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Alltägliches - Mineralkosmetik/Kosmetik aus Mineralien



Dass Steine und Mineralien in der dekorativen Kosmetik nicht erst seit dem frühen Ende des 20. Jahrhunderts Verwendung finden, zeigt ein Rückblick in die Menschheitsgeschichte.

Mineralien in Lidschatten, Puder und Lippenstift

Bereits in der Steinzeit verschönerten sich Menschen mit farbiger Kosmetik, wie einige Höhlenmalereien belegen. Dabei wurde sich allem Färbenden aus der Natur bedient, gleichsam, ob es sich um Beeren,Kohle oder mineralische Komponenten handelte.


Bild 1: Mineralien, aus denen man farbige Mineralpigmente gewinnen kann: Buntkupferkies, Covellin und Malachit


Die ältesten Rezepte zur Herstellung von Mineralkosmetik sind auf ägyptischen Papyrusrollen überliefert.
Ein bestimmtes Papyrus - bennannt nach dem deutschen Ägyptologen Georg Ebers (1837 bis 1898) - ist viel mehr als eine Anleitung für Kosmetik aus Mineralien und deren Aufbewahrung. Hauptsächlich stellt das sog. Papyrus Ebers ein medizinisches Nachschlagewerk dar, das Krankheiten und deren Behandlung beschreibt.

Als farbgebende Basis der damaligen Mineralkosmetik wurde sich verschiedener Mineralien und Gesteine wie bspw. Hämatit, Antimonit, Lapislazuli, Azurit, Malachit, Zinnober und Galenit bedient.

Wahl der geeigneten Mineralien

Schon damals erkannten die Verfasser des Papyrus, Hohepriester in Ägypten, dass nicht alle Edelsteine als farbiges Pigment für Mineralkosmetik taugen. Lediglich Mineralien, die bedingt durch die Zusammensetzung der aufbauenden Elemente eine Eigenfarbe aufweisen, erzeugen farbige Pigmente (Beispiele dafür siehe Tabelle weiter unten im Text).


Bild 2: Mica - Glimmer sorgt für den feinen Schimmer in Mineralkosmetik


Ob Mineralien eigen- oder fremdgefärbt sind, z.B. durch Störungen im Kristallgitter oder eingelagerte Elemente, lässt sich anhand der Strichfarbe des Minerals feststellen.
Dazu wird ein Mineral über eine unglasierte Porzellantafel – die Strichtafel, gerieben. Durch die Reibung auf der harten Oberfläche wird das Mineral pulverisiert, wobei entweder ein farbloser bzw. weißer oder farbiger Strich entsteht.
Mineralien wie bspw. Rosenquarz, Amethyst, Diamant, Topas, Zirkon oder Calcit sind deshalb für Schminkzwecke nicht geeignet, da deren Strichfarbe weiß ist.


Strichfarbe Mineral
blau Covellin, Cyanotrichit, Serpierit, Azurit, Linarit, Lapislazuli
grau, schwarz Bornit, Chalkopyrit, Markasit, Pyrit, Graphit, Antimonit, Galenit, Boulangerit
rot, rosa Kupfer, Cinnabarit, Hämatit, Cuprit, Erythrin, Proustit
grün Millerit, Autunit, Chrysokoll, Malachit, Konichalcit
gelb, orange Gold, Hornblende, Sphalerit, Auripigment, Realgar
braun Nickelin

Tab. 1: Mineralien und ihre Strichfarbe (Beispiele, nicht vollständig)

Herstellung von Mineralkosmetik

Die Herstellung von Minerallidschatten und –lippenstiften war im Alten Ägypten aus religiösen Gründen Hohepriestern vorbehalten.

Da die Hohen Priester damals schon erkannten, dass man keine farbigen Effekte auf der Haut sieht, wenn man das Mineral über die Haut streicht, wurde das entsprechende Mineral zunächst zerkleinert bzw. im Mörser pulverisiert. Anschließend wurde das Mineralpuder mit einer Trägersubstanz vermischt. Zu Zeiten von Kleopatra und Nofrete waren Bienenwachs, diverse Pflanzenöle sowie t

ierische Fette gängig.

Die Mineralien, die als Lidschattenfarbe am häufigsten zum Einsatz kamen, waren neben grünem Malachit, roter Hämatit und Kupfer, blauer Lapislazuli oder Azurit.
Für roten Lippenstift wurde Zinnober verwendet und Mascara (Wimperntusche) verdankte ihre grau-schwarze Farbe Galenit, Antimonit oder Magnetit; für den Pflegeeffekt kam als Trägeröl der antiken Wimperntusche zumeist Rizinusöl zum Einsatz.

Gift versus Schönheit

Aber die Mineralkosmetik längst vergangener Zeiten diente nicht nur der Verschönerung, sondern erfüllte auch einen medizinischen Zweck. Aufgrund der Zusammensetzung der genutzten Mineralien konnte der Kosmetik eine desinfizierende, heilende oder gegen Infektionen vorbeugende Wirkung zugeschrieben werden.

Und auch im alten Griechenland stand die kunstvolle, farbige Verzierung des Gesichts an der Tagesordnung.
Nach dem Vorbild der Ägypter entwickelten die Griechen ihre eigenen Rezepte; ebenso wie die Römer.

Die Zusammensetzung blieb im Wesentlichen bis zum 19. Jahrhundert gleich, wurde etwas ausgefeilter, teilweise kamen "neue" Mineralien hinzu. Ein populäres Beispiel ist das Gesichtspuder des 17. Jahrhunderts, das aus Bleiweiß (alternativ Cerussit genannt) bestand.

Bleiweiß bzw. Cerussit zauberte eine schneeweiße Haut, die der Mode des Barocks - eine Haut weiß wie Alabaster zu haben - entsprach.Jedoch wurde vernachlässigt und nicht berücksichtigt, dass Cerussit der Gesundheit nicht sonderlich zuträglich war. Schon damals diagnostizierten Ärzte neurologisch Schäden, die auch in späteren pathologischen Untersuchungen bestätigt wurden, bedingt durch die Anreicherung von giftigem Blei im Körper.

Erst im 19. Jahrhundert wurde Bleiweiß gegen Zinkoxid oder Talk ausgetauscht. Als Pulver zermahlen, konnten die weißen Mineralien mit der Deckkraft von Bleiweiß mithalten, ohne die Gesundheit zu beeinträchtigen.

Echte und synthetische Mineralpigmente

Mit dem Fortschreiten von der Wissenschaft sowie dem Hinzugewinn chemischer Erkenntnisse wurden im 19. Jahrhundert erstmals künstliche Farbpigmente hergestellt. Fortan rückte die Mineralkosmetik in den Hintergrund, bis sich gegen Ende der 1960er Jahre wieder auf den bewussten Umgang mit dem Körper und der Gesundheit besonnen wurde. Alte Rezepte wurden "recycelt" und durch innovative, synthetische Pigmente ergänzt.

Der Vorteil von synthetischen Pigmenten liegt insbesondere in der Materialreinheit. Viele natürlich gewonnene Pigmente sind aufgrund der Zusammensetzung mit Schwermetallen oder radioaktiven Elementen verunreinigt. Künstlich geschaffene Pigmente stellen sicher, dass die Gesundheit keinen Schaden nimmt. Außerdem sind Mineralien aus Labor im Sinn der Nachhaltigkeit, da nicht auf natürliche Ressourcen zurückgegriffen werden muss, und viele farbgebende Mineralien weltweit mengenmäßig nicht in dem Maße verbreitet sind, als dass sich eine kommerzielle Verwertung anbietet.

Heutzutage sind Kosmetikprodukte auf Mineralbasis geschätzt, weil diese farbintensiv sind und die Oxid-Verbindungen zugleich einen geringen Schutz vor UV-A und UV-B-Strahlen der Sonne gewährleisten. Außerdem zeigt sich in der langjährigen Praxis, dass in den Mineralien enthaltene Elemente wie Kalium, Natrium, Gold, Magnesium, Calcium oder Zink die Feuchtigkeitsregulation und Schutzfunktion der Haut unterstützen.

Ob es sich bei den heute von zahlreichen Unternehmen produzierten Lidschatten, Puder, Rouge oder Lippenstift tatsächlich um echte Mineralien handelt, ist schwer festzustellen.

Die internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe (INCI) schreibt lediglich vor, dass bei der Auflistung der Inhaltsstoffe eines Produkts die Farbnummer genannt werden muss. Um eine Ordnung in die Farbvielfalt zu bringen, sind diese seit 1925 im System des Color-Index (CI) erfasst. Der Color-Index umfasst alle auf dem globalen Markt gängigen Farbstoffe, gleich ob Lebensmittelfarbe, pflanzliche und tierische Farbstoffe oder eben auch mineralische Pigmente. Jeder Farbgruppe wird eine sogenannte Constituition Number zugeteilt, anhand derer der chemische Ursprung der Farbe identifiziert werden kann. Mineralische als auch anorganische Farbstoffe werden unter den Nummern 77000 bis 77999 erfasst.

Als Mineralfarben in Kosmetika dienen verschiedene Oxide (Eisen-, Titan-, Zink- oder Chromoxide). Aus Bismut- und Cadmiumoxiden können ebenfalls farbige Pigmente gewonnen werden, die allerdings wegen der gesundheitsgefährdenden Wirkung nicht in der Naturkosmetik eingesetzt werden.


CI-Nummer Farbe Herkunft
77000 silber/weiß Aluminium
77002 weiß Tonminerale, Kaolin
77007 ultramarin/blau Lazurit, Lapislazuli
77019 gold, silber, bronze Mica (Glimmerminerale, v.a. Muskovit)
77288 grün Chromoxid
77289 grün Chromhydroxid
77346 kobaltblau Cobaltaluminiumoxid
77491 rotbraun Eisenoxid
77492 ocker, gelb Eisenhydroxid
77499 schwarz Eisenoxid
77510 blau Eisencyanid, Vivianit
77861 grau Zinnoxid
77718 weiß Talk
77742 violett Ammomiummangandiphosphat
77891 weiß Titandioxid (Brookit, Anatas, Rutil)

Tab. 2: Farbnummern und entsprechende Farben sowie Mineralbeispiele

Mineralische Farbpigmente können untereinander gemischt werden, so dass diese der Farbauswahl nichtmineralischer Farbpigmente in nichts nachstehen.

Von den Anfängen der eigentlichen Mineralkosmetik ist heute nur wenig übrig geblieben. Vorwiegend werden wegen der stofflichen Reinheit mineralische Farben im Labor hergestellt. Hinweise bei den Inhaltsstoffen, dass Diamant, Saphir und Rosenquarz in Lidschatten, Lippenstiften, Makeup oder Rouge enthalten sind, dienen der Wertsteigerung der Produkte: Für die Farbabgabe eignen sich nur die wenigsten natürlichen Mineralien, bringen allenfalls Schimmer mit sich.

Aber auch Mineralien selbst inspirieren die Hersteller von dekorativer Kosmetik. So tragen bzw. erschienen Nagellacke und Lidschatten namhafter Marken edelsteinlastige Farbbezeichnung im Namen wie bspw. Ruby Red (Rubinrot), Pink Diamond (pinker Diamant), Peridot, Graphite (Graphit), Emerald Green (Smaragdgrün), Amethyst, Amber (Bernstein), Sapphire (Saphir), Turquoise (Türkis), Quartz (Quarz) oder Tourmaline (Turmalin) - angelehnt an die Farben von Mineralien und Edelsteinen.

Siehe auch:
Alltägliches - Bimsstein
Alltägliches - Deo aus Alaun und Mineralit
Glimmergruppe: verwendet in Kosmetika unter dem Namen Mica



Letzte Aktualisierung: 4. Juni 2018

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