Salmiak
Salz des Ammon
Der Name Salmiak leitet sich von der lateinischen Vokabel sal ammoniacum ab, die mit „Salz des Ammon“ übersetzt wird. Diese Bezeichnung verweist sowohl auf die optische Ähnlichkeit mit Halitkristallen als auch auf die frühesten Funde nahe des Tempels des Gottes Amun in der ägyptischen Oase Siwa. Dort, so überliefert es die antike Namensgebung, trat Salmiak erstmals als Ablagerung natürlich in Erscheinung.
Eine der frühesten schriftlichen Erwähnungen von Salmiak findet sich im Werk „De re metallica“ von Georgius Agricola (1546–1555). Der Arzt, Apotheker und Vater der Montanwissenschaften beschreibt darin die Verwendung von sal ammoniac in Verbindung mit Alaun zur Herstellung von Chrysokoll. Dabei bezieht er sich allerdings auf künstlich erzeugtes Salmiak, das aus Kochsalz und stickstoffhaltigen Stoffwechselprodukten, etwa Urin, gewonnen wurde – eine übliche Praxis in der frühen Alchemie und Pharmazie.
Dass Salmiak tatsächlich auch als natürliches Mineral vorkommen kann, wurde lange bezweifelt. Der Chemiker Johann Georg Model (1711–1775) berichtet in seinem Werk „Versuche und Gedanken über ein natürliches oder gewachsenes Salmiak“, dass die damaligen Chemiker (Chymisten) den natürlichen Ursprung des Minerals grundsätzlich infrage stellten: „Die Chymisten hätten das natürliche Salmiak geläugnet.“ Erst durch die gezielte Untersuchung von Proben aus den Vulkanregionen des Vesuv und des Ätna konnte Model nachweisen, dass es sich bei Salmiak tatsächlich um ein Mineral natürlichen Ursprungs handelt.

Eigenschaften von Salmiak
Salmiak wird mit der chemischen Zusammensetzung NH4Cl/Ammoniumchlorid der Mineralklasse der Halide zugeordnet, zu der u.a. auch Halit, Fluorit und Kryolith gehören.
Die Farbe von Salmiak variiert zwischen farblos, weiß, grau oder gelb, bzw. mit den Worten des Naturwissenschaftlers Johann Friedrich Gmelin (1748 bis 1804): "gelb, gelblichtgrau, schmutzig apfelgrün, oder bräunlich-schwarz", wobei die Farbe auf Beimengungen oder ´Verunreinigungen`mit "Schwefel, Alaun, Eisenvitriol" zurückzuführen sind.
Die Strichfarbe von Salmiak ist weiß, d.h. wird das Mineral über ein unglasiertes Porzellantäfelchen gestrichen, erscheint ein weißer, pulverisierter Abrieb.
Salmiak kristallisiert im kubischen Kristallsystem und bildet dendritisch, skelettartige Kristalle, die in Form traubiger, derber Aggregate oder als krustiger Überzug erscheinen.
Der Glanz von Salmiak ist glasartig, die Transparenz ist durchsichtig bis durchscheinend. Der Bruch des Minerals ist muschelig, die Spaltbarkeit ist undeutlich.
Die Mohshärte von Salmiak beträgt 1 bis 2 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839) – vergleichbar mit der Härte von Selenit (Marienglas). Salmiak ist aber nicht nur ein sehr weiches Mineral, sondern auch eines mit einem sehr geringen Gewicht: die Dichte beträgt 1,5 g/cm3.
Entstehung und Verbreitung von Salmiak
Salmiak ist ein Mineral sedimentären Ursprungs, das in der Umgebung von Fumarolen entsteht, d.h. durch Vulkanismus entstandene Stellen, an denen neben heißem Wasserdampf auch vulkanische Gase austreten, die als Salmiak kristallisieren.
Weitere Bedingungen, die zur Entstehung von Salmiak führen, finden sich auf Halden, auf denen Kohle verbrannt wird und im Bereich ammoniakhaltiger Guanoablagerungen*.
Die Vorkommen von Salmiak werden von anderen Mineralen wie Schwefel und Realgar begleitet.
Nennenswerte Salmiak-Vorkommen existieren bspw. in Island, England, Frankreich, Deutschland, Polen, Tschechien, Österreich, Italien, Russland, Ungarn, Südafrika, China, Chile, Peru, Venezuela und in den USA.
Verwendung und Bedeutung von Salmiak
Salmiak ist vielen vermutlich als husten- und schleimlösende Salmiakpastillen oder Salmiakdrops bekannt – Bonbons aus einer Mischung von Salmiak, Anisöl und Süßholzwurzel bzw. Lakritze. Ferner kommt Salmiak als Lebensmittelzusatzstoff unter der E-Nummer E 510 sowie als Kühlsalz, Lötmaterial, Gerb- und Färbestoff, in Batterien und als Zusatz in Sprengstoffen zum Einsatz.
Nachweis von Salmiak
Salmiak ist in Wasser löslich.
*Guano = Ablagerungen, die im Zusammenspiel von Stoffwechselendprodukten von Seevögeln und kalkhaltigen Steinen entstehen.
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Quellen:
- Agricola, G. (1546): Salammoniac. IN: De re metallica
- Model, J. G. (1758): Versuche und Gedanken über ein natürliches oder gewachsenes Salmiak
- Gmelin, J. F. (1790): Salmiak. IN: Grundriß der Mineralogie
- Leonhard, G. (1838): Salmiak. IN: Geologie oder Naturgeschichte der Erde auf allgemein fassliche Weise abgehandelt
- Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
- Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
- www.mindat.org - Salammoniac

