Akanthit

Akanthit - Ein Silbermineral
Das Mineral Akanthit wurde erstmals 1855 erwähnt. Der Mineraloge Gustav Adolf Kenngott (1818 bis 1897) erläutert in seiner Abhandlung „Ueber den Akanthit, eine neue Species in dem Geschlechte der Silber-Glanze“ den Ursprung des Namens: „Wegen der spitzen orthorhombischen Combinationen, welche die Krystalle dieser neuen Species aufweisen, habe ich dieselbe Akanthit genannt und den Namen von dem griechischen Worte, Dorn, Stachel, entlehnt, weil die aufgewachsenen spitzen Krystalle dem Stücke ein eigenes stacheliges Aussehen verleihen“.
Eigenschaften von Akanthit
Akanthit zählt mit der chemischen Zusammensetzung Ag2S zur Mineralklasse der Sulfide/Silbersulfid.
Die Farbe von Akanthit ist grau bis schwarz bzw. laut Kenngott "eisenschwarz". Der Mineraloge Friedrich Klockmann (1858 bis 1937) beschreibt die Farbe als "dunkelbleigrau", bedingt durch den Schwefelwasserstoffanteil des Minerals.
Ebenso dunkel bzw. schwarz ist die Strichfarbe des silberhaltigen Minerals, die sich beim Streichen über ein unglasiertes Porzellantäfelchen präsentiert.
Akanthit kristallisiert dem monoklinen Kristallsystem folgend und bildet nadelige, pseudokubische Kristalle mit massigen Aggregaten, oder mit den Worten des Mineralogen August Frenzel (1842 bis 1902): "säulenförmig, pyramidale oder cylindrische Kristalle, dorn- oder schwertförmige, oft gewundene Individuen".
Akanthit ist von undurchsichtiger Transparenz und metallischem Glanz auf. Der Bruch ist hakig und uneben, die Spaltbarkeit ist nicht vorhanden.
Mit einer Mohshärte von 2 bis 2,5 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839) gilt Akanthit als ein weiches Mineral, das sich zudem durch eine duktile, geschmeidige Tenazität auszeichnet: Akanthit lässt sich mit einem Messer durchschneiden. Die Dichte beträgt 7,2 g/cm³.
Entstehung und Verbreitung von Akanthit
Akanthit entsteht in hydrothermalen Silbererzgängen unter vergleichsweise niedrigen Temperaturbedingungen. Silberhaltige Lösungen zirkulieren dabei durch sulfidhaltige Gesteine und bewirken Umwandlungsprozesse im vorhandenen Erz, wodurch Akanthit als sekundäres Silbermineral auskristallisieren kann.
Akanthit steht in engem Zusammenhang mit dem Mineral Argentit (Silberglanz). Lange Zeit wurde angenommen, dass viele Silbererze in Form von Argentit vorkommen. Heute gilt als gesichert, dass Argentit nur bei Temperaturen von über etwa 173 °C stabil ist. Kühlt das Mineral unter diese Temperaturschwelle ab, verändert sich die Kristallstruktur: Aus Argentit wird Akanthit, die stabilere Form bei niedrigeren Temperaturen.
Dabei bleibt häufig die äußere Kristallform erhalten.
Der Kristall kann weiterhin wie Argentit aussehen, obwohl der Kristallgitterbau dem von Akanthit entspricht. Ein Vorgang, der in der Mineralogie als Pseudomorphose bezeichnet wird, die ursprüngliche Kristallform bleibt erhalten, obwohl sich das Mineral selbst verändert hat.
Je nach Fundort ist Akanthit mit verschiedenen Mineralien vergesellschaftet, darunter u.a. Silber, Pyrargyrit, Calcit, Quarz, Pyrit, Proustit, Chalkopyrit, Zinkblende und Galenit.
Akanthit ist ein seltenes Mineral, über dessen Vorkommen u.a. aus Südgrönland; Norwegen; Schweden; Schottland; Irland; England; Frankreich; Dippoldiswalde, Bräunsdorf, Frohnau, Annaberg, Langenberg, Schneeberg, Ramsbeck, Siegerland, Rheinbreitbach, Altenkirchen, Bad Ems, Nonnweiler, Obermoschel, Odenwald, Waldhambach, Hagendorf, Oberwolfach, Freiamt, Menzenschwand/Deutschland; Wallis/Schweiz; Niedere und Hohe Tauern, Mostviertel/Österreich, Tschechien; Slowakei; Spanien; Portugal; Italien; Ungarn; Rumänien; Marokko; Namibia; Südafrika; Jemen; Saudi-Arabien; Russland; Georgien; Kasachstan; Usbekistan; China; Japan; Indonesien; Papua Neuguinea; Australien; Neuseeland; Chile; Bolivien; Kolumbien; Venezuela; Mexiko; USA und Kanada berichtet wurde.
Bedeutung und Verwendung von Akanthit
Aufgrund des hohen Silbergehaltes des Minerals wird Akanthit mitunter zur Silbergewinnung abgebaut.
Nachweis und Aufbewahrung von Akanthit
Akanthit ist ein empfindliches Mineral, das auf Licht und Sonneneinstrahlung mit dem Verlust des metallischen Glanzes reagiert. Durch eine Ultraschallbehandlung kann dieser Zustand reversibel gemacht werden.
Akanthit ist in Salpetersäure löslich, wobei Schwefeldämpfe entweichen.

Verwendung und Bedeutung von Akanthit
Akanthit ist ein begehrtes Silbermineral für das auf dem Sammlermarkt beachtliche Preise gezahlt werden, selbst für kleinere Stufen oder Micromounts.
Auch interessant:
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Quellen:
- Kenngott, A. G. (1855): Ueber den Akanthit, eine neue Species in dem Geschlechte der Silber-Glanze. In: Annalen der Physik und Chemie: 95
- Frenzel, A. (1874): Akanthit. IN: Mineralogisches Lexicon für das Königreich Sachsen
- Klockmann, F. (1892): Akanthit. IN: Lehrbuch der Mineralogie für Studirende und zum Selbstunterricht
- Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
- Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
- Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
- Okrusch, M. und S. Matthes (2009): Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg
- Hochleitner, R. (2017): Welcher Stein ist das? Kosmos-Naturführer. Über 350 Mineralien, Edelsteine und Gesteine. Franckh Kosmos Verlag
- www.mindat.org - Akanthite

