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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 01.12.2022


Granat

Granat - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: garnet | französisch: grenat


Granat Foto
Granat

Inhaltsverzeichnis Granat


Karfunkelstein Granat

Bevor das Mineral Granat seinen heutigen Namen erhielt, war der Stein unter der Bezeichnung carbunculus alabandicus bekannt. Schon der römische Universalgelehrte Plinius d.Ä. (25 bis 79 n. Chr.) erwähnte in seinen Aufzeichnungen Granat, damals aber noch als carbunculus alabandicus – angelehnt an den Fundort in Alabanda in der Türkei und weil carbunculus, weil ihn die Farbe des Minerals an glühende Kohle erinnerte.

Der Begriff Granat hingegen taucht im 13. Jahrhundert in der Literatur auf. Der deutsche Gelehrte Albertus Magnus (1200 bis 1280) unterscheidet in seinem Werk De mineralibus als einer der ersten die Familie der carbunculus-Mineralien bzw. Karfunkelsteine, die bis dato sämtliche roten Steine umfasste, ohne genauer dem Mineral nach zu unterscheiden. Als granatus – körniger Stein (lat. Granum = Korn) definierte er rote, kornförmige Steine, wobei sich Magnus bei der Namensgebung auf die Form der Kristalle bezog. Minerals und nicht zwischen Rubin, roter Spinell und die Granat-Varietäten Pyrop und Almandin unterschied.

1828 befasste sich der Mineraloge Carl Hartmann (1796 bis 1863) ebenfalls mit der Etymologie des Begriffs Granat und schrieb: "Der Name Granat ist vom brennenden Roth des sogen. edlen Granats und der Aehnlichkeit seiner Farbe mit der Blüthe des Granatbaumes entlehnt".
Was Granat, Granatapfel und Granit gemeinsam haben, ist nicht nur der Wortstamm, sondern auch eine bestimmte Körnigkeit der Kristalle, Gemengteile (Mineralkörner im Gestein) und die Form der Früchte.


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Eigenschaften von Granat

Unter dem Namen Granat wird in der Mineralogie eine Gruppe von Mineralien mit gleichen optischen und physikalischen Eigenschaften und verallgemeinerbarem Chemismus definiert. Die chemische Zusammensetzung von Granat wird über die allgemeine Summenformel A3B2[SiO4]3 angegeben, wobei A durch zweiwertiges Calcium, Eisen, Magnesium und Mangan substituiert werden kann, B durch dreiwertiges Eisen, Aluminium, Chrom oder Titan ersetzt werden.
Der Zusammensetzung entsprechend werden die Endglieder der Granatgruppe in Aluminiumgranat (Pyralspit-Reihe) sowie Calciumgranat (Ugrandit-Reihe) unterschieden.

Tabelle: Einteilung der Granatgruppe
ReiheMineralZusammensetzungFarbe
Pyralspit-Reihe (Aluminiumgranat)
  • Mg3Al2[SiO4]3
  • Fe3Al2[SiO4]3
  • Mn3Al2[SiO4]3
  • dunkelrot, violett, rotschwarz
  • rot, schwarz, rotbraun
  • gelb, orange, orangebraun
Urgandit-Reihe (Calciumgranat)
  • Ca3Al2[SiO4]3
  • Ca3Fe2[SiO4]3
  • Ca3Cr2[SiO4]3
  • farblos, gelb, grün, rosa, braun
  • rot, gelb, grün, schwarz
  • smaragdgrün


Die Endglieder der Aluminium- und Calciumreihe werden um zusätzliche Varietäten ergänzt, sodass die in der Tabelle aufgeführten Mineralien nicht alle Vertreter der Granatgruppe darstellen. So zählen bspw. Topazolith, Demantoid, Goldmanit, Hydrogrossular, Calderit, Knorringit und Skiagit ebenfalls zur Granatgruppe.

Granate werden der Systematik der Mineralien zufolge den Silikatmineralien zugeordnet.

Granate kristallisieren im kubischen System, wobei die Kristalle in kugeligen oder einzeln aufgewachsenen Aggregaten erscheinen.

Der Glanz von Granat ist glasartig bis fettig bei durchsichtiger, durchscheinender oder undurchsichtiger Transparenz. Der Bruch von Granat wird als muschelig bis spröde splitternd beschrieben, die Spaltbarkeit ist unvollkommen.

Die Mineralien der Granatgruppe sind vergleichsweise harte Minerale: Die Mohshärte variiert zwischen 6,5 und 7,5 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839). Die Dichte beträgt 3,4 bis 4,5 g/cm³.


Granat Böhmen
Der Edelstein Granat - Schleifmühle in Böhmen (Quelle: Liebig´s Fleisch-Extract Sammelkarten)


Die Farbe von Granat

Die Farbe von Granat ist überwiegend rot, kann aber auch - je nach Varietät - rosa, rotviolett, braun, dunkelgrau, grün oder farblos sein.
In der Vergangenheit wurde Granat der Farbe nach in edlen und gemeinen Granat unterschieden. So steht bei Hartmann 1828: "Die Farbe des edlen Granats ist stets roth". "Der gemeine Granat hat seltenen rothe und dann nur schmutzige Farben", die der Chemiker Joseph Redemt Zappe 1804 genauer definiert: "leber-röthlich- und gelblichbraun, isabellgelb, oliven-pistacien-spargel-berg- und lauchgrün".
Als alleiniges Bestimmungsmerkmal der einzelnen Granatvertreter kann die Farbe nicht herangezogen werden. Viele Farben kommen unter den einzelnen Granat-Mineralien mehrfach vor, weshalb in der historischen Literatur zum Thema Granat häufig die Einteilung der Granat-Varietäten nach der Farbe zu lesen ist, bspw. bei Hartmann:

  1. "Rother Granat" mit Almandin, Pyrop, Grönlandit, Mangankiesel und Karfunkel
  2. "Gelber Granat" mit Topazolith, Sulzinit
  3. "Grüner Granat" mit Aplom, Grossular, Allochroit
  4. "Brauner Granat" mit Rothhoffit, Romanzowit, Pechgranat, Kolophonit
  5. "Schwarzer Granat" mti Melanit und Pyrendit
Dabei werden viele Granate aufgezählt, die heute unter anderen Namen bekannt sind.

Die Strichfarbe von Granat ist trotz der vielen Farben immer weiß.

Blauer Granat

Der älteren Literatur zum Thema Mineralogie folgend sind bei dem Mineral Granat alle Farbgebungen mit Ausnahme von blau möglich.
Die Entdeckung von Blauen Granaten und Farbwechselgranaten, u.a. in blauer Farbe, widerlegen diese Aussagen. Die ersten blauen Granate wurde 1998 in Bekily/Madagaskar gefunden. Die blaue Farbe ist eingehenden Untersuchungen zufolge mit Vanadium- und Chromgehalten zu erklären (Näheres siehe: Steckbrief Blauer Granat).


garnet - Mineral und Kristalle
Granat in Glimmerschiefer


Entstehung und Verbreitung von Granat

Granat entsteht auf verschiedene Weise. Am häufigsten ist Granat metamorpher Herkunft, d.h. Granat ist ein Mineral, das unter hohen Temperatur- und/oder Druckverhältnissen gebildet wird. Entstehungsbedingt sind die Vorkommen von Granat an entsprechende metamorphe Gesteine wie Schiefer oder Marmor gebunden. Daneben wurden Funde von Granat beschrieben, die im Zusammenhang mit vulkanischen Gesteinen entdeckt wurden.

Zudem ist Granat mineralischer Bestandteil zahlreicher Gesteine (Gesteine werden von Mineralen aufgebaut), u.a. ist Granat in Glimmerschiefer, Gneis, Pegmatiten, Eklogit und Dolomit vertreten.

Granate sind weltweit sehr häufig vorkommende Mineralien, die auf allen Kontinenten zu finden sind.
Im Handel werden Granate teilweise im Namen um die Herkunft ergänzt, bspw. Tocantin-Granat, Mosambik-Granat oder Lindi-Granat.



tocantin-granat - Aufnahme des Minerals
Almandin im Ovalschliff

Verwendung und Bedeutung von Granat

Granat ist vorwiegend als Edelstein in Gestalt von Granatschmuck von Bedeutung.
Ebenso bedeutend ist pulverisierter Granatsand in der Industrie, wo das Mineral als Poliermittel benutzt wird.

Granat gilt zusammen mit Rosenquarz als Monatsstein bzw. Geburtsstein für den Januar.

Daneben wird Granat als Chakrastein/Heilstein verkauft, ohne dass die Wirkung von Granat und anderen Heilsteinen auf die Gesundheit von Körper und Psyche in klinischen Studien bewiesen werden konnte.
Schon Hildegard von Bingen arbeitete in ihrer Lithotherapie mit Karfunkelsteinen, benannte diese aber nicht genauer.


Nachweis von Granat

Granate sind Säuren gegenüber sehr resistent, fluoreszieren nicht und weisen auch keinen Pleochroismus auf.



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Quellen:
⇒ Magnus, A. (1256): De mineralibus
⇒ Zappe, J. R. (1804): Mineralogisches Handlexicon
⇒ Hartmann, C. (1828): Handwörterbuch der Mineralogie und Geognosie
Wörterbuch der Naturgeschichte, dem gegenwärtigen Stande der Botanik, Mineralogie und Zoologie angmessen 1829
⇒ Volger, G. H. A. (1855): Epidot und Granat. Beobachtungen über das gegenseitige Verhältniss dieser Krystalle und über Felsarten, welche aus Kalzit, Pyroxen, Amphibal, Granat, Epidot, Quartz, Titanit, Feldspath und Glimmerarten bestehen
⇒ Koksharov, N. I. (1858): Materialien zur Mineralogie Russlands
⇒ Bauer, M. (1896): Edelsteinkunde eine allgemein verständliche Darstellung der Eigenschaften, des Vorkommens und der Verwendung der Edelsteine, nebst einer Anleitung zur Bestimmung derselben für Mineralogen, Steinschleifer, Juweliere, etc · Band 1
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Hochleitner, R. (2017): Welcher Stein ist das? Kosmos-Naturführer. Über 350 Mineralien, Edelsteine und Gesteine. Franckh Kosmos Verlag
- www.mindat.org/min-1651.html

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