Die Welt der Edelsteinschliffe ist ebenso vielfältig wie die Edelsteine selbst. Ein Schliff, der eher selten zu sehen ist, ist der Moval-Schliff. Dieser außergewöhnliche Schliff vereint die weichen, fließenden Linien des Ovalschliffs mit der eleganten, leicht zugespitzten Form des Marquiseschliffs und schafft so eine harmonische, moderne Silhouette mit hohem Wiedererkennungswert.
Der Moval-Schliff ist nicht standardisiert und in vielen Fällen eine Sonderanfertigung. Gerade das macht den Moval Cut für besondere Schmuckstücke interessant, die sich bewusst vom Mainstream abheben.
Im Gegensatz zu vielen klassischen Schliffformen hat der Moval Cut keine klare historische Herkunft. Vielmehr handelt es sich um eine moderne Verschmelzung zweier Schliffe als Weiterentwicklung traditioneller Schliffe: dem Marquiseschliff und Ovalschliff, die im Zusammenspiel den Namen Moval Cut ergeben.
Sowohl der Ovalschliff als auch der Marquiseschliff haben ihren Ursprung im 18. Jahrhundert. Der Marquiseschliff entstand der Überlieferung nach im Jahr 1745 am französischen Hof, als König Ludwig XV. einen Diamantschliff in Auftrag gab, der an die Lippen seiner Mätresse Madame de Pompadour alias Marquise de Pompadour erinnern sollte. Das Ergebnis war die charakteristische, beidseitig zugespitzte Form mit symmetrischer Linienführung, ähnlich der Form einer Mandel.
Der Ovalschliff entwickelte sich parallel dazu aus den Vorgängern des heutigen Brillantschliffs und wurde im Laufe der Zeit durch verbesserte Schleiftechniken weiter perfektioniert.
Erst im 20. Jahrhundert tauchten zunehmend Schliffe auf, die die Elemente beider Formen kombinierten. Die Weiterentwicklung des Handwerks, innovative Werkzeuge und Techniken der Steinbearbeitung, aber auch ein neues Stilbewusstsein bewirkten, dass die Suche nach neuen, kreativen Schliffen weiterging.
Diese frühen Hybridformen können als Vorläufer des heutigen Moval Cuts betrachtet werden. Heute wird der Moval Cut vor allem als individuelle Anfertigung geschliffen und ist entsprechend selten im Handel zu finden.
Charakteristisch für den Moval Cut ist die längliche, mandelartige Form. Die Seitenlinien sind weich gerundet, während die Enden sanft zugespitzt, aber nicht marquisetypisch spitzwinklig ausgearbeitet sind. Dadurch ist das Risiko von Absplitterungen (Chipping) geringer als beim Marquiseschliff.
Entscheidend für die optische Harmonie des Moval Cuts ist das Verhältnis von Länge zu Breite. Optimalerweise liegt dieses im Bereich von 1,5:1 bis 2,0:1 – angelehnt an die Proportionen des Oval- und Marquiseschliffs. Genau wie bei den „Eltern“ sorgt das Länge-Breite-Verhältnis dafür, dass der Stein optisch größer wirkt, als es das tatsächliche Karatgewicht hergibt. Ein weiterer Vorteil der länglichen Form: der Moval Cut wirkt streckend und lässt die Finger optisch schlanker erscheinen, weshalb der Schliff besonders für Ringe prädestiniert ist.
Wie bei vielen modernen Schliffe orientiert sich auch der Moval Cut in puncto Anzahl der Facetten am Brillantschliff und zählt 57 oder 58 Facetten. Diese sorgen für eine hohe Lichtreflexion und intensive Brillanz. Vintage-inspirierte Varianten können dahingegen weniger, aber größere Facetten aufweisen, was zu einem weicheren Lichtspiel führt.
Ein weiterer optischer Aspekt, der bei länglichen Schliffen auftreten kann, ist der sogenannte Bow-Tie-Effekt: dabei zeigt sich eine dunklere, schleifenförmige Schattenzone in der Mitte des Steins. Beim Moval Cut hängt die Ausprägung des Bow-Tie-Effekts stark von der Qualität des Schliffs ab.
Am häufigsten wird der Moval Cut bei Diamanten verwendet, insbesondere bei außergewöhnlichen, nicht alltäglichen Verlobungsringen. Durch die Seltenheit eignet sich der Moval Cut ideal für individuellen Schmuck mit hohem Wiedererkennungswert.
Darüber hinaus kommt der Schliff auch bei Farbedelsteinen wie Saphir, Rubin, Aquamarin oder Topas zum Einsatz. Gerade bei farbigen Edelsteinen kann der Moval Cut die Farbtiefe und Leuchtkraft besonders wirkungsvoll betonen.
Da es sich meist um maßgefertigte Schliffe handelt, ist die Verfügbarkeit begrenzt, was sich entsprechend im Preis widerspiegeln kann.
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