Linarit
Linarit - Das lasurblaue Kupferbleivitriol
Eine der ältesten Beschreibungen von Linarit stammt aus dem Jahr 1822. Der Kristallograph und Mineraloge Henry James Brooke (1771 bis 1857) setzt sich in seinen Ausführungen "On a New Lead Ore" mit den Eigenschaften des neu entdeckten Minerals auseinander, das er zunächst als "cupreous sulphate of lead" bezeichnet.
1839 findet der Name Linarit dann bei Ernst Friedrich Glocker (Mineraloge und Geologe, 1793 bis 1858) Eingang in die mineralogische Literatur, zusammen mit einer Aufzählung der historischen Synonyme von Linarit: Kupferbleyspath, Kupferbleyvitriol und Bleylasur.
Der Name Linarit wiederum bezieht sich auf die Typlokalität des Minerals, dem Ort, wo das Mineral zum ersten Mal gefunden wurde: in der Stadt Linares im Süden von Spanien.

Eigenschaften von Linarit
Linarit ist ein kristallwasserhaltiges Sulfatmineral bestehend aus PbCu[(OH)2|SO4] – in der älteren Literatur wird der Zusammensetzung wegen auch von Kupferbleivitriol gesprochen.
Die Farbe von Linarit kann sowohl hell- als auch ultramarinblau bzw. tintenblau sein, weshalb insbesondere Verwechslungen mit Azurit, Cavansit und Chalkanthit möglich sind.
Die Strichfarbe ist hellblau.
Linarit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und bildet prismatische, kurze nadelförmige oder dünntafelige Kristalle aus; auch zu Zwillingen miteinander verwachsen. Die Aggregate können strahlig oder faserig sein, das kupfer- und bleihaltige Mineral erscheint aber auch als krustenartiger Überzug.
Linarit weist Glas- bis Diamantglanz auf, die Transparenz ist durchsichtig bis durchscheinend. Der Bruch ist muschelig, die Spaltbarkeit ist vollkommen.
Linarit ist ein weiches Mineral, dessen Mohshärte 2,5 bei einer Dichte von 5,3 bis 5,5 g/cm³ beträgt.
Entstehung und Verbreitung von Linarit
Linarit ist ein Sekundärmineral, das entsteht, wenn sulfathaltige Lösungen auf Kupfer- und Bleilagerstätten in der Oxidationszone treffen und anschließend als Linarit auskristallisieren.
Begleitet werden Linarit-Vorkommen von weiteren Kupfer- oder Bleimineralen wie Elyit, Caledonit, Serpierit, Chalkopyrit, Chalkanthit, Aurichalcit, Malachit, Azurit, Brochantit, Anglesit, Galenit und Cerussit. Linarit ist aber auch mit Hemimorphit, Brianyoungit, Quarz, Creedit und Baryt vergesellschaftet.
Die Fundorte von Linarit erstrecken sich unter anderem auf England; Schottland; Frankreich; Belgien; Erzgebirge, Goslar, Sauerland, Siegerland, Westerwald, Eifel und im Schwarzwald/Deutschland; Martigny/Schweiz; Dirstentritt, Hohe Tauern, Niedere Tauern und Fischbacher Alpen/Österreich; Spanien; Italien; Tschechien; Slowakei; Ungarn; Griechenland; Marokko; Sambia; Namibia; Russland; Kasachstan; Iran; China; Japan; Australien; Neuseeland; Argentinien; Bolivien; Mexiko sowie die USA.

Bedeutung und Verwendung von Linarit
Auch wenn Linarit als Mineral zur Gewinnung von Kupfer und Blei interessant wäre, kommt ein kommerzieller Abbau dennoch nicht in Betracht. Der Grund dafür sind die wenigen Linarit-Vorkommen auf der Welt.
Nachweis von Linarit
Linarit ist in verdünnter Salpetersäure löslich, Salzsäure hingegen löst das Mineral nicht auf. Vielmehr bildet sich beim Kontakt von Linarit und Salzsäure auf der Mineraloberfläche ein weißer Überzug, bestehend aus Bleichlorid.
In die Flamme gehalten wird Linarit spröde und rissig, verfärbt sich auch schwarz.
Linarit weist zudem einen hell- bis tintenblauen Pleochroismus auf.
Auch interessant:
Quellen:
- Brooke, H. J. (1822): On a New Lead Ore. IN: Annals of Philosophy, Vol. IV
- Glocker, E. F. (1839): Kupferbleyspath. IN: Grundriss der Mineralogie: mit Einschluss der Geognosie und Petrefactenkunde
- Blum, J. R. (1854): Linarit. IN: Lehrbuch der Oryktognosie
- Naumann, C. F. und Zirkel, F. (1885): Linarit. IN: Elemente der Mineralogie
- Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
- Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
- Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
- Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
- Hochleitner, R. (2024): Welcher Stein ist das?. Über 350 Mineralien, Edelsteine & Gestein, mehr als 1.300 Abbildungen EXTRA: Die interessantesten Fundgebiete - mit Kosmos-plus-App. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Company KG
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