Apophyllit

Apophyllit, Ichthyophthalme und Fischaugenstein
Der Name Apophyllit ist dem französischen Mineralogen René-Just Haüy (1743 bis 1822) zu verdanken. Im Rahmen seiner Untersuchungen zu dem erstmals im Jahr 1784 in Schweden entdeckten und als Brausestein beschriebenen Mineral kam er 1805 zu der Feststellung, dass Apophyllit in die Flamme gehalten, blättchenweise zerspringt/abblättert (griech. apophylliso - abblättern).
Davor war das Mineral unter dem von José Bonifácio de Andrada e Silva (Mineraloge; 1763 bis 1838) geprägten Namen Ichthyophthalme bekannt.
Der deutsche Geologe und Mineraloge Abraham Gottlob Werner (1749 bis 1817) führte später den Begriff Fischaugenstein ein; da ihn der Glanz von Apophyllit an gekochte Fischaugen erinnerte.
Eigenschaften von Apophyllit
Apophyllit ist ein Silikatmineral mit der Zusammensetzung
(K,Na)Ca4[Si8O20](OH,F) · 8H2O.
Genau betrachtet handelt es sich bei Apophyllit um kein eigenständiges Mineral, sondern um eine Gruppe von Mineralien (Apophyllit-Gruppe) bestehend aus
- Fluorapophyllit-(Na)
- Hydroxyapophyllit-(K)
- Fluroapophyllit-(Cs)
- Fluorapophyllit-(NH4
- Carletonit

Die Farbe von Apophyllit kann sowohl farblos als auch grünlich, rötlich, bläulich oder gelblich sein. Der Mineraloge Max Bauer (1844 bis 1917) stellte allerdings fest, dass die Farbe von Apophyllit oftmals mit dem Fundort in Verbindung steht. So sind Apophyllit aus Andreasberg rosa, während isländischer Apophyllit grün und Apophyllit aus Bombay laut Bauer bläulich ist.
Die Strichfarbe von Apophyllit ist weiß.
Apophyllit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem mit aufgewachsenen, längsgestreiften Kristallen, die würfelartig (pseudokubisch), tafelig oder dipyramidal sein können. Die Aggregate sind massig, derb und körnig, selten auch blättrig.
Apophyllit weist Glas- oder Perlmuttglanz auf, die Transparenz ist durchsichtig bis durchscheinend. Der Bruch ist uneben, die Spaltbarkeit ist sehr vollkommen.
Die Mohshärte von Apophyllit beträgt 4,5 bis 5 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839), die Dichte liegt zwischen 2,3 bis 2,5 g/cm³.

Entstehung und Verbreitung von Apophyllit
Apophyllit entsteht im späthydrothermalen Stadium magmatischer Prozesse. Dabei kristallisiert das Mineral aus calcium-, kalium-, fluor- und kieselsäurereichen hydrothermalen Lösungen, die bei Temperaturen von meist unter etwa 400 °C zirkulieren.
Besonders häufig bildet sich Apophyllit in Blasenhohlräumen basaltischer Lavaströme, wo die mineralreichen Lösungen in vorhandene Hohlräume eindringen und dort gut ausgebildete Kristalle wachsen lassen. Darüber hinaus kommt Apophyllit auch in Klüften, Gängen sowie in hydrothermal überprägten Sulfidlagerstätten vor.
Je nach Fundort und Apophyllit-Varietät sind die Mineralien mit Calcit, Gyrolith, Hubeit, Inesit, Kinoit, Laumontit, Okenit, Pektolith, Prehnit, Quarz, Skolezit, Stilbit und Wollastonit vergesellschaftet.
Bedeutende Vorkommen von Apophyllit befinden sich bspw. in Südgrönland; Färöer; Norwegen; Schweden; Island; Schottland; England; Belgien; Frankreich; Sauerland, Ehrenfriedersdorf, Dillenburg, Odenwald, Kaiserstuhl, Haslach, St. Andreasberg/Deutschland; Ústi nad Labem/Tschechien; Fassatal, Seiser Tal/Italien; Siebenbürgen/Rumänien; Namibia; Südafrika; Indien; China; Japan; Australien; Neuseeland; Mexiko; Brasilien; USA und Kanada.
Bedeutung und Verwendung von Apophyllit
Wegen der geringen Härte und vollkommenen Spaltbarkeit wird Apophyllit nur selten zu Schmuck verarbeitet. Stattdessen zählt das Mineral aufgrund der häufig hervorragend ausgebildeten, transparenten Kristalle zu den beliebtesten Sammlungs- und Schaumineralien.
Nachweis von Apophyllit
In die Flamme gehalten, verfärbt sich das Mineral violett. Beim Erhitzen im Reagenzglas setzt Apophyllit Kristallwasser frei. Das Verhalten von Apophyllit in Säure ist unterschiedlich. Während Salzsäure und Salpetersäure in der Lage sind, Apophyllit leicht aufzulösen, löst sich das Mineral in Schwefelsäure nur schwer auf und bildet eine gelartige Masse.
Auch interessant:
Quellen:
- Gohlen, A. F. (1805): Neues allgemeines Journal der Chemie, Band 5 - Analyse des Ichthyophthalm
- Haüy, R. J. (1808): Description de l`Apophyllite. Ichthyophthalme de Dandrada. IN: Der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin. Magazin für die neuesten Entdeckungen. Erstes Quartal
- Bauer, M. (1886): Apophyllit. IN: Lehrbuch der Mineralogie
- Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
- Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
- Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
- Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
- Okrusch, M. und S. Matthes (2009): Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg
- www.mindat.org - apophyllite

