Dass einige Mineralien des Aussehens wegen mit Essbarem verglichen werden, ist keine Erfindung heutiger Tage. Schon in der Vergangenheit verwendeten Mineralogen Begriffe wie Bergbutter für das Mineral Halotrichit, während Bergmehl ein historisches Synonym für Kieselgur und Speckstein eine andere Umschreibung für sich fettig anfühlenden Talk ist.
Aber auch die Farbe von einigen weckte im Zuge der Namensfindung die Erinnerung an Essen. So ist Himbeerspat eine alte Bezeichnung für Rhodochrosit, Mandaringranat und Heidelbeerquarz hingegen sind die Handelsnamen für orangefarbenen Granat bzw. blauvioletten Quarz. In diese Riege reiht sich auch eine Opalfarbe ein, die hauptsächlich in Äthiopien gefunden wird und in der Welt der Opale überrascht: Chocolate Opal.
Aus Sicht der Mineralogie ist Chocolate Opal keine Varietät von Opal, sondern lediglich eine Farbbeschreibung, die vor allem im Zusammenhang mit Opalen aus Äthiopien verwendet wird.
Die Grundfarbe der schokoladenfarbenen Opale ist braun, wobei diese durch Untertöne, hellere und dunklere Nuancen sowohl ins Karamellbraune oder Hellbraune ähnlich wie Vollmilchschokolade gehen kann, genau wie die Farbe durch einen Stich ins Rötliche an dunkle Zartbitterschokolade erinnert.
Neben der Basisfarbe wird bei Schokoladenopalen ferner zwischen Edelopalen (precious opal) und Gemeinen Opalen (common opal) unterschieden. Als besonders wertvoll gelten Edelopale, bei denen dank der dunklen Grundfarbe die typische Opaleszenz – das Schillern in Grün, Rot, Blau, Orange und anderen Spektralfarben – besonders kontrastreich wirkt.
Etwas unscheinbarer wirken im direkten Vergleich Gemeine Opale, denen das für Opale charakteristische Schillern fehlt, die aber aufgrund der chemischen Zusammensetzung und der amorphen Kristallstruktur trotzdem zu den Opalen zählen.
Schon der Mineraloge Max Bauer (1844 bis 1917) kannte seinerzeit Opale und auch seine Kollegen Gustav Tschermak (1836 bis 1927) sowie Gustav Adolf Kenngott (1818 bis 1897) erwähnten braune Opale in einer Aufzählung aller möglichen Farben von Halbopalen, d.h. Opale ohne Opaleszenz. Braune Edelopale waren ihnen hingegen im 19. Jahrhundert nicht bekannt.
Was sie allerdings bereits damals wussten, war die Ursache für die Braunfärbung. Max Bauer zufolge wurden braune Opale in der Vergangenheit auch als Eisenopale bezeichnet; der Eisengehalt betrug bis zu 40 Prozent. Neuere Untersuchungen bestätigen diese Ergebnisse, ergänzen zusätzlich aber noch Einschlüsse von weiteren Spurenelementen als Grund für die Farbe.
Der Name Chocolate Opal wiederum ist ein Handelsname für braune Opale, die traditionell nahe der Stadt Mezezo, u.a. im Bereich von Yita Ridge, in der Provinz Shewa, gelegen in Zentraläthiopien, abgebaut werden. Viele Jahre war der Name Chocolate Opal ausschließlich braunen Opalen aus Mezezo vorbehalten, mittlerweile werden aber auch braune Welo-Opale aus Welo im Nordosten von Äthiopien als Chocolate Welo Opal verkauft.
Chemisch betrachtet unterscheiden sich Chocolate Opale im Grundsatz nicht von anderen Opalen und bestehen aus kristallwasserhaltigem Siliciumdioxid (SiO2·nH2O).
Hinzu kommt die farbgebende Eisen(III)-Oxidverbindung in Form von Hämatit. Wie Gouzy et al. Im Jahr 2026 feststellten, wiesen die äthiopischen Chocolate Opale zusätzlich noch die Elemente Titan, Mangan, Zink, Niob, Blei, Thorium und die Seltenen Erden Cer und Europium auf.
Die ersten Opale in der Nuance Chocolate aus Äthiopien wurden zu Beginn der 1990er Jahre in vulkanischen Ablagerungen gefunden, wobei Opale keine Mineralien sind, die direkt aus der Lava kristallisieren.
Vielmehr handelt es sich bei Opalen um Mineralien vulkanisch-sedimentären Ursprungs. Die Ausgangsgesteine der Opalentstehung sind rhyolithische Tuffe bzw. Ignimbrite, d.h. verfestigte vulkanische Aschen und pyroklastische Ablagerungen. Im Laufe von Jahrhunderten verwitterten diese Gesteine an der Erdoberfläche, Bodenbildungsprozesse setzten ein und veränderten die Gesteine. Dabei lösten sich Wasser, Silicium und weitere Elemente aus den Gesteinen und gesteinsbildenden Mineralien.
Die siliciumreichen Lösungen sickerten nach und nach in die Hohlräume, Poren und Spalten der Gesteine und erhärteten im Laufe der Zeit zu Opal.
Hinzu kamen lokal Eisen. Fein verteilte Eisenoxide wurden unter oxidierende Bedingungen während der Kristallisation in den entstehenden Opal „eingebaut“ und veränderten die Farbe. Laut einer neuen Studie von Gouzy et al. zeigen sich auch Hinweise auf eine mikrobielle Beteiligung während der Opalbildung, die auf biologisch bedingte Bodenbildungsprozesse zurückzuführen sind. Jene Mikroorganismen sind es auch, die ihrerseits die Oxidationszustände von Elementen verändern können.
Geschieht diese Entwicklung unter konstantem Druck, können Edelopale entstehen. Können silciumdioxidhaltigen Lösungen gleichmäßig versickern und erhärten, zeigt sich unter dem Mikroskop eine geordnete Struktur. Das Geheimnis des Schillerns der Opale zeigt sich ausschließlich unter der Vergrößerung: dicht an dicht nebeneinander liegen kleine Siliciumdioxid-Kügelchen mit einem Durchmesser von 150 bis 400 Nanometer eingebettet in Kieselgel. Wenn nun Licht auf diese geordnete Struktur trifft, wird es gebeugt und überlagert sich. Infolge dieser Interferenz werden bestimmte Wellenlängen des Lichts verstärkt, was sich im Farbenspiel der Edelopale zeigt. Bei Opalen ohne Opaleszenz hingegen ist die Struktur der Siliciumdioxid-Kügelchen nicht geordnet.
Ein Begriff, der außerdem gelegentlich im Zusammenhang mit äthiopischen Schokoladenopal fällt, ist Hydrophan. Hydrophan ist eine Subart von Opal und zeichnet sich durch einen porösen Charakter mit vielen Poren und Mikrorissen aus. Viele Chocolate Opale aus Äthiopien sind Hydrophane, weshalb sich deren Transparenz, Farbe und Intensität der Opaleszenz vorübergehend verändern kann.
Das Wissen um diese Eigenschaft macht man sich teilweise zunutze, um die Grundfarbe der Chocolate Opale zwecks Steigerung des Kontrasts der Basisfarbe und Opaleszenz. Ein gängiges Verfahren, das dazu praktiziert wird, ist das Smoke-Treatment bzw. Räuchern.
Dabei werden mit Luft oder einem anderen Gas versetzte Rußpartikel in den Opal gepresst, die sich so gleichmäßig in allen Hohlräumen des Opals verteilen und einen einheitlich dunklen Stein erzeugen.
Die Frage nach dem Wert eines Chocolate Opals ist wie bei anderen Edelsteinen auch eine Einzelfallentscheidung.
Im ersten Schritt wird sich im Zusammenspiel mit dem Gewicht, der Qualität des Schliffs und der Farbe sowie der Reinheit zunächst an den 4C von Diamanten orientiert (Color, Clarity, Cut, Carat). Hinzu kommt die Frage, ob der Stein naturbelassen ist oder eine Schönheitsbehandlung vorgenommen wurde, ob es sich um einen Edel- oder Gemeinen Opal handelt, wie ausgeprägt die Opaleszenz ist sowie die Herkunft. Insofern können Welten zwischen dem Wert von einfachen Schokoladenopalen und solchen mit deutlicher Opaleszenz liegen.
Bereits geschliffene, nicht behandelte Chocolate Opale ohne das charakteristische Schillern liegen im Bereich von etwa 25 bis 30 Euro pro Karat. Ungeschliffene Steine mit schwacher Opaleszenz sind mit 1 bis 20 Euro pro Karat etwas günstiger. Der Karatpreis für Chocolate Opale mit einem deutlich sichtbaren Schillern in den Farben des Regenbogens beträgt etwa 50 bis 150 Euro. Bei sogenannten Precious Chocolate Opalen mit außergewöhnlicher Opaleszenz steigt der Preis auf circa 150 bis 300 Euro je Karat.
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Quellen:
Letzte Aktualisierung: 17.08.2026