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Bonifatiuspfennig Mineralien-Steckbrief

In unserer Gesteins- und Mineraliendatenbank erhalten Sie Informationen zu den wichtigsten Exemplaren. Die Steckbriefe sind thematisch und alphabetisch kategorisiert. Wir sind bestrebt die Anzahl der Einträge zu erweitern und nehmen gern Vorschläge von unseren Lesern entgegen.

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Bonifatiuspfennig - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

Bonifatiuspfennig
Bonifatiuspfennig


Namenspate der Bonifatiuspfennige ist der englische Missionar Bonifatius (675 bis 757). Mit dem Auftrag, Europa vom Christentum zu überzeugen, führte es den Bischof u.a. in weite Teile Deutschlands. Eines der ersten Ziele der Christianisierung sollte Thüringen sein, da hier nach Ansicht der Kirche in Rom die Dichte an Heiden am größten war. Diejenigen, die sich nicht zum Glauben bekennen wollten, hatten Abgaben in Form von Geld zu leisten. Als Zahlungsmittel dienten die in der Gegend zwischen Ohrdruf und Erfurt (Thüringen) verbreiteten versteinerten Seelilienstängel, die als Hexengeld und Wichtelpfennige, später auch unter dem Namen Bonifatiuspfennige geführt wurden.


Bonifatiuspfennig
Bonifatiuspfennige

Eigenschaften von Bonifatiuspfennigen

Bonifatiuspfennige werden in der Paläontologie als Trochiten bezeichnet und verweisen etymologisch auf die runde Form des Fossils.
Im Speziellen handelt es sich bei Bonifatiuspfennigen um die aufbauenden Stielglieder von Seelilien, die zu Lebzeiten aus kalkhaltigen Crinoidenskeletten aufgebaut waren.
Die Gestalt von Bonifatiuspfennigen erinnert an kleine Taler. Charakteristisch sind hellbraune bis graue Farbtöne. Der Durchmesser der Fossilien reicht von wenigen Millimetern bis zu einigen Zentimetern. Auffällig sind bei gut erhaltenen Trochiten die randlich, scheinbar eingestanzten Rillen, die von der Mitte des Fossils ausgehen (deshalb auch gelegentlich als Sonnenrädchen oder Sonnensteine bezeichnet). Häufig ist im Mittelpunkt von Bonifatiuspfennigen eine Öffnung zu erkennen, die zu Lebzeiten als Versorgungskanal diente.


Entstehung und Verbreitung von Bonifatiuspfennigen

Seelilien zählen zu den sogenannten lebenden Fossilien – Organismen und Pflanzen, die sich innerhalb vieler Jahrmillionen nicht erwähnenswert in Aussehen und Aufbau verändert haben – und sind heute noch auf der Südhalbkugel in Äquatornähe zu finden.
Die Versteinerung der Stielglieder von Seelilien setzte zum Zeitpunkt des Übergangs von Trias zu Perm, vor ca. 300 Millionen Jahren ein. Zu dieser Zeit veränderten sich die Lebensbedingungen der im Meer lebenden Seelilien, so dass diese starben und auf den Meeresboden niederfielen.
Überlagernde Schichten aus Sanden verhinderten die Zersetzung der Stielglieder. Im Laufe der Zeit ersetzten in den Sedimenten zirkulierende Calcitlösungen das chemisch instabilere Skelett der Seelilien. Durch weitere Ablagerungen wurden die fossilisierten Bonifatiuspfennige samt des umgebenden Kalkgesteins diagenetisch verfestigt. Nach dem Rückzug des Meeres und/oder infolge von Gebirgshebungsprozessen gelangte der sogenannte Trochitenkalk schließlich an die Erdoberfläche.
Die Vorkommen von Bonifatiuspfennigen befinden sich deshalb in etlichen Kalksteingebieten der Welt.


Verwendung und Bedeutung von Bonifatiuspfennigen

In der Vergangenheit dienten Bonifatiuspfennige, wie bereits erwähnt, als Münzen. Aus England sind Aufzeichnungen bekannt, denen zufolge der englische Mönch Sankt Cuthbert Bonifatiuspfennige sammelte, um daraus Rosenkränze zu fertigen. Die Perlen tragen ihm zu Ehren deshalb auch den Namen St. Cuthbert beads. Auch nichtchristliche Menschen nutzten die Sonnenrädchen, um daraus Schmuck zu fertigen.
Heutzutage werden Kalksteine, die Bonifatiuspfennige enthalten, als Material für Gebäude oder Fußböden verwendet.


*

Siehe auch:
Donnerkeil
Ammoniten
Polybern


Quellen:
Reinicke, R. (2007): Steine am Ostseestrand. Demmler Verlag Schwerin*
Ivanov, M.; Hrdlickova, S.und R. Gregorová (2005): Illustrierte Fossilien-Enzyklopädie*

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Letzte Aktualisierung: 4. Juni 2018

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