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Stein des Monats - Archaeopteryx lithographica



Kaum ein anderes Fossil sorgte im 19. Jahrhundert für so viel Aufsehen wie der Fund des Archaeopteryx im Solnhofener Kalkstein. Lange Zeit galten Dinosaurier als die einzige Tiere der Urzeit. Vögel waren undenkbar, da bis dato keine steinernen Zeugnisse der Vogelwelt gefunden wurden.



Als aber in den Gesteinsschichten des bayerischen Plattenkalks gut erhaltene Abdrücke mit Federn und Flügeln, gleichzeitig aber auch einem langen, knöchernen Schwanz und mit Krallen versehen Fingern entdeckt wurden, war die Verwunderung groß. Eine derartige Anatomie kannte die historische Paläontologie damals noch nicht.


Der Archaeopteryx aus dem Solnhofener Plattenkalk (Quelle: Leunis, 1883)

Der Urvogel Archaeopteryx

Der Archaeopteryx lebte vor etwa 150 Millionen Jahren in der Zeit des Oberjura.
Der Urvogel war etwa so groß wie eine Elster und im Vergleich zu vielen Dinosauriern ein eher kleines Tier.

Trotzdem finden sich im Körperbau des urzeitlichen Vogels Merkmale wieder, die für Dinosaurier typisch waren: Zähne im Kiefer, der lange Schwanz aus Knochen und die mit Krallen versehenen Finger. Gleichzeitig jedoch besaß der Archaeopteryx ein deutlich entwickeltes Federkleid, lange Schwungfedern und Federn entlang des Schwanzes.

Schon der Botaniker Johannes Leunis (1802 bis 1873) bemerkte seinerzeit, der „Archäopteryx unterscheidet sich von allen anderen Vögeln durch den körperlangen Schwanz, dessen einzelne Wirbel jederseits eine Steuerfeder tragen und die nicht verwachsenen, sondern getrennten Mittelhandknochen“.

Der Geologe und Paläontologe Heinrich Georg Bronn (1800 bis 1862) ging noch detaillierter auf die Beschreibung ein und hielt fest, dass der Kopf „vogelartig“, der „Oberkiefer der rechten Seite mit ungefähr 13 Zähnen“ bestückt ist, die alle von „ziemlich gleicher Größe und von conischer Gestalt“ sind. Außerdem fiel ihm die „Hornbedeckung des Schnabelrandes“ auf. An der Wirbelsäule zählte er „50 Wirbel“, die Schwanzwirbel sind „zur Spitze kleiner werdend“. Die Beschaffenheit der Flugknochen deuten auf eine „kräftige Entwicklung des großen Brustmuskels“. Die gekrümmten Krallen beschrieb Bronn als „vogelartig“. Er bemerkte außerdem, dass die Schwanz- und Steuerfedern eine „sehr hohe Entwicklung“ aufweisen, genau wie der Hals und die Unterschenkel befiedert waren und der Vogel im Ganzen „nicht nackt oder etwa beschuppt (war), sondern ein Federkleid“ trug.

Tatsächlich erinnert die Anatomie des Archaeopteryx an die heutigen flugunfähigen Vögel, weshalb aktuell diskutiert wird, ob der Archaeopteryx aktiv und ausdauernd fliegen konnte.

Das Besondere an der Entdeckung des Archaeopteryx war aber vielmehr die Tatsache, dass Flugsaurier bis ins 19. Jahrhundert unbekannt waren, die Entdeckung deshalb den evolutionären Übergang von den am Boden oder im Wasser lebenden Dinosauriern und Fischsauriern hin zu den Vögeln markierte.


Der Urzeitvogel aus dem Solnhofener Plattenkalk

Der erste Archaeopteryx wurden in den Plattenkalken der südlichen Fränkischen Alb in Bayern entdeckt. Weitere Funde wurden später in China gemacht.

Dass die Kalksteine von Solnhofen derart reich an gut erhaltenen Fossilien ist, ist der geologischen Vergangenheit der Region zu verdanken. Dort, wo heute das Altmühltal liegt, befand sich vor 150 Millionen Jahren der Rand eines tropischen bis subtropischen Meeres einschließlich vieler Inseln, Riffe und flacher Lagunen. Im Laufe der Zeit lagerte sich in einigen vom Meer abgeschlossenen Becken zunächst feinkörniger Kalkschlamm ab. Starb nun ein Tier und sank auf den Grund der Lagune, wurde der Körper mit dem Kalkschlamm bedeckt. Auf diese Weise wurden die sterblichen Überreste nicht nur vor möglichen Aasfressern geschützt, auch wurde die Zersetzung verhindert, weshalb selbst filigrane Strukturen über Jahrmillionen hinweg konserviert werden konnten.

Neben dem Archaeopteryx wurden im Solnhofener Plattenkalk zusätzlich auch Fischfossilien, Krebse, Ammoniten, Belemniten und andere Tiere gefunden.


Die Entdeckung Archaeopteryx lithographica

Die Entdeckung des Archaeopteryx ist allerdings einem Zufall zu verdanken.
Im späten 18. Jahrhunderte entwickelte Alois Senefelder (1771 bis 1834) die Lithographie, den Steindruck. Für dieses Druckverfahren benötigte er besonders hochwertige Kalksteinplatten mit einer feinen und gleichmäßigen Struktur. Fündig wurde er in Solnhofen.

Der daraufhin einsetzende Abbau des Kalksteins hatte als Nebeneffekt, dass beim Spalten der Kalksteinplatten immer wieder Fossilien gefunden wurden. Insofern ist es wenig verwunderlich, dass der geographische Ursprung indirekt im wissenschaftlichen Namen als Zusatz verewigt wurde: Archaeopteryx lithographica.


Der Entdeckung des fossilen Skeletts des urzeitlichen Vogels ging der Fund des Abdrucks einer Feder voraus, von welcher der Paläontologe Hermann von Meyer (1801 bis 1869) erstmals im Jahr 1857 berichtete.

In einer Mitteilung von 30. September 1861 teilte er mit, dass er sich erneut der Untersuchung der Feder angenommen hatte, nachdem im Solnhofener Plattenkalk ein Vogelskelett geborgen wurde. Von Meyer stellte dabei fest, dass das Skelett „mit der Vogelfeder übereinstimmt“., aber von „lebenden Vögeln“ „manche Abweichung“ aufweist.

Im Zuge dessen wurde von von Meyer auch der Name Archaeopteryx geboren, dessen Bedeutung der Botaniker Johannis Leunis (1802 bis 1873) näher erläutert. Der Name Archaeopteryx ist aus den altgriechischen Vokabeln archaios und opteryx zusammengesetzt und wird mit alter Vogel oder Urvogel übersetzt.

Das erste, von Meyer beschriebene Archaeopteryx-Exemplar trat nach dem Verkauf für 12.000 Mark schon bald die Reise nach England an und wurde im Natural History Museum London ausgestellt. 1877 wurde ein weiterer, weitaus besser erhaltener und vollständigerer Archaeopteryx in Solnhofen gefunden, der im Museum für Naturkunde in Berlin zu einem Verkaufspreis von 20.000 Mark einen Platz fand.

In der Folgezeit wurden weitere Archaeopteryx-Abdrücke in Solnhofen gefunden; trotzdem gelten die Funde aufgrund der Seltenheit als eine Besonderheit, da die Urvögel landlebende Tiere waren.


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Quellen:

Letzte Aktualisierung: 16.09.2026



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