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Ambra, Amber, Bernstein und Parfüm



Auch wenn sprachlich eine Verwandtschaft zwischen Amber und Bernstein (engl.: amber) besteht, sind beide Materialien verschiedenen Ursprungs. Doch was ist Ambra? Und was ist der Unterschied zwischen Amber und Bernstein?



Bernstein in Parfüm?

Inhaltsverzeichnis

Definition Amber/Ambra

Amber ist ein Produkt, das im Zuge von Stoffwechselvorgängen unverdaulicher Nahrungsreste im Darm von Pottwalen gebildet und heutzutage als Inhaltsstoff von Parfüms eingesetzt wird.

Historischen Beschreibungen zufolge wurde Ambra in der Vergangenheit vor allem als Arznei verwendet.
Caspar Neumann (1683 bis 1737, deutscher Apotheker und Chemiker) schreibt 1736, dass Ambra eine „officinale pharmaceutische Substanz“ ist. Der deutsche Arzt und Naturforscher Adam Lonitzer (1528 bis 1586) führt in seinem Kreuterbuch aus dem Jahr 1573 die medizinische Nutzung näher aus: „ist gut den lamen Gliedern | stercket das Herz und Hirn | reinigt die Brust“. Johann Georg Krünitz ( 1728 bis 1796, deutscher Arzt) beobachtete die euphorisierende und aphrodisierende Wirkung von Ambra: „macht munter und fröhlich, mehret den Samen“.


Bernstein

Ebenso wie Amber ist Bernstein auch ein Produkt organischen Ursprungs. Das Ausgangsmaterial von Bernsteinen ist das Harz von Kiefern, das im Laufe von Jahrmillionen erhärtet und heute als Gold der Ostsee an den Strand gespült wird.

Farblich ist Bernstein deutlich von Amber bzw. Ambra zu unterscheiden, da Bernstein vorwiegend goldgelb, gelbbraun, rotbraun bis braun ist, und die Farbe von Ambra grau ist.


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Die Eigenschaften von Ambra

Auch wenn im Zusammenhang mit Ambra vor allem die Rede von der grauen Ambra ist, kann Ambra verschiedene Farben aufweisen.

Frisch ausgeschiedene Ambra ist von weißer Farbe, laut Krünitz: „schwammigt, schmutzig, wie ein verdorbner Speck“ und verströmt einen bisamartigen „animalischen Geruch“ (Wallerius).

Wallerius erkannte 1763 Unterschiede in Hinblick auf die Farbe von Ambra:

wobei ihm zufolge die schwarze einfarbige Ambra sehr unangenehm riecht, während die schwarzfleckige Ambra die teuerste mit dem edelsten Aroma ist.

Tatsächlich ist die Farbe ein Hinweis auf das Alter der Ambra. Frische Ambra ist weiß und riecht intensiv nach Verwesung und Exkrementen. Unter dem Einfluss von salzigem Meerwasser, Wärme und Oxidation verändern sich Farbe (hin zu einer hell- bis mittelgrauen Masse), Konsistenz und Duft. Der animalische Geruch wird milder und angenehmer, das Material härter und die vormals weiche Masse setzt eine Art Verwitterungsrinde an.

Dass Ambra viele Jahre über weite Distanzen im Meer umhertreibt, bis es an den Strand gespült oder mit Fischernetzen gefangen wird, wird mit der geringen Dichte der Ambra begründet. Die Dichte von Ambra beträgt 0,8 bis 0,9 g/cm³ und ist mit der Dichte vom ebenfalls auf dem Meerwasser schwimmenden Bernstein (1,05 bis 1,096 g/cm³) vergleichbar und führt deshalb zu Verwechslungen.

Dennoch unterscheiden sich Ambra und Bernstein in einigen Punkten deutlich voneinander. Die Transparenz von Ambra ist undurchsichtig, während Bernstein von durchsichtiger, durchscheinender oder undurchsichtiger Transparenz sind.
Ein weiterer Anhaltspunkt zur Unterscheidung von Bernstein und Ambra ist der Glanz. Bernstein zeichnet sich durch einen harzartigen Glanz aus, Ambra ist von wachsartigem Glanz. Zudem wird Ambra weich, wenn man es länger in den Händen hält. Bernstein dahingegen verändert die Konsistenz bzw. Haptik bei Berührung nicht.


Entstehung von Ambra

Wie Ambra entsteht, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Fest steht, dass Ambra ein Verdauungsprodukt von Pottwalen ist, die Ambra entweder erbrechen oder als Kot ausscheiden.

In der historischen Literatur zum Thema Ambra wurde bereits früh über den Ursprung von Ambra diskutiert. Eine Annahme war die direkte Herkunft von Walen.

Krünitz führt aufgrund der wachsartigen Konsistenz Bienen als Produzent von Ambra auf: „Ambra (ist) nicht anders, als Honig und Wachs (…), welches die Bienen an den großen Klippen am Strande des Indianischen Meeres zusammentrügen“- Weiterhin nennt er Ambra als „auf dem Grunde des Meeres erzeugtes Erdpech“, während Caspar Neumann den Ursprung der Ambra grisea in Vogelmist sieht, da man in der Ambra „Vogel-Schnäbelchen“ und „kleine Klauen“ gefunden hat. Konkret beziehen sich seine Überlegungen auf einen Vogel namens Anacangrisapasqui, der auf den Malediven heimisch ist und das ambertypische Aroma auf dessen Nahrung fußt, weil der Vogel „Kräuter ässe, seinen hiervon entstandenen kostbaren Koth auf die Felsen und Klippen, in und der See fallen ließe (…), des Nachts von den Monden gereinigt (…) zu Ambra grysea maturiret, praepariret und perfectioniret“. Jene Stoffwechselendprodukte werden anschließend von Walen als Nahrung aufgenommen und als Ambra ausgeschieden.

Interessanterweise gab es bereits früher künstlich hergestellte Ambra: Ambra facita (Krünitz), die aus einer Mischung von Muskatnuss und -blüten, Zimt, Nägeln, indischer Narde, Bisam, Rosenwasser, Ladanum-Harz, Paradiesholz, Storax und Benzoe angemischt wurde und teilweise auch zum Strecken von echter Ambra verwendet wurde.


Amber und Ambra

Damit es im englischsprachigen Raum nicht zu Verwechslungen von Amber mit Bernstein kommt, wird

  • Bernstein unter der englischen Vokabel amber geführt,
  • während Amber in englischen Wörterbüchern mit ambergris, teilweise auch grey amber übersetzt wird.

  • Amber in Parfüm

    Echtes Amber wird heutzutage nur noch in wenigen Parfüms als Rohstoff eingesetzt, vorrangig in hochpreisigen Luxusparfüms. Vielmehr wird die Duftkomponente Amber synthetisiert, was erklärt, dass auch Parfüms aus dem Niedrigpreissegment Amber als Duftnote enthalten.

    Amber galt in der Antike als Aphrodisiakum und wird auch heute noch als verführerisch, erotisch, anziehend und geheimnisvoll, aber auch warm beschrieben.


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    Siehe auch:
    - Bernstein und Phosphor - Zum Verwechseln ähnlich
    - Echten Bernstein erkennen
    - Butterscotch-Bernstein


    Quellen:
    ⇒ Wallerius, J. G. (1763): Mineralogie, oder Mineralreich
    ⇒ Neumann, C. (1736): Disquisitio De Ambra Grysea
    ⇒ Lonitzer, A. (1573): Kreuterbuch, Kunstliche Conterfeytunge der Bäume, Stauden, Hecken, Kräuter, Getreyde, Gemürtze
    ⇒ Krünitz, J. G. (1773): Oeconomische Encyclopädie: oder, Allgemeines System der Land-, Haus- und Staatswirthschaft
    ⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
    ⇒ Reinicke, R. (2007): Steine am Ostseestrand. Demmler Verlag Schwerin
    ⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
    ⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
    ⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
    ⇒ Maresch, W., Medenbach, O.; Trochim, H.-D. (1987): Die farbigen Naturführer Gesteine. Mosaik Verlag GmbH München
    ⇒ Murawski, H. (1992): Geologisches Wörterbuch. Ferdinand Enke Verlag Stuttgart
    ⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
    ⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag Münchenportant; margin:0px !important;" />

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    Letzte Aktualisierung: 20. April 2020




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