Jodargyrit
| Klassifikation: | 3.AA.10 |
| Klasse: | Halogenide |
| Unterklasse: | Einfache Halogenide ohne H2O |
| Familie: | M : X = 1 : 1 und 2 : 3 |
Jodargyrit - Ein besonderes Silbermineral
Jodargyrit ist ein seltendes Silbermineral, das als natürliche Form von Silberiodid beschrieben wird. Das Mineral entsteht, wenn silberreiche Erze an der Erdoberfläche verwittern und mit jodhaltigen Lösungen zusammenkommen. Jodargyrit ist ein eher weiches, lichtempfindliches Mineral, das farblich variabel und sowohl für Mineraliensammlungen, aber auch für Lagerstätteninteressierte von Bedeutung ist.
Geschichte und Namensherkunft
Die Erstbeschreibung von Jodargyrit ist dem Mineralogen Louis-Nicolas Vauquelin (1763 bis 1829) zu verdanken. 1825 analysierte er Proben eines bis dato unbekannten Silberminerals aus der Mine Albarradón bei Zacatecas in Mexiko. Vauquelin stellte fest, dass das Mineral Jod enthielt, was einer Sensations glich. Jod wurde erst wenige Jahre zuvor von Bernard Courtois (1777 bis 1838) entdeckt, wobei sich die Vorkommen dem französischen Chemiker - Stand 1811 - ausschließlich auf organische Materialien wie Algen konzentrierten. Die Vorkommen von Jod in einem Mineral waren zum damaligen Zeitpunkt eine Besonderheit.
1859 veröffentlichte der französische Mineraloge und Geologe Alexandre Félix Gustave Achille Leymérie seine weiteren Erkenntnisse zu diesem Mineral und bestätigte, dass das Mineral aus Silber und Jod bestand.
In Anspielung an die Zusammensetzung nannte Leymérie das Mineral Iodargyre (Iodite); wobei die die griechischen Vokabel argyros für Silber steht.
Eigenschaften von Jodargyrit
Jodargyrit ist ein weiches Mineral mit fettigem bis diamantähnlichem Glanz. Für ein Mineral aus der Gruppe der Silberhalogenide hat es eine typisch hohe Dichte.
Jodargyrit, in der historischen Literatur auch unter den Einträgen Silberjod oder Jodsilber gelistet, ist farblich sehr variabel und kann sowohl farblos, perlgrau, gelblich oder bräunlich sein. Der Mineraloge und Geologe Carl Justus Andrae (1817 bis 1885) beschrieb die Farbe von Jodargyrit als "schwefel- bis strohgelb, perlgrau, leber- bis schwärzlichbraun anlaufend". Häufig ist Jodargyrit jedoch farblos oder gelblich und durchscheinend.
Das Silbermineral reagiert empfindlich auf Licht. Setzt man Joargyrit Licht aus, beginnt ein photochemischer Zersetzungsprozess, aus dem im Ergebnis elementares Silber freigesetzt wird.
| Eigenschaft | Beschreibung |
|---|---|
| Mineralgruppe | Halogenide, Silberhalogenid |
| Chemische Formel | AgI, Silberiodid |
| Kristallsystem | hexagonal |
| Farbe | farblos, perlgrau, gelblich, gelbgrün, bräunlich |
| Strich | weiß bis perlgrau, teils leicht grünlich |
| Glanz | fettig bis harzartig, teils diamantähnlich |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Mohshärte | 1 bis 1,5 |
| Dichte | etwa 5,5 bis 5,7 g/cm3 |
| Spaltbarkeit | gut ausgeprägt |
| Bruch | muschelig |
| Entstehung | Sekundärmineral in der Oxidationszone silberreicher Erze |
| Typische Begleitminerale | Chlorargyrit, Bromargyrit, gediegen Silber, Cerussit |
| Besonderheiten | lichtempfindlich, seltenes Jodmineral, Farbveränderung unter Lichteinfluss |
Chemische Zusammensetzung und Systematik
Chemisch betrachtet handelt es sich bei Jodargyrit um Silberiodid (chemische Formel AgI). Jodargyrit wird der Mineralklasse der Halogenide und im Speziellen den einfachen Halogenidverbindung von Metall und Halogen zugeordnet. Es bildet nach Strunz eine eigene Gruppe, zu der jedoch nur noch das sehr seltene Mineral Tocornalit gehört.
Das Mineral ist extrem schwer in Wasser und verdünnter Salpetersäure löslich. Es löst sich jedoch in konzentrierter Schwefelsäure sowie in konzentrierten Kaliumiodidlösungen. Als Silberhalogenid reagiert Jodargyrit photochemisch auf Licht. In der Regel sind frische Kristalle oft farblos und laufen unter Lichteinfluss gelb, gelbgrün oder sogar braun an.
Kristallsystem und Kristallstruktur
Jodargyrit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem. In der Regel werden tafelige bis prismatische Kristalle ausgebildet, die meist nur eine mikroskopische wahrnehmbare Größe erreichen. Eine Besonderheit ist, dass das Mineral je nach Temperatur seine Struktur ändern kann. Liegen die Temperaturen unter 146 °C zeigt Jodargyrit ein hexagonales Kristallgitter. Über dieser Temperatur bricht das Kristallgitter zusammen und wandelt sich eine kubische Modifikation um, die dann als α-Jodargyrit bezeichnet wird.
Weitere physikalische Eigenschaften
Jogaryrit ist mit einer Mohshärte von 1 bis 1,5 ein sehr weiches Mineral, das sich leicht mit dem Fingernagel ritzen lässt. Aufgrund des hohen Silbergehalts ist die Dichte mit 5,6 g/cm3 hoch.
Jodargyrit weist eine gute Spaltbarkeit auf. Der Glanz ist meist als fettig bis harzartig zu beschreiben, selten können auch diamantähnliche Kristallflächen beobachtet werden.
Entstehung, Vorkommen und Fundorte
Entstehung von Jodargyrit
Als typisches Sekundärmineral silberreicher Erzlagerstätten entsteht Jodargyrit im Zuge der Verwitterung primärer Silberminerale. Dabei ist es notwendig, dass durch die Verwitterung freigesetztes elementares Silber mit jodhaltigen Lösungen zu Silberiodid reagiert. Es entsteht in der sogenannten Oxidationszone, wenn Silber und Jod auf zirkulierendes Grundwasser treffen. Diese Konstellation erklärt die Seltenheit des Minerals.
Häufige Begleitminerale von Jodargyrit sind andere Silberhalogenide wie z.B. Chlorargyrit und Bromargyrit. Oft ist Jodargyrit jedoch auch mit gediegen Silber, Silbersulfide (Akanthit), aber auch sekundäre Blei- und Kupferminerale wie z.B. Cerussit, Malachit und Azurit oder aber Chrysokoll, Alunit, Goethit, Türkis, Bromargyrit, Coronadit und Jalpait vergesellschaftet.
Vorkommen und Fundorte
Fundorte mit größeren Vorkommen liegen vor allem in Ländern mit bekannten und wichtigen Silberlagerstätten wie Mexiko (u.a. Moctezuma), Chile (z.B. San Francisco Mine), Spanien und Australien. Auch in Deutschland gibt es einige Vorkommen des bei Sammlern begehrten Silberjodids. Bekannt sind die Grube Schöne Aussicht sowie die Grube Friedrichssegen in der Nähe von Koblenz. Kleinere Vorkommen können zudem in den Silbergängen der Grube Clara bei Oberwolfach gefunden werden.
Bedeutung und Verwendung von Jodargyrit
Früher spielte Jodargyrit als oberflächennahes Silbererz eine regionale Bedeutung. Vor allem in Mexiko oder den Broken Hill Ore Deposits in Australien war es heiß begehrt, da es sich als Erz leicht verhütten konnte. Da diese Zonen heute nahezu alle abgebaut sind, spielt es wirtschaftlich kaum noch eine Rolle.
Künstlich hergestelltes Silberiodid hat jedoch vor allem technisch eine große Bedeutung. Aufgrund der Kristallstruktur, die der von Eis sehr ähnlich ist, kann es in Wolken geimpft werden. Dadurch kann es als künstlicher Kondensationskeim Regen oder Schnee erzeugen oder bei der Abwehr schwerer Hagelschauer dienen.
In der Festkörperphysik können die physikalischen Eigenschaften von Silberiodid zum Beispiel bei der Entwicklung neuartiger Batterien eine Rolle spielen. Dort dienen sie als so genannte Superionenleiter, die in der Lage sind Strom zu leiten.
Besondere Bedeutung hat Jodargyrit vor allem für Micromount-Mineraliensammlungen.
Auch interessant:
- Micromounts - Mineralien im Kleinstformat
- Silberhaltige Minerale
- Erz - Metallhaltige Minerale und Gesteine
Quellen:
- Vauquelin, L.N. (1825): Note sur l'existence de l'iode dans le règne minéral. IN: Annales de Chimie et de Physique, 29
- Leymérie, A. (1859): Iodargyre (iodite). IN: Cours de Minéralogie
- Andrae, C. J. (1864): Josilber. IN: Lehrbuch der gesammten Mineralogie
- Rammelsberg, C. F. (1875): Jodargyrit. IN: Handbuch der Mineralchemie
- Bauer, M. (1886): Jodsilber (Jodargyrit, Jodyrit, Jodit). IN: Lehrbuch der Mineralogie
- Okrusch, M. und Matthes, S. (2013): Jodargyrit. IN: Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg
- Takeuchi, E. et al. (2016): Solid-state silver-lithium / iodine dual-function battery formed via self-assembly, Patent.
- www.mindat.org - Iodargyrite

