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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 30.09.2021


Rutil

Rutil - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: rutile | französisch: rutile


rutilquarz - Aufnahme des Minerals
Bild 1. Rutilnadeln eingelagert in Bergkristall/Rutilquarz

Inhaltsverzeichnis


Rutil, Roter Schörl und Nadelstein

Das Mineral Rutil wurde bis 1800 unter den Namen Rother Schörl oder Nadelstein geführt - bezugnehmend auf die Form der Kristalle, die an feine Nadeln erinnern und die optische Ähnlichkeit mit stangenartigem Schörl.
Im Laufe der Zeit stellte sich jedoch heraus, dass Rutil keine Varietät von Schörl ist.
Der heutiger, aus dem Lateinischen stammende Name Rutil ist dem Mineralogen Abraham Gottlob Werner (1749 bis 1817) zu verdanken, wie der Geologe und Paläontologe Friedrich August Quenstedt 1863 schreibt: "Der passende Werner´sche Name bezieht sich auf die rothe Farbe, rutilus."


Eigenschaften von Rutil

Chemisch betrachtet handelt es sich bei Rutil Titandioxid (TiO2), genau wie Anatas und Brookit, sodass Rutil der Mineralklasse der Oxide zugeordnet wird.

Die Farbe von Rutil ist nicht nur rot. Die Kristalle können auch von gelber, braungelber, rotbrauner, violetter, blauer oder schwarzer Farbe, wie im Fall der Rutilvarietät Nigrin, sein.
Fast schon poetisch klingen die Farbbezeichnungen von Rutil in den Werken historisher Mineralogen. So charakterisiert Georg Adolf Suckow (1751 bis 1813, Mineraloge) die Farbe von Rutil als "dunkelblutroth, auch kirsch-hyacinth- und bräunlichroth, und zuweilen röthlichbraun". Sein Kollege Johann Georg Lenz (1748 bis 1832) schreibt 1794, dass Rutil von "kermesin- theils bluth- und pfirsichblüthrother Farbe" ist.
Die Strichfarbe ist trotz der Farbvielfalt von Rutil gelbbraun, d.h., wird Rutil über ein unglasiertes Porzellantäfelchen gestrichen, erscheint ein gelbbrauner pulverisierter Abrieb.

Rutil kristallisiert dem tetragonalen Kristallsystem folgend und bildet langprismatische, bipyramidale Kristallen, die häufig zu Zwillingen oder Viellingen miteinander verwachsen. Die Aggregate sind feinnadelig, strahlig, körnig oder derb.

Der Glanz von Rutil ist metallisch bis diamanten bei durchsichtiger bis durchscheinender Transparenz. Der Bruch des Minerals ist muschelig-uneben, die Spaltbarkeit zeigt sich vollkommen.

Die Härte von Rutil beträgt 6 bis 6,5 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839); die Dichte von Rutil beläuft sich auf 4,18 bis 4,25 g/cm3.


Rutile - Mineral und Kristalle
Bild 2: Rutil


Entstehung und Verbreitung von Rutil

Rutil kann auf verschiedene Weise entstehen. Zum einen ist Rutil magmatischen Ursprungs und kristallisiert aus fluidreichen Lösungen aus, andererseits kann die Bildung von Rutilkristallen auf metamorphe, insbesondere kontaktmetamorphe, Vorgänge zurückgehen. Mitunter ist das Mineral aufgrund der hohen Verwitterungsbeständigkeit auch in Sedimentgesteinen enthalten.

Rutil ist als Gemengteil bzw. mineralischer Bestandteil in vielen Gesteinen wie Glimmerschiefer, Gneis oder Granit enthalten.
Zudem kann Rutil im Zuge der Entstehung in Kristallen einwachsen, wie z.B. häufig in Rubin, Bergkristall, Almandin und Rosenquarz.
Vor allem sich überlagernde Rutilnadeln in Saphir und Rubin bringen optisch reizvolle Effekte in Form eines sechsstrahligen Sterns (sog. Asterismus) hervor.

Die natürlichen Vorkommen von Rutil werden von einer Reihe weiterer Mineralien begleitet, darunter zum Beispiel Chlorit, Apatit, Quarz, Calcit, Albit, Kornerupin, Anatas, Brookit, Titanit, Pyrophyllit, Ilmenit und Hämatit.

Bedeutende Funde von Rutil wurden in Kragerö/Norwegen, Grönland, Tirol, Steiermark/Österreich, Tessin, Tavetsch, Graubünden/Schweiz, Italien, Ural/Russland, Siebenbürgen/Rumänien, Sierra Leone, Nigeria, Namibia, Bahia/Brasilien, Virginia, Georgia, Carolina, Connecticut, Massachusetts, Vermont, New York/USA dokumentiert.


Verwendung und Bedeutung von Rutil

Rutil ist bedingt durch die bis zu 60%-igen Gehalte an Titan von wirtschaftlicher Bedeutung zur Gewinnung des Übergangsmetalls Titan. Daneben wird Rutil in Farbstoffsolarzellen eingesetzt.

Aber auch in der Schmuckbranche ist Rutil ein begehrtes Mineral, insofern der Stein zu Schmuck verarbeitet wird. Vor allem klare Kristalle mit eingeschlossenen Rutilnadeln sind gefragt oder Mineralien, bei denen infolge eingelagerter Rutilnadeln ein Asterismus hervorgerufen wird.


Rutil Foto
Bild 3: rotbrauner Rutilkristalle


Nachweis von Rutil

Rutil ist ein sehr resistentes Mineral, das nicht in Säuren löslich ist. Der Pleochroismus von Rutil erscheint in gelb bis rotbraun.


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Sonstiges

Neben echtem Rutil gibt es auf dem Edelsteinmarkt auch Imitationen zu kaufen. Der Name der gezüchteten Steine aus dem Labor: Diamontit oder Titania. Mit der Herstellung der Kunstkristalle sollte jedoch kein Duplikat zu Rutil geschaffen werden. Vielmehr ging es den Entwicklern darum, eine Diamanten-Imitation zu kreieren.


Siehe auch:
Mineralien und Edelsteine als Wertanlage
Erz - Metallhaltige Mineralien und Gesteine
Schlacke - Nebenprodukt der Erzverhpttung


Quellen:
⇒ Lenz, J. G. (1794): Rother Schörl. IN: Versuch einer vollständigen Anleitung zur Kenntniss der Mineralien
⇒ Ludwig, C. F. (1803): Rutil. IN: Handbuch der Mineralogie nach A. G. Werner
⇒ Suckow, G. A. (1804): Titanschörl. IN: Anfangsgründe der Mineralogie. Band 2
⇒ Mohs, F. (1804): Rutil. IN: Des Herrn Jac.-Friedr. von der Null Mineralien-Kabinet, nach einem Systeme geordnet beschrieben, und als Handbuch der Oryctognosie brauchbar gemacht. Band 2
⇒ Quenstedt, J. G. (1863): Titanerze. Rutil. IN: Handbuch der Mineralogie
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Hochleitner, R. (2017): Welcher Stein ist das? Kosmos-Naturführer. Über 350 Mineralien, Edelsteine und Gesteine. Franckh Kosmos Verlag
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
- www.mindat.org - rutile

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