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Pseudofossilien - Fossilien, die keine sind



Fein verzweigte Spuren, die an Pflanzen erinnern. Konkretionen, die wie versteinerte Eier aussehen und riesige Säulen, die den Eindruck von versteinertem Holz erwecken. Doch nicht alles, was auf den ersten Blick wie ein Fossil aussieht, ist tatsächlich der zu Stein gewordene Überrest von Pflanzen oder Lebewesen aus der Urzeit. Auch geologische und mineralogische Prozesse können gelegentlich organisch wirkende Formen und Muster hervorbringen. Solche vermeintlichen Versteinerungen werden als Pseudofossilien oder Scheinfossilien bezeichnet.



Scheinbare Versteinerungen

Pseudofossilien sind im Gegensatz zu tatsächlichen Fossilien nicht das versteinerte Abbild von organischen Ausgangsmaterialien, Abdrücken oder Spuren früherer Lebewesen oder Pflanzen.

Dass Pseudofossilien dennoch mit echten Fossilien verwechselt werden, liegt an den Formen, Strukturen und der Beschaffenheit der Oberfläche. Das Wachstum einiger Mineralien, Ausfällungen aus mineralhaltigen Lösungen, Konkretionen, Sedimentstrukturen sowie die Verwitterung und Erosion von Gesteinen können Gebilde hervorbringen, die Pflanzen, Schalen, Knochen, Eiern oder anderen organischen Strukturen sehr ähnlich sein können.


Bild 1: Pseudofossilien: Mangan- und Eisenoxide in Form von Dendriten


Dendriten oder versteinerte Pflanzen?

Zu den bekanntesten Pseudofossilien zählen Dendriten. Der Begriff Dendrit stammt aus dem Griechischen, wobei die Vokabel dendron mit Baum übersetzt wird und treffend das typische Erscheinungsbild dieser besonderen Mineralausbildung beschreibt. Die fein verästelten, meist bräunlichen, dunkelgrauen oder schwarzen Strukturen erinnern häufig an Farne, Moose, Zweige oder andere Pflanzen.

Dendriten treten besonders oft auf Kalksteinen und Sandsteinen auf und haben, auch wenn es wie fossile Pflanzenabdrücke aussieht, keinen botanischen Hintergrund.
Dendritische Strukturen entstehen, wenn mineralhaltige Lösungen, die reich an Manganoxiden und -hydroxiden oder Eisenverbindungen sind, in feine Klüfte, Risse oder entlang von Schichtflächen im Gestein eindringen und dort auskristallisierenVor allen die Manganmineralien Pyrolusit und Psilomelan für das dendritische, pflanzenähnliche Kristallwachstum bekannt.


Bild 2: Scheinfossilien: Pyroklastika und Andalusit-Varietät Chiastolith

Feuersteinknollen ohne Fossilien

Auch wenn Feuerstein das Material von Steinkernen wie versteinerten Seeigeln sein kann, sind nicht alle Feuersteinknollen Fossilien.

Feuerstein besteht überwiegend aus mikrokristalliner Kieselsäure und ist in vielen Fällen in kalkigen Sedimentgesteine wie Kreide eingebettet und liegt hier häufig in Form von Knollen und unregelmäßigen Körpern vor. Diese können mitunter bizarre Formen annehmen, die den Vergleich mit Knochen, Eiern oder anderen organischen Überresten aufkommen lassen.

An dieser Stelle muss man beim Fund sehr gewissenhaft sein, denn Feuersteine und Fossilien schließen einander nicht aus. Feuersteine können tatsächlich Fossilien enthalten oder im Zusammenhang mit einst organischen Strukturen entstanden sein.
Hinzu kommt, dass Feuersteine infolge der Verwitterung, Brandung und Verlagerung zusätzlich in der Form verändert und abgerundet werden können, was die Phantasie anregt, vermeintlich urzeitliche Tiere oder -reste zu erkennen.
Kurzum: Eine ungewöhnliche Form eines Feuersteins bedeutet nicht, dass jede Feuersteinknolle ein Fossil ist.


Falsche versteinerte Bäume

Auch infolge der Verwitterung von Gesteinen können Gebilde entstehen, die den Eindruck von zu Stein gewordenen Pflanzen erwecken.
Unter dem Einfluss von Wind, Wasser, Frost und Temperaturschwankungen können einst massive Gesteine über lange Zeiträume hinweg „angegriffen“ und im Aussehen verändert werden.

Ein Beispiel für verwitterte Steine, die einer organischen Form nahekommen, sind die Lena-Säulen in Jakutien im Osten von Russland. Die entlang des Flusses Lena aufragenden Felsformationen können aus der Entfernung als ein steinerner Wald bestehend aus kahlen Baumstämmen interpretiert werden.

Anders als bei versteinertem Holz oder dem Versteinerten Wald von Chemnitz handelt es sich jedoch nicht um via Kieselsäure mineralisch konservierte Bäumen. Vielmehr wurden die „Baumstämme“ im Zuge der Verwitterung und Gesteinserosion aus den mächtigen Kalkstein- und Dolomitschichten herauspräpariert.


Holzstrukturen in Mineralien

Das Mineral Chiastolith ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die Muster von Mineralien bei der ersten Betrachtung ebenfalls organischen Ursprungs zu sein scheinen.
Typisch für Chiastolith, eine Varietät von Andalusit, sind die dunklen, kohlenstoff- bzw. bitumenreichen und anderen mineralischen Einschlüsse, die im Querschnitt häufig kreuzförmige Muster bilden. Je nach Ausprägung und wie das Mineral aufgetrennt wurde, können solche Einschlüsse Strukturen zeigen, die an Holz und Jahresringe erinnern, aber tatsächlich kein Fossil sind.


Magmatite versus versteinerte Nüsse

Einige magmatische Gesteine, die aus besonders gasreichen Magmen hervorgingen, weisen mitunter Hohlräume auf, die auf Verwechslungen mit versteinerten Pflanzenteilen, wie bspw. Badam-Nüssen, schließen lassen.


Versteinerte Exkremente versus traubige Aggregate

Kurios sind auch Gesteine und Mineralien, die mit Koprolithen, versteinertem Kot, verwechselt werden können.
Vor allem das Eisenmineral Goethit bildet oftmals traubige, nierenförmige oder warzenartige Aggregate (sog. Brauner Glaskopf), die an fossile Ausscheidungen erinnern können.

Hier zeigt sich, wie schwierig die Bestimmung allein aufgrund der äußeren Form eines gefundenen Steins sein kann. Um einen Fund sicher als versteinerte Hinterlassenschaft eines Tieres zu identifizieren, müssen deshalb weitere Merkmale wie Trittspuren oder fossile Knochen und der geologische Zusammenhang berücksichtigt werden.


Lösskindel

Eine weitere Form von Pseudofossilien sind Lösskindel, die auch Lössmännchen oder Lösspuppen genannt werden.
Lösskindel sind kalkreiche Konkretionen, die im Löss entstanden sind. Löss wiederum bezeichnet ungeschichtete, gleichmäßige Schluffsedimente von gelblicher bis hellgrauer Farbe.

Die figurenartigen Konkretionen entstehen, wenn Calciumcarbonat durch Wasser im Sediment gelöst, transportiert und an anderer Stelle wieder ausgefällt wird. Nach und nach härtet das Calciumcarbonat bzw. die kalkreichen Mineralien, teilweise mitsamt Löss, aus und lassen feste, verschiedenartig geformte Gebilde entstehen. Diese sind oft länglich oder verzweigt wie Wurzel, lassen mit etwas Phantasie aber auch den Vergleich mit versteinerten Tieren oder menschlichen Körpern aufkommen.


Oolithe

Auch oolithische Gefüge können mit Fossilien verwechselt werden.
Oolithe bestehen aus zahlreichen kleinen, meist kugeligen bis eiförmigen Körnern, den sogenannten Ooiden. Diese entstehen, indem sich mineralische Substanz schalenförmig um einen kleinen Kern ablagert. Dadurch weisen Ooide im Querschnitt häufig einen konzentrischen Aufbau auf.

Ein Beispiel für Oolithe sind Rogensteine. Die vielen kleinen rundlichen Körner erinnern optisch an Fischrogen, eine Tatsache, die dem Gestein seinen Namen verdankt.


Fossilien und Pseudofossilien unterscheiden

Die Unterscheidung zwischen Fossilien und Pseudofossilien ist nicht immer mit dem bloßen Auge möglich. Vor allen ungewöhnlich geformte Konkretionen, Feuersteine und mineralische Dendriten können wie zu Stein gewordene Zeugnisse aus der botanischen und zoologischen Vergangenheit interpretiert werden.

Ein erster Hinweis ergibt sich aus der Struktur des Fundes. Echte Fossilien können für Tiere und Pflanzen typische Merkmale wie Schalenstrukturen, Knochengewebe, Blattadern oder regelmäßig aufgebaute Körpersegmente aufweisen.

Genauso wichtig ist der geologische Kontext, indem das Alter und die Entstehung der Gesteinsschicht zu dem vermeintlichen Fossil passen müssen. Auch die Frage, welche Fossilien aus derselben Gesteinsschicht bekannt sind, kann bei der Bestimmung hilfreich sein.

Bei unklaren Funden sind möglicherweise weiterführende Untersuchungen notwendig. Mikroskopische Analysen, Dünnschliffe, bildgebende Verfahren oder mineralogische und geochemische Untersuchungen können Aufschluss über die innere Struktur und die Entstehung eines Fundstücks geben.


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Quellen:

  • Walch, J. E. I. (1773): Von der Geschichte der Versteinerungskunde. IN: Die Naturgeschichte der Versteinerungen. Zur Erläuterung der Knorrischen Sammlung von Merkwürdigkeiten der Natur
  • Schröter, J. S. (1778): Naturspiel. IN: Vollständige Einleitung in die Kenntniß und Geschichte der Steine und Versteinerungen
  • Krünitz, J. (1816): Naturspiel. IN: Ökonomisch-technologische Encyklopädie, oder allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- und Landwirthschaft, wie auch der Erdbeschreibung, Kunst- und Naturgeschichte
  • Rossmaessler, E. A. (1857): Die Versteinerungen. IN: Die Geschichte der Erde
  • Vogt, K. C. (1871): Geschichte der Geologie und Petrefactenkunde. IN: Lehrbuch der Geologie und Petrefactenkunde
  • Haas, H. (1885): Von den Untersuchungsmethoden der Versteinerungskunde. IN: Katechismus der Versteinerungskunde (Petrefaktenkunde, Paläontologie)
  • Neumayr, M. (1895): Naturspiele. IN: Erdgeschichte. Band 1
  • Abel, O. (1917): Allgemeine Paläontologie
  • Krummbiegel, G. und Krummbiegel, B. (1981): Fossilien der Erdgeschichte. Enke Verlag
  • Thenius, E. (2013): Versteinerte Urkunden. Die Paläontologie als Wissenschaft vom Leben in der Vorzeit. Springer Verlag Berlin Heidelberg

Letzte Aktualisierung: 02.10.2026



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