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Anhydrit


Anhydrit Foto
Bild 1: Anhydrit aus Tilleda/Sachsen-Anhalt

Anhydrit - Wasserfreier Gips

Der Name Anhydrit wird aus dem Griechischen mit Stein ohne Wasser übersetzt und spielt auf die Eigenschaft des Minerals an, dass Anhydrit kein Wasser enthält und sich damit vom chemischen verwandten sowie wasserhaltigem Gips unterscheidet.

Geprägt wurde der Name Anhydrit von Abraham Gottlob Werner (1749 bis 1817), der Anhydrit neben Gips und Fraueneis (Anm. Marienglas/Selenit) 1804 als Vertreter der Vitriolsauren Kalkgattungen aufführt. Den Namen Anhydrit per se adaptierte er von früheren Umschreibungen anderer Mineralogen. So wurde Anhydrit im Jahr 1801 bei René-Just Haüy (Mineraloge, 1743 bis 1822) sowie Nicolas Vauquelin (Chemiker, 1763 bis 1829) als Chaux sulfatée anhydrite (wasserfreier Sulfatkalk) geführt.


Eigenschaften von Anhydrit

Anhydrit ist ein Sulfatmineral bestehend aus CaSO4/Calciumsulfat.

Die Farbe von Anhydrit ist weiß oder farblos, kann abhängig von den Beimengungen verschiedener Elemente und Verbindungen aber auch gräulich, rosa, violett, bläulich (Handelsname Angelit) oder hellbraun sein.
Die Strichfarbe von Anhydrit ist dennoch in allen Fällen weiß.

Anhydrit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem. Die Kristalle sind prismatisch oder tafelig, selten auch würfelig. Bevor Werner dem Mineral Anhydrit gab, nannte er es auch Würfelspath, da Anhydrit bei Belastung in würfelartige Bruchstücke zerspringt. Gelegentlich ist die Kristalloberfläche gerieft. Die Aggregate von Anhydrit können faserig, spätig, traubig, körnig oder massig-derb sein.

Anhydrit weist einen fettigen, perlmutt- oder glasartigen Glanz auf, die Transparenz ist durchsichtig bis durchscheinend. Der Bruch des Minerals ist splittrig-uneben, die Spaltbarkeit ist sehr vollkommen.

Die Mohshärte beträgt 3 bis 3,5 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839) bei einer Dichte von 2,9 bis 2,99 g/cm³.

Anhidrit - Aufnahme des Minerals
Bild 2: Anhydrit-Kristalle im Detail

Entstehung und Verbreitung

Anhydrit entsteht überwiegend als Evaporitmineral in ariden Klimazonen, wenn salzhaltige Gewässer durch starke Verdunstung allmählich konzentriert werden. Der typische Entstehungsraum sind flache Meeresbecken, Lagunen oder abflusslose Salzseen, in denen die Verdunstung den Zufluss von Wasser übersteigt. Mit zunehmender Konzentration der gelösten Salze kristallisieren verschiedene Mineralien nacheinander aus. In diesem Zusammenhang bildet sich Anhydrit häufig gemeinsam mit anderen Evaporitmineralen wie Gips, Steinsalz und Kalisalzen.

Neben der direkten Ausfällung aus salzhaltigen Lösungen kann Anhydrit auch sekundär durch die Entwässerung von Gips entstehen. Unter zunehmender Überlagerung durch Sedimente sowie bei erhöhten Temperaturen wird Gips Kristallwasser entzogen, wodurch sich wasserfreier Anhydrit bildet. Dieser Prozess spielt insbesondere in tiefer liegenden Evaporitlagerstätten eine wichtige Rolle.

Darüber hinaus tritt Anhydrit in hydrothermalen Gängen und vulkanischen Gebieten auf. Dort kristallisiert das Mineral aus heißen, calcium- und sulfatreichen Lösungen oder bildet sich in der Umgebung vulkanischer Gasaustritte.

Gelangt Anhydrit später erneut mit Wasser in Kontakt, kann er sich wieder in Gips umwandeln. Diese Hydratation geht mit einer erheblichen Volumenzunahme einher, wodurch Spannungen im anstehenden Gestein entstehen können. Aufgrund dieser Eigenschaft ist Anhydrit nicht nur von geologischer Bedeutung, sondern spielt auch im Tunnel- und Tiefbau eine wichtige Rolle, da die Umwandlung zu Gips zu Hebungen und Schäden an Bauwerken führen kann.

Die Vorkommen von Anhydrit werden unter anderem von Calcit, Quarz, Baryt, Kryolith, Gips, Schwefel, Coelestin, Dolomit, Halit, Chambersit und Magnesit begleitet.

Zu den bekannten Fundorten von Anhydrit zählen neben Celle und Hannover auch bspw. Staßfurt (Mansfelder Land), das Kyffhäusergebirge (Harz)/Deutschland; Salzburg, Steiermark, Oberösterreich (Salzkammergut), Tirol/Österreich; Wallis/Schweiz; Krakau/Polen; Toskana, Sardinien, Kampanien (Vesuv); Slowenien; Marokko; Tunesien; Ägypten; Namibia; Indien; Chihuahua/Mexiko; Pinatubo/Peru; New Jersey, Idaho, Virginia, Pennsylvania/USA.

Anhydrite - Mineral und KristalleBild 3: Anhydrit

Verwendung und Bedeutung von Anhydrit

Anhydrit ist ein vielseitig nutzbares Mineral, weshalb der Bundesverband der Deutschen Geowissenschaftler Anhydrit zusammen mit Gips zum Gestein des Jahres 2022 kürte.
Neben der Nutzung als Zuschlagstoff in Zement und anderen Baustoffen, wird Anhydrit pulverisiert auch für die Herstellung von Keramik genutzt. Ferner wird aus Anhydrit aufgrund der Schwefelgehalte Schwefelsäure gewonnen. Teilweise dient das Mineral auch in Form von Stuck der Innenraumgestaltung.


Nachweis von Anhydrit

Anhydrit schmilzt, wenn es erhitzt wird; zugleich verfärbt sich die Flamme rot. In Wasser löst sich Anhydrit nur schwer auf, vielmehr ist eine Kristallvergrößerung (Gipsentstehung!) zu beobachten. Teilweise zeigt sich bei Anhydrit ein hellgelber bis rosa oder farbloser Pleochroismus.


Auch interessant:


Quellen:

  • Klaproth, M. H. (1802): Chemische Untersuchung des Anhydrits. IN: Beiträge zur chemischen Kenntnis der Mineralkörper
  • Ludwig, C. F. (1804): Anhydrit. IN: Handbuch der Mineralogie nach A. G. Werner. Zweyter Theil. Von den Gebirgsarten und Versteinerungen, nebst einigen geognostischen Fragmenten und Beylagen
  • Mohs, F. (1804): Des Herrn Jac. Fried. von der Null Mineralien-Kabinet: nach einem, durchaus auf äußere Kennzeichnen gegründeten Systeme geordnet, beschrieben und durch Hinzuthuung vieler dem gegenwärtigen Zustande der Mineralogie angemessener, erläuternder Anmerkungen und nöthiger Berichtigungen, als Handbuch der Oryctognosie brauchbar gemacht. Zweite Abtheilung, Wien
  • Flurl, M. (1804): Einige Bemerkungen über den wasserfreien Gyps (Anhydrit) und den Muriacit oder Würfelspath. IN: Physikalische Abhandlungen der königlich-baierischen Akademie der Wissenschaften. Zwote Abtheilung.
  • Ersch, J. S. (1820): Anhydrit. IN: Allgemeine Enzyklopaedie der Wissenschaften und Kuenste in alphabetischer Folge von genannten Schriftstellern
  • Andrae, C J. (1864): Anhydrit. IN: Lehrbuch der gesammten Mineralogie
  • Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
  • Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
  • Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
  • Okrusch, M. und Matthes, S. (2013): Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg
  • www.mindat.org - Anhydrite

Autor: (steine-und-minerale.de)

Letzte Aktualisierung: 02.06.2026

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