schicht aus eingefärbtem Wachs, Harz oder Kunststoff versiegelt. Und das nicht nur, um die Farbkraft zu erhöhen, sondern auch, um das Mineral vor äußeren Einflüssen zu schützen. Natürlicher Türkis ist ein sehr empfindliches Mineral, das auf den Kontakt mit Creme, Parfüm, Seife, Schweiß oder Haarspray und Hitze mit dem Verlust der Farbe reagiert.

Interessant sind auch vermeintliche Türkis-Varietäten, die unter den Namen Neolith, Wiener Türkis, Hamburger Türkis oder Gilson-Türkis verkauft werden und nichts anderes sind als künstliche Türkis-Imitationen.
Vorsicht ist auch geboten, wenn in den Auslagen von Schmuck- oder Mineraliengeschäften Türkis rec. oder Türkis rek. angeboten wird. Hierbei handelt es sich um Splitter und kleinste Bruchstücke von echtem Türkis, die mittels Kleber oder Harz zu einem großen Türkis zusammengekittet wurden.

Ebenso faszinierend ist der Hintergrund vieler Blautopas. Blautopas ist eine absolute Seltenheit – eigentlich. Trotzdem wird der Markt seit den 1970er Jahren mit blauen Topasen überflutet. Der Grund: Die Entwicklung eines Verfahrens, das farblosen und hellgelben Topas in Blautopas verzaubert. Die Ausgangssteine werden zunächst einer Bestrahlung mit Gamma- oder Elektronenstrahlung ausgesetzt und abschließend bei hohen Temperaturen erhitzt, um die Farbe nachhaltige zu stabilisieren. Dass die Farbe der einstigen unscheinbaren Topaskristalle in blau umschlägt, erklären die durch den Prozess der Behandlung entstandenen Defekte bzw. Fehler im neu angeordneten Kristallgitter.



Liste hellblauer und türkiser Edelsteine und Mineralien


Auch interessant:


Quellen:
⇒ Mohs, F. (1822): Grund-Riß der Mineralogie. Erster Theil. Terminologie, Systematik, Nomenklatur, Charakteristik
⇒ Zippe, F. X. (1859): Weisse Farben. IN: Lehrbuch der Mineralogie mit naturhistorischer Grundlage
⇒ Doelter y Cisterich, C. A. (1893): Unterscheidung blauer Steine. IN: Edelsteinkunde. Bestimmung und Unterscheidung der Edelsteine und Schmucksteine. Die künstliche Darstellung der Edelsteine
⇒ Bauer, M. (1896): Edelsteinkunde. Eine allgemein verständliche Darstellung der Eigenschaften, des Vorkommens und der Verwendung der Edelsteine, nebst einer Anleitung zur Bestimmung derselben für Mineralogen, Steinschleifer, Juweliere, etc · Band 1
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten, Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München


Letzte Aktualisierung: 1. August 2023



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