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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 09.04.2024


Gelber Jaspis

Gelber Jaspis - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: yellow jasper


Von grünen Steinen und Schlangen

Die Herkunft des Namens Jaspis liegt im Ungewissen.
Schon in der Vergangenheit machten sich Mineralogen, Geologen und Historiker (in der Zeit vor 1900 war die Wissenschaft eine Männerdomäne) Gedanken über die Etymologie des Begriffs Jaspis.

Der Mineraloge Christian August Hoffmann (1760 bis 1813) schreibt: „Wo der Name Jaspis herkomme, ist nicht bekannt; so viel ist indes gewiß, daß er uralt und morgenländischen Ursprungs ist, indem er schon in der hebräischen und griechischen Sprache vorkommt“.

Sein Kollege Louis de Launay (1740 bis 1803) war der Meinung, das Wort Jaspis stammt aus dem griechischen Vokabular: ias, was mit grün übersetzt wird. Gleicher Ansicht war Franz Joseph Estner (1730 bis 1801): „Sein Name stammt aus dem griechischen íασπις her, welches einen grünen Edelstein bedeuten soll“.

Der Lexikograph Johann Georg Krünitz (1728 bis 1796) recherchierte einen anderen Hintergrund: „Viele behaupteten, daß der Jaspiß von einer Schlangenart Aspis den Namen habe, weil er nicht nur in dem Kopfe dieser Schlagen erzeugt wurde, sondern auch so gar mit verschiedenen Farben wie diese Schlange gemischt sey“.

Tatsache ist, dass beide Annahmen möglich sind; Jaspis kann sowohl von grüner Farbe sein, genau wie das Mineral verschiedenste Muster aufweisen kann, die durchaus Ähnlichkeit mit Schlangenhaut haben.



Gelber Jaspis – Die Eigenschaften

Jaspis ist ein Mineral der Quarzgruppe, das unter anderem mit Amethyst, Bergkristall, Citrin, Chalcedon, Achat, Rauchquarz, Prasiolith, Tigerauge und Opal verwandt ist.

Die einzelnen Quarzvarietäten unterscheiden sich nicht nur in Hinblick auf die Farben und mögliche farbgebende Fremdeinflüsse, sondern auch hinsichtlich der Ausprägung der Kristalle. Jaspis zählt zu den mikrokristallinen Quarzen, genau wie Achat, Chalcedon und Onyx, die keine gut ausgebildeten Kristalle bilden, sondern in Form von kompakten, dichten Massen erscheinen.

Jaspis kommt in der Natur in verschiedenen Farben und Mustern vor: gelb, rot, grün, braun und weiß. Das Gelb von gelbem Jaspis – oder Jaspis flava in der historischen Literatur – ist sehr abwechslungsreich und variiert zwischen reinem Gelb, orangestichigem Gelb ockergelb und rötlichem bis bräunlichem Gelb. Dabei kann gelber Jaspis einheitlich gefärbt sein, von helleren oder dunkleren Flecken durchsetzt sein oder achatähnliche Bänder aufweisen, sog. Bandjaspis.

Die Gelehrten der Vergangenheit waren bei der Beschreibung der Farbe von gelbem Jaspis kreativer, poetischer als die heutigen Mineralogiebücher:

  • „ganz gelb, strohgelb mit braunen Adern“ (Schröter, 1780)
  • „bald honiggelb, bald terpentingelb, strohgelb“ (Linné und Gmelin, 1777)
  • „gelber Jaspis mit schwärzlichen Streifen, versteinertem Holze ähnlich“ (Hermann, 1791)
  • „bräunliche und weisse Streifen auf ockergelbem Grunde“ (Bauer, 1896)

Tabelle 1: Die Eigenschaften von gelbem Jaspis
EigenschaftBeschreibung
Chemische Zusammensetzung SiO2
Mineralklasse Oxidmineral
Kristallsystem
  • trigonal
  • mikrokristalline Kristalle
  • körnige, massige oder knollige Aggregate
Farbe gelb in unterschiedlichen Nuancen
Strichfarbe weiß
Glanz glasartig
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Bruch spröde, muschelig
Spaltbarkeit unvollkommen
Mohshärte 6,5 bis 7
Dichte 2,65 g/cm³


Entstehung und Verbreitung von gelbem Jaspis

⇒ siehe Entstehung Jaspis
Gelber Jaspis kommt weltweit an vielen Orten vor, wobei im 18. und 19. Jahrhundert gelber Jaspis aus Ägypten und dem Ural sowie dem Kolwangebirge in Russland als besonders schön und begehrt galt (Georgi, 1798).


Gelber Jaspis – Bedeutung und Verwendung

Gelber Jaspis wird spielt seit mehreren Jahrhunderten bzw. Jahrtausenden einen wichtige Rolle in der Menschheitsgeschichte.
Schon im Alten Ägypten wurden als gelben Jaspis kunsthandwerkliche Gegenstände gefertigt, die antike Gottheiten oder Wesen aus der Mythologie abbildeten, wie beispielsweise Annubis, die Hippe des Saturns, Cybele und Jupiter, die im 19. Jahrhundert zum Fundus des Königlichen Musems der Ägyptischen Altertümer in Berlin zählten (Stosch, 1827).
Darüber hinaus war gelber Jaspis wesentlicher Bestandteil „bei der Herstellung der Florentiner Mosaiken“ (Bauer, 1896). Florentiner Mosaiken – auch Pietra dura genannt – sind aus verschiedenen Steinplättchen zusammengelegte Mosaike, die unter anderem Familienwappen, Ornamenten, Blumen oder Persönlichkeiten abbilden.


Gelber Jaspis als Heilstein

Jaspis war eines der Minerale, mit denen bereits Hildegard von Bingen arbeitete. Sie behandelte mit Jaspis Schmerzen jedweder Art. Heute ist Jaspis aufgrund nicht belegbarer Wirkung in der Medizin von keinerlei Bedeutung, auch wenn der Stein als Chakrastein und Heilstein angeboten wird, der Ruhe, Optimismus und Achtsamkeit und Unterstützung der Willenskraft verspricht.

Tatsächlich kommen an dieser Stelle Elemente aus der Farbenpsychologie zum Tragen. Gelb steht für die Attribute gute Laune, sonniges Gemüt, Heiterkeit, Offenheit und Macht, die sich zum Teil in Produktbeschreibungen von gelbem Jaspis wiederfinden.


Auch interessant:


Quellen:
⇒ Wallerius, J. G. (1750): Jaspisarten. IN: Mineralogie, Oder Mineralreich
⇒ Linné, C. v. und Gmelin, J. F. (1777): Gelber Jaspis, Jaspis flava. IN: Des Ritters C. von Linné vollständiges Natursystem des Mineralreichs, nach der zwölften lateinischen Ausgabe, in einer freyen und vermehrten Uebersetzung, von J. F. Gmelin
⇒ Schröter, J. S. (1780): Jaspis. IN: Lithologisches Real- und Verballexicon
⇒ Hermann, F. B. (1791): Mineralogische Bemerkungen in den altaischen Gebirgen in Sibiren. IN: Bergmännisches Journal
⇒ Krünitz, J. S.; Flörke, H. G. und Korth, J. W. D. (1792): Oekonomische Encyklopädie, oder, Allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- und Landwirthschaft
⇒ Estner, J. F. A. (1797): Versuch einer Mineralogie für Anfänger und Liebhaber. Thon- Talk- Kalk- Barytgeschlecht und Sidneyerde; nebst Bemerkung der in den vorzüglichsten Wiener-Kabineten sich auszeichnenden Mineralien und Fossilien.
⇒ Georgi, J. G. (1798): Jaspis. IN: Geographisch-physikalische und naturhistorische Beschreibung des Russischen Reichs zur Uebersicht bisheriger Kenntnisse von demselben
⇒ Launay, L. d. (1800): Mineralogie der Alten, oder Darstellung der Erzeugnisse des Mineralreichs, wie sie den Alten bekannt waren. Mit historischen Untersuchungen über den Gebrauch, der in jenen Zeiten davon gemacht wurde, und einer vergleichenden Uebersicht der alten und neuen Mineralogie
⇒ Hoffmann, C. A. S. (1812): Handbuch der Mineralogie
⇒ Stosch, P. v. (1827): Verzeichniss der geschnittenen Steine in dem Königlichen Museum der Alterthümer zu Berlin
⇒ Bauer, M. (1896): Gelber Jaspis. IN: Edelsteinkunde. Eine allgemein verständliche Darstellung der Eigenschaften, des Vorkommens und der Verwendung der Edelsteine, nebst einer Anleitung zur Bestimmung derselben für Mineralogen, Steinschleifer, Juweliere, etc
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München


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