Die Vielfalt der Edelsteinschliffe ist groß. Während der Brillantschliff, Ovalschliff oder Smaragdschliff vielen bekannt sind, gibt es auch Schliffe, die deutlich seltener zu sehen sind. Ein Beispiel dafür ist der Pampelschliff mit der charakteristischen länglichen Tropfenform.
Anders als beim klassischen Tropfenschliff weist der Pampelschliff jedoch keine abgeflachte Ober- und spitz zulaufende Unterseite auf. Vielmehr werden die Steine im Pampelschliff rundum facettiert und erinnern so an ein Pendel.
Der Pampelschliff zeichnet sich durch eine längliche, tropfenförmige Gestalt aus und ist im Vergleich zum klassischen Tropfenschliff nicht mit einer flachen Tafelfacette und einem spitzen Pavillon versehen, sondern im Querschnitt rund. Abhängig vom Design ist die Pampel glatt oder rundum komplett facettiert.
Der Pampelschliff wird oftmals mit einer Briolette gleichgesetzt. Allerdings unterschieden sich beide Schliffe in der Anordnung der Facetten. Typisch für die Briolette sind die vielen drei- oder viereckigen bzw. rautenförmigen Facetten, die über den gesamten Stein verteilt sind. Beim facettierten Pampelschliff hingegen konzentriert sich die Mehrheit der Facetten jedoch auf das untere Drittel des „Tropfens“, an dessen Obergrenze sich verjüngende langgezogene, dreieckige oder rautenförmige Facetten anschließen.
Eine genaue Definition oder Vorgaben in Hinblick auf die Anordnung, Art, Verteilung und Anzahl der Facetten existiert in der Fachliteratur nicht. Für den Briolette-Schliff sieht es anders aus: hier werden je nach Form und Ausführung etwa 48 bis 88 Facetten genannt.
Ebenso verhält es sich mit den Maßen und Proportionen des Pampelschliffs, weshalb Pampeln gedrungen und beinahe zwiebelförmig sein können. Als ideal gilt jedoch ein harmonischer Tropfen mit einem Verhältnis von Länge zu Breite von 2,5 : 1.
Ein wesentlicher Punkt, der Einfluss auf die Form der Pampel hat, ist die Gestalt des Rohsteins, insofern bei mit möglichst wenig Gewichtsverlust gearbeitet wird, gleichzeitig aber auch auf Einschlüsse und Fehler im Stein Rücksicht genommen wird, da diese empfindliche Sollbruchstellen im Stein sein können.
Der Pampelschliff stellt demzufolge hohe Anforderungen an die Edelsteinschleiferin oder den Edelsteinschleifer, da nahezu die gesamte Oberfläche zu sehen ist und es keinerlei Fassungen gibt, die mögliche Makel verdecken können. Genau wie beim Schleifen das besondere Augenmerk auf die Symmetrie gelegt wird und die Facetten perfekt aneinander grenzen, ohne einander zu überlappen.
Der etymologische Ursprung des Wortes Pampel liegt im Französischen. Die Vokabel pampille wird mit Quaste oder Büschel übersetzt und spielt treffend auf die Form des Schliffs an.
Im Lexikon der deutschen Sprache aus dem Jahr 1863 definierte der Lexikograph Daniel Sanders (1819 bis 1897) eine Pampel einfach „als Bezeichnung für ein rundes Ding“.
Der Pampelschliff wird hauptsächlich für Schmuck verwendet, der in Bewegung ist. Die geschliffenen Steinen können so frei schwingen und das Licht aufgrund der Tatsache, dass der Stein rundherum facettiert ist, aus unterschiedlichen Richtungen reflektieren, weshalb der Pampelschliff sehr oft an Ohrringe, Colliers, Anhängern und Tiaras zu sehen ist. Genau wie Glas zu Pampel geschliffen wird, um in Kristallkronleuchtern, sog. Lüstern, verarbeitet zu werden.
Da Spiel mit dem Licht besonders gut bei transparenten Steinen zur Geltung kommt, werden unter anderem Diamanten, Amethyst, Citrin, Bergkristall, Topas, Saphir, Turmalin oder Tansanit zu facettierten Pampeln geschliffen. Mondsteine, Korallen und Bernsteine hingegen werden vorzugsweise als glatte Pampeln angeboten.
Der historische Hintergrund des Pampelschliffs lässt sich nicht vollständig nachvollziehen, steht aber eng im Zusammenhang mit der Entstehung der Briolette.
Ein Name, der in diesem Zuge genannt wird, ist Lodewyk van Bercken. Der flämische Diamantschleifer befasste sich im 15. Jahrhundert mit verschiedenen Schliffen und gilt als Wegbereiter des Ur-Tropfenschliffs.
In den nachfolgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten wurden immer wieder neue Schliffe kreiert und an bestehenden Schliffen wortwörtlich gefeilt, um das Maximum an Brillanz der Edelsteine durch den Schliff herauszuholen.
Im 17. Jahrhundert kamen vermehrt im Stil des Vorläufers des Pampelschliffs gearbeitete Diamanten aus Indien nach Europa. Indien war in der Vergangenheit nicht nur das bedeutendste Land, in dem Diamanten abgebaut wurden, auch in puncto Edelsteinbearbeitung und dem Handel mit geschliffenen Steinen konnte Indien mit Europa mithalten. Ein weiterer Name, der in der Historie des Pampelschliffs eine wichtige Rolle spielt, ist Jean-Baptiste Tavernier (1605 bis 1689). Der französische Edelsteinhändler verkaufte 1676 mehrere allseitig facettierte, tropfenartig geschliffene Diamanten an den König Ludwig XIV. Allerdings war damals weder von einer Briolette noch einer Pampel die Rede.
Im 18. Jahrhundert bekommt der Schliff erstmals einen Namen, der jedoch mehr auf den vermeintlichen Ursprung anspielt. Historische Quellen sprechen von birnenförmigem Diamanten in einer „taille à l´Indienne“ oder einem „indischen Schliff“: Ob der Schliff nun letztendlich in Indien oder Europa geboren wurde, lässt sich nicht rekonstruieren.
Tatsächlich aber setzte sich im späten 19. Jahrhundert allmählich der Begriff Briolette durch, die Bezeichnung Pampel folgte erst später.
Das frühe 20. Jahrhundert gilt als die Hochzeit des Briolette- wie auch Pampelschliffs, insofern mit jeder Bewegung mitschwingende Edelsteine als ein wichtigstes Element in den Schmuckdesigns des Jugendstils und Art Deco galten.
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Quellen:
Letzte Aktualisierung: 06.10.2026