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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 05.06.2024


Heulandit

Heulandit - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: heulandite | französisch: heulandite


Heulandit Foto
Heulandit


Heulandit und Euzeolith

Lange Zeit wurde das Mineral Heulandit für Stilbit gehalten, bis der deutsche Mineraloge Johann Friedrich August Breithaupt (1791 bis 1873) das Mineral im Jahr 1817 eingehend analysierte. Im Zuge seiner Untersuchungen stellte Breithaupt fest, dass das bis dato unbekannte Mineral, in die Flamme gehalten, stärker schäumt als Stilbit, oder wie meinte im Vergleich mit anderen Zeolithen: "Euzeolith, weil derselbe unter diesen am stärksten aufschäumt", wobei der Name Euzeolith aus dem Griechischen wortwörtlich mit schöner Sprudelstein übersetzt wird.

1822 wurde Euzeolith schließlich in Heulandit umbenannt. Der englische Mineraloge Henry James Brooke (1771 bis 1857) benannte das Mineral in seinen Ausführungen "On the Comptonite of Vesuvius the Brewsterite of Scotland, the Stilbite and the Heulandite" nach dem Sekretär der Geologischen Gesellschaft in London/England und Mineraliensammler John Henry Heuland (1778 bis 1856).


Eigenschaften von Heulandit

Heulandit ist mit der Zusammensetzung (A)Al2Si7O18·6H2O ein Mineral der Mineralklasse der Silikate und im Speziellen ein Vertreter der Zeolithgruppe, speziell Blätterzeolithe, und bildet weiterhin die Heulandit-Gruppe.
Die Minerale der Heulandit-Gruppe werden unterschieden in

  • Heulandit-Ba
  • Heulandit-Ca
  • Heulandit-K
  • Heulandit-Na
  • Heulandit-Sr

– entsprechend wird das namensgebende Element anstelle von „A“ in die Formel integriert.

Heulandit kann farblos sein, aber auch von weißer, oranger, rosa, roter, grauer oder brauner Farbe, oder wie der Mineraloge Carl Hartmann (1796 bis 1863) im Jahr 1831 schreibt: "wasserhell, gelblich-, graulich-, röthlichweiss, fleisch- und ziegelroth, gelblichgrau bis haarbraun".
Die Strichfarbe ist weiß.

Das Zeolithmineral kristallisiert im monoklinen Kristallsystem. Die Kristalle sind kurzsäulig, tafelig oder blättrig. Die Aggregate sind fächerförmig, schuppig, massig, derb oder spätig, vergleichbar mit Baryt.

Der Glanz von Heulandit ist glasartig, auf Spaltflächen auch perlmuttartig bei durchsichtiger bis durchscheinender Transparenz. Die Spaltbarkeit des Minerals ist sehr vollkommen, der Bruch ist spröde und uneben.

Die Mohshärte von Heulandit beträgt 3,5 bis 4 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839), die Dichte wird mit 2,1 bis 2,2 g/cm³ angegeben.


Entstehung und Verbreitung von Heulandit

Heulandit als Mineral magmatischen Ursprungs geht aus hydrothermalen Lösungen hervor und kristallisiert deshalb bevorzugt in Hohlräumen von magmatischen Gesteinen wie Basalt, Diabas oder Andesit, wird aber auch in Erzgängen gefunden werden. Mitunter ist Heulandit auch Bestandteil von kristallinen Schiefern oder entsteht aus der Eindampfung von salzhaltigen Seen.

Die Vorkommen von Heulandit werden von weiteren Zeolith-Mineralen wie Goosecreekit, Stilbit, Amicit, Phillipsit, Analcim, Natrolith, Skolezit, Chabasit oder Laumontit sowie Calcit und Apophyllit begleitet.

Nennenswerte Heulandit-Vorkommen existieren u.a. in Berufjörður, Hvalfjördur, Teigarhorn, Reydarfjördur/Island; Streymoy, Eysturoy/Färöer; Isle of Skye, Isle of Mull, Aberdeenshire/Schottland; Shropshire, Cornwall/England; Kongsberg/Norwegen; Limousin/Frankreich; Eifel, Siebengebirge, Odenwald, Kamsdorf (Thüringen), St. Andreasberg /Harz)/Deutschland; Niederschlesien/Polen; Böhmen, Mähren/Tschechien; Niederösterreich, Steiermark, Kärnten, Salzburg/Österreich; Wallis/Schweiz; Toskana, Sardinen, Fassatal/Italien; Ungarn; Borév/Rumänien; Kasachstan; Poona/Indien; Honshu/Japan; Südafrika; New South Wales/Australien; Neuseeland; Rio Grande do Sul/Brasilien; Mexiko; Kalifornien, Washington, Alaska, Hawaii, Colorado, Arizona, Pennsylvania/USA und Nova Scotia, Quebec, British Columbia/Kanada.


Nachweis von Heulandit

Wie alle Zeolithe schäumt und bläht auch Heulandit vorm Lötrohr auf.
Zudem gibt Heulandit bei Erwärmung kontinuierlich Kristallwasser frei, das durch Wasserdampf anschließend wieder eingelagert wird. Bei der Lagerung von Heulandit empfiehlt es sich deshalb, neben dem Mineral ein befeuchtetes Wattebällchen oder Taschentuch zu positionieren.
Weiterhin ist Heulandit in Salzsäure löslich.


Verwendung und Bedeutung von Heulandit

Heulandit ist der Seltenheit wegen vor allem für Mineraliensammlungen von Bedeutung. Vereinzelt wird das Zeolith-Mineral auch als Geruchsbinder in Katzenstreu oder Ställen verwendet.
Teilweise wird Heulandit auch als Heilstein verkauft, ohne dass die Heilwirkung von Heulandit in klinischen Untersuchungen bestätigt werden konnte.


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Auch interessant:

Quellen:
⇒ Breithaupt, A. (1817): Euzeolith. IN: Handbuch der Mineralogie, Band 4 von Carl August Siegfied Hoffmann
⇒ Brooke H. J. (1822): On the comptonite of Vesuvius, the Brewsterite of Scotland, the Stilbite and the Heulandite. IN: Edinburgh Philosophy Journal
⇒ Hartmann, C. (1831): Heulandit. IN: Conversations-Lexikon der Berg- Hütten- und Salzwerkskunde, Band 3
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
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