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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 30.03.2022


Heliotrop

Heliotrop - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: heliotrope | französisch: héliotrope


Heliotrop, Sonnenwender und Blutjaspis

Der Name Heliotrop im Zusammenhang mit einem Stein wird erstmals im Jahr 1750 erwähnt. Der schwedische Mineraloge Johan Gottschalk Wallerius (1709 bis 1785) führt in seinem Werk „Mineralogie, oder Mineralreich“ unter der Überschrift “Jaspisarten“ Heliotrop (Sonnenwendejaspis) auf und definiert Heliotrop als „ein dunkelgrüner oder bläulicher Jaspis (…), welcher blutrothe Tüpfelchen hat“ als Merkmal zur Unterscheidung von anderen Jaspisvarianten.

Der Begriff Heliotrop ist allerdings schon weitaus länger im Zusammenhang mit der Pflanzengattung Sonnenwenden, Unterfamilie  Heliotropioideae, bekannt. Um Verwechslungen des Minerals und der Pflanze miteinander zu vermeiden, schlug Johann Samuel Schröter (1735 bis 1808, Naturforscher und Paläontologe) 1774 vor, den Stein unter dem Terminus „Heliotropus lapis“ - Heliotrop-Stein - zu führen.

Neben den Bezeichnungen Sonnenwendejaspis und Heliotrop sind Blutjaspis oder Blutstein ebenfalls geläufig, die sich namentlich auf die blutroten Flecken bzw. Areale im Mineral beziehen, die in der Vergangenheit – vor allem im christlichen Kontext – als Bluttropfen von Jesus Christus gedeutet wurden. Der Name Blutstein konnte sich hierzulande als Syonym für Heliotrop nicht durchsetzen, denn wie Schröter schon wusste, steht der Name Blutstein vielmehr für das Mineral Hämatit.

Der Name Heliotrop wiederum wird aus dem Griechischen mit Sonnenwender bzw. der Sonne zugewandt übersetzt. Als Argument für die Namensgebung zitiert Schröter den römischen Universalgelehrten Plinius (23 bis 79 n.Chr.), der meinte: „wenn er (Anm. Heliotrop) in ein Faß mit Wasser gelegt, und in die Sonne gestellt wird, einen blutrothen Schein von sich giebt“ - d.h. In der Sonne kommen die roten Bereiche im Heliotrop besonders gut zur Geltung.


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Eigenschaften von Heliotrop

Die chemische Zusammensetzung von Heliotrop wird über die Formel SiO2 (Siliciumdioxid) beschrieben, weshalb Heliotrop der Mineralklasse der Oxide zugeordnet wird und im Speziellen ein Vertreter der Quarzgruppe und innerhalb der Quarze eine Varietät von Chalcedon ist.

Der Chemiker Karl Seubert (1851 bis 1942) fasste im Jahr 1883 die Beschreibung von Heliotrop treffend zusammen: "Heliotrop ist eine dichte, dunkelgrüne, durchscheinende Quarzgattung, welche zinnoberrote, undurchsichtige Punkte eingestreut enthält" - d.h., die Farbe von Heliotrop ist mittel- bis dunkelgrün, durchsetzt von blutroten bis rotbraunen Stellen. Auch wenn eine gewisse Ähnlichkeit zu Blut besteht, handelt es sich nicht um selbiges. Die roten „Blutflecken“ im Heliotrop bestehen aus dem Mineral Hämatit oder anderen Eisenoxiden, während die grüne Farbe von Heliotrop durch Hornblende verursacht wird.
Die Strichfarbe von Heliotrop ist weiß, d.h., wird Heliotrop über ein unglasiertes Porzellantäfelchen gestrichen, erscheint ein weißer, pulverisierter Abrieb. Wird der Strich allerdings an den rötlichen Arealen des Minerals überprüft, zeigt sich mitunter ein rötlicher bzw. blutroter Strich.

Heliotrop kristallisiert im trigonalen Kristallsystem, bildet vornehmlich mikrokristalline Massen aus.

Der Glanz von Heliotrop ist glasartig bei undurchsichtiger Transparenz. Der Bruch ist muschelig und die Spaltbarkeit ist nicht vorhanden.

Mit einer Mohshärte von 6,5 bis 7 zählt Heliotrop zu den härteren Mineralen – ein Faktor, der nicht unbedeutend ist hinsichtlich der Eignung als Schmuckstein, hart genug ist, Kratzer oder anderen oberflächlichen Verletzungen zu trotzen. Die Dichte beträgt 2,61 g/cm³.


Entstehung und Verbreitung von Heliotrop

Heliotrop ist wie andere Vertreter der Quarze – zum Beispiel: Amethyst, Rosenquarz, Tigerauge und Bergkristall – ein Mineral magmatischen Ursprungs. Das Quarzmineral kristallisierte aus siliciumdioxidhaltigen Lösungen aus und baute die gleichzeitig vorhandenen Minerale Hämatit und Jaspis in die Kristalle mit ein.
Im Vergleich zu anderen Quarzen sind die Vorkommen von Heliotrop weltweit nicht derart häufig. Bekannt sind Fundstellen unter anderen im Harz/Deutschland, in Tschechien, Slowakei, Indien, Australien und in den USA.


Verwendung und Bedeutung von Heliotrop

Aufgrund der relativen Seltenheit ist Heliotrop unter Sammlern beliebt, aber das Mineral wird auch zu Schmuck verarbeitet, wie auch schon Karl Emil Kluge (1830 bis 1864) 1860 schrieb, wird Heliotrop "zu Ring- und Siegelsteinen, dann zu Gemmen, Uhrschlüsseln, Tabatieren und andern Gegenständen der Bijouterie verwendet, im Orient auch zu Säbel und Degengriffen" und als Chakrastein/Heilstein verkauft, wobei die Heilwirkung von Heliotrop in klinischen Studien nicht bestätigt werden konnte.
Teilweise wird Heliotrop unter dem Namen Blutstein verkauft, was auf die falsche Übersetzung des englischen Namens für Heliotrop – Bloodstone – zurückgeht. Unter dem Begriff Blutstein wird in der deutschen Literatur Hämatit aufgeführt.


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Auch interessant:


Quellen:
⇒ Wallerius, J. G. (1750): Jaspisarten. IN: Mineralogie, oder Mineralreich
⇒ Schröter, J. S. (1774): Der Heliotrop. IN: Vollständige Einleitung in die Kenntniss und Geschichte der Steine und Versteinerungen
⇒ Krünitz, J. G. (1783): Jaspiß. IN: Oeconomische Encyclopädie, oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- u. Landwirthschaft in alphabetischer Ordnung. Von Jan bis Inf : Nebst 4 Bogen Kupfer · Band 29
⇒ Kluge, K. E. (1860): Heliotrop. IN: Handbuch der Edelsteinkunde für Mineralogen, Steinschneider und Juweliere
⇒ Seubert, K. und Seubert, M. (1883): Heliotrop. IN: Handbuch der allgemeinen Warenkunde für das Selbststudium wie für den öffentlichen Unterricht: Unorganische Warenkunde
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
www.mindat.org - bloodstone

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