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Was hat der Granatapfel mit dem Mineral Granat gemeinsam? - Mineral des Monats



Im Herbst und zur Adventszeit sieht man sie vielerorts. Granatäpfel. Im Inneren verstecken sich 600 bis 700 leuchtend rote und glasig glänzende Kerne, die den Kristallen des sprachlich verwandten Minerals Granat sehr ähnlich sind. Doch was war zuerst da? Granat oder Granatapfel?



Ein scheinbar einfaches Rätsel

Auf den ersten Blick scheint es, als wäre die Frage nach dem zeitlichen „zuerst-Dasein“ einfach zu beantworten. Ein Mineral müsste (geologisch) älter als eine Pflanze sein. Doch sobald man die Frage sprachlich und kulturhistorisch beleuchtet, wird daraus ein überraschend vielschichtiges Thema.

Der Granatapfel zählt zu den ältesten Kulturpflanzen des Mittelmeerraums und wird schon in der Bibel erwähnt. Der Mineralname Granat ist im Deutschen dahingegen vergleichsweise jung. Die Antwort auf die Frage, ob das Obst oder Mineral älter ist, hängt also von der Perspektive ab.


Granat Granatapfel
Granatapfel und geschliffener Granat

Granat – Ein steinaltes Mineral

Tatsächlich gibt es nicht nur den einen Granat. In der Mineralogie bezeichnet der Begriff Granat eine Gruppe von Mineralen, deren gemeinsames Merkmal der gleiche Bauplan des Kristallgitters sowie dieselbe chemische Grundzusammensetzung ist. Zu den Vertretern der Granatgruppe gehören neben Almandin, Pyrop und Spessartin auch Andradit, Grossular und Uwarowit sowie verschiedene Mischkristalle und Varietäten (u.a. Leukogranat, Demantoid, Hessonit, Rhodolith, Melanit, Schorlomit oder Topazolith) und Granatminerale, die im Namen einen geographischen Herkunftsbezug haben, wie beispielsweise Umbalith, Tsavorit oder Merelani Mint Granat.

Bis ein Granat entsteht, vergehen viele Jahrmillionen, in denen das Mineral zunächst im Erdinneren hohem Druck und extremen Temperaturen ausgesetzt ist, bis es als Granat kristallisiert. Erst durch die Abtragung aufliegender Gesteinsschichten oder durch tektonische Hebungsprozesse gelangen die Minerale schließlich an die Erdoberfläche, während andere noch unter Tage verweilen. Tatsächlich sind Granate im wahrsten Sinne des Wortes steinalt: die Altersbestimmung der ältesten Granate ergab ein Alter von etwa 400 Millionen Jahren.


Granatapfel

Der Granatapfelbaum gehört zur botanischen Klasse der Angiospermen (Bedecktsamer), die erst vor rund 140 Millionen Jahren in der Kreidezeit auftauchten. Die Entstehung des Granatapfelbaums im Konkreten wird erst deutlich später datiert.
Archäologische Funde zeigen, dass Granatäpfel schon seit der Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr.) auf dem Speiseplan standen. In Ägypten wurden außerdem Granatäpfel als Grabbeigaben gefunden, die mehr als 4000 Jahre alt waren.


Der gemeinsame Wortstamm

… aber ohne direkten Zusammenhang.
Obwohl beide Wörter die Silbe Granat enthalten, sind Granat und Granatapfel sprachwissenschaftlich nicht miteinander verwandt. Der Wortstamm beider Begriffe geht zwar auf die lateinische Vokabel granum für Korn zurück, jedoch ohne, dass die Namensgebung des einen mit dem Namen des anderen in Verbindung steht.

Der Granatapfel ist in der Botanik als Puncia granatum bekannt, wobei die vielen Samenkörner in der Frucht die namensgebende Eigenschaft waren. Punica ist dabei die lateinische Übersetzung des Volkes der Phönizier, was wiederum eine Anspielung auf die ursprüngliche Heimat des Granatapfels ist: die Gegend im östlichen Mittelmeerraum und das nördliche Afrika. In der Zeit vor 1753 war der Granatapfel in der Literatur allerdings noch unter dem Eintrag Malum granatum – körniger Apfel – zu finden. Mit dem schwedischen Naturforscher Carl von Linné (1707 bis 1778) änderte sich das. Linné hat das damals bestehende, oftmals nicht einheitliche System der Pflanzen- und Tierwelt grundlegend überarbeitet und neu sortiert, weshalb der Granatapfel fortan als Punica granatum gelistet wurde. Die Bezeichnung Granatapfel tauchte im deutschen Wortschatz erst im Hoch- und Spätmittelalter auf.

Der Name Granat wurde in der Literatur erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt. Der flämische Gelehrte Albertus Magnus (1200 bis 1280) klärte in seinem Werk „De mineralibus“ über eine Gruppe von Mineralen auf, die schlicht als carbunculus, Karfunkelsteine, zusammengefasst wurden und lange Zeit ein Sammelbegriff für alle roten Steine war. Dabei erwähnt er erstmals einen Stein mit dem Namen granatus, der er als roten, körnigen Stein mit durchsichtiger Transparenz charakterisierte, ohne zwischen Rubin, rotem Spinell, Almandin oder Pyrop zu unterscheiden.


Kurzum: Abgesehen von der gemeinsamen lateinischen Wortwurzel und der roten Farbe einiger Granatminerale verbindet den Granatapfel und das Mineral Granat nichts; weder botanisch noch mineralogisch oder historisch.


Auch interessant:


Quellen:

  • Magnus, A. (1256): Granatus. IN: De mineralibus
  • Stover, E. und Mercure, E. (2007): The Pomegranate: A New Look at the Fruit of Paradise. IN: HortScience 42
  • Kluge, F. (2011): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25. Auflage. De Gruyter, Berlin
  • Zohary, D., Hopf, M. und Weiss, E. (2012): Domestication of Plants in the Old World. 4. Auflage. Oxford University Press
  • Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
  • Albertz, R. (2018): Geschichte Israels im Alten Testament. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen
  • Collins, J.J. (2018): Introduction to the Hebrew Bible. 3. Auflage. Fortress Press, Minneapolis

Letzte Aktualisierung: 01.12.2025



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