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Aktinolith

Chemische Formel
Ca2(Mg4.5-2.5Fe2+0.5-2.5)Si8O22(OH)2
Bestandteile
Wasserstoff Sauerstoff Magnesium Silizium Calcium Eisen
Systematik nach Strunz (2024)
Klassifikation: 9.DE.10
Klasse: Silikate und Germanate
Unterklasse: Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)
Familie: Ketten- und Bandsilikate mit 2-periodischen Doppelketten, Si4O11; Amphibol-Familie, Klinoamphibole

Aktinolith
Aktinolith

Aktinolith = Strahlstein

Das Mineral Aktinolith wird in der mineralogischen Literatur erstmals im Jahr 1794 erwähnt. In seinen Ausführungen zum „Actynolite“ beschreibt der irische Chemiker Richard Kirwan (1733 bis 1812) ausführlich die Eigenschaften des Minerals.

Unbekannt war Aktinolith zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht. Bereits zuvor wurde Aktinolith als Strahlstein geführt, wobei dieser Name von Abraham Gottlob Werner (Mineraloge, 1749 bis 1817) geprägt wurde.

Bei der Bedeutung des Namens beziehen sich sowohl Werner als auch Kirwan auf die radialstrahligen Aggregate von Aktinolith, insofern Aktinolith das griechische Pendant zum deutschen Strahlstein ist. So führt Robert Jameson 1820 an: „from the Greek words ray (…) and stone (…), on account of its radiated or prismatic concretions“ - von den griechischen Wörter Strahlen und Stein wegen der strahlenartigen oder prismatischen Konkretionen.


Eigenschaften von Aktinolith

Mit der Zusammensetzung
Ca2(Mg, Fe)5Si8O22(OH)2 wird Aktinolith in die Mineralklasse der Silikate und im Besonderen in die Gruppe der Amphibole, eingeordnet. Gemeinsam mit Eisenaktinolith und Magnesiumtremolith bildet Aktinolith eine Mischreihe mit schwankenden Eisen- und Magnesiumgehalten.

Typisch für Aktinolith ist die grüne Farbe, die von hell- bis schwarzgrün und smaragdgrün in Form der Varietät Smaragdit reicht. In seltenen Fällen ist Aktinolith auch farblos.
Die Strichfarbe von Aktinolith ist weiß.

Aktinolith kristallisiert im monoklinen Kristallsystem. Die Kristalle sind langprismatisch und teilweise als Zwillinge miteinander verwachsen. Die entsprechenden Aggregate sind nadelig, strahlig, klumpig, massig, faserig bis verfilzt. Bei verfilztem Aktinolith ist deshalb auch die Rede von Bergholz oder –leder. Aufgrund der faserförmigen Aggregate gilt das Silikat als Asbestmineral.

Der Glanz des Minerals kann matt bis glasartig sein, die Transparenz ist durchsichtig bis durchscheinend. Der Bruch von Aktinolith ist muschelig-uneben, die Spaltbarkeit ist vollkommen.

Das Asbestmineral verfügt über eine Mohshärte von 5 bis 6 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839), Dichte variiert zwischen 2,9 und 3,3 g/cm³.


Entstehung und Verbreitung von Aktinolith

Die Entstehung von Aktinolith ist an metamorphe Prozesse in der Erdkruste gebunden, die unter vergleichsweise niedrigen Temperatur- und Druckbedingungen ablaufen. Das Mineral entsteht vor allem durch die Umwandlung von calcium- und magnesiumreichen Ausgangsgesteinen.
Insbesondere bei der Metamorphose von Dolomit, Kalkstein oder basischen Gesteinen reagieren die vorhandenen gesteinsbildenden Mineralien wie Pyroxene oder Carbonate mit silikatreichen Lösungen, was zur Bildung von Aktinolith führt.
Diese Bildungsbedingungen entsprechen der sogenannten Grünschieferfazies.

Aktinolith gilt als Zeigermineral für die Intensität metamorpher Umwandlungsprozesse. Die Vorkommen von Aktinolith in bestimmten Gesteinen weisen auf einen bestimmten Temperatur- und Druckbereich hin und erlauben Rückschlüsse auf den geologischen Hintergrund der entsprechenden Gesteine, allen voran Marmor, Serpentinit, Chloritschiefer, Prasinit und Dolomit.

Abhängig vom Fundort ist Aktinolith unter anderem mit Chlorit, Epidot, Quarz, Magnetit, Pyrit, Serpentin, Glaukophan/Glimmer, Prehnit, Calcit und Albit vergesellschaftet.

Bedeutende Aktinolith-Vorkommen befinden sich in Norwegen; Belgien; Harz, Odenwald, Sauerland, Erzgebirge, Spessart, Schwarzwald/Deutschland; Tschechien; Niederösterreich, Steiermark, Kärnten/Österreich; Ligurien, Lombardei, Kampanien/Italien; Sibirien/Russland; Griechenland; Madagaskar; Tasmanien; Australien; Neuseeland; China; Brasilien; Chile; Alaska, Kalifornien/USA und British Columbia/Kanada.


Bedeutung und Verwendung von Aktinolith

Aktinolith ist aufgrund der Hitzebeständigkeit wirtschaftlich als Asbestmineral von Interesse: Aktinolith findet damit Verwendung in Brandschutzbekleidung, feuerfesten Wand- und Fußbodenvertäfelungen sowie in Farben. In einigen Fällen wird Aktinolith auch als Schmuckstein verarbeitet, auch wenn die Bearbeitung bedingt durch den spröden Charakters des Minerals beschwerlich sein kann.


Nachweis von Aktinolith

Aktinolith ist ein sehr robustes Mineral, das weder in der Flamme brennt noch von Laugen und Säuren aufgelöst werden kann. Das Mineral fluoresziert nicht, zeigt aber eine Pleochroismus in hellgelb bis blaugrün.


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Quellen:

  • Kirwan, R. (1794): Actynolite. IN: Elements of Mineralogy. Volume 1. Earths and Stones
  • Estner, A. (1795): Versuch einer Mineralogie. II. Band, 1. Abtheilung, Zirkon-, Diamantspath-, Strontianit-, und Kieselgeschlecht
  • Jameson, R. (1820): Actynolite. IN: System of Mineralogy, in which minerals are arranged according to the Natural History Method. Vol. II
  • Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
  • Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
  • Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
  • Okrusch, M. und Matthes, S. (2013): Hornblende. IN: Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg
  • Hochleitner, R. (2024): Welcher Stein ist das? Über 350 Mineralien, Edelsteine & Gestein, mehr als 1.300 Abbildungen. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Company KG
  • www.mindat.org - Actinolite

Autor: (steine-und-minerale.de)

Letzte Aktualisierung: 25.03.2026

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