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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 17.03.2022


Glimmerschiefer

Glimmerschiefer - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: mica schist | französisch: micaschiste


glimmerschiefer Foto
Bild 1: Intensiv schimmernder Glimmerschiefer mit deutlich sichtbarem Muskovit


Glimmerhaltiger Schiefer

Eine der ältesten Beschreibungen von Glimmerschiefer stammt aus dem Jahr 1771 und wird in der "Anzeige von der Leipziger oekonomischen Societät" unter der Überschrift "Beschreibung des Riesengebürges" erwähnt: "Der Schiefer bestehet aus einem lichtgrauen, glänzenden trockenen Glimmer, mit abwechselnden Quarzstreifen, und ist völlig dem Schiefer gleich und ähnlich".

Der Begriff Glimmerschiefer wiederum findet erstmals 1773 bei Johann Georg Krünitz (1728 bis 1796; Naturwissenschaftler) im Rahmen der Aufführung der Quellen kupferhaltiger Gesteine Erwähnung.

Der Mineraloge Ludwig August Emmerling (1765 bis 1841) begründet schließlich 1797 die Bedeutung des Namens Glimmerschiefer: "Der Glimmerschiefer hat seinen Namen von dem ihm vorzüglich karakterisirenden Gemengtheilen, dem Glimmer, und von seiner schiefrigen Textur erhalten".

Kurzum: Der Name Glimmerschiefer steht für die im Gestein vorhandenen Minerale der Glimmergruppe, allen voran Muskovit, sowie das schiefrige Gefüge des Gesteins.


Eigenschaften von Glimmerschiefer

Definition: Glimmerschiefer ist ein metamorphes Gestein (Umwandlungsgestein), das der Definition zufolge zu einem Großteil aus dem hellen Glimmermineral Muskovit besteht.

Mit einem etwa 50%-igen Anteil ist Muskovit neben Quarz Hauptbestandteil der Minerale, aus denen Glimmerschiefer aufgebaut wird.

Untergeordnet sind mit einem Anteil von bis zu fünf Prozent an der mineralischen Zusammensetzung von Glimmerschiefer zudem Kyanit, Andalusit, Chlorit, Graphit, Minerale der Granatgruppe - insbesondere Almandin, Dunkelglimmer Biotit, Staurolith, Datolith, Sillimanit und Turmalin vertreten.

Mitunter können am Mineralbestand von Glimmerschiefer zudem auch Magnetit, Pyrit, Hämatit, Zirkon, Aktinolith oder Calcit beteiligt sein. Mineralien der Feldspatgruppe sind ebenfalls mineralischer Baustein von Glimmerschiefer; der Anteil übersteigt allerdings nicht den Wert von 20 Prozent.

Treten die Nebengemengteile im Glimmerschiefer außerordentlich in den Vordergrund, so werden die Varietäten entsprechend betitelt, z.B. Granatglimmerschiefer, Quarzglimmerschiefer oder Staurolithglimmerschiefer.

Abhängig von den vorhandenen Gemengteilen variiert die Farbe von Glimmerschiefer zwischen hell- und dunkelgrau bis graugrün, stets silbrig glänzend - bedingt durch die hohen Gehalte an glimmerndem Muskovit bzw. wie der Geologe Richard Lepsius (1851 bis 1915) 1893 schreibt: "auf den Schichtflächen lieg silberweiss glänzender Muskovit teils in einzelnen Schuppen, teils in langgezogenen Flasern vor", während ausgeprägte Biotitgehalte das Gestein dunkelgrau bis schwarz einfärben.
Durch die Oxidation eisenhaltiger Minerale im Gestein kann Glimmerschiefer mitunter rötlich oder bräunlich werden, teilweise auch grünlich - wie insbesondere bei Biotit zu beobachten ist; siehe Justus Roth (Geograph, 1818 bis 1892): "Biotit, welcher durch Verwitterung seine Farbe ändert, indem die braunen Blättchen grünlich werden". Ebenso wie Granat mit der Zeit in Chlorit umgewandelt wird.

Die Korngröße von Glimmerschiefer ist mittel- bis grobkörnig, die aufbauenden Minerale sind parallel zueinander eingeregelt.

Wie für Schiefer charakteristisch, zeigt Glimmerschiefer ebene, unebene oder gewellte Schieferungsflächen, anhand derer das Gestein zu Platten aufgespalten werden kann. Typisch für frisch aufgebrochene Glimmerschieferplatten ist der intensiv schimmernde Glanz, der umso matter erscheint, desto länger die Platten angewittert sind. Die Spaltbarkeit ist bei Glimmerschiefer umso ausgeprägter, desto mehr Muskovit enthalten ist.

Die Dichte von Glimmerschiefer beläuft sich auf 2,64 bis 3,05 g/cm3.


mica_schist - Mineral und Kristalle
Bild 2: Granatglimmerschiefer aus dem Ötztal/Österreich


Entstehung und Verbreitung von Glimmerschiefer

Glimmerschiefer als Gestein metamorphen Ursprung entsteht im Rahmen der Regionalmetamorphose, bei der es im geologisch kleinräumigen Maßstab zur Umwandlung von Tonmineralen, Tonsteinen oder sandigen Gesteinen in Glimmerminerale kommt.

Infolge von mittleren bis hohen Temperatur- und Druckverhältnissen werden die Gemengeteile (d.h. die gesteinsaufbauenden Minerale) aufgeschmolzen, anschließend erfolgt die Rekristallisation und durch den dabei vorherrschenden einseitigen Druck entsteht das charakteristische Schiefergefüge.

Große Vorkommen von Glimmerschiefer wurden u.a. im Fichtelgebirge, Bayerischen Wald, Erzgebirge, Schwarzwald, Thüringer Schiefergebirge, Taunus/Deutschland; Alpen; Tirol, Vorarlberg, Steiermark, Salzburg, Kärnten/Österreich; Wallis/Schweiz; Zentralmassiv/Frankreich; Norwegen; Schwede; Russland; Schottland; England; Karlsbad,Olmütz, Pilsen, Ústí nad Labem/Tschechien; Banská Bystrica/Slowakei; Südtirol, Lombardei, Toskana/Italien; Spanien; Portugal; Laurion/Griechenland; Indien; China; Kasachstan; Queensland/Australien; Kolumbien; Bahia, Minas Gerais/Brasilien; Argentinien und Kanada dokumentiert.


muskovitschiefer - Aufnahme des Minerals
Bild 3: Glimmerschiefer im Detail


Verwendung und Bedeutung von Glimmerschiefer

In der Vergangenheit war Glimmerschiefer als ein erzführendes Gestein von Bedeutung. Emmerling betonte, dass im Glimmerschiefer "beinahe alle Metalle enthalten" sind. Heutzutage ist Glimmerschiefer aufgrund ertragreicherer Wuellen kein wirtschaftlich interessantes Gestein, sofern keine abbauwürdigen Edelsteine und Mineralien wie Granat, Turmalin oder Kyanit enthalten sind.


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Quellen:
⇒ Anzeige von der Leipziger oekonomischen Societät (1771): Beschreibung des Riesengebürges. IN: Anzeige von der Leipziger oekonomischen Societät, in der Michaelis- Messe 1771 nebst Auszügen aus den bey derselben eingelaufenen halbjährigen Nachrichten · Band 1
⇒ Krünitz, J. G. (1773): Oeconomische Encyclopädie oder Allgemeines System der Land-, Haus- und Staats-Wirthschaft in alphabetischer Ordnung · Band 55
⇒ Werner, A. G. (1791): Ausführliches und systematisches Verzeichniß des Mineralien-Kabinets des weil hl. Karl Eugen Pabst von Ohain
⇒ Emmerling, L. A. (1797): Metallführung. IN: Lehrbuch der Mineralogie Band 3
⇒ Roth, J. (1887): Glimmerschiefer. IN: Allgemeine und chemische Geologie: Petrographie. Bildung, Zusammensetzung und Veränderung der Gesteine
⇒ Lepsius, R. (1893): Geologie von Attika. Ein Beitrag zur Lehre vom Metamorphismus der Gesteine
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Maresch, W., Medenbach, O.; Trochim, H.-D. (1987): Die farbigen Naturführer Gesteine. Mosaik Verlag GmbH München
⇒ Murawski, H. (1992): Geologisches Wörterbuch. Ferdinand Enke Verlag Stuttgart
⇒ Schumann, W. (1994): Steine und Mineralien sammeln; finden, präparieren, bestimmen. BLV Verlag München

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