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Monatssteine September – Lapislazuli, Saphir und Karneol



1912 ist ein bedeutendes Jahr für die Schmuckbranche. Die Juweliere von Amerika erstellten eine Liste, die jedem Monat einen oder mehrere Steine zuordnet. Angesichts der Vielzahl aller auf der Erde vorkommenden Mineralien war die Auswahl groß. Deshalb konzentrierte sich die Jury auf Steine, die bereits über Jahre hinweg in der Welt des Schmucks von hohem Stellenwert waren und sind und zudem auch vielen Personen, und nicht nur Mineralogen und Gemmologen, bekannt sind/waren. Auch wenn die Liste der Monatssteine ihren Ursprung in den USA hat, konnte sich die Einteilung international durchsetzen und blieb bis auf wenige Ausnahmen inhaltlich konstant. Eine Ausnahme ist z.B. Tansanit. Der blaue Edelstein aus Tansania, der erst gegen Ende der 1960er Jahre entdeckt wurde und heute einer der beliebtesten Schmucksteine ist. Für den Monat September stehen seit jeher Lapislazuli, Saphir und Karneol.



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karneol Foto
Bild 1: Karneol

Die September-Monatssteine

Nach welchen Kriterien die Juweliere von Amerika bei der Wahl der einzelnen Steine vorgingen, ist nicht überliefert – ein Muster ist nicht zu erkennen.
Im Fall von Karneol, Lapislazuli und Saphir könnte die langjährige, historische Beziehung der drei Steine mit der Verwendung als Schmuck ausschlaggebend gewesen sein.

Dass Lapislazuli einer der ältesten Schmucksteine ist, belegen historische Funde von Lapislazuli-Schmuck aus Mehrgarh in Pakistan, die auf auf ein Alter von ca. 7000 Jahren datiert wurden.
Karneol war ebenfalls schon zu vorchristlichen Zeiten beliebt, wie die Entdeckung des Ringes von Tello aus dem Iran (2500 v. Chr.) oder aus Karneol gefertigte Perlen, die auf Zypern gefunden wurden und vergleichbar alt sind, beweisen.
Eines der ältesten Schmuckstücke aus Saphir gehörte einst zum Repertoire des römischen Kaisers Caligula (12 bis 41 n. Chr.), der das eingravierte Porträt seiner Frau zeigt.


Schmuck mit Karneol, Saphir und Lapislazuli von www.Juwelo.de

Karneol mit Silberanhänger Karneol mit Silberanhänger in Gelb Lapislazuli mit Silberanhänger Silberhalskette Saphir
v.l.n.r.: Kettenanhänger mit rotem Karneol, orangefarbenem Karneol, Lapislazuli und Saphir


Karneol, Saphir und Lapislazuli

Eine interessante Gemeinsamkeit aller drei Steine ist die Tatsache, dass sich die Namen auf die jeweilige Farbe beziehen.

In verschiedenen Lexika und Nachschlagewerken aus dem frühen 19. Jahrhundert findet sich unter dem Eintrag Karneol der Verweis auf die Kornelkirsche, deren Farbe dem Karneol ähnelt und die in botanischen Kreisen unter der lateinischen Bezeichnung „cornus mas“ geführt wird. Anselm de Boodt (flämischer Gelehrter, 1550 bis 1623) beschreibt die Farbe von „Corneolus“ 1609 in seinem Werk „Gemmarum Lapidum“ dahingegen als „blutgetränktes Fleisch“.

Der Begriff Saphir wiederum stammt aus dem Griechischen und wird mit blauer Stein übersetzt. Bis Saphire als eigenständige Mineralien anerkannt und bestimmt wurden, wurden viele blaue Mineralien der Einfachheit halber unter der Bezeichnung Saphir zusammengefasst.

Hinter dem Namen Lapislazuli steht die arabisch-stämmige Bedeutung „blauer Stein“.


Die Farben von Karneol, Lapislazuli und Saphir

In der Mineralogie wird Karneol der Gruppe der Quarze zugeordnet, d.h. Karneol ist chemisch unter anderem mit Bergkristall, Citrin, Rosenquarz, Opal und Amethyst verwandt.
Die typische Farbe von Karneol ist ziegelrot, rot, orange, orange-rot oder rot-braun – durchsetzt von helleren Streifen und Bändern oder wölkchenartigen Zeichnungen. Die Intensität der Farbe hängt dabei wesentlich vom Anteil der farbgebenden Eisenoxide und -hydroxide ab. Brennen unter Hitzezufuhr die Farbe korrigiert bzw. optimiert werden.

Das gleiche Verfahren wird eingesetzt, um die Farbqualität von Saphir zu steigern. Saphire sind die blauen Vertreter der Korundgruppe (kurz Korund), zu der außerdem der rote Rubin sowie der farblose Leukosaphir zählen.
Das Blau von Saphir entsteht durch im Kristallgitter vorhandenes Eisen und Titan in unterschiedlichen Anteilen, sodass das Saphirblau von dunkelblau, kornblumenblau, hellblau, graublau, grünblau bis hin zu schwarzblau reicht.
Unerwartet und vergleichsweise unbekannt sind Farbige Saphire, Fancy Saphire, die in rosa, violett, grün, gelb, orange und schwarz daherkommen und das Farbspektrum der Korundfamilie ergänzen.

Auf den ersten Blick Saphiren sehr ähnlich ist Lapislazuli. Der Unterschied zwischen Saphir und Lapislazuli zeigt sich bei genauer Betrachtung deutlich, denn Lapislazuli enthält kleine, goldfarbene pünktchenförmige Einschlüsse, die auf das im Gestein vorkommende Mineral Pyrit zurückzuführen sind und im Zusammenspiel mit der dunkelblauen Farbe an einen Sternenhimmel erinnern.
Auch wenn ein dunkles Blau als die Farbe von Lapislazuli schlechthin gilt, kann das Gestein auch in helleren oder violett-stichigen Blautönen vorkommen und mitunter von weißen Calcitadern und -flecken durchzogen sein.
Um das Blau kräftiger erscheinen zu lassen, wird Lapislazuli nicht gebrannt, sondern oftmals mit einer hauchdünnen Schicht aus Wachs oder Öl überzogen, die zwecks Intensivierung der Farbe zusätzlich eingefärbt, sein kann, oder in der farblosen Variante den Glanz von Lapislazuli steigert.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass gerade bei gewachsten oder geölten Steinen unbedingt zu vermeiden ist, dass die Steine mit Shampoo, Duschgel, Seife oder anderen Reinigungsprodukten in Kontakt kommen. Die darin enthaltenen Tenside lösen über kurz oder lang die Schutzschicht auf, und der Stein verliert an Glanz und Farbe.


Saphir, Lapislazuli und Schmuck

Alle drei Septembersteine sind seit Jahrhunderten nicht mehr aus der Welt des Schmucks wegzudenken und werden in schier unendlichen Kreationen zu Ohrringen, Ringen, Armschmuck, Ketten oder Broschen verarbeitet.

Ebenso vielseitig wie die Designs sind die Schliffe, die dabei Anwendung finden und die sich nach dem Stein per se richten. Die Auswahl des Schliffs hängt im Wesentlichen von der Transparenz ab. Kristallklare, lupenreine Steine werden vorrangig mit Facettenschliffen versehen, welche die Reinheit und Farbnuancen im Spiel mit Licht hervorheben. Undurchsichtige und durchscheinende Steine werden in Glattschliffen gehalten, die den Glanz und Farbe betonen.

Karneol und Lapislazuli fallen in die Kategorie der durchscheinenden, opaken Steine, weshalb man die Steine bevorzugt in Glattschliffen, bspw. Donuts, getrommelt, perlenförmig oder im Cabochonschliff gehalten, wiederfindet. Der klassische Cabochonschliff zeichnet sich durch eine ovale Grundform in der Aufsicht, eine gewölbte Silhouette in der seitlichen Betrachtung sowie eine glatte, teilweise auch leicht mugelige Unterseite aus. Dennoch wird mit der Form gespielt, sodass neben dem ovalen Cabochon auch herzförmige, runde, tropfenförmige, eckige oder navetteartige Cabonschonschliffe üblich sind.

Hin und wieder sieht man vor allem bei Lapislazuli Schliffe, die Elemente des Cabochonschliffs und von Facettenschliffen aufgreifen, d.h. Die Gestalt des Steins ist minimalistisch gehalten wie ein Cabochon und einzelne Facetten arbeiten mit Höhe und Tiefe, die den Stein mehrdimensional wirken lassen.

Nichtsdestotrotz werden auch Saphire zu Cabochons verarbeitet, primär solche, die mit optischen Raffinessen aufwarten. Sternsaphire sind ein hervorragendes Beispiel, deren Merkmal die blaue, opake Farbe und ein zentraler vier- oder sechsstrahliger Stern ist, der durch die Einlagerung von sich überkreuzenden Rutilnadeln entstanden ist. Der Großteil aller Saphire wird allerdings mit Facettenschliffen (z.B. Ovalschliff, Oktagon-Schliff, Herzschliff, Princess-Schliff, Navette/Marquiseschliff, Smaragdschliff, Kissenschliff, Asscher-Schliff sowie Rundschliff) gehalten.


Quellen:
⇒ Jameson, R. (1820): A System of Mineralogy: In which Minerals are Arranged According to the Natural History Method. Vol. 1, Third Edition
⇒ Hartmann, K. F. A. (1828): Handwörterbuch der Mineralogie und Geognosie
⇒ Conversations-Lexicon der kaufmännischen Wissenschaften. Eine vollständige vollständige Handlungs-Encyclopädie für Banquiers, Kaufleute, Fabrikanten, Drogisten, Sensale und Geschäftsleute aller Art. Erster Band. A bis Centaurea Cyanis. 1846
⇒ Lehmann, E. (1810): Georg Agricola´s Mineralogische Schriften: De natura fossilium. übersetzt und mit erläuternden Anmerkungen, begleitet von Ernst Lehmann. Dritter Theil (Oryktognosie), Zweyter Band
⇒ De Boodt, Anselmus (1609): Gemmarum et Lapidum Historia
⇒ Zappe, J. R. (1817): Mineralogisches Handlexikon, oder alphabetische Aufstellung und Beschreibung aller bisher bekannten Fossilien, nach ihrer alten und neuen Nomenclatur und Charakteristik, ihrem geognostischen Vorkommen und ökonomisch-technischen Gebrauche, sammt der in die Ordnung des Alphabets eingeschaltenen Erklärungen der zur Charakteristik gehörenden Kunstwörter. Erster Band
⇒ Brückmann, U. F. B. (1773): Abhandlung von den Edelsteinen. 2. Auflage
⇒ Magnus, A.: Alberti Magni Libri V mineralium
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München

Letzte Aktualisierung: 22. September 2020




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