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Gustav Adolf Kenngott



Gustav Adolf Kenngott war einer der führenden Mineralogen des 19. Jahrhunderts, dessen Arbeiten wesentlich zur Beschreibung und Analyse von bis dato unbekannten Mineralen sowie die Systematisierung der Mineralogie weiterentwickelte.



Ein Breslauer Mineraloge

Gustav Adolf Kenngott wurde am 6. Januar 1818 in Breslau geboren. Sein Vater war nach Angaben des Physiologen Carl Voit (1831 bis 1908) Handschuhmacher.

Nach dem Abschluss des Gymnasiums in Breslau im Jahr 1838 begann Kenngott noch im selben Jahr ein Studium der Naturwissenschaften, Mathematik und Mineralogie an der Universität seiner Heimatstadt. Bereits früh kristallisierte sich die Mineralogie als sein bevorzugtes Fach heraus. 1842 schloss er das Studium mit der Promotion ab. Das Thema seiner Dissertation war das "Systematis crystallorum rhombici adumbratio". Zwei Jahre später folgte die Habilitation.

Ab 1844 war Kenngott als Dozent an der Universität Breslau tätig. Anschließend wechselte er nach Pressburg (dem heutigen Bratislava), wo er bis 1852 als Professor für Naturgeschichte wirkte.

Die folgenden Jahre verbrachte Kenngott in Wien.
Von 1852 bis 1857 war er Kurator der mineralogischen Sammlung des Hof-Naturalienkabinetts und zugleich an der Geologischen Reichsanstalt tätig. 1856 wurde er zum Professor für Mineralogie ernannt.

1875 führte ihn sein Weg nach Zürich. Dort erhielt Kenngott eine Professur an der ETH Zürich und wurde später auch zum Direktor des Polytechnikums berufen. In seinen Vorlesungen behandelte er sowohl die Grundlagen der Mineralogie als auch deren angewandte Aspekte: Mineralbestimmung, Berechnung, Messung und zeichnerische Darstellung von Kristallen.

1883 trat Kenngott laut Carl Voit als „müder Greis“ in den Ruhestand. Bei seinen Studierenden galt er als „sehr beliebter Lehrer“ und „väterlicher Freund“, in Fachkreisen genoss er „allseitige Anerkennung“.


Forschung und wissenschaftliches Werk

Neben seiner Lehrtätigkeit widmete sich Kenngott intensiv der chemischen und kristallographischen Untersuchung von Mineralen. Seine frühen Arbeiten konzentrierten sich vor allem auf die Kristallographie; später erweiterte er seinen Forschungsschwerpunkt auf die Systematik der Minerale sowie auf lokaltypische Mineralvorkommen.

Kenngott war an der Bestimmung zahlreicher bis dahin unbekannter Minerale beteiligt. Zu seinen bedeutendsten Erstbeschreibungen zählen das Silbermineral Freibergit sowie der Pyroxen Enstatit. Ihm zu Ehren trägt zudem eine Varietät des Arsenoliths den Namen Kenngottit.

Im Laufe seines 79-jährigen Lebens veröffentlichte Kenngott eine große Zahl wissenschaftlicher Arbeiten. Diese reichten von der Beschreibung neu entdeckter Minerale über systematische Untersuchungen bis hin zu Lehrbüchern, die sich sowohl an Studierende als auch an Hobby-Mineraloginnen und Mineralogen richteten.
Seine Lehrwerke zu Kristallographie, Mineralogie und Geologie waren ganzheitlich angelegt: Neben der Kristallgestalt behandelten sie chemische Klassifikationen sowie physikalische und chemische Eigenschaften der Minerale. Zahlreiche Skizzen und farbige Zeichnungen ergänzten die Texte auf anschauliche Weise.

Gustav Adolf Kenngott verstarb am 4. März 1897 in Lugano in der Schweiz.


Bibliographie von Gustav Adolf Kenngott (Auswahl)
Jahr Titel
1846 Lehrbuch der reinen Krystallographie
1852 Übersicht der Resultate mineralogischer Forschungen in den Jahren 1844 bis 1849, Reihe wurde über die Jahre fortlaufend weitergeführt
1853 Das Mohs´sche Mineralsystem, dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft gemäß
1855 Synonymik der Krystallographie. Ein zum Verständnis krystallographischer Arbeiter und Schriften unentbehrliches Lehr- und Hilfsbuch für Mineralogen und Chemiker und Alle, welche sich mit der Naturgeschichte der Krystalle beschäftigen
1863 Über die Meteoriten oder die meteorischen Stein- und Eisenmassen
1866 Die Minerale der Schweiz nach ihren Eigenschaften und Fundorten
1869 Ein Dünnschliff einer Meteorprobe von Knyahinga
1870 Weitere Mitteilungen über den kaukasischen Obsidian
1871 Lehrbuch der Mineralogie zum Gebrauch beim Unterricht an Schulen und höheren Landesanstalten
1878 Das Mineralreich in Bildern: naturhistorisch-technische Beschreibung und Abbildung der wichtigsten Minerale
1879 Erster Unterricht in der Mineralogie
1882 Handwörterbuch der Mineralogie, Geologie und Palaeontologie
1888 Naturgeschichte des Mineralreichs für Schule und Haus
1890 Elementare Mineralogie, besonders zum Zwecke des Selbststudiums leicht faßlich dargestellt


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Quellen:

Letzte Aktualisierung: 28.01.2026



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