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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 20.01.2020


Travertin

Travertin - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: travertine | französisch: travertin

travertin Foto
Bild 1: Travertin mit stalaktitischem Gefüge; Fundort: Bad Langensalza/Thüringen

Travertin - Ein vielseitiges Gestein

Ursprünglich wurde das Gestein Travertin Lapis Tiburtinus genannt - Stein von Tibur. Der Name Tibur ist die frühere Bezeichnung für die Stadt Tivoli in Italien, wo in der Vergangenheit Travertin abgebaut wurde. Mit der Zeit wandelte sich der Begriff Lapis Tiburtinus in den Namen Travertin um.

Inhaltsverzeichnis Traverin

Eigenschaften von Travertin

Definition Travertin: Travertin ist ein Sedimentgestein, das ein Vertreter der Kalksteine ist.
Travertin zählt zu den sogenannten monomineralischen Gesteinen, d.h., das Gestein besteht zum größten Teil aus einem bestimmten Mineral – dem Hauptgemengteil, namentlich Calcit.
Mit einem Anteil von bis zu fünf Prozent sind Tonminerale, Hämatit, Limonit und Quarz an der mineralischen Zusammensetzung von Travertin beteiligt.
Das Gefüge von Travertin ist porös, stalaktitisch oder stalagmitisch. Ein auffälliges Merkmal von Travertin sind die Zeichnungen: hellere und dunklere „Lagen“, die in Form von mehr oder weniger gleichmäßigen Bändern, Marmorierungen, Wellen, Streifen oder Flecken zutage treten und Ausdruck der Entstehung sowie der mineralischen Komponenten des Gesteins sind.
Trotz der hohen Porosität gilt Travertin als frostsicher und resistent gegen die Frostsprengung als Verwitterung bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Deshalb kann das Gestein auch als Fassadenverkleidung im Außenbereich eingesetzt werden. Dennoch kann es nach Jahren zu Veränderungen der Farbe und Oberfläche kommen. Unter dem Einfluss der Verwitterung wird Travertin dunkler und matter.
Dass sich Travertin bereits seit Jahrhunderten als Werkstein bewährt hat, ist auch der Härte des Gesteins zu verdanken. Mit einer Mohshärte von 3 ist Travertin vergleichsweise weich und lässt sich leicht bearbeiten. Die Dichte von Travertin beträgt 2,69 bis 2,72 cm³.


travertin_gestein - Aufnahme des Minerals
Bild 2: verschiedene Travertin-Gefüge von Langensalzaer Travertin

Die Farbe von Travertin

Travertin ist ein sehr abwechslungsreiches Gestein: nicht nur, was die Muster und Zeichnungen betrifft, sondern auch die Farbe.
In der Petrologie wird Travertin den hellen Gesteinen zugeordnet, wobei die Farbe ursächlich auf die gesteinsaufbauenden Minerale zurückzuführen ist.
Neben weiß, creme, elfenbein und beige kann Travertin auch von brauner, hell- und dunkelgrauer, silbrig-grauer, gelblicher bis goldbrauner, rotbrauner bis korallenroter Farbe sein.
Während die Beige- und Brauntöne von Travertin mit Eisenverbindungen im Gestein begründet werden, färben Tonminerale das Gestein gräulich, gelblicher Travertin entsteht infolge von Limonit, Hämatit bewirkt eine rotbraune Färbung und Quarze verleihen Travertinen eine helle, fast weiße Farbe.
Anhand der Farbe können nicht nur Rückschlüsse auf die farbgebenden Minerale oder organischen Beimengungen gezogen werden, sondern bisweilen auch auf den Fundort.


Entstehung und Verbreitung von Travertin

Als Gestein sedimentären Ursprungs wird Travertin vor allem im Bereich um heiße und kalte Quellen oder kleine Seen ausgeschieden, kann aber auch aus der Zersetzung von Marmor oder Kalkstein, die als Calciumlieferant dienen, hervorgehen.
Voraussetzung für die Entstehung von Travertin ist saures Wasser, das über die Kohlensäureverwitterung Calcium aus dem Ursprungsgestein löst. Bei Sättigung der zirkulieren Lösung oder über die Verdunstung von Wasser wird der Süßwasserkalk (Sinter) schließlich ausgefällt und bildet mit der Zeit ein kompaktes Gestein. Entstehungsbedingt gleichen viele Lagerstätten Kaskaden, Kegeln oder Terrassen. Im Vergleich zu anderen Gesteinen ist Travertin ein junges Gestein, das ca. 2 Mio. Jahre alt ist.
Wie bereits erwähnt, weist Travertin mitunter ein sehr ausgeprägtes porenreiches Gefüge auf, das an einem Schwamm erinnert. Die Hohlräume im Travertin sind auf Unterwasserpflanzen wie Cyanobakterien, Moose und Algen zurückzuführen, die zum Zeitpunkt der Entstehung von Travertin Bestandteil der kalkhaltigen Lösungen waren, förmlich eingeschlossen waren und sich zersetzten und als Zeugnis ihrer Existenz die markanten Hohlräume hinterließen.
Bedeutende Travertin-Vorkommen existieren vielerorts weltweit; auch wenn Römische Travertin (Handelsname Romana Classico oder Travertino Classico), der auch heute noch in der Gegend um Tivoli abgebaut wird, als der Inbegriff von Travertin gilt. Weitere bedeutende Travertin-Steinbrüche befinden sich u.a. in Sliac/Slowakei; Bregenzerwald/Österreich; Auvergne/Frankreich; Latium (Tivoli), Toskana, Sizilien/Italien; Kroatien; Bulgarien; Armenien; Türkei; China; Oklahoma, Texas, Wyoming (Yellow Stone Nationalpark)/USA und Guatemala.


travertine - Mineral und Kristalle
Bild 3: Travertin im Detail

Travertin in Deutschland

Die Vorkommen von Travertin in Deutschland sind auf zwei Bundesländer beschränkt:

  • Baden-Württemberg
    • Bad Cannstatt (Canstatter Travertin), Blumberg, Gauingen und Riedöschingen
  • Thüringen
    • Bad Langensalza (Langensalzaer Travertin), Clingen, Gräfentonna, Greußen und Mühlhausen
    • Bad Tennstedt
    • Ehringsdorf
    • Jena
    • Klein-Ballhausen
    • Kindelbrück
    • Mühlberg
    • Taubach
    • Weimar

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Bedeutung und Verwendung von Travertin

Travertin ist vor allem für die Bauindustrie von Interesse, wird insbesondere als Naturstein für Steinplatten, als Fassadenstein, Fliesen, Bodenplatten oder Arbeitsplatten verwendet (teilweise unter dem Handelsnamen Antikmarmor), wobei die Peterskirche und das Kolosseum in Rom, die Marktkirche St. Bonifacius in Bad Langensalza sowie die Fassadenverkleidung des Auswärtigen Amts in Berlin als Beispiele zu nennen sind, bei denen Travertin verbaut wurde. Weiterhin nutzen Steinmetze Travertin als Werkstein für Grabsteine und Skulpturen.
Travertine sind ebenso in der Geochronologie für die Datierung von Lagerstätten von Bedeutung. Aufgrund des schichtartigen bzw. gebänderten Aufbaus des Gestein kann anhand der „Baumringe“ das Alter von Travertinen bestimmt werden.


Travertin und Marmor

Travertin und Marmor sind zwei Steine, die sich auf den ersten Blick sehr ähnlich sind.
Im Vergleich zu Travertin ist die Farbvielfalt von Marmoren wesentlich größer. Marmor kann sowohl von grauer wie auch cremeweißer, roter, grüner, blauer und silberartiger Farbe sein. Genau wie bei Travertin ist die Farbe von Marmor auf das Vorhandensein von bestimmten Mineralen zurückzuführen. Im Gegensatz zu Travertin enthält Marmor eine Vielzahl von Mineralen, die metamorphen Ursprungs sind, darunter zum Beispiel diverse Glimmer (Muskovit, Biotit, usw.) und Granat.
Die chemische Zusammensetzung ist dennoch leicht ähnlich. Wie Travertin auch besteht Marmor zum Großteil aus Calcit.
Eine weitere Gemeinsamkeit von Marmoren und Travertinen ist dieselbe geringe Härte und Dichte.
Der Hauptunterschied beider Gesteine ist die Klassifikation. Travertin ist ein Sedimentgestein, Marmor ist ein metamorphes Gestein, das aus der Umwandlung anderer Gesteine unter hohen Druck- und Temperaturbedingungen hervorgegangen ist.

Siehe auch:
Gestein des Jahres - Wirtschaftlich bedeutende Steine
Fulgurit - Versteinerte Blitze
Steine für den Steingarten

Quellen:
⇒ Okrusch, M. und S. Matthes (2009): Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Maresch, W., Medenbach, O.; Trochim, H.-D. (1987): Die farbigen Naturführer Gesteine. Mosaik Verlag GmbH München*
⇒ Murawski, H. (1992): Geologisches Wörterbuch. Ferdinand Enke Verlag Stuttgart

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Letzte Aktualisierung: 20. Januar 2020

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