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Pleonast

Pleonast: Der schwarze Spinell von Ceylon

Die Erstbeschreibung von Pleonast stammt aus dem Jahr 1783. Der Mineraloge Jean-Baptiste Romé de L´Isle (1736 bis 1790) ging damals noch davon aus, dass es sich bei dem auf Ceylon, dem heutigen Sri Lanka, entdeckten Mineral entweder um Schörl oder braunen Granat handeln würde ("Schorl ou Grenat brun"), gab dem Fund aber letztendlich den Namen Tourmaline de Ceylan" - Turmalin von Ceylon.

Zehn Jahre später erhielt das Mineral den Namen Ceylonit bzw. Zeilanit, wobei der Mineraloge und Geologe Jean-Claude Delamétherie (1743 bis 1817) mit dem Namen auf die Typlokalität anspielte.

1804 setzte sich René-Just Haüy (1743 bis 1822) ebenfalls mit dem Mineral auseinander und nannte es Pleonast; aus dem Altgriechischen mit Überfluss übersetzt. Bei der Namensgebung orientierte sich Haüy an der "vierflächigen Zuspitzung der Ecken des Octaeders"

Der Begriff Schwarzer Spinell hingegen wird vor allem im Kontext mit Heilsteinen und Schmuck verwendet, da die Bezeichnung Spinell weitaus geläufiger ist als Pleonast.


Die Eigenschaften von Pleonast

Pleonast ist die dunkle bis schwarze, eisenreiche Varietät der Spinellgruppe, wobei Eisen als farbgebendes Element fungiert. Bedingt durch die Farbe liegt die Verwechslung mit anderen schwarzen Mineralien wie Ägirin, Onyx, Pechstein, Obsidian, Fayalit, Magnetit, Titanit, Augit, Schörl/Schwarzer Turmalin oder schwarzen Diamanten nahe.

Tabelle: Die Eigenschaften von Pleonast
EigenschaftBeschreibung
Chemische Zusammensetzung (Mg,Fe2+)Al2O4
Mineralklasse Oxide
Farbe
  • dunkelgrün, braunschwarz, dunkelgrau, schwarz
  • mittelgrün in dünne Scheiben zerlegt
Strichfarbe weiß
Kristallsystem
  • kubisch
  • dokaedrische, oktaedrische oder würfelförmige Kristalle
  • körnige, massige und kompakte Aggregate
Glanz glasartig
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Bruch uneben, muschelig
Spaltbarkeit unvollkommen
Mohshärte 7,5 bis 8
Dichte 3,5 bis 4,1 g/cm³


Entstehung und Verbreitung von Pleonast

Pleonast entsteht unter metamorphen als auch magmatischen Bedingungen, weshalb sowohl Gneis und Marmor wie auch Basalt als Muttergestein von Pleonast zu nennen sind.

Die Vorkommen von Pleonast sind dabei u.a. mit Calcit, Clintonit, Diopsid, Gehlenit, Phlogopit/Glimmer, Saphir, Turmalin, Vesuvianit und Zirkon vergesellschaftet.

Bedeutende Pleonast-Vorkommen befinden sich in Norwegen, Schweden, Finnland, Schottland, Frankreich, Bodenmais/Deutschland, Österreich, Slowakei, Griechenland, Russland, Madagaskar, Südafrika, Myanmar, Sri Lanka, Thailand, Kambodscha, Japan, Australien, in den USA sowie in Kanada.


Bedeutung und Verwendung von Pleonast

Auch wenn weltweit zahlreiche Pleonast-Fundstellen bekannt sind, ist das schwarze Spinell-Mineral nicht von wirtschaftlichem Interesse, insofern die Vorkommen nicht reichhaltig sind.

Pleonast wird hauptsächlich zu Schmuck verarbeitet, wobei Facettenschliffe (Tropfenschliff, Ovalschliff und Rundschliff) im Vordergrund stehen.

Die in Ketten, Ohrringe, Ringe und Armschmuck einfassten schwarzen Steine sind jedoch nicht immer natürlich entstanden. Mit der Entwicklung des Verneuil-Verfahrens aus dem Jahr 1902 kann jedwedes Mineral synthetisiert werden, sodass auch Synthesen von schwarzem Spinell im Umlauf sind.

Künstlich hergestellte Spinell-Kristalle von schwarzem Spinell können unter dem Mikroskop entlarvt werden; ein Anhaltspunkt sind dabei fein verteilte Bläschen im Kristall, die bei natürlichen schwarzen Spinellen nicht vorhanden sind.

Daneben wird Schwarzer Spinell als Heilstein verkauft, ohne dass die Heilkraft bzw. die Wirkung auf die Gesundheit von Seele und Körper in wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigt werden konnte.


Auch interessant:


Quellen:

  • Romé de L´Isle, J.-B. (1783): Fer. IN: Cristallographie, Ou Description Des Formes Properes a Tous Les Corps Du Regne Mineral, Dans L'etat de Combinason Saline, Pierreuse Ou Metallique
  • Delametherie, J. C. (1793): Ceylanite. IN: Journal des Mines
  • Suckow, G. A. (1803): Zeilanit. IN: Anfangsgründe der Mineralogie nach den neuesten Entdeckungen
  • Haüy, R.-J. (1804): Pleonast. IN: Lehrbuch der Mineralogie, ausgearbeitet vom Bürger Haüy, Professor der Mineralogie und Ober-Aufseher des Mineralien-Kabinets in Paris, des französischen Nazional-Instituts der Wissenschaften und Künste, auch der Gesellschaft naturforschenden Freunde zu Berlin Mitglied. Dritter Theil. C.H Reclam. Paris und Leipzig
  • Mohs, F. (1804): Pleonast. IN: Des Herrn Jac. Fried. von der Null Mineralien-Kabinet nach einem, durchaus auf aüssere Kennzeichen gegründeten Systeme geordnet, beschrieben, und durch Hunzuthuung vieler, dem gegenwärtigen Zustande der Mineralogie angemessener, erläuternder Anmerkungen und nöthiger Berichtungen, als Handbuch der Oryctognosie brauchbar gemacht
  • Lenz, J. G. (1813): Zeilanit. IN: Lehrbuch der Mineralogie
  • Cleaveland, P. (1822): Ceylanite. IN: An Elementary Treatise on Mineralogy and Geology
  • Kluge, K. E. (1860): Pleonast. IN: Handbuch der Edelsteinkunde für Mineralogen, Steinschneider und Juweliere
  • Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
  • Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
  • Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
  • Okrusch, M. und Matthes, S. (2013): Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg
  • Schumann, W. (2020): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten 1900 Einzelstücke. BLV, ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH
  • www.mindat.org - Pleonaste

Autor: (steine-und-minerale.de)

Letzte Aktualisierung: 07.07.2025

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