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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 18.05.2022


Donnerkeil

Donnerkeil - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: thunderstone, thunderbolt


Donnerkeil Foto
Bild 1: aufgespalteter Donnerkeil

Inhaltsverzeichnis Donnerkeil


Donnerkeil und Belemniten

Der Begriff Donnerkeil ist sehr alt – wortwörtlich steinalt. Die älteste Überlieferung, in der Donnerkeil erwähnt wird, stammt aus den Aufzeichnungen des Theologen Caspar Schwenckfeld (1490 bis 1561) aus dem Jahr 1555, in denen er schreibt: „haben wir einen rechten Donnerkeil wider den dienst aller gottlosen predicanten, die böse exempel gebe“. Vergleichbares findet sich auch 1565 bei Martin Luther (1483 bis 1546) wieder. Allerdings wird deutlich, dass der Name Donnerkeil hier nicht im Sinne einer Versteinerung gebraucht wird, sondern als ein Mittel gegen Nicht-Gläubige.

Donnerkeile waren den Menschen in der Vergangenheit durchaus bekannt, doch die Entstehung gab ihnen Rätsel auf. Das Wissen um die Entstehung der Erde nach heutigem Kenntnisstand war weit entfernt. Es wurde die Annahme vertreten, dass Gott die Welt erschaffen hat. Dementsprechend abenteuerlich sind die damaligen Vermutungen, wie Donnerkeile entstanden sind.
So steht zum Beispiel im Buch „Hundstägige, Erquickstund“ von 1651 über Donnerkeil: „Hierbey ist auch zu vergessen, daß, wofern der in den Wolcken enthaltene Dampff eine Zeitlang darin verleibet, daß er alsdann erhärte und zu einem harten Stein koche, welche man Donnerkeil nennet, welcher, wann er herausbricht, zugleich Knall, Blitz, Donner mit sich bringet.“.

Der Historiker Louis Maimbourg (1610 bis 1686) definiert einen Donnerkeil als den „Donnerstrahl der Göttlichen“, der auf die Gottlosen geschossen wird „und sie in den Abgrund der Höllen hinunter stürzen“.

Das heißt: bis zu Beginn des 18 Jahrhunderts gingen die Gelehrten davon aus, dass Donnerkeile von Gott auf die Erde geschickt wurden, um Nicht-Gläubigen das Fürchten zu lehren.

Mit Johann Samuel Schröter (1735 bis 1808; Theologe und Paläontologe) wandelt sich 1776 die Betrachtungsweise: „Wir wissen, daß sie (die Donnerkeile) blosse Werke der Kunst sind, die von den Alten zu allerley häuslichen, militärischen oder so gar gottesdienstlichen Geschäften bearbeitet wurden“. Den Beweis, dass Donnerkeile vermeintliche Artefakte von Menschen sind, führt er auch an, da „auch auf dem Erdboden ein Loch erblicken müssen, wohin der Donnerkeil gefahren“ sei und zudem die „verbrennliche Materie des Blitzes ist aber der Schwefel“.

Die phantastischen Mythen um die Entstehung der Donnerkeile ranken sich trotzdem weiter. Johann August Ephraim Goeze (1731 bis 1793; Zoologe) ist 1789 der Ansicht, dass Donnerkeile Zähne von Thor sind, die er beim Ausspeien von Blitz und Donner verloren hat.

Daran angelehnt, hat sich in der Mythologie folgende Sage durchgesetzt: Die Bedeutung des Namens Donnerkeil geht auf den germanischen Gott Donar zurück. Das Pendant zum nordischen Thor schickte als Wettergott regelmäßig Blitze auf die Erde nieder. Diese trafen der Sage nach in Sand und "versteinerten" zu Donnerkeilen.

1816 wird es wissenschaftlicher und man kommt dem wahren Ursprung von Donnerkeilen näher. Im Conversations-Lexicon von 1816 steht unter dem Eintrag Donnerkeil: „manche solcher Steine sind Versteinerungen von jetzt unbekannten Schalthieren“, die laut Real-Lexicon von 1857 den „Vorfahren dienten als Waffen in ihren Streitigkeiten, oder auch als Opfermesser.

Heutzutage wurden die Rätsel um die Entstehung und von welchem Tier Donnerkeile stammen, geklärt. Im wissenschaftlichen Kontext wird für Donnerkeile der Name Belemnit verwendet, dessen älteste Erwähnung auf Andreas Libavius (1555 bis 1616) 1601 zurückgeht.

Dass Donnerkeile nicht nur in der nordischen Mythologie fester Bestandteil waren, zeigt das aus dem griechischen stammende Synonym Belemnit, das wortwörtlich mit Blitzgeschoß übersetzt wird . In zahlreichen Abbildungen wird der griechische Göttervater Zeus sowie auch das römische Gegenstück Jupiter mit einem Donnerkeil dargestellt, mit denen die Götter Blitze und Donner auf die Erde niederschickten.


Donnerkeile - Aufnahme des Minerals
Bild 2: Donnerkeile von der Ostsee


Eigenschaften von Donnerkeilen

Belemniten bzw. Donnerkeile sind die versteinerten „Ruder“ von Kopffüßern, die vor 358 bis 70 Millionen Jahren in den damals existenten Urmeeren lebten.

Anhand fossiler Ganzkörperfunde konnte die Gestalt der sogenannten Cephalopoden rekonstruiert und die Ähnlichkeit zu den heute existenten Tintenfischen festgestellt werden.
Wie Tintenfische auch bestanden Cephalopoden aus einem Schutzkörper - Proostrakum, in welchem sich eine Art Schwimmblase (sog. Phragmokon) befand. Am hinteren Ende des Lebewesens befand sich eine, die zur Navigation im Wasser diente: das Rostrum.
Jenes Rostrum war schichtartig aus dem Mineral Aragonit aufgebaut und stellt den Fossilteil dar, der als Donnerkeil bekannt ist.

Donnerkeile weisen verschiedene Farben auf. Am häufigsten sind Exemplare in bernsteingleichen, braungelben Farbtönen. Belemniten können aber auch dunkelbraun bis schwarz sein.

Das Mineral, aus dem die Millionen Jahre alten Donnerkeile bestehen, ist vor allem Calcit. Einige Donnerkeile enthalten auch vollständig auskristallisierten Quarz, der im Gegensatz zu Calcit bei Behandlung mit Salzsäure nicht aufgelöst werden kann.

Die Form eines Belemnitenrostrums kann schmal, gleichförmig oder dick, unförmig sein; mitunter erinnern die Rostren an Zigarrenenden.

Die Länge von Donnerkeilen schwankt erheblich – gefunden wurden auch Exemplare mit einer Länge bis zu 15 cm.


Belemnit - Mineral und Kristalle
Bild 3: Donnerkeil in Kalkstein


Donnerkeil und Donnerkeilschnecke

Trotz der namentlichen Ähnlichkeit handelt es sich bei der Donnerkeilschnecke Tylomelania perfecte nicht um eine Varietät von Donnerkeil, sondern um ein Weichtier, dessen Schale bzw. Gehäuse aufgrund der donnerkeilartigen Form an das Fossil Donnerkeil erinnert.


Entstehung und Verbreitung von Donnerkeilen

Gegen Ende der Kreidezeit vor ca. 80 Mio. Jahren kam es klimatischen Veränderungen, die Auswirkungen auf die gesamte Umwelt hatten.
Die Temperaturen der Weltmeere gingen zurück und stellten mit etwa 8 °C nicht länger die gewohnte Umgebungstemperatur von 14 °C dar. In der Folge kam es zu einem Massensterben von Cephalopoden und weiteren Organismen.

Nach dem Ableben sanken diese auf den Grund der einstigen Kreidemeere nieder und wurden von Sand überlagert. Auf diese Weise wurde verhindert, dass Verwesungsprozesse stattfinden konnten.
Durch den mit verendeten Cephalopoden durchsetzten Sand zirkulierten Lösungen, bestehend aus flüssigem Calcit oder Quarz, die über die Jahre hinweg das Material des Rostrums ersetzten.

Die meisten Vorkommen von fossilen Donnerkeilen findet man an den Stränden und Küsten von Welt- oder Binnenmeeren, darunter auch die Ostsee samt der Insel Rügen, deren Meeresgrund durch die Wellenbewegung des Wassers, vor allem durch Stürme im Frühjahr oder Herbst, aufgewühlt wird. So werden Donnerkeile aus den verborgenen Sandschichten freilegt und ans Festland transportiert.

Weitere Funde von Belemniten befinden sich eingeschlossen, förmlich einbetoniert in Kalksteinen großer Gebirge. Kalksteine sind Sedimentgesteine marinen Ursprungs und wurden durch den Rückzug des Meeres oder Gebirgshebungsprozesse an die Erdoberfläche befördert.


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Verwendung und Bedeutung von Donnerkeilen

Donnerkeile sind vor allem für Stein- und Fossiliensammler von Interesse. Die Wissenschaft nutzt Donnerkeile unter anderem, um anhand von verschiedenen Datierungsmethoden Rückschlüsse über die Geschichte und das Leben auf der Erde in der Vergangenheit zu gewinnen.

Daneben werden Donnerkeile zu Schmuck verarbeitet und als Heilstein angeboten, ohne dass die Heilwirkung von Donnerkeil oder anderen Fossilien in wissenschaftlichen Untersuchungen belegt werden konnte.


Teufelsfinger

Ein anderer Name für Donnerkeile ist Teufelsfinger, weil mittelalterliche Heiler in vermeintlicher Zusammenarbeit mit dem Teufel Donnerkeile zur Behandlung zahlreicher Krankheiten einsetzten.


Der Wert von Donnerkeil

Der Preis für einen Donnerkeil richtet sich vor allem nach der Größe und Gestalt. Gut erhaltene Donnerkeilspitzen werden zu einem höheren Preis angeboten als Donnerkeile ohne Spitze.
Fair ist ein Preis pro Donnerkeil von etwa einem bis 10 €.


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Quellen
⇒ Schwenckfeld, C. (1555): Vom leerampt des newen Testaments. Das khein predicant der nicht fromm ist und Gottselig lebt
⇒ Luther, M. (1565): Der Ander Teil der Bücher, Schriften und Predigten des Ehrwirdigen Dr. Martin Luthers
⇒ Libavius, A. (1601: Singularium Andreae Libavii pars tertia, contimens octo libros bituminium et affinium, historiae, physice, chymice, cum controverfis difficilimis, expositorum inidicatoruma
Hundtägige, Erquickstund: Das ist, Schöne, Lustige Moralische vnd Historische Discurß und Abbildungen: Von wunderbahrlichen geheimen und offnen Sachen, der Natur, und Verlauff der Welt, und Zustand deß Römischen Reichs (1601)
⇒ Maimbourg, L. (1702): Ausserlesene Fasten-Predigen, In welchen Die vornehmbste Glaubens- und Lebens-Lehren auf eine fürtreffliche und nutzliche Weyß fürgetragen werden
⇒ Schröter, J. S. (1776): Abhandlungen über verschiedene Gegenstände der Naturgeschichte. Erster Theil
⇒ Goeze, J. A. E. (1789): Natur, Menschenleben und Vorsehung für allerley Leser
Conversations-lexikon; oder, Encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände (1816)
⇒ Wenzel, W. G. I. (1857): Neues vollständiges philosophisches Real-Lexicon. Band 1
⇒ Reinicke, R. (2007): Steine am Ostseestrand. Demmler Verlag Schwerin
⇒ Schumann, W. (1994): Steine und Mineralien sammeln; finden, präparieren, bestimmen. BLV Verlag München
⇒ Reinicke, R. (2020): Fossilien am Ostseestrand

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