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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 17.06.2024


Hackmanit

Hackmanit - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: hackmanite


Hackmanit – Ein mineralisches Dosimeter

Von der Entdeckung des Minerals Hackmanit wurde ausführlich erstmals im Jahr 1901 berichtet. In seinen Ausführungen „Hackmanit ett nytt mineral i sodalit gruppen“ beschreibt der finnische Mineraloge Leonhard Henrik Borgström (1876 bis 1964) den Fund im Tawa-Tal auf russischen Halbinsel Kola und gab dem neuen Mineral zu Ehren des Mineralogen Victor Axel Hackman (1866 bis 1941) den Namen Hackmanit.


Eigenschaften von Hackmanit

Hackmanit ist eine Varietät von Sodalith, der wiederum Vertreter der gleichnamigen Sodalith-Gruppe ist, die unter die sogenannten Foide fällt.

Tabelle: Die Eigenschaften von Hackmanit
EigenschaftBeschreibung
Chemische Zusammensetzung Na8Al6Si6O24(Cl2,S)
Mineralklasse Silikatmineral
Farbe
  • bei Tageslicht: grauweiß, hellviolett, hellrosa
  • unter Röntgenlicht, bei radioaktiver Strahlung: intensiv violett
Strichfarbe weiß
Glanz glasartig
Transparenz undurchsichtig, durchsichtig bis durchscheinend
Bruch uneben, muschelig
Spaltbarkeit unvollkommen
Mohshärte 5,5 bis 6
Dichte 2,14 bis 2,40 g/cm³


Photochromie von Hackmanit

Eine Besonderheit von Hackmanit ist die Art des Farbwechsels.
Erscheint Hackmanit in einem Moment weiß, rosa bis violett – vergleichbar mit der Farbe von Fluorit, Amethyst, Rosenquarz oder Morganit/Beryll, ändert sich die Farbe des Minerals instantan im Sonnenlicht, wird blasser oder intensiver als die ursprüngliche Farbe.

Dieser Effekt wurde 1834 von Robert Allan (Mineraloge; 1806 bis 1863) im Jahr 1834 entdeckt und als Photochromie definiert. Allerdings ist der Farbwechsel nicht dauerhaft. Binnen Sekunden, teilweise auch erst nach Tagen, kehrt die eigentliche Farbe zurück. Voraussetzung ist jedoch, dass Hackmanit vorab keiner Behandlung mit Wärme ausgesetzt war; anderenfalls funktioniert der Farbänderung im Sonnenlicht oder unter Röntgenbestrahlung nicht.

Im September 2022 wurde eine von Vuori et al. Von der Universität Turku/Finnland eine Studie veröffentlicht, dass Hackmanit auch auf radioaktive Strahlung anspricht und die Farbe heller Kristalle intensiv rosa-violett wird; hellblauer Hackmanit bekommt einen deutlichen Stich ins Violette – ähnlich dem Blauviolett von Tansanit. Im Vergleich zur Röntgen- oder UV-Strahlung des Sonnenlichts erfolgt der Farbwechsel bei Kontakt mit Alpha-, Beta- oder Gammastrahlung langsamer bzw. zeitverzögert.


Entstehung und Verbreitung von Hackmanit

Hackmanit ist ein Mineral magmatischen Ursprungs, wobei die Hackmanit-Vorkommen unter anderem mit Albit/Feldspat, Ägirin, Arfvedsonit, Calcit, Eudialyt, Mikroklin/Feldspat, Nephelin, Roschenbuschit, Pektolith, Perowskit, Phlogopit, Richterit, Sodalith, Pyrrhotin und Uraninit vergesellschaftet sind. Laut Dana (1911) kann Hackmanit im Laufe der Zeit zu Natrolith/Zeolith verwittern.

Hackmanit ist ein sehr seltenes Mineral, von dem neben der Typlokalität in Russland nur wenige Fundorte bekannt sind, die sich u.a. in Grönland, Norwegen, Afghanistan, Myanmar, Kanada sowie in den USA befinden.


Bedeutung und Verwendung von Hackmanit

Hackmanit wird teilweise zu Schmuck verarbeitet.

Weitaus interessanter ist die mögliche Verwendung als nachhaltiges Dosimeter, das radioaktive Strahlung anzeigt. Konventionelle Dosimeter sind für den einmaligen Gebrauch gedacht und müssen kompliziert entsorgt werden. Bedingt durch die reversible Photochromie könnte Hackmanit laut Vuori et al. Als modernes, wiederverwendbares Dosimeter fungieren.


Nachweis von Hackmanit

Neben dem Test auf Farbveränderung unter veränderten Lichtverhältnissen, spricht Hackmanit UV-Licht mit einem Farbwechsel an. Unter langwelligem UV-Licht leuchtet Hackmanit orange auf, unter kurzwelligem UV-Licht erscheint das Mineral gelborange, wobei die Farbe unter UV-Licht lange nachleuchtet.


Auch interessant:

Quellen:
⇒ Borgström, L. H. (1901): Hackmanit ett nytt mineral i sodalit gruppen. IN: Geologiska föreningens i Stockholm förhand lingar
⇒ Dana, J. D. und Dana, E. S. (1911): Hackmanite. IN: Descriptive Mineralogy
⇒ Deer, W. A., Howie, R. A. und Zussman, J. (1978): Sodalite Group. IN: Rock-forming Minerals
⇒ Vuori, S., Colinet, P., Lehtiö, J.-P., Lemiere, A., Norrbo, I., Granström, M., Konu, J., Ågren, G., Laukkanen, P., Petit, L., Airaksinen, A. J., Goethem, L. v., Bahers, T. und Lastusaari, M. (2022): Reusable radiochromic hackmanite with gamma exposure memory. IN: Materials Horizon
www.mindat.org - Hackmanite


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