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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 29.03.2022


Harmotom

Harmotom - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: harmotome


harmotom Foto
Harmotom

Harmotom, Kreuzstein und Andreasbergolith

Die älteste Beschreibung des Minerals Harmotom stammt aus dem Jahr 1795. Der deutsche Chemiker Martin Heinrich Klaproth (1743 bis 1817) schildert in seinen Ausführungen über die "Chemische Untersuchung der Kreuz-Kristallen, oder des Kreuzsteins vom Andreas-Berge am Harz" die Zusammensetzung und Eigenschaften des Minerals, wobei der Name Kreustein auf die einander kreuzenden Harmotom-Kristalle zurückgeht, die bei der Zwillingsbildung häufig beobachtet werden.

Der Name Harmotom wiederum findet erstmals 1801 bei René-Just Haüy (Mineraloge; 1743 bis 1822) unter dem Titel "Harmotome, c`est-à-dire, qui se divise sur les jointures" Erwähnung. Bei der Namensgebung bezog sich Haüy auf die Gestalt bzw. das scheinbar zusammengesetzte, zusammengefügte Aussehen der kreuzförmig miteinander verwachsenen Kristalle, was dem Mineral den aus dem Griechischen stammenden Namen Harmotom: zusammengesetzter Schnitt einbrachte.

Da St. Andreasberg im Harz/Deutschland als Typlokalität von Harmotom definiert wird, wird das Mineral teilweise auch als Andreasbergolith bezeichnet.

Eigenschaften von Harmotom

Harmotom, bestehend aus (Ba,K)1-2(Si,Al)8O16·6H2O, wird der Systematik der Minerale zufolge den Silikatmineralen zugeordnet.
Differenzierter betrachtet ist Harmotom ein Vertreter der Zeolithe, speziell handelt es sich bei Harmotom um einen Würfelzeolith.

Die Farbe von Harmotom kann weiß bzw. "mattweiß" nach Haüyn 1806, aber auch hellbraun, rosa, gelb oder farblos sein.
Die Strichfarbe ist weiß.

Harmotom kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und bildet dicke tafelige oder säulenförmige Kristalle, angeordnet zu körnigen oder massigen Aggregaten, die "fast ohne Ausnahme vorkommende kreuzförmige Zwillingsverwachsungen" (Liebig et al. 1848) aufweisen.

Das Zeolith-Mineral zeichnet sich durch einen glasartigen Glanz aus und ist von durchsichtiger bis durchscheinender Transparenz. Harmotom weist eine vollkommene Spaltbarkeit auf, der Bruch ist uneben bis halbmuschelig.

Die Mohshärte von Harmotom beträgt 4,5 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839) bei einer Dichte von 2,41 bis 2,5 g/cm³.


Entstehung und Verbreitung von Harmotom

Harmotom ist ein Mineral hydrothermalen Ursprungs und kristallisiert sowohl in Blasenhohlräumen magmatischer Gesteine wie auch in Pegmatiten und auf erzhaltigen Gesteinen.

Dabei werden die Vorkommen von weiteren Zeolithen begleitet, aber auch Pyrit, Quarz, Baryt, Zinkblende, Galenit, Calcit und Leucit sind mit Harmotom vergesellschaftet.

Funde des Minerals sind unter anderem in Schweden; Finnland; Schottland; Irland; England; St. Andreasberg, Nesselgrund bei Schnellbach, Eifel, Odenwald und Hegau/Deutschland; Koralpe, Stubalpe, Weiz, Graz, Oberpullendorf und Waldviertel/Österreich; Italien; Tschechien; Slowakei; Russland; Japan; Neuseeland; Mexiko und in den USA möglich.


Verwendung und Bedeutung von Harmotom

Da die weltweiten Vorkommen von Harmotom auf vergleichsweise wenige Lagerstätten verteilt sind, kommt Harmotom die Bedeutung als Sammlermineral zu. Mitunter kommt Harmotom aber auch als Ionenaustauscher, bspw. in Wasserenthärtern, zum Einsatz.


Nachweis von Harmotom

Harmotom ist in Salzsäure löslich und schmilzt leicht in der Flamme.


Auch interessant:


Quellen:
⇒ Klaproth, M. H. (1795): Chemische Untersuchung der Kreuz-Kristallen, oder des Kreuzsteins vom Andreas-Berge am Harz. IN: Bibliothek der neuesten physisch-chemischen, metallurgischen, technologischen und pharmaceutischen Literatur
⇒ Haüy, R.-J. (1801): Harmotome, c`est-à-dire, qui se divise sur les jointures. IN: Traite de mineralogie, Band 2
⇒ Haüy, R. J. und Karsten, D. L. G. (1806): Lehrbuch der Mineralogie
⇒ Liebig, J. v. und Poggendorff, J. C. (1848): Handwörterbuch der reinen und angewandten Chemie
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
www.mindat.org - harmotome

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